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bonnement prets: in Gießen, abgeholt monatlich 50- Bfs., a's Haus gebracht 60 fg, burch die Poft bezogen viertel fahrlich M. 1.50.
Grattabellagen: Oberhefftsche Familienzeitung( täglich) Oberbeffifche Beitschrift für Landwirtschaft, bt- xub lastenban, sowie bie Gießener Geffenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen naduttags.
Donnerstag, den 10. Dezember 1903.
Gießener
12. Jabraang.
Insertion pret te cursaltige Betingeile für Stehen wu gany Oberheffen, bie Kreise Weblar und Warburg 10 Vfg. foft 15 Bfg.: Refismen die Betitzelle 30 resp. 40 fs.
Boftzeitungsliste No. 3000.
Sebation und Ervebition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanfish Mr. 282.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Sichener Beitung
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.
Bekanntmachung.
Von dem zur Deckung der Geländeerwerbskosten für Ben Bahubau Grünberg- Londorf durch den freis Gießen im Jahre 1895 aufgenommenem Kapital on 80 000 Mt. find per 1. März 1904 zur Rückzahlun ausgeloft die Obligationen Lit. B. Nr. 15 über 500 Mt., ILit. C. Nr. 16 über 200 mt. und Lit. D. Nr. 1, 28, 53, 54 und 55 über je 100 Mt.
Gießen, den 7. Dezember 1903.
Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Breidert.
Verficherungsreformen.
Dem Reichstage werden, wie unser parlamentarischer Mitarbeiter hört, auch in dieser Session mehrere Verbessenungsvorschläge der staatlichen Aufsicht unseres Versiche rungswesens zugehen. Die gewaltige Ausdehnung, die das Bersicherungswesen bei uns zu Lande in den letzten Jahren genommen hat, ist vom wirtschaftlichen Standpunkte aus nur zu begrüßen. Die Versicherung von Leben und Erwerbsfähigkeit, von Feuer-, Haftpflicht, Transport- und Hagelschaden ist ein gesunder Schutz gegen die Zufälligkeiten des Lebens und verdient als ein Faktor der ökonomischen Selbsthilfe alle Beachtung. Unsere Regierung hat das längst eingesehen und den privaten Instituten, die sich diesen Induft rie"-3weig zur Bewirtschaftung ausersehen haben, staatliche Einrichtungen an die Seite gestellt, die besonders auf dern Gebiete des Arbeiterschutzes ihre segensreiche Wirkung ichom heute hinreichend dargetan haben. Natürlich fehlt es bei der Ausbreitung dieser Bewegung nicht an spekulativen Unternehmungen, die nur dazu in die Welt gesetzt werden, um ihren Aktionären fette Erträge abzuwerfen. Aber das Auge der Regierung wacht gottlob recht scharf, und allzu große Ausschreitungen auf diesem Gebiete sind in den letzten Jahren nicht mehr vorgekommen.
Das Interesse der Allgemeinheit hat natürlich mit der Ausdehnung des Versicherungswesens beträchtlich zugenommem. Man wartet heutzutage nicht mehr, bis zufällig ein Agent den Weg zu einem findet, sondern hält es beispielsweise geradezu für eine Pflicht der Selbsterhaltung, sofort mit der. Begründung einer Familie eine Mobiliar- Feuerversicherung zu nehmen und so wenigstens den Besitzstand der Aussteuer von vornherein zu gewährleisten. Bei solchem Interesse muß es allerdings Wunder nehmen, daß sich vielfach die Versicherungsnehmer gar nicht recht klar darüber jind, was und wie sie nun eigentlich versichert haben. In jedem solchen Versicherungsantrage befindet sich ein Passus, in dem der Antragsteller bestätigt, die Versicherungsbedingungem genau zu kennen. Wie oft ist das aber in der Tat der Fall? Wenn heute einer einen Tausendmarkschein erhält, so sieht er sich das Papier sehr genau an. Wenn er aber eine Polize empfängt, die meist über eine viel größere Summe lautet, so verläßt er sich vielfach auf die Erklärungen irgend eines ihm sonst im Leben recht fernstehenden Agenten. So fommt es, daß im Falle des Schadens sehr häufig Streitigkeiten zwischen der betreffenden Versicherungsgesellschaft und dem Beschädigten entstehen, der sich jahrelang in dem Glauben befunden hatte, gegen irgend etwas versichert t sein, was in seinen Versicherungsbedingungen ausdrücklich als nicht mitversichert bezeichnet war. Wachsendes Mißrauen gegen alles, was Versicherung heißt, ist natürlich die nausbleibliche Folge. Um solchen Mißhelligkeiten vorzuheugen, besteht seitens der guten Gesellschaften seit längerer Zeit schon das Bestreben, die Risifen schärfer zu präzisieren mid ihr versichertes Gebiet zu vergrößern. So ist jetzt von einzelnen Versicherungsgesellschaften die dankenswerte Vorfehrung getroffen worden, die Feuerversicherung, beispielsmeise auf eine allgemeine Elementarversicherung auszudehnem, die alle Beschädigungen umfaßt, die Immobilien oder Mobilien durch Unwetter zugefügt werden könnten. Es läßt sich erwarten, daß dieses Beispiel Nachahmung finden wird. Bisher galt die Feuerversicherung nur für Feuerschäden als olche, schloß zwar die Gewittergefahr ein, ließ aber offen Stellen, sobald es unklar geblieben war, ob nun der Blitz dier das Unwetter als solches, Sturm und dergleichen Ursache des Schadens gewesen. Auch Beschädigungen durch Wasser waren nur dann entschädigungspflichtig, wenn sie in unmittelbarem Zusammenhange mit einem Schadenfeuer itamden, also mit anderen Worten durch die Feuerwehr verur jacht worden waren. Weite Gebiete des Elementarschadens loogen also. völlig brach, so beispielsweise alle Schäden, die durch Sturm, und viele, die durch Ueberschwemmungen vermilaßt waren. So wie auf diesem Gebiete liegen die Dinge aunch auf anderem. Auch Unfall, Haftpflicht- und Hagelbersicherungen, wie sie heute sind, weisen noch breite Lücken auuf, die mur aufmerkſamſtes Studium der Versicherungsbedingungen erkennen läßt. Man wird also nach wie vor ne halten sein, nicht ohne weiteres auf mündliche Zusiche nungen zu bauen, sondern, bevor man eine Versicherung abidiließt, sich eingehend von ihrem Umfange an überzeugen. rm allgemeinen ist ja, mie gesagt, das Bestreben der Berficherungsgesellschaften unverkennbar, ihre Versicherten aufallären und ihre Garantien zu erweitern.
Die Bruttoprämieneinnahme der deutschen Versicherungsunternehmungen
betrug für das Geschäftsjahr 1901 nach dem an den Reichstag gelangten ersten Berichte des Aufsichtsamtes für Privatver ficherung 559,1 Millionen Mart, die sich auf 916 Gesellschaften verteilen. Davon entfielen 335,5 Millionen auf die Lebensversicherung, 40 auf die Unfall- und Haftpflichtversicherung, 23,7 Millionen auf die Hagelversicherung, 8,7 Millionen auf die Viehversicherung, 146,4 Millionen auf die Feuerversicherung, Versicherung gegen Sturmschäden, Wasserschäden und Diebstahl, 4,8 Millionen Mark auf sonstige Versicherungsmeige. Die 82 ausländischen Versicherungsunternehmungen erzielten aus dem deutschen Geschäft 56,2 Millionen Mark.
Deutfcher Reichstag.
( 3. Sigung.) CB. Berlin, 9. Dezember. Chronologisch die dritte, ist heute in der Tat' aber die erste Sigung. Sie zeigt das Gepräge eines großen Tages": denn nicht bloß das Haus, sondern auch der Bundesratstisch ist start besetzt. Allen voran der Reichskanzler. Auf der Tagesordnung steht die
erste Beratung des Etats,
der von dem neuen Reichsschaßsekretär Frhrn. v. Stengel in langer, Siede erklärt wird. Frhr. v. Stengel hat por seinem Vorgänger, dem Frhrn. v. Thielmann, einen großen Vorzug voraus er spricht, nicht vom Bundesratstisch, sondern von der Rednertribüne, flar und deutlich, so daß er allgemein verständlich ist. Er beginnt:
Ich bedaure lebhaft, mit einem Etat zu debütieren, der feinen freundlicheren Anblick bietet, wie der vorliegende", und wirst zunächst einen Blick auf die Ergebnisse des Reichshaushalts im Jahre 1902, dabei konstatierend, daß dessen ungünstige Ergebnisse weniger verschuldet worden seien durch Mehrausgaben, als vielmehr durch das Zurückbleiben der Einnahmen hinter dem Voranschlage. So besonders bei der Zuckersteuer. Im Gegensate dazu hätten die Ueberweisungssteuern den Voranschlag überschritten. Was das laufende Jahr 1903 anlange, so schäße er, mit allem Vorbehalt, den Fehlbetrag für dieses Jahr auf etwas über 20 Millionen. Gegen 1902 sei das zwar ein etwas besseres Ergebnis; immerhin aber sei ein solcher Fehlbetrag noch groß genug. Auch die laufenden Ausgaben des Jahres 1904 fönnten wieder nicht bestritten werden, ohne einen ansehnlichen, Betrag durch Ueberweisungen ungedeckter Matrikularbeiträge und ohne eine namhafte Anleihe. Ein Mehr an ungedeckten Matrifularbeiträgen über den Betrag des laufenden Jahreshinaus könne den Einzelstaaten nicht zugemutet werden, ohne deren finanzielle Leistungsfähigkeit in Frage zu stellen. Der Schwerpunkt der Vorlage liege in der Einschränkung der Franckensteinschen Klausel und sodann in der Aenderung des Artikel 70 der Verfassung. Man habe die Vorlage eine Dynamitbombe genannt, ihr Tendenzen nachgesagt, die sie nicht besize. Man habe ihr nachgesagt, sie bedeute einen Zwang zu neuen Steuern. Diese Preßerzeugnisse, diese Kritik der Presse sei nur ein Zeichen dafür, welche Verworrenheit bisher geherrscht habe.
Bravo auf der rechten Seite begleitete die Rede des neuen Schazsekretärs. Der Reichskanzler schien ärgerlich über die fühle Ausnahme, welche die Rede fand.
Als ersier Sprecher aus dem Hause ergriff dann das Wort der
Etatsredner des Zentrums, Abgeordneter Dr. Schädler. Er gedachte zunächst unter allseitigem Beifall der Heilung des Kaisers, streifte furz die internationale Lage, die nicht die rosigste sei, und mahnte die Regierung, uns nicht in eine neue Isolierung geraten zu lassen. Was den Etat anging, so begrüßte er die Stellenvermehrung für Unteroffiziere, hielt aber die Erhöhung der Oberstleutnantsgehälter für nicht so nötig, wie
bungen und 80 Millionen Mark 4 proz. Schabanweisungen, zusammen also 3103 Millionen Mark oder rund drei Milliarden. Von Anleihekrediten waren nur noch verfügbar 6 787 946 Mark. Die tatsächliche Verzinsung der gesamten Reichsschuld stellt sich im Durchschnitt auf 3,4434 Prozent.
Das preußische Staatsministerium hat sich, wie bereits erwähnt, in letzter Zeit mit der Revision des Militärpensionsgesetzes beschäftigt. Die mehrfach aufgetauchte Annahme, das Ministerium habe die nunmehr dem Bundesrat zugegangenen Entwürfe über diese Materie wesentlich verändert, trifft nicht zu, die vorgenommenen Aenderungen halten sich vielmehr in sehr engen Grenzen.
Im preußischen Etat für 1904 wird sich ein Posten zur Unterstützung der Errichtung einer Versuchs- Müllerei und Bäckerei in Berlin finden. Auch das Reich wird für die Versuchs- Müllerei und Bäckerei Mittel bewilligen. Uebrigens hat das Reich auch der sich immer mehr erweiternden Deutschen Versuchsanstalt für Lederindustrie zu Freiberg i. S. Beihilfen zukommen lassen.
Innerhalb der preußischen Regierung werden gegenwärtig Erwägungen darüber angestellt, ob das Hochwasserschutz- Gesetz für Schlesien sämtliche Fragen des Hochwasserschutes regeln wird, oder ob einzelne Teile( wie die Deich gesetzgebung) für den ganzen Staat eine besondere gesetzliche Behandlung erfahren werden. Der dem preußischen Landtage in seiner nächsten Session vorzulegende Entwurf für die Hochwasserregulierung wird die Kosten dieses Projektes auf 8 Millionen beziffern, von denen 5 Mill. auf Regulierungsbauten und 2 Millionen auf die im Interesse der Stadt Breslau projettierten Deichbauten entfallen. An der Aufbringung dieser 8 Millionen werden sich neben dem Staate der Provinzialverband von Schlesien und die Stadt Breslau it größeren Beträgen zu beteiligen haben.
frankreich.
† Die französischen Bonapartisten versuchen jezt einen neuen Tric, um der Dynastie Bonaparte wieder auf den Thron zu verhelfen. Eine Anzahl bonapartistischer Deputierten haben eine neue Partei gegründet, die für die Republik mit einem Konsul an der Spize Propaganda machen will. Als Kandidat für den Posten des Konsuls wird Prinz Victor Napoleon betrachtet. Selbstverständlich ist der Hintergedanke der Bonapartisten dabei, daß Victor Napoleon, einmal Konsul geworden, das Beispiel des ersten und dritten Napoleon nachahmen und sich zum Kaiser machen werde.
Auf die verfahrenen Verhältnisse im französischen Heere wirft wieder ein Vorfall ein bezeichnendes Licht, der aus Paris berichtet wird. Danach soll der pensionierte General Cornuliers, früher Divisionsfommandant in Nancy, auf Antrag des Kriegsministers vor ein Disziplinargericht gestellt werden, weil er in einem Blatte in heftigen Worten das Vorgehen des Kriegsministers fritisiert hatte, der ihn, entgegen dem bisherigen Brauch, nicht zum Korpskommandanten ernannt hätte. Das Disziplinargericht soll entscheiden, ob die Pensionierung des Generals nicht in schlichten Abschied umgewandelt werden soll. Es ist in der Tat ein starkes Stück und ein Zeichen trassester Insubordination, wenn ein Offizier in dieser Weise seinem Unmut über eine Nichtbeförderung Luft macht.
England.
* Die gestern gemeldete Verfürzung des britischen Heeresetats durch das Londoner Kriegsamt hat eine unerwartete Folge gehabt: Lord Roberts will seinen Abschied als Generalissimus der englischen Armee einreichen. Als sein mutmaßlicher Nachfolger wird der Herzog von Connaught ge
nannt.
Seit der jüngsten englisch- französischen Verbrüderung sind auch die sonit gar nicht sentimentalen Briten bemüht, den neuen Freunden möglichst liebreich zu begegnen. Um die Empfindlichkeit Frankreichs zu schonen, haben sie den Namen des aus dem französisch- englischen Streit befannten Ortes Faschoda in Cavac geändert. Diese Umtaufe wird nun frei. in dem Faschodastreit nicht ersticken.
die beffere Verſorgung der Invaliden, um derentwillen das lich das bittere Gefühl der Franzoſen über ihre Niederlage
Zentrum auch für eine Wehrsteuer zu haben sein würde. Nach einer entschiedenen Erklärung gegen die Ostmarkenzulagen beschwerte sich der Redner über zu große Forderungen für Marine und Kolonien im Etat und ging dann zu der neuen Finanzreformvorlage über. Das Zentrum stehe ihr nicht strikt ablehnend gegenüber, habe aber Beoenfen gegen die starte Einschränkung der Franckensteinschen Klausel. Der Redner beantragte schließlich Verweisung des Entwurfs an eine Kommission. Zum Schluß verbreitete er sich über die Forbacher Affäre und die jüngsten Soldatenmißhandlungen. In beiden Fällen verlangte er unter lebhaftem Beifall des Hauses entschiedene Remedur. Redner jofft, daß der Kriegsminister mit eisernem Besen auskehren werde. Er verbreitet sich schließlich über die sozialpolitischen und wirtschaftlichen Aufgaben Deutschlands. bertagte sich das Haus auf morgen 1 Uhr.
Die Politik.
Darauf
* Die verzinsliche Schuldenlast des Reiches umfaßte, wie jezt amtlich bekannt wird, Ende September 1240 Millionen 3pros., 1783 Millionen Mart 3pros. Schuldverschrei
Skandinavien.
Der norwegische Storthing hat die Vorlage wegen Einführung des staatsbürgerlichen Wahlrechts für Franen einstimmig verworfen.
Alien.
Weitere Nachrichten aus Ostasien bestätigen die Auffajjung, daß der Friede zwischen Japan und Rußland als gesichert gelten fann. Ein amerikanisches Telegraphenbureau berichtet, daß Rusland auf persönliches Eingreifen des Zaren hin Japan einige Zugeständnisse gemacht habe, Rußland jei millens, den vorherrschenden Einfluß Japans in Storea und das Recht Japans, das Protettorat über Korea auszuüben, anzuertennen. Andererseits jolle Rußland Handelsfreiheit in Korea gesichert und sollen die vorhandenen russiichen Konzessionen anerkannt werden. Die Mandschureifrage soll Gegenstand einer besonderen Verständigung sein; Japan sei damit einverstanden, die Frage der Räumung dieses Gebietes in der Schwebe zu lassen und erkenne Rußlands Stellung dort an. Es wäre zu wünschen, daß diese Meldung sich bestätigt.


