Ausgabe 
9.2.1903 Erstes Blatt
 
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** Bad Nauheim. Der Reubau der kaiserl. ost wäre gestern Abend fast ein Raub der Flammen geworden Etwa um 8.30 Uhr sah man Feuer aus demselben auf leuchten. Wahrscheinlich hatten Arbeiter, die im hintersten Teile des Neubaues ihre Hütte aufgeschlagen, beim Ver­laffen der Baustelle vergessen, das Feuer ganz zu löschen, bas sie zum Kochen angezündet hatten. Das in der Nähe angesammelte Holz muß dann Feuer gefangen haben. Bis die Feuerwehr antam, war der Holzborrat abgebrannt und das Feuer gelöscht. Friedberg. Herr Bürgermeister Stahl wird am 17. Februar in seinen Dienst eingewiesen werden und sofort die Geschäfte übernehmen.

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In Altenstadt starb, 57 Jahre alt, Sani­tätsrat Dr. Fr. Kullmann.

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- Die Breslauer Kaiserrede hat dem politischen Re­batteur der Frankfurter Neuesten Nachrichten Julius Wertheimer eine Anflage wegen Majestätsbeleidigung eingetragen, die gestern vor der hiesigen Strafkammer zur Berhandlung fam. An das Wolff- Telegramm über die ge­nannte Rede waren einige kritisirende Bemerkungen gefnüpft, in denen die Beleidigung gefunden wurde. Der Angeklagte hat die Bemerkungen nicht selbst verfaßt und auch vor der Drudlegung nicht genau durchgelesen, da er an dem be­treffenden Vormittag einen politischen Leitartikel und zwei Theaterkritiken habe schreiben müssen, also mit Arbeit über­häuft gewesen sei. Das Urteil lautete auf 2 Monate Festungshaft, die geringste zulässige Strafe.

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Frankfurt a M. 5. Febr." Ich bin ein Arbeits­loser, fönnen Sie mir feine Stellung verschaffen?" Mit diesen Worten pflanzte sich im Schwanheimer Walde ur­plöglich ein baumlanger Rerl vor einer dort spazieren­gehenden Dame auf. Als seine Frage verneint wurde, erfundigte sich der Abgewiesene nach der Zeit, nicht ohne begehrliche Blicke auf die galbene Uhrfette zu machen. ,, Meine Uhr ist zufällig nicht aufgezogen. Warten Sie

einen Augenblick, bis mein Mann und mein Schwager herankommen, die etwas zurückgeblieben sind", meinte mit großer Geiftesgegenwart die Dame. Der Arbeitslose aber wartete auch nicht eine Sekunde, sondern schlug sich schleunigst seitwärts in die Büsche.

Verdingung.

Die für die Einrichtung von Leichenzellen auf dem alten Friedhof am Nahrungsberg erforderlichen

Maurer, Terrazzo-, Zimmer-, Spengler, Schreiner, Schlosser, Glaser- und Weiß­

sollen

binderarbeiten

Samstag, den 14 Februar, vormittags 11 Uhr öffentlich vergeben werden.

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Blan, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden auf unserem Bureau, Bimmer Nr. Schreibstube zur Einsicht der Interessenten offen. An­gebote auf Bordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum ge­nannten Termin bei uns einzureichen. Buschlagsfrist 14 Tagen.

Gießen, den 6. Februar 1903. Städtisches Hochbauamt. J. V.: Gerbel.

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-r Marburg, 6. Febr. In der heute Abend abge-| an und verurteilt den Angeklagten nur zu 3 Mt. Ordnungs­haltenen Stadtverordneten- Sigung wurde die Magiftrats- ftrafe sowie in einen Teil der Kosten. Der Dachdecker Vorlage betreffs Errichtung einer Pferdebahn ge- Martin R. und der Soldat Wilhelm R.- beide Brüder nehmigt.- Ueber ein Sittlichkeitsverbrechen höchst dreifter Art wurde in heutiger Straffammerfizung verhandelt. In einem Dorfe des Kreises Biedenkopf war ein junger Bursche des Nachts in das Schlafzimmer einer Ehefrau ge­schlichen, deren Mann im Wirtshaus saß, und hatte ihr in der Dunkelheit vorgetäuscht, er sei ihr Mann. Als er sich wieder entfernt hatte und der wirkliche Ehemann nach Hause tam, wurde die Frau gewahr, daß ein Fremder sich ihr genähert hatte. Der Angeklagte wurde zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt.

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Bingen, 6. Febr. Eine hier abgehaltene Ver­trauensmännerversammlung der Sentrumspartei beschloß die Aufstellung eines eignen Kandidaten für die bevorstehende Reichstagswahl im Wahlkreis Bingen- Alzey. Früher hat das Bentrum immer von vornherein die Freifinnige Volts­partei unterstüßt.

Aus dem Gerichtssaal. Schöffengericht.

Gießen, 6. Febr. 1903. Aus der Untersuchungshaft wird vorgeführt der Schlosser­gehilfe Isaak R. aus Galizien und neben ihm nimmt der Handelsmann Leopold L. von Frankfurt a. M. Plaz. Beide find angeklagt wegen Betrügereien und bezw. Beihilfe hier­zu. Das Schöffengericht stellt fest, daß bei Landau wieder­Holter Rückfall vorliegt, spricht deshalb seine Unzuständigkeit aus und verweist die Sache vor die Straffammer. Gegen 2. wird Haftbefehl erlassen und beide Angeklagte wandern in Untersuchungshaft. Hierauf werden zwei Bettler vor­geführt, sie sind geständig und erhalten 3 Tage bezw. 3 Wochen Haft. Der Knecht Jakob F. zu Gießen hatte Ein ſpruch gegen einen Strafbefehl erhoben, in welchem er der Tierquälerei beschuldigt wird. Urteil 15 Mt. Geldstrafe Der Wirt Johs. S. hatte die gerichtliche Entscheidung gegen einen Verwaltungsstrafbescheid angerufen, weil er darin der hinterziehung von Schaumweinsteuer beschuldigt worden Das Gericht nimmt feine beabsichtigte Sinterziehung

war.

Gefellenprüfung.

Mäbchen, das früher dem Soldaten zugetan war, hat sich haben sich wegen Körperverlegung zu verantworten. Ein einen anderen Schatz angeschafft. Das war wohl die Ur­sache der bösen Tat. Der Dachdecker erhält 2 Wochen Ge­fängnis, der Soldat fommt mit einer Geldstrafe von 30 Mr. davon. Die Straffache gegen den Wirt Hans P. zu Gießen, wegen Uebertretung der Gewerbeordnung wird vertagt. Den Schluß bildet eine Privatflage wegen Beleidigung.

Holzversteigerungen

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Oberförsterei Homberg. Freitag den 13. Februar, vormittags 9 Uhr aus den Distriften Schönberg, Buchwald, Kippen und Gebrannter Wald der Forst­wartei Gontershausen: Stämme: 15 Eichen( meist Bauholz 68,30 Fftm., 17 Kiefern( Bauholz)= 7,15 Fftm., 15 Buchen( Schnittholz) 9,37 Fstm.; Derbftangen: 9,31 Fichten 86,11 Fftm. Zusammen­funft im Distrift Gebrannter Wald an der Rizenloch­wiese bei Höingen. Unterseibertenrod. Donnerstag den 12. d. Mts. werden aus der Privatwaldung des Johs Horst III. Erben zu Unterseibertenrod am sog. Heilgenstrut nach­stehende Holzsortimente versteigert werden, als: 1. 75 Fichtenstämme von 16-25 Ctm. Durchmesser und 11 Mtr. Länge; 2. 1160 Fichtenderbstangen, zu Sparren und Leiterbäumen geeignet; 3. 72 Rm. Schichtreiser, sehr gut; 4. 6 Rm. Fichten- Prügel. Anfang und Bu­sammenkunft vormittags 91 Uhr auf der Abtriebs­fläche. Oberförsterei Schiffenberg. Die Holzversteigerung ift genehmigt. Die Abfuhrscheine fönnen vom 12. d. d. Mts. an bei den zuständigen Hebestellen bezogen werden. Die Ueberweisung des Holzes erfolgt Freitag den 13. b. M. morgens 8 Uhr.

Drud und Verlag der Gießener Verlagsbruderei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Rebaftion verantwortlich: Albin Klein, Gieken.

Nutbolz- Versteigerung.

Freitag, den 13. Februar, Vormittags 10 1hr fommt im hiefigen alten Schulsaale folgendes im Ge­meindewald, Distr. Grebeborn, Windhain, Eibertshain, Grubenholz zur Versteigerung:

Die diesjährigen Gesellenprüfungen finden in den Weidefeld und Eschenburg geschlagenes Bau- und Monaten März und April statt.

An derselben können alle jungen Handwerker aus den Orten: Gießen, Heuchelheim, Wiesed, Alten­Buseck, Großen- Bused, Benern, Hausen, Burk­bardsfelden, Watzenborn- Steinberg, Leihgestern, anggöns, Großen Linden, Trohe, Rödgen, Aune­Lehrzeit spätestens am Schluß der Prüfungen beendet iſt, rod, Garbenteich, Klein- Linden teilnehmen, deren und für welche fein Innungs- Prüfungsausschuß besteht.

820 Nadelholzstämme 263,52 27 Eichenstämme 11,41 Fitm. 5 Buchenftämme 4,01 Fftm. 196 Rm Nuhholz 2 Mtr. lang. 846 St. Fichtenaugen 1-5 61. Wissenbach, 7. Februar 1903. Der Bürgermeister Weimer.

Anmeldungen zur Prüfung sind unter Benutzung des vorgeschriebenen Formulars( bei dem Unterzeichneten erhältlich) bis zum 1. März a. c. an den unterzeichneten hiesiger Stadt Ausschuß zu richten. Die Prüfungsgebühr beträgt 3 Mt. und ist mit der Anmeldung an den Unterzeichneten ein­

Giessener Lesehalle- Verein. ufenben.

Donnerstag, den 19. Februar, abends 8 Uhr. Ordentliche Mitglieder- Versammlung

im Café Ebel.

Tages- Ordnung: 1 Geschäftsbericht über das abgelaufene Ver­einsjahr. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Ver­schiedenes.

Um zahlreiches Erscheinen bittet

Jugendl. Taglöhnerinnen Schreibgewandter Junge gesucht.

Wiesenstr. 1.

Wir machen insbesondere darauf aufmerksam, daß die Ablegung der Gesellenprüfung u. A. als Vorbedingung für die Anleitung von Lehrlingen und die Führung des Meistertitels erforderlich ist, ihre Versäumnis daßer später empfindliche Nach feile im Gefolge hat.

Gießen, den 20. Januar 1903.

Bekanntmachung.

stm.

In der Zeit vom 1. bis 7. Februar 1903 wurden in gefunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 schwarzer Damenhut, 1 Baar Herrenhandschuhe,

verloren:

1 Armband, 1 Schlittschuh und ein Stück einer Boa;

1 goldene Damenuhr, 1 goldn. Kettenring und 1 Weinzipfel.

Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Cießen, den 7. Februar 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler.

Der Vorstand. Der Prüfungsausschuß des Ortsgewerbe- Der von vereins zu Gießen: Traber, Vorsitzender

findet auf einem Bureau sofort Stellung. Wo, sagt die Expedition d. Blattes.

Giessen, Steins Garten.

Dienstag, den 10. Februar und Mittwoch, den 11. Februar 1908.

Nur zwei humoristische Abende Wilh. Eyle's altrenommierter Leipziger Quartett und Konzert- Sänger.

Herren Eyle, Schmidt, Minkwitz, Römer, Delitzsch, Steiner, Rosetty. Direktion: Eyle- Schmidt. Gesellschaft gegründet 1863. Vollständig nenes hochinteressantes Familienprogramm. Feinste und leistungsfähigste Gesellschaft Deutschlands!! Vorverkauf: á 75 Pfg. in der Musikalienhandlung von Challier, Neuenweg Kaffenpreis: á 1 Mr. Anfang 8 Uhr. Obige Gesellschaft konzertierte zuletzt am 11. u. 12. November v. J. In Giessen in Steins Garten mit grossem Erfolge.

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7. Vorstellung:

Montag, den 9. Februar.

Monna Vanna.

Schauspiel in 3 Aften von Maurice Maeterlinc, mit Luise Billig vom Hoftheater in Wiesbaden als Monna Vanna und Willy Löhr vom Hoftheater in Darmstadt als Prinzivalli. Ende gegen 11 Uhr. Anfang 8 Uhr pünktlich. Billets von Mt. 5, 4, 3, 2,( Mitglieder 50 Pfg. Ermäßigung) bei E. Challier und an der Kaffe. Studentenkarten bei E. Challier Mt. 1.50, an der Kasse Mt. 2.

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Stadttheater Gießen. Dienstag, ben 10. Februar. 15. volkstüml. Vorstellung: Zum dritten und legten Micle:

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