Nr. 212.
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Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenban, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitage.
Donnerstag, den 10. September 1903.
Gießener
12. Jahrgang.
Jasertionspret: Die einspaitige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonit 15 Vfg.: Reklamen die Petitzelle 30 refv. 40 Pfg.
Poftzeitungslifte No. 3269.
Redaktion und Grrebition: Gießen Neuenweg 28. Ferusprechanschluß Ar, 362.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblat!)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Beitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Gießen, den 3. September 1903. Betr. Die Kreisstraße von Azenhain über Lumda nach der Straße Grünberg- Londorf.
Bekanntmachung.
Die Kreisstraßenbrücke über die Lumda im Zuge borgenannter Straße wird bis auf Weiteres für Fuhrwerke mit mehr als 40 Ctr. Ladegewicht gesperrt. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
der
J. V.: Dr. Wagner.
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird Itersweg zwischen Kreuzplatz und Blockstraße und zwischen Wolfengasse und Südanlage von Donnerstag, den 10. I. Mts. ab bis auf Weiteres für den Fuhrwerksberkehr gesperrt.
Gießen, den 9. September 1903. Großherzogl. Polizeiamt Gießen.
Hechler.
Manöver- Briefe.
fnn, Halle, 9. September.
1. Der Tag von Roßbach.
Stolze Erinnerungen knüpfen sich für Preußen an den Ort, in dessen Umgebung die Operationen des zweiten Manövertages sich abspielten. Sie werden in so manchem der vielen Hunderte von Manöverbummlern wach geworden sein, die schon zu früher Morgenstunde bei den Denkmälern auf der historischen Höhe östlich von Roßbach Posto gefaßi und der Entwickelung der Dinge mit Spannung entgegen. gesehen hatten. Eine Attacke stand bevor. Einstweilen, gegen 8 Uhr morgens, ließen auf das, was bevorstand, nur dicke, gelbe Staubwolken schließen, die von Zeit zu Zeit am südwestlichen Horizont aufstiegen. Sie verrieten, daß dori Kavallerie und Artillerie marschierten. Die sächsische Kavalle rie war, abgesehen von wenigen Regimentern, z. B. den Gardercitern, in der Nacht zum Feinde übergegangen und hatte die Helmkappen der roten Partei angenommen. Kavallerie- Division B( die Kavallerie der blauen Partei) ist wegen starfer Verluste heute nicht verfügbar". Sc wurde ihr Verschwinden in dem offiziellen Tagesprogramm motiviert. Dagegen hatte General v. Wittich, der Gene ralissimus des roten Heeres, diesmal ein ganzes Kavallerie forps( Kavallerie- Division A und Kavallerie- Division B) zur Verfügung. Der Kaiser hatte inmitten dieses Korps bei Goseck biwakiert und gestern dessen Führung über nommen. Sowohl die preußischen als auch die sächsischen Korps beabsichtigten den Vormarsch, die ersteren, um den Sieger vom ersten Tage wieder hinter die Saale zurückzuwerfen, die anderen, um neues Terrain zu gewinnen. Das preußische elfte Korps stand noch zu weit nordwärts ab, um mit wirklichem Nachdruck in die Entscheidung einzugreifen. Es hatte bei Lauchstädt nordwestlich von Merseburg Quartier gelegen bezw. biwakiert, und sollte nun gegen den rechten Flügel des Feindes hin operieren, namentlich die oberhalb Merseburg über die Saale gegangenen blauen Truppenteile zurücktreiben. Das 4. Korps stand gegenüber der Front des Feindes, die 7. Division bei Mücheln, die 8. bei Branderoda. Ihre Aufgabe war, westlich, bezw. südwestlich auf die Linie Bedra- Roßbach- Pettstädt hin sich in Marsch zu setzen. Den äußersten rechten Flügel des roten Heeres bildete das Kavalleriekorps, das Order hatte, nordöstlich auf Tagewerben hin vorzugehen.
in
Dicht geschlossen standen die sächsischen Divisionen der msgedehnten preußischen Front gegenüber, das 12. Korps zwischen Weißenfels und Schkortleben, das 19. von Corbetha bis Dürrenberg. Das ihm aufgegebene Marschziel bildete die Linie Lunstädt- Roßbach; die Position war gegen 3 Uhr morgens erreicht worden und wurde durch Schüßen. gräben und Artillerie in eine starke Aufnahmestellung verwandelt.
Die Entwickelung war nicht so imponierend
natürlich nicht vom Standpunkt der militärischen Kritik, ſondern nur von dem des Zuschauers aus gesprochen, als man uf Grund des gewaltigen Aufgebots von Truppenmassen jätte erwarten sollen. Mäßiges Artilleriefeuer herüber und jinüber, bald wieder verstummendes Tacken des Infanteriejewehrs da und dort: mehr war von der Denkmalshöhe mus auf der Karte heißt sie der Janushügel- lange Zeit hindurch nicht wahrzunehmen. Anscheinend legte Rot sich der noch immer reichlichen Entfernung des 11. Korps vegen Zurückhaltung auf. Der Führer der blauen Partei, General v. Treitschke, zog es offenbar eben dieses 11. Korps vegen vor, sich abwartend zu verhalten. Denn es bedrohte mmerhin seine Flanke. So standen beide Gegner sich kühl und einstweilen wenigstens ungeschwächt gegenüber. Dennoch kam die Attacke. Der Kaiser hatte seine Gechwader bei Markrölig gesammelt. Von starkem Artilleriefeuer unterstützt und von nicht weniger starkem Infanterieund Geschüßfeuer begrüßt. aalobbierte das Kavalleriekorvs
nordwärts in der Richtung auf die Straße Lecha- Roßbach zu. Was sich unterwegs an Batterien und Infanterie des Gegners fand, wurde mit eingelegter Lanze und wildem Hurrah bedroht und stellte in ergebungsvollem Harren auf Sen Spruch des Schiedsrichters einstweilen das Gefecht ein. Auffällig war die lange Front, in der der Kavallerieangriff angesetzt war. Sie erstreckte sich über mehrere Kilometer. Die Divisionen ritten neben-, nicht hintereinander, der Kaiser an der Spitze der Breslauer Leibkürassiere bekanntlich des ältesten Kavallerieregiments der preußischen Armee in deren Waffenrock. Dem genius loci zu Ehren hatten die Magdeburger Seydlikkürassiere den Play zur Seite des Kaisers.
Eine besondere Rolle in den diesjährigen Kaisermanöpern spielen die sächsischen Gardereiter, in ihren blauen Wassenröcken und silbernen Helmen eine glänzende Truppe. Sie sind die Draufgänger des Manöverfeldes; ihre Aufflärungspatrouillen sind durch das stärkste Infanteriefeuer oder ähnliche kleine Widrigkeiten absolut nicht zu beirren, tauchen überall mitten in der feindlichen Stellung auf, und sind nur dann sofort in gestrecktem Galopp verschwunden, ivenn ihnen Gefahr droht, von der Reiterei des Gegners abgeschnitten zu werden. Daß sie attackieren, wo nur irgend etivas zu attackieren ist, versteht sich von selbst. Gestern gestatteten sie sich, drei Eskadrons stark, eine Art Todesritt gegen das Kavalleriekorps des Kaisers. Der Anblick war famos: das kleine Häuflein mit lautem Hurrah gegen die sofort von allen Richtungen her gegen sie anstürmende Flut der roten Schwadronen!
Als Fazit des Tages hat die blaue Partei sich südwärts fonzentrieren, also die Saale aufgeben müssen. Die Kaiserin war im Gelände und hat in ihrem Wagen von einer Höhe südlich Roßbach aus den Ritt des Kavallerieforps beobachtet. Unsere Leserinnen wird interessieren, daß sie helle Toilette trug, dazu einen Hut, der sie ausgezeichnet fleidete: flaches Facon, irgend ein weißer Grundton, wallende tiefschwarze Straußenfedern und vorn eine breite Garnitur von zartrosa Rosen.
Das Wetter war in erfreulichem Gegensatz zum Vortage fühl.
Ueber die gestrigen Manöver
wird uns aus Merseburg berichtet: Der Kaiser und der König von Sachsen, sowie die übrigen Fürstlichkeiten wohnten heute( Mittwoch) den Manövern bei. Um 2 Uhr nachmittag fehrte der Kaiser nach Merseburg zurück. Das Wetter ist kühl und stürmisch. Die rote Partei hatte gestern die blaue zurückgedrängt und stand gestern Abend bei und südlich von Roßbach mit dem 11. Korps, bei Branderoda und Freyburg mit dem 4. Korps. Auf Nachrichten jedoch, daß die rote Hauptarmee zurückgehe, wollten die roten Korps heute südwestlich abrücken in der Richtung auf Camburg und Sulza. Von der blauen Partei stand heute Morgen das 19. Korps bei Weißenfels, das 12. Korps bei Stößen. Beide Korps wollten die Methau überschreiten, was gelungen zu sein scheint. Nach heftigen Kämpfen südlich von Naum. burg schob sich die blaue Partei vor das Marschziel der roten Partei.
Miets- Schiedsgerichte.
Uns wird geschrieben: Der in Dresden abgehaltene Berbandstag der deutschen Mietervereine hat die Errichtung on Miets- Schiedsgerichten angeregt. Diese Anregung zeigt, daß die Interessengegensätze zwischen Vermietern und Mietern sich unter dem Einfluß der Entwickelung der Bodenpreise und der Bodenspekulation arg zugespitzt haben. Bermicter und Mieter betrachten häufig einander als Feinde. Kaum jemals denkt einer von beiden daran, wieviel größer ihre gemeinsamen Interessen sind als die widerstreifenden. besonders von Auf den Hausbesikertagen ist mehrfach Den Hausograriern" der Großstädte zum Kampf wider Die Mieter geblasen worden; selbst berechtigte Interessen der Mieter fanden teine genügende Berücksichtigung. Die Folge var, daß sich als Gegengewicht gegen den Zusammeninß der Hausbesiter eine Mieterorganisation auftat, die ständig an Mitgliederzahl und damit an Bedeutung und Einfluß zunimmt. Und sie hat vor der Hausbesitzervereinigung eines voraus, was ihr für eine vielleicht nahe Zukunft größeren Einfluß sichert: Nicht die Higköpfe, nicht die fanatischen Gegner der Hauswirte, sondern die Verständigen, die auch dem Hausbesizer sein gutes Recht nicht schmälern wollen, führen in ihr das Wort.
Ein Ausfluß dieses verständigen Sinnes ist die Haltung, die der Dresdener Mictertag zur Frage der Miets- Schiedsgerichte eingenommen hat. Nach dem Muster der Gewerbegerichte und der Kaufmannsgerichte war die Errichtung von Miets- Schiedsgerichten aus Mieterfreisen angeregt worden. Die einen dachten an private Vereinbarungen zwischen Wirten und Mietern; an ein zu gleichen Teilen aus Hausbesitzern and Mietern sich zusammensetzendes Schiedstribunal, das bei Streitigkeiten zwischen Vermietern und Mietern als Spruchbehörde fungieren sollte. In der Idee ist eine solche Einrichtung ganz hübsch. In der Praxis aber bätte sie nichts
genüßt. Denn niemand yarte den weieter oder Vermieter ztvingen können, einen ihm nicht zusagenden Schiedsspruch Dieses Laient ribunals anzuerkennen, und was man vermeiden will, die Fortdauer des Zwistes und seine Austragung auf dem langwierigen, kostspieligen und verbitternden Prozeßwege, wäre schließlich in den meisten Fällen doch nicht zu verhindern gewesen. Miets- Schiedsgerichte dieser Art wären von vornherein zur Unfruchtbarkeit verdammt gewesen.
Um so mehr ist es zu begrüßen, daß der Mietertag sich gegen diese ideologische Gründung erklärte und statt dessen für Miets- Schiedsgerichte unter staatlicher Autorität und mit ähnlicher Verbindlichkeit der Entscheidungen eintrat, wie sie etwa die der Gewerbegerichte besißen. Mögen auch in einzelnen kleinen Orten die schon bestehenden pri vaten Schiedsgerichte günstige Ergebnisse gezeitigt haben: das ist lediglich günstigen örtlichen Verhältnissen, der geringeren Zuspigung der Gegenfäße in solchen Orten zuzu schreiben. In größeren Städten hat man mit den privaten Schiedsämtern durchgehends schlechte Erfahrungen gemacht. Staatlich eingesezte Schieds- und Einigungsämter zwischer. Mietern und Vermietern, an denen selbstverständlich Vertreter beider Teile wie bei den Gewerbegerichten- an der Spruchfindung beteiligt sein müssen, passen für alle Orte, für die Großstadt ebenso wie für die Kleinstadt.
Unter diesen Umständen ist es im Interesse der allgemeinen Wiederherstellung des früheren guten Verhältnisses zwischen Vermietern und Mietern, im Interesse einer verständigen, niemand übervorteilenden Ausgleichung der Interessen beider Teile dringend zu wünschen, daß die Anregung des Mieterverbandes, staatlich autorisierte MietsSchiedsgerichte zu schaffen, ouf fruchtbaren Boden fiele. Wie die Wohnungsfrage eines der wichtigsten Momente der sozialen Frage ist, so ist die Ausgleichung der Gegensäte zwischen Hausbesitzern und Mietern eines der wichtigsten Momente sozialer Versöhnung.
Die Politik.
Der breußische Kultusminister läßt jezt Erhebungen Sarüber anstellen, wie viele Schulgebäude in denjenigen Bemeinden in Stadt und Land vorhanden sind, welche inter 25 Schulstellen besigen, sowie wann und in welcher Bauart die Baulichkeiten errichtet sind. Namentlich soll die Bahl der Klassenräume und der Räume der Leher- Dienstvohnungen genau angegeben werden.
Um Material für die Beurteilung der Frage der staatlichen Alters, Invaliditäts- und Witwenversicherung Der Privatangestellten zu schaffen, hat der Ausschuß der Bereinigten Verbände und Vereine der Angestellten be chlossen, einem Wunsche des Reichsamts des Innern gemäß eingehende Fragebogen an die etwa 300 000 Mitglieder zu perabfolgen. Es ist dringend zu wünschen, daß jeder Privatingestellte( Handlungsgehülfe, Techniker, Werkmeister, Landpirtschaftsbeamte, Lehrer an Privatanstalten u. s. w.) einen jolchen Fragebogen ausstellt. Erhältlich sind sie auch für Nichtmitglieder gegen Ende September von den angechlossenen Verbänden und dem Vorsißenden des Ausschusses. Die Umfrage wird ohne Zweifel die Notwendigkeit einer staatlichen Alters- und Witwenversicherung der Privatangestellten ergeben.
Der mit dem Ausbruch der Wurmfrankheit im rheinisch- westfälischen Kohlenrebier in Verbindung stehende Aerztestreit hat mit dem Siege der Aerzte geendet: Die Anappschaftstassen haben sich bereit erklärt, wie früher den erhöhten Beitrag für die Behandlung Wurmkranker an die Krankenkassen zu zahlen.
,, Gebaut wird er doch!" Der Panamakanal, trotz der Ablehnung des Kanalvertrages durch Kolumbien so erflärt kategorisch der Yankeepräsident. Die Bewohner des folumbischen Staates Panama sind bekanntlich für den Bau des Kanals und haben auf den ablehnenden Beschluß des tolumbischen Senats hin eine Rebellion inszeniert. Das will Roosevelt benutzen; er fördert den von einigen Füh cern der Aufständischen gehegten Plan, den Staat Panama Don Kolumbien zu trennen und zu einer selbständigen Republik zu machen. Die Union hat den Aufständischen erlärt, sie werde die neue Republik unter ihren Schutz nehmen. Wenn die kolumbische Regierung nicht bald nachgibt, ist eine solche Entwickelung höchst wahrscheinlich.
Angesichts der Verworrenheit der Lage in Ungarn mehren sich in Desterreich die Stimmen, die eine Trennung beider Reichshälften fordern. Nach Meldungen aus Wien hat jezt auch der Parteitag der unter Karl Wolfs Führung stehenden Audeutschen eine Erklärung angenommen, die die Trennung Desterreichs von Ungarn und eine Personalunion nach skandinavischem Muster verlangt.
Der Kronprinz von Serbien ist an seinem gestrigen Geburtstage als Infanterist in die serbische Armee eingestellt worden. Zur Feier des Tages verlieh König Peter dem 7. Infanterie- Regiment den Namen„ König Peter", dem 18. den Namen„ Kronprinz Georg", dem 6. Prinz Alerander", dem 11.„ Karageorg", dem 8.„ Fürsi Alexander". Auch dem Köniae ſelbſt bat der Geburtstag seines Sobnes
der eigenen Mittellosigkeit gelitten!
e mir später danken.
In erster Linie Madame Gleben,
bereinſt pefuniär ungünstig gestalte
die durchaus nicht wünscht, daß die Lage ihrer Tochter sich
- sie hat genug unter
Infolge dessen
habe
schichten lehre. O, sich über den neuen Lehrer beklagen. und ihnen gesagt, warum die Natur eine Närrin, das SchickAntichrist, hat er gesagt, der die Kinder ganz fopflose GeSa Reben eine Robefe ſei!" Heute hat er ihnen Sprichwörter erklärt Das sei ein
for sin
thenn
Ich
schwärme für Felder, Wiesen und Wälda
3 hoor
,, Aber wohl von einer anderen?" tete fie fanft. Ich bleibe stets die Gleiche. auf keine Veränderung bei mir in dieser Beziehung" fragte er, sie scharf Soffen Sie
denden Schritt
mir, wollen Sie mein Weiben
zu ziehen; ſanit und noch bestimmt entwand fie fich ibm. Er hatte ihre Sand ergriffen und versuchte, fie an fich
seines Lebens wohl überlegt? Antworten Sie


