Ausgabe 
8.8.1903 Zweites Blatt
 
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als Anwalt für den Spender der Speckseiten. 3wei Paare erschienen vor dem Gericht" und leisteten einen Eid, daß sie seit ihrer Verheiratung nicht ein einziges hartes Wort zu einander gesprochen hatten. Eins der beiden Paare war 33 Jahre verheiratet und hat daher die Speckseite ehrlick ind ehelich verdient.

Zu Unrecht beschuldigt. Der Direktor Wauer von der Dresdener Kitsonlichtgesellschaft, dessen Verhaftung großes Aufsehen erregte, wurde, da sich die gegen ihn erhobenen Be­chuldigungen als völlig grundlos herausstellten, vom Staats­anwalt wieder auf freien Fuß gesetzt.

Ein Liebesdrama wird aus Bamberg gemeldet. Dort jing ein junges Paar aus Würzburg, ein Photograph und die 16jährige Tochter eines Kaufmanns, gemeinsam in den Tod, weil die Eltern des Mädchens nicht in eine eheliche Ver­bindung der Liebenden willigen wollten.

Das beste aus den Wikblättern. Wirkung. Frau Sie sind wohl Mitglied der Dienstbotenbewegung? Dienſt nädchen: Jawohl, gnädige Frau.- Frau: Das dacht' ich nir, weil sie so oft Ihre Plätze wechseln.

Derechte Sammler. Denken Sie, Frau Baronin, den Soldatenrock aus dem ersten Kreuzzuge, den mein Mann in seiner Sammlung besaß, haben die Motten bis auf die letzte Spur vertilgt.- Ach, was macht denn nun der Aermste? Jezt bewahrt er die Motten, die ihn ge­fressen haben, auf. ( Megg. H. Bl.)

- Praktisch. Fremder: Wofür steht denn die Weck­uhr hier im Hühnerstall? Bauer: Schau'n Sie, der Hahn vird halt schon a bissel alt und damit er morgens pünktlich die Leute weckt, muß er selbst geweckt werden!

- Unverständliche Sprache. Freundin: Also dein jetziger Herr ist Amtsrichter und seine Frau Rechts­anwältin. Erlauschest du da nicht manchmal allerlei Inter essantes aus ihren Gesprächen?- Dienstmädchen: Ach nein, davon kann ich nichts verstehen, die beiden sprechen in Gegen wart der Dienstboten stets im Juristendeutsch.

- Etwas anderes Gast: Was schleichen Sie denn fortwährend um mich herum? Halten Sie mich etwa für einen Zechpreller? Kellner: Gott bewahre nur mein Prinzipal!

Der Proz. Alle Ihre Zimmer sind in Braun" jehalten? Ja, der Farbton paßt am besten zu meinen Tausendmarkscheinen!

Recht tröstlich. Während eines Preisfaustkampfes türzt ein Kämpfer schwer verletzt zu Boden. Der Schieds­cichter tröstet ihn mit folgenden Worten: Seien Sie beruhigt, ich erkläre den Stoß für ungiltig!"

Umschrieben. Nun, Emil, wie hat dir denn der Rostbraten geschmeckt, den ich dir zubereitet? O, der war ehr gut gemeint! ( Fl. Bl.)

Landesväter.

[ Politische Wochenschau.] Großherzog Friedrich von Baden hat in einer Rede, die er anläßlich der Jubelfeier der Heidelberger Universität ge

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halten hat, in schwungvollen Worten der Verdienste seiner Borjahren um die Reorganisation der Ruperto- Carola gedacht bescheiden aber von seinen eigenen geschwiegen. Und doch hat auch er in wahrhaft landesväterlicher Weise jene Pflanz­stätte der Wissenschaft gehegt und gepflegt und unablässig für die Heranziehung der tüchtigsten Lehrkräfte Sorge ge tragen. Unter seiner Regierung ist der Besuch der Heidel­berger und der Freiburger Universität erheblich gestiegen und auch die technische Hochschule in Karlsruhe, die er selbst be­gründete, sowie die Kunstakademie, die aus einer einfachen Kunstschule emporgewachsen ist, weisen glanzvolle Namen und stattliche Besuchsziffern auf. So hat sich der Großherzog Friedrich würdig der Reihe seiner Vorfahren angeschlossen, namentlich ist er seinem Vater, dem Großherzog Leopold, in der Pflege der geistigen Interessen nachgeeifert.

Allerdings haben sich unter seinem Regiment die Ver­hältnisse außerordentlich geändert. Als junger Prinz machte Großherzog Friedrich die gerade in Baden besonders leb­haften Revolutionsstürme mit; er war im Jahre 1848 gerade in der Kaserne seines späteren Leibregiments in Karlsruhe, als dieses zu meutern begann, und der junge Prinz vermochte sich nur durch eine Hintertür vor dem Ausbruch der ent­fesselten Leidenschaften zu retten. Diese Kaserne steht nicht mehr; heute erhebt sich das Gebäude der Reichspost an jener Stelle und das Leibregiment selbst ist dank der hochherzigen Opferwilligkeit des Großherzogs ein Teil der preußischen Armee. So sind die Symbole der alten Zeit gesunken, ein Teil der fürstlichen Macht ist in Baden, wie auch in anderen Staaten durch das Reich oder dessen Vormacht aufgezehrt worden, aber dennoch hat auch unter dem konstitutionellen System Großherzog Friedrich seine patriarchalische Stellung im vollen Maße zu behaupten vermocht. Er war der erste, der sich der neuen Zeit zugänglich erwies. Mit seinem un­vergeßlichen Spruch: Ich kenne keinen Unterschied zwischen Fürstenrecht und Volkesrecht" gab er Baden die Verfassung, blieb aber in dem Kreise seiner Rechte seinem Volfe ein Füh­rer auf dem Wege zur nationalen Einheit und geistigen Blüte. So ist das Fest der Ruperto- Carola für ihn zugleich ein Ehrentag der landesväterlichen Fürsorge geworden.

Landesväterliche Fürsorge aber wendet jetzt auch das preußische Königshaus den durch elementare Gewalten ver­wüsteten Provinzen zu. Der Kaiser hat aus seinen Privat­mitteln hohe Beträge zur Verfügung gestellt, und die Kaiserin eilt selbst in die schlesische Provinz, um sich durch den Augen­schein von der Größe und Dringlichkeit der Not zu über­zeugen und dann als Schutzherrin des Frauenvereins lin­dernd in die Verhältnisse einzugreifen. Nachdem sich ein Bild über den angerichteten Schaden feststellen läßt, kommt man allmählich auch dem Verfahren näher, um in Zukunft, soweit menschliche Kraft dies zu leisten vermag, ähnlichen Un­glücksfällen vorzubeugen. Von dem System der Eindeich­ungen fommt man mehr und mehr ab, weil sie das Wasser stauen nd daher den Oberlauf der Flüsse der Gefahr der Wassersnot aussetzen, und die Flußmeliorationen wiederum haben die Wirkung, den Strom zu beschleunigen, so daß die Unterlaufsgegenden die Hauptlast einbrechender Wasserkalami­täten zu tragen haben. Aus diesem Grunde ist man mehr und mehr zu der Ueberzeugung gekommen, daß man nur durch eine Absperrung der Zulaufstäler die steigenden Fluten nach

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Am Montag, den 14. September 1903 findet im Anschluß an die landwirtschaftliche Ausstellung

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starter Schneeschmelze und anormalen Regengüssen und Wol tenbrüchen zähmen kann. Derartige Arbeiten freilich sind langwierig und kostspielig. Immerhin aber fordert die öffentliche Meinung schleunige Hilfe, die in Gestalt einer ent­sprechenden Vorlage an den preußischen Landtag ihren sicht­baren Ausdruck finden wird. Einige Politiker, die vielleicht tatsächlich das Gras wachsen hören, machen schon jetzt An­deutungen, daß die Kanalvorlage zunächst überhaupt nicht erscheine, oder, wenn überhaupt vorgelegt, hinter den Auf­Jaben für den Wasserschutz weit zurücktreten werde. Sei dem, wie ihm wolle, die landesväterliche Fürsorge verlangt einen Schutz des Lebens und der Lebensgüter mit größerer Dring. lichkeit als eine Verkehrsverbesserung.

Während man sich in Preußen auf den Schuß gegen die wilden Gewalten der Elemente vorbereitet, sucht man in der habsburgischen Monarchie die Schlammfluten der Korruption abzuwehren. Das Verhalten des Statthalters Szapary ist tatsächlich unbegreiflich. Entweder ist er, wie inzwischen mehr und mehr angenommen wird, das Opfer einer geschickt an­gelegten Intrigue geworden, oder aber er ist von einer schier unbegreiflichen Naivität. Jedenfalls aber hat er durch seine Bestechungsaffäre nicht nur seinen Freund, den Minister. präsidenten Grafen Khuen- Hedervary, sondern die ganze Po­litik des ungarischen Staates aus den Bahnen geschleudert. Graf Khuen- Hedervary hat sich nach Ischl an das Hoflager des Kaisers Franz Josef begeben, um seine Entlassung an­zubieten. Das bemerkenswerteste Moment in der gegenwär tigen Situation liegt aber darin, daß auch der österreichische Ministerpräsident Dr. von Körber und der gemeinsame Mi nister des Aeußeren Graf Goluchowski an die Seite des Landesvaters berufen wurden. Man erkennt also bereits, daß die autonome Richtung in Ungarn, die auf eine völlige Lostrennung von Desterreich hinzielt und die Aufrichtung einer nationalen Monarchie anstrebt, einen mächtigen Rud nach vorwärts gemacht hat. Das ist um so bedenklicher, als es dem König immer schwerer wird, Minister zu finden, die in dieser schicksalsschweren Zeit treu und zuverlässig zur Krone halten. Und muß es dem Landesvater nicht sorgen. voll ums Herz werden, wenn er die Begriffsverwirrung unter seinen höchsten Beamten und nächsten Vertrauens. personen, wie dem Statthalter von Fiume, bemerkt, der mit Geld die Politik des Landes machen zu können glaubte? Es will Abend werden in der benachbarten Monarchie, dem grei sen Kaiser muß das landesväterliche Herz bluten, wenn er der Zukunft seines Landes gedenkt, jener Zukunft, wenn ei selbst nicht mehr sein wird.

Mit weit geringerer Herzensbeklemmnis aber mag Fürst Ferdinand von Bulgarien fünftiger Zeiten gedenken. Das ist ein Landesvater! Jedesmal, wenn in seinem Lande und in dessen Nachbarschaft die Klopfgeister wach werden, ist er außer Landes. Als Stambulow ermordet wurde, lebte er irgendwo in der Schweiz, oder in Karlsbad, als die ersten Unruhen in Macedonien unter Führung bulgarischer Offi ziere begannen, war er bei seiner Mutter auf Logierbesuch und jetzt, wo die macedonischen Guerillabanden sich kriegs. entschlossen auf den Paßhöhen des Balkans zeigen, ist er in Ebenthal auf der Jagd, Ferdinand, der bulgarische Landesvater".

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