Nr. 159,
ognementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg.. ' s Saus gebracht 60 fg., durch die Post bezogen viertels fährlich Mr. 1.50.
Grattabeilagen: Oberhefftsche Familienzeitung( täglich) Oberbeffifche Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Jestenben, fowie bie Stebener Seifenblasen( whentlich). Das Blatt afheit an allen tegen nagmites6.
Freitag, den 10. Juli 1903.
Gießener
12. Jabrgang.
Insertionsprei 8: Die einfaltige Betielle e lejen e ganz Oberheffen, die Kreise Weblar und Warburg 10 Bfe. sonst 15 Bfg.: Reklamen die Petitseile 30 resp. 40 g.
Boftzeitungsliste No. 3800.
Rebattion und Expedition: Gießen Regenweg 38. BernsprechendIn As, 808.
Neuelle Nachrichten
( iefener Tageblatt)
Unabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.
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Die Expedition.
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Intimes aus dem Vatikan.
Rom, 9. Juli.
Vor dem Vatikan herrscht Ruhe und Stille. Durch die ewig sich widersprechenden Nachrichten über den Gesundheitszustand des Papstes hat sich die anfängliche Erregung unter den Zeitungsberichterstattern, die dort harrten, merklich ab. gefühlt. Man ist dazu gekommen, bei jeder Nachricht, die aus den erzenen Toren hinausdringt, ungläubig den Kopf zu schütteln. Nach einer Stunde wird sie ja doch schon wider rufen, wozu erst davon Notiz nehmen! Eingeweihte ver muten hinter diesen widerspruchsvollen Meldungen allerdings politische Einflüsse. Und sie mögen so unrecht nicht haben. Geht doch, wie aus guter Quelle verlautet, im Vati fan ein geheimnisvolles Raunen von allerhand Ränken und Intriguenspielen, als deren Hauptakteur der Kardinal Rampolla gilt. Dieser fürchtet mit Recht, daß das nahende Konlabe sich seiner Vormachtstellung nicht ohne weiteres beugen ondern heftig gegen seinen Einfluß anfämpfen wird. Is Rampolla doch, das steht fest, wegen seiner diktatorischer Neigungen bei einem guten Teil der in Frage kommender Rardinäle verfaßt. In Beziehung hierzu bringt man auc einen Streitfall zwischen ihm und dem Kardinal Oreglia ber, wie bekannt, in amtlicher Eigenschaft zur Vorbereitung des Konklaves nach dem Vatikan übersiedelte. Rampolle vollte das, wie er sagt, aus Gesundheitsrücksichten für der Papst, hintertreiben. Doch munkelt man im Vatikan, das er eigentliche Grund der sei, daß er Oreglias Einfluß elimi nieren wolle. Dreglia ist jedoch nicht der Mann, der ohne veiteres sich von Rampolla Vorschriften machen läßt. Trot Rampollas Einspruch ließ er sich von der Uebersiedelung nach dem Vatikan nicht abbringen.
Oreglia hat übrigens in seiner Eigenschaft als Kardinal Camerlengo einen Schritt von großer politischer Tragweite getan. Er hat die Erkrankung des Papstes der italienischen Regierung amtlich mitgeteiit und damit das bisher von der Kurie nicht anerkannte italienische Garantiegesetz, das über die Befugnisse des Papstes genaue Bestimmungen trifft, seinerseits als zu Recht bestehend und auch für den Vatikan verbindlich anerkannt. Die Konsequenz davon ist, daß kein neuer Papst sich als den„ Gefangenen im Vatikan" bezeichnen ann. Leo XIII. hatte seinerzeit bei Pius' Erkrankung diese Mitteilung an die italienische Regierung geflissentlich unterlassen. Für die Gegensäßlichkeit, die zwischen Oreglia und Rampolla herrscht, ist es fennzeichnend, daß der Kämmerer Rampolla zwang, diese Benachrichtigung des italienischen Rabinets in Person vorzunehme... Wie es heißt, begünstigt Rampolla die Wahl Dipietros, der ganz von ihm geleitet wird und als dessen Staatssekretär er künftighin das Heft in Händen haben würde. Da Rampolla bekanntlich als deutschfeindlich gilt, so würde das Gelingen seiner Pläne für das deutsche Reich recht mißlich sein. Doch hat, wie unser CB.- Mitarbeiter erfährt, die deutsche Regierung trotzdem nicht die Absicht, irgendwie die Bapstwahl zu beeinflussen, wozu sie ja auch offiziell keinerlei Recht hat. Diese ruhig abwartende Stellungnahme der deutschen Regie rung ist auch die der deutschen Katholiken, wie der bekannte Centrumsführer Dr. Bachem in der„ Chicago Daily News" auch ausgeführt hat. Er sagt:„ Die deutschen Katholiken wer den einfach abwarten, wen die in Rom oder anderwärts ver sammelten Stardinäle zum Papst wählen; dieser ist für sie so fort das Oberhaupt der katholischen Kirche, der Nachfolger des heiligen Bet... s in Rom und der sichtbare Stellvertreter Christi, und sie werden ihn sofort und bedingungslos als
olchen anerkennen. Eine besondere Stellung hätten die deutschen Katholiken erst einzunehmen, wenn von irgend einer Seite versucht werden sollte, die Papstwahl zu stören oder ihre Freiheit zu beeinträchtigen. Alsdann würden sie sofort mit illen ihnen zu Gebote stehenden zulässigen Mitteln für die inbedingte Freiheit der Papstwahl eintreten." Der letzte Passus der Erklärung Tr. Bachems läßt vermuten, daß mich über die Mauern des Vatikans hinaus allerlei über Wahlimtriebe gedrungen ist. Die Befürchtung ist aber nicht traisch zu nehmen; es wird, wenn es zur Wahl kommen sollte, illes seinen geregelten Gang gehen.
Eine scheinbare Besserung des Papstes trat ebenso unerwartet wie die letzte schwere Krisis ein. Der Krankheitsbericht konstatiert, daß der Papst nach ruhig ver laufener Nacht sich bedeutend leichter fühlt und daß diese Er leichterung auch andauert. Der Prozeß in der Lunge sei, was den Teil der Lunge betrifft, welcher von der wenigen Flüssigkeit nicht bedeckt wird, die sich noch im Bruſtfell befindet in voller Rösung begriffen. Die bläuliche Löfung der Hände beginnt zu verschwinden. Die Niercntätigkeit bessert sich. Doch geben selbst die größten Optimisten zu, daß bei der immerhin noch vorhandenen schweren Nierenstörung, die zeitweise zu völliger Anurie führt, es vermessen wäre, irgend welche Hoffmungen zu fassen. Doch sei die Lage augenblicklich nicht se verzweifelt, wie vor zwei Tagen. Jedenfalls fühlt sich Leo XIII. so fräftig, daß Monsignore Mazzolini im Zimmer des Papstes die Messe lesen und ihm die Kommunion erteilen konnte. Der Papst nimmt auch mit Appetit Fleischbrühe zu sich. Er betätigt auch wieder Anteilnahme an seiner Familie, speziell an seinen Neffen, denen er ja auch sein Vermögen vermacht hat, das, wie verlautet, 20 Millionen Lire beträgt. Vielbesprochen wird in Rom
der tragische Tod Kardinal Volpinis. Monsignore Volpini, Sekretär der Konsistorialkongregation, der während des Konklaves in Gemeinschaft mit dem Stellvertreter des Staatssekretärs das Staatssekretariat zu libernehmen haben würde, wurde im Vorzimmer des Papstes von einem linksseitigen Gehirnschlag getroffen und starb nach furzer Zeit. Dem Papst ist der Too Volpinis nicht mitgeteilt vorden. Da dieser Kanonikus von St. Peter war, hätten die Blocken der Peterskirche läuten müssen, man unterließ dies iber, un den Papst nicht zu beunruhigen.
Die Politik.
Englisch- amerikanische Verbrüderung.
Das amerikanische Geschwader, das während der Kiele Woche vor Kiel Gegenstand so vieler Ehrungen und Auf merksamkeiten von deutscher Seite war, kann sich auch über seine Aufnahme in England nicht beklagen. In Portsmouth gab der Erste Lord der Admiralität Lord Selborne den Offizieren des amerikanischen Geschwaders, welches mugenblicklich dort liegt, ein Festmahl. Darauf wohnten die Offiziere dem zu Ehren des Präsidenten Loubet im Buckingham- Palast veranstalteten Ball bei, wo sie König Eduard vorgestellt wurden. In Portsmouth wurden 500 amerikanische und 300 englische Seeleute vom Bürgermeister bewirtet. Die Kriegsgefahr in Ostasien
vird in der britischen Presse nach wie vor als sehr groß hingestellt. Nach einer Reutermeldung sind zu einer gemeinchaftlichen Beratung in Port Arthur alle höheren russischen Beamten in China, in der Mandschurei und Korea einge troffen. Die Beratungen werden streng geheim gehalten. Die fremden Geschäftsleute in Niutschwang und Port Arthur ind in Bezug auf die Aussichten einer friedlichen Lösung der Rage, so heißt es in der Meldung weiter, nicht sehr hoffnungscoll. Die kriegerische Stimmung der Japaner in Nordchina nahm stark zu, da Rußland sich neuerdings in Niutschwang ind in Korea Uebergriffe und Vertragswidrigkeiten erlaube. Nach einer neueren Meldung aus Schanghai wird dagegen persichert, die Beratung der russischen Diplomaten werde wahrcheinlich zu gunsten der Witteschen Friedenspolitik ausfallen. Das heißt, man möchte den Briten einreden, die Russen würben nachgeben.
Kurze politische Nachrichten.
Dr. M. Stenglein ist, 75 Jahre alt, als Reichsgerichtsrat a. D. in Tegernsee gestorben.
Im Wehrausschusse des ungarischen Abgeordnetenhauses erklärte der Honvedminister Kolosvary, daß das neue Wehrgesetz auf der zweijährigen Dienstzeit beruhen werde: nur bei der Kavallerie und der reitenden Artillerie werd die dreijährige Dienstzeit aufrecht erhalten werden. Bei der Marine werde die Dienstzeit von vier Jahren auf drei her abgesetzt.
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Präsident Loubet ist Donnerstag morgen von London ab Jereist. Vorher hatte Loubet in Aldershot mit der Königichen Familie der Besichtigung von 16 000 Mann Truppen iller Waffen beigewohnt.
水
* Der in der Belgrader Mordnacht schwer verwundete frühere serbische Minister des Innern Welimir Teodorowitsch
beabsichtigt, gegen seine Angreifer die Anklage wegen ver suchten Mordes zu erheben.
Das Delyannische Ministerium, das wir als wahrscheinsich bezeichnet hatten, dürfte in der Tat in Athen zustandekommen. Der König von Griechenland hat den Delyannisten Ralli beauftragt, ein neues Kabinet zu bilden.
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Hof und Gesellschaft.
Das Kaiserva ar hat sich von Saßnitz aus nach Swinemünde begeben. Die Jachten„ Meteor“ und„ Iduna" wurden von der„ Hohenzollern“ und dem Depeschenboot „ Sleipner" begleitet. Die Kaiserin wird am Sonntag in Lübeck zu einem Besuch be, de- Barouin Scheel- Plessen er wartet.
Papft Leo als Lebenskünftler.
Die ganze Welt sicht mit einem Gemisch von ehrfürch tiger Bewunderung und fast ungläubigem Staunen auf den Riesenkampf, den der 94jährige Papst seit Tagen mit dem Tode führt, ohne dessen furchtbaren Angriffen zu unterliegen. Immer wieder erholt sich der Greis von den Krisen der heimtückischen Krankheit. Daß Leo XIII. trotz seines scheinbar schwachen, gebrechlichen Körpers diese eminente Lebenskraft entwickeln kann, hat er nur seinen streng geregelten, fast asketischen Gewohnheiten zu danken.
Was Fleiß und Tätigkeit betrifft, hatte der Papst bis zum Tage seiner Erkrankung wenige, die es ihm gleichtun fonnten. Sein Tagesplan setzt sich folgendermaßen zusammen. Um 6 Uhr morgens klopft sein treuer Kammerdiener, der Ritter Pio Centra, leise an die Tür des Schlafzimmers, um den Papst zu wecken und ihm beim Ankleiden behilflich zu sein; meistenteils ist jener aber schon auf der sist sogar schon vor seinem Schreibtisch, umm an einer Encyklika zu arbeiten oder Dante und Virgil seine Lieblingsdichter zu lesen. Nachdem„ Piuccio" ihm die Haare ge= tämmt und zurecht gemacht hat, celebriert der Papst in der fleinen Privatkapelle neben dem Schlafzimmer die Messe, wobei ihm Centra als Meßdiener behilflich ist; dann wohnt er noch einer anderen Messe bei, die von einem Kaplan celebriert wird. Nach der Messe nimmt der Papst eine Tasse Schokolade oder Kaffee mit Milch. Gegen 8 ihr empfängt er den Kardinal Rampolla. Dann macht er, wenn das Wetter schön ist, einen furzen Spaziergang in den Gärten des Vatikans und unterhält sich oft mit dem Gärtner, dem er nützliche Ratschläge gibt. Nach dem Spaziergang gibt er an beſtimmten Wochentagen den Würdenträgern der Kirche Audienz, wobei er gewöhnlich über die laufenden Geschäfte, die die innere Verwaltung des Vatikans interessieren, oder über allgemeine kirchliche Angelegenheiten spricht. Bei den Empfängen bleibt der Papst ſizen, während die Besucher stehen müssen, nachdem sie beim Eintritt die drei vorschriftsmäßigen Verbeugungen gemacht haben; beim Verlassen des Zimmers müssen sie vermeiden, dem heil. Vater den Rücken zuzukehren. Um 2 Uhr nachmittags setzt sich Leo XIII. zum Essen nieder. Er lebt ſehr mäßig: eine Suppe, zwei Eier und nur selten etwas Fleisch und Wein bilden sein Mittagessen. Sehr gern aß er früher Salat, aber jetzt ist er ihm von dem Arzte verboten worden. Er speist allein und sehr rasch. Dann hält er eine kurze Siesta oder macht eine Spazierfahrt. Er steigt in eine Sänfte, und die Sänftenträger tragen ihn bis zum Gitter des Gartens oder zum Tore Pauls V.; hier wartet ein schwarzer Landauer oder ein kleiner Holzwagen, der, gleich dem Landauer, innen mit weißem Damast ausgeschlagen ist. Um 10 Uhr ißt der Papst zu Abend, nachdem er in der Privatkapelle mit den diensttuenden Prälaten den Rosenkranz hergesagt hat. Dann läßt er sich die Zeitungen vorlesen, und wenn im Vatikanischen Balaste alles zur Ruhe gegangen ist, arbeitet er noch. Um Mitternacht, manchmal auch erst eine Stunde später, wird im Schlafzimmer des Papstes endlich die Lampe ausgelöscht. Leo XIII. schläft nur wenig, und da er in Erwartung des Schlafes nicht untätig bleiben kann, dichtet er in der Nacht oder bringt seine Ideen für irgend eine neue Encyklika in glatte Form; da er nun fürchtet, daß er, obwohl er ein sehr gutes Gedächtnis hat, das in der Nacht Gedichtete bis zum Morgen vergessen haben könnte, ruft er oft mitten in der Nacht seinen Privatsekretär und Vertrauten, den unermüdlichen Monsignor Angeli, um ihm zu diffieren, was soeben in seinem Kopfe entstanden ist. Oft muß ihm der Doktor Giuseppe Lapponi empfehlen, sich nicht allzu müde zu machen; aber es gelingt ihm nicht immer, den Papst zu bewegen, sich den ärztlichen Vorschriften zu fügen. Vor zwei Jahren etwa verschrieb Dr. Lapponi einmal dem starf erfälteten Papste ein Mittel gegen den Husten und empfahl ihm, die Rede, die er an diesem Tage halten wollte, bedeutend abzufürzen. Leo XIII. steckte das Hustenpulver in die Tasche, mit dem festen Vorsatz, es nicht zu nehmen; er ließ auch nicht ein Wort von der Rede fort, die er während der Nacht im Geiste vorbereitet hatte. Der Arzt suchte ihn mehrmals durch ein bedeutungsvolles„ Hm! Hm!" zu unterbrechen, um ihn zu veranlassen, seine Kräfte zu schonen; aber anstatt aufzuhören, sprach der Papst nur um so lauter, gleichsam um zu zeigen, daß er sich ganz wohl fühle. Nach der Rede aber sagte er u Lavvoni:..Sier. Doktor. haben Sie Ihr Pulver zurück:
wischte und in das große Einschreibebuch die nnnelte Anabends in seiner Stube saß, den Schweiß vom Angesicht
Dies mochten ungefähr seine Gedanken sein, wenn er
Kochtaia halblaut und dem andern zerstreut auf die Finger er große Veränderungen vorzunehmen beabsichtige," sagte ,, Eristu hat mir schon gestern abend mitgeteilt, daß
es
meinen Arbeiten unerläßlich sein werden.
sind wertvolle wissenschaftliche Werke,
einmal
die mir bei
dies, Data; mit diesem Apparate sieht man eine Fliege mahen halten fönnte." Eich
in hergrößert daf
habe ich das, was ich brauche." dung,
buch hervorgezogen sig darin herumgeblättert. Jept Während Eristu sprach, hatte Kochtaia ſein Einschreibe
der mir sehr warm empfohlen worden ist, somit


