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* Opfer des Sturmes. Die Chicagoer ,, Tribune" meldet aus Bay City( Michigan): Ein Sturm hat in der Saginaw- Bay am Dienstag Nacht das Eis eingedrückt, auf dem vierzig Fischer in provisorischen Hütten lebten. Seither ist von den Hütten und ihren Bewohnern nichts mehr gesehen worden. Von zwei Mann weiß man bereits, daß sie ertrunten sind. Es ist wenig Hoffnung vorhanden, daß die anderen entkommen sind. Im Mittelländischen Meer und im Golfe du Lion wütet ein furchtbarer Sturm. Alle Postdampfer erleiden Verspätung, einige suchten Zufluchtshäfen auf, mehrere haben ernstliche Beschädigungen erlitten.
Eine romantische Heirat. Ein Newyorker Blatt will wissen, daß sich der junge Marquis Carlo di Rudini, ein Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten, während seines Aufenthaltes in Amerika mit der engelschönen" Echauspielerin Dessa Gibson heimlich verheiratet habe. Das Blatt widmet dieſem Ereignis mehrere Artikel und bringt nicht weniger als vier Bilder der schönen Dessa. Wenn man nach diesen Bildern und nach den begeisterten Echilderungen des Blattes urteilen darf, muß es sich allerdings um eine außergewöhnlich schöne Dame hanbeln. Sie ist eine klassische Schönheit," heißt es dort, ,, die dem Echönheitsideal, wie es in der Venus des Altertums verkörpert ist, näher tommt als irgend eine andere Dame der europäischen oder der amerikanischen Gesellschaft. Sie ist schlank wie eine Pinie und hat einen prächtigen Kopf mit dunkelblondem, rötlich schimmernden Haar." Dessa Gibson stammt aus Kansas City und war in erster Ehe mit einem Herrn Stevens verheiratet. Nach bem Tode ihres Mannes wurde sie Schauspielerin und trat in Newhort mit großem Erfolge in der Operette Florɔdora" auf. Hier lernte sie der Marquis di Rudini kennen und lieben. Gegenwärtig soll das Paar in Paris peilen.
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Ein ,, Kleiner" Humbert ist der Petersburger Edelmann Nitolai Michailow. Auf Grund eines gefälschten Dokumentes mußte er verschiedenen stadtbekannten Be tersburger Bucherern auf eine angebliche große Erbfchaft Gefälligkeits"-Darlehen von 120 000 Rubeln herauszuloden, für die die Menschenfreunde später nur den fünffachen Betrag zurückhaben wollten. Der Schwinbel wurde aber dieser Tage durch einen Zufall entdeckt und Herr Michailom verhaftet. Das ihm drohende Schickfal wird wohl aber nicht zu schwer sein, ja man glaubt, baß die Geschworenen ihn unter einem nichtigen Vorwand freisprechen werden. Man belacht in Petersburg feine Manipulationen als einen guten Wig" und freut sich darüber, daß den verschiedenen von ihm gebrandschazten Wucherern auf eine Weile das Handwerk gelegt worden ist.
Bunte Chronit. Die Polizei verhaftete in Trier den mutmaßlichen Täter eines im Saarrevier begangenen Lustmordes. Der Verhaftete, welcher sich Mang nennt, machte einen Selbstmordversuch.
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Aus Breslau wird gemeldet, daß der frühere Kassenrendant Borzuzti, welcher bei der oberschlesischen Gemeinde Zaborze 150 000 Mart defraudiert hatte, in der Untersuchungshaft gestorben ist.
Auf der Strecke Wien- Eger zwischen den Stationen Blowitz und Nezwestiz fuhr eine Lokomotive auf einen Güterzug, wodurch beide Lokomotiven und acht' Wagen beschädigt, sowie sechs Mann des Zugpersonals verlegt
wurden.
In Bugiz bei Arnfels( Böhmen) verstarb am 31. Januar der Grundbesizer Anton Giegert unter Vergif= tungserscheinungen. Nurmehr wurden seine Frau und seine Schwägerin unter dem Verdacht des Giftmordes verhaftet. Beide führten ein Lockeres Leben, wobei ihnen Der Bergiftete im Wege stand.
- um außerordentliche Prüfungstermine zu erzwingen, erregte die Neapeler Studentenschaft in der Universität lärmende Auftritte. Es wurden Fenster uno Geräte zertrümmert, Möbel in Brand gesteckt. Der Rektor mußte die Bolizei und später Militär herbeirufen. Die Studenten drohen mit Ausstand. Die Universität wurde geschlossen.
In der spanischen Stadt Ciudal Real stürzte der Turm der Kirche der Dominikanerinnen ein. Die Trümmer burchschlugen das Dach des Klostergebäudes, töteten eine Nonne und zwei Novizen und verwundeten mehrere Perfonen.
Vermischtes.
[ Der geheimnisvolle Kessel.] Professor B. von der Berliner medizinischen Fakultät war eines Tages in se nem Laboratorium beschäftigt und um ihn herum stand eine Anzahl von chemischen Instrumenten und Utensilien. Unerwartet erhielt er den Besuch eines auswärtigen berühm ten Arztes, der seiner Arbeit mit Interesse zuschaute. Des Professors Aufmerksamkeit war ganz besonders auf einen fleinen Kessel gerichtet, aus dem heiße Dämpfe aufstiegen. Der Besucher fragte neugierig, was denn darin sei.
Raten Sie einmal, was ich darin koche?" fragte ber Professor. Der Besucher begann eine ganze Reihe von Mikroorganismen aufzuzählen, doch B. schüttelte ſtets berneinend den Kopf. Nun, was fochen Sie denn darin? So sagen Sie es doch!" sagte der Fremde schließlich etwas ungeduldig. Ein paar Würste," versezte der Professor und holte dieselben aus dem Kessel hervor.
):([ Fidelio" im Reisekostüm.] Der holländische Vertehrsstreit, der so plöblich ausgebrochen ist, hat zwischenfälle verursacht, die den Inhalt einer fomischen Oper bilden könnten. Die Truppe der großen Oper von Amsterdam befand sich auf einer Gastspielfahrt nach Rotterdam, als der Zug plöglich, einige stilometer von Rotterdam entfernt, von den Ausständigen angehalten wurde. Direktor und Künstler berieten, was zu tun sei, und kamen zu dem Schlusse, daß die Vorsiellung unter allen Umständen stattfinden müsse. Sänger und Sängerinnen ſetten die Reise tapfer zu Fuß fort und tamen in Rotterdam noch früh genug an, um die angesagte Vorstellung pünktlich beginnen zu lassen. Aber sie hatten nicht an alles denken können: ihr Gepäck, das mit einem anderen Zuge weggegangen war, hatte gleichfalls unter dem Streit zu leiden gehabt und war unterwegs geblieben. Man konnte daher am Abend ein originelles Schauspiel sehen: Beethovens Fidelio", in Reisekostümen dargestellt, mit einem Piano an Stelle des Orgesters.
[ Der Hinauswerfer.] Eine neue Profession, die vorläufig, wie es scheint, nur einen ausübenden Vertreter besitzt, ist in Paris aufgetaucht. Sie wird in virtuofer
Weise ausgeübt von Mt. Felix Chancel, genannt der ,, Tonfinese", den alle braven Bürger von Montmartre als den hinauswerfer" fennen. Wenn der Wirt eines der Etat issements auf der Butte, eines Cafés, einer Musikfneipe in dieser Gegend befinden sich bekanntlich die meisten Pariser Cabarets- außerstande ist, auf gütlichem Wege einen lärmenden oder betrunkenen Besucher loszuwerden, so wendet er sich nicht an die Polizei, sondern an Felix Chancel. Dieser wartet allabendlich in einem Cabaret, das ihm als Büreau" dient, auf Aufträge und bei der ersten Einladung begibt er sich in das Lokal, wo man seine Beihilfe wünscht: mit leichter, aber träftiger Hand faßt er den Widerspenstigen und setzt ihn auf die Straße. Man findet in Paris diese Profession sehr originell; es scheint, daß es dort für den Hinauswerfer wenig Arbeitsgelegenheit gibt, da ein einziger für einen ganzen Bezirk genügt. Anderwärts ist es anders das zeigen wenigstens die vielen Wiße über die Tätigkeit des Hausfnechtes in den Fliegenden Blättern" und das zeigt auch eine Strophe des Liedes Jm schwarzen Walfisch zu Askalon".
[ Das Recht des Malers am verkauften Bilde.] Eine eigenartige juristische Streitfrage wird gegenwärtig in Paris erörtert. Es handelt sich nämlich darum, ob und welche Rechte einem Künstler an seinem Bilde nach dem Verkaus desselben zustehen. Ein in Paris bekannter ameri fanischer Millionär, der für einen Sonderling gilt, ge hört zu den regelmäßigen Käufern der im Pariser Salon ausgestellten Bilder. Diese Förderung ist den Malern wohl jehr erwünscht; nun hat aber der Millionär eine ausgesprochene Abneigung gegen Bilder ohne Kleider; so ließ er eine jüngst erworbene Psyche mit einem grellfarbig farrierten Gewand bekleiden und ihr einen moder nen, breitkrämpigen Hut aufs Haupt sezen. Der Maler, dessen Namenszug in einer Ecke des barbarisch entstellten Werkes erhalten blieb, war, als er dies erfuhr, aufs äußerste empört. Der vorliegende Fall soll aber feineswegs der erste sein, und so haben sich mehrere Pariser Künstler vereinigt, um ihren Kollegen, den Maler der Psyche, der deshalb einen Prozeß angestrengt hat, nach Möglichkeit zu unterstützen.
:||:[ Ein Wettbewerb von.. Fliegentötern] fand, wenn man dem Sportblatt él" glauben darf, vor einigen Tagen in einer kleinen Ortschaft Englands statt. Es sollte endlich einmal festgestellt werden, welcher Bürger im Zeitraum von einer Stunde mit einer Hand die größte Anzahl jener verhaßten fleinen Insekten, so da Fliegen genannt werden, erschlagen würde. Für die glücklichen Gewinner in diesem fliegenmordenden Kampfe gab es sehr bedeutende Preise. Mehrere Kämpen haben ganz wunderbare Taten vollbracht. 149 Fliegen in 60 Minuten getötet! Das ist der Rekord, der von einem der ,, Champions" aufgestellt wurde. Weit darunter blieb der Held, der als zweiter aus dem Wettbewerb hervorging: er hat die liebe Mutter Erde nur von 101 Fliegen befreit. Da der Fliegentöter- Wettbe werb einen großen Erfolg gehabt hat, ist jetzt stark davon die Rede. diesen Svori zu einem internationalen zu machen. ** Ferngespräche zur Nachtz it. Die ursprünglichen Bestimmungen über die Benuzung der deutschen Fernsprechleitungen zur Nachtzeit sind dahin geändert worden, daß die Fernsprechverbindungen zwischen Orten, in denen Nachtfernsprechdienst abgehalten wird, von den Fernsprechteilnehmern zur Nachtzeit sowohl zu Einzelgesprächen wie auch zu Gesprächen im Abonnement benutzt werden können. Als Nachtzeit gelten, soweit nicht für einzelne Orte etwas anderes bestimmt ist, die Stunden von 9 Uhr nachmittags bis 7 Uhr vormittags im Sommer und bis 8 Uhr im Winter.
Kurzes Allerlei. Eine soeben veröffentlichte amt liche Statistik des Berliner Verkehrs gibt an, daß in Jahre 1902 im ganzen 532 957 411 Personen mit der Berkehrsmitteln der Reichshauptstadt befördert wurden Im Jahre 1901 waren es nur 499 402 894 Personen.
Bei einer Taufe von Drillingen in Peterswald be Tepliß standen nicht weniger als 46 Personen, darunter sämtliche Mitglieder der Gemeindeverwaltung, Gevatter.
Das Beste aus den Witblättern. Aus der Schule , Wenn ich deinem Vater 500 Mark geborgt hätte, unter der Bedingung, daß er jährlich 75 Mark davon zurückbe zahlen müßte, wie viel würde er mir dann nach Verlau bon 3 Jahren noch schulden?"- ,, 500 Mark!"-„ Falsch, Junge!" ,, Aber Herr Lehrer, ich kenn' doch meinen Bater!"
Vermutung. Wirtin: ,, Wassertechniker schreibt sich der Mann ins Fremdenbuch ein!... Was ist denn bees, a' Wassertechniker?" Wirt: ,, D, wahrscheinlich a' g'studierter Bierbrauer."
zu viel. Können Sie schweigen, beste Freundin?" Um Gotteswillen, nur heute kein Geheimnis mehr- das halte ich nicht aus! Es sind mir schon zwei anvertraut worden!"
- Keine Gefahr. ,, Du Kathi, da steht: ,, Hütet Euch bor den Schäßen, die Rost und Motten fressen!" ,, Gott jei dant, meiner ist nur selchtes!" ( Fl. Bl.)
- Eine merkwürdige Uhr. Doktor: ,, Mir scheint aber, Cepperl, Ihre Uhr geht nicht gut." Bauer: O! sie geht sogar vorzüglich, Herr; aber niemand, außer mir, versteht sich darauf. Wenn nämlich die Zeiger auf 12 stehen, und sie schlägt 3, so weiß ich ganz genau, es fehlen zwanzig Minuten auf 8."
Mildernder Umstand. Richter: ,, Huber, Sie sind geständig, dem Kläger ein Ohr abgerissen zu haben, tönnen Sie für diese rohe Tat mildernde Umstände vorbringen?" Jawohl; er hat auf dem Ohr eh' nix mehr gehört."
- Berechtigtes Mißtrauen. Gerichtsvollzieher: Vier Zahnärzte sind in der Stadt und bei jedem hatte ich schon zu tun; ich werde mir also den kranken Zahn auswärts ziehen lassen müssen!" ( Megg. H. Bl.)
Lokales.
Gedenktafel für den 8. Februar.
1545. Stiftung der Universität Lehden. 1725. Peter der Große † 1795. Der Schriftsteller Saphir 1818. Der Schlachtenmaler Camphausen in Düsseldorf 1874. Der Schriftsteller David Strauß in Ludwigs burg †. 1879. Friede von Konstantinopel zwischen Rußland und der Türkei. 1882. Der Schriftsteller Berthold Auerbach in Cannes †.
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Für die lex Köhler- Langsdorf.
Es ging uns dazu folgender Brief und Bericht zu: Berlin, den 4. Februar 1903. Hochverehrter Herr Chefredakteur!
In der Anlage habe ich die Ehre, Ihnen im besonderen Auftrage des Herrn Abg. Köhler- Langsdorf das Manuscript
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für einen Artikel mit der Bitte zu überreichen, denselben dorf für die
baldthunlichst in Ihrer Zeitung erscheinen zu lassen.
Hochachtungsvollst Dr. G. Ruhland.
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und sozia biftoris einschneidende Berfügung.
Die Ausführungen in Nr. 23 di ses Blattes vom 28. v. M. gegen die lex Köhler- Langsdorf lossen sich sachlich in 2 Teile scheiden. Zunächst wird das formelle Recht der Barlamente bestritten, einen Einfluß auf die Besetzung der Professuren für Nationalökonomie auszuüben. Und dann wird nachzuweisen versucht, daß der vorgeschlagene Brofes Mißstände nic for Ruhland doch eigentlich noch weniger Agrarier im Sinne der Partei Köhler Langsdorf sei, als der derzeitige Professor Biermer- Gießen. Eine Entgegnung wird zweckmäßigerweise dieser Einteilung jest folgen.
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Es ist eine alte Erfahrung, welche schon der berühmte Philosoph Locke mit aller Schärfe und allem Nachdrud behandelt hat, nämlich, daß jede Wissenschaft, welche aus schließlich den ordentlichen Professoren überlassen, als Brems zeug am Rade der Volfsentwicklung zu wirken Gefahr läuft. Die Erklärung liegt nahe. Die Wahl der Nachfolge aus. schließlich aus den Lieblingsschülern oder Verwandten der Professoren wirft wie jede Inzucht. Es kommt fein neuer frischer Geist in die Wissenschaft, deren jüngere Vertreter tunlichst die Pfade der alten Meister zu betreten gehalten sind. Weil aber das Leben und seine Bedürfnisse fort während neue Anforderungen stellen, so kommt es bald zu einem immer tieferen unheilvollen Riß zwischen dem Be dürfnis der Praxis und den Anschauungen der Wissenschaft, welcher bekanntlich nur dadurch beseitigt werden kann, daß eine neue, dem Bedürfnis des Lebens besser angepakte, Richtung auf den Lehrstühlen der Wissenschaft eingeführt wird. In solchen Zeiten gehört es zu den heiligsten Pflichten der Volksvertretung, sich um die tunlichst baldige Einführung der neuen Wissenschaft zu fümmern. Denn, die Universitäten sind nicht der Professoren wegen da, sondern des Volks wegen, um den Söhnen des Voltes eine möglichst umfassende Bildung zu bieten. Niemand wird aber bestreiten wollen, daß die Studenten dann am bester für ihre Arbeit im Dienst des Vaterlandes vorbereitet werden, wenn sie nicht im mer nur die eine Richtung, sondern möglichst verschiedene Richtungen hören, um aus allem dann das Beste behalten zu können.
Nun hat nach der Berliner„ Konservativen Korrespon denz" vom 9. Febr. 1899 gerade die Frankfurter 8eitung" also in diesem Falle ein unverdächtiger Beuge gelegentlich der bekannten Angriffe des Fihin. von Stumm gegen die Katheder sozialisten ohne Vorbehalt bestätigt, daß Professor Schmoller in Berlin bei der Erledigung von Professuren für National ötonomie in ausschlaggebender Weise die Be rufung der Nachfolger beeinflusse. Es sei ein offenfundiges Geheimnis, daß gelegent lich der jährlichen Versammlungen des Ver eins für Sozialpolitik, dem fast alle deutschen Professoren für Nationalötonomie ange hören, die kandidaten für die zu erwarten den Vakanzen im Voraus bestimmt werden, so daß Jeder weis, wer eintretenden Falles an die Reihe kommt. In ausdrücklicher Bezugnahme auf diesen unhaltbaren einseitigen Zustand hat damals der preußische Kultusminister mehrere Professoren für National ötonomie auf preußische Universititen berufen, welche gegen über dem herrschenden Kathedersozialismus den Interessenstandpunkt der großen industriellen Un ternehmer vatreten. Um endlich auch der agra rischen Richtung zu ihrem Rechte zu verhelfen, hat dann Frhr. von Wangenheim am 6. März 1901 im preußischen Abgeordnetenhause eine Interpellation über die Weseßung der Lehrstühle für Nationalökonomie eingebracht worauf der Ministerialdirektor im preußischen Kultusministerium Dr. Althoff sofort geantwortet hat, daß auch diesem Wunsche gegenüber die Staatsregierung nach dem Grundsatz handeln werde, die Lehrstühle an ben Universitäten den verschiedenen Rid tungen in der Wissenschaft zu geben. D Mitwirkungsrecht der Volksvertretung bei der Besetzung von Professuren für Nationalökonomie ist also von dem größten deutschen Bundesstaate sowohl für Vertreter der großin dustriellen wie der agrarischen Richtung ausdrücklich an erfannt worden. Sollte die Ausübung des gleichen Rechtes in Sachen der Universität Gießen nun ganz unzulässig sein?
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Aber und das ist der eigentliche Inhalt des zweiten Teiles der eben zitierten gegnerischen Ausführungen zu die Kandidatur des Prof. Ruhland durch die Par tei des Köhler- Langsdorf unterstüßen, wenn Prof. Bier mer der bessere Schußzöllner ist? Die Antwort darauf ist leicht zu finden.
Zunächst giebt der gleiche Artikel zu, daß Schutzzol oder Freihandel heute teine wissenschaftlichen Prinzipienfiaga mehr sind. Der Reichskanzler Fürst Bis mard hat im öffen lichen Parlament erklärt:„ Ich weis sehr wohl, daß mit Schutzöllen allein der deutsche Bauer nicht erhalten wird, aber ich habe bis jetzt noch Niemand gefunden, der m bessere Mittel hätte vorschlagen fönnen." Schußzölle finb nur ein Rotverband, um weitere Verblutungen am nation alm Wohlstand zu verhüten, tein Heilmittel. Wie fommt also der Verfasser jenes Artikels dazu, die prinzipielles Unterschiede zwischen Ruhland und Biermer an der gar nicht prinzipiellen Boufrage messen zu wollen? Warum zitiert dieser Artikel so eingehend aus dem Ruhland'schen „ Leitfaden," der schon im Jahre 1892 geschrieben wurde,
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Geduld verlie fchaftliche Rid des Volkes be Gegenübe jchenden Auff Lehre von betrachtet, ver schienenen schauung, daß
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