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Giessener Cagesneuigkeiten.

Gießen, 5. Juni 1003.

*** Die deutsch freisinnige Partei in Mainz beschloß in einer vorgestern Abend abgehaltenen Versammlung gleich beim 1. Wahlgang für den Kandidaten der Sozial­demokraten Dr. David einzutreten.

I Die Freifinnige Volkspartei in Kassel beschloß, zu Gunsten der Kandidatur Beinhauer von der Aufstellung eines eigenen Kandidaten abzusehen.

** Die 10000. Genossenschaft des im Jahre 1883 gegründeten Allgemeinen Verbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften wurde dieser Tage ge­gründet und zwar in Griedel als Landwirtschaftliche Be­zugs- und Absaßgenossenschaft, e. G. m. u. H."

Mainz, 4. Juni. Der Raubmörder Detroit hat sich am 17. Juni vor dem hiesigen Schwurgericht wegen des an seiner Tante begangenen Raubmordes zu verantworten.

Kassel, 4. Juni. Hier fiel ein Maurerbursche zwei Stockwert hoch am Hotel du Nord" vom Gerüst herunter, ohne den geringsten Schaden zu nehmen.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1873); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Trinitatis, Sonntag den 6. Juni. Gottesdienst.

In der Stadtkirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Scheunemann. Bugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde.

Vormittags 9.30 Uhr Pfarrassistent Vogt. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus­gemeinde. Pfarrassistent Vogt.

In der Johannestirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Zugleich Christenlehre für die Neufonfirmierten aus der Lutasgemeinde.

Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Dr. Nanmann. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannes­gemeinde. Pfarrer Dr. Na umann.

auch darauf bedacht sein, daß er so bleibe und das kann| Wahl des Herrn Kommerzienrats Heyligenstaedt nochmals nur möglich sein durch Abschluß langfristiger Handels- und schloß die Versammlung mit einem Hoch auf das verträge Wenn die Landwirtschaft in eine ungünstige Lage Vaterland. gekommen ist, so ist das nicht geschehen in ursächlichem Bu­sammenhang mit der Industrie, sondern der Fortschritt des Verkehrswesens brachte das mit sich und daß infolge dessen Getreide z. B. billiger eingeführt wird als es der Bauer verkaufen kann, vermögen wir nicht zu verhindern. Ein Fünftel der Einwohnerschaft Deutschlands lebt, statistisch nachgewiesen, rom Ausland, und die Landwirtschaft, die ebenfalls nur Nuzen daraus zieht, insofern der Volkswohl­stand durch die Ausfuhr sich hebt, hat darum die moralische Verpflichtung, wenn sie der Regierung zur Seite steht und Handelsverträge hilft mit schaffen. Auch diesem Redner Gleich an­wurde am Schluß langanhaltender Beifall. schließend daran sp ach Herr Justizrat Dr. Gutfleisch, der, von lautem Händeklatschen schon vorher begrüßt, zu Anfang seiner Worte, das Flugblatt, welches vorgestern Abend von sozialdemokratischer Seite verbreitet worden ist, resp. dessen Verfasser kurz geiselte. Er halte es nicht der Mühe wert, auf dasselbe einzugehen, da uns ja eine ganze Welt von diesen Leuten trennt. Nachdem fam er auf die Lage im Wahlkreise Gießen zu sprechen und sagte, daß seit 13 Jahren nur ein Interessenstreit bestehe, der ein Hervor­treten der streng agrarischen Elemente brachte, die den jeßigen Abgeordneten Köhler wäh te. Wie haben wir uns 1866 und 1870 gefreut, daß uns ein direktes Wahl­recht ward, wodurch man einem Manne seine Stimme geben kann und soll, der auch an den Volks Beratungen teilnimmt. Was ist aber geschehen. Seit 13 Jahren haben wir hier sozusagen fein Wahlrecht, wir werden vom Lande über­stimmt, als wenn man uns das Wahlrecht genommen hätte. Es ist auch ferner nicht ehrenhast, von einem Antisemiten vertreten zu sein, von einer Partai, die sich ihres Namens schämt und einmal diesen, dann wieder jenen Namen führt. Wenn ein Mann, der die Mehrh it der Wähler auf sich vereinigt, 10 Jahre nicht hingeht nach Berlin, um mit Teil zu nehmen an den Sißungen, dann sage ich, ist es ein Schlag ins Gesicht, diesen Mann noch fräerhin zu begehren. In der i zigen schweren Zeit ist es darum doppelt nötig, daß man sich im Wahitreise aufraffe und am 16. Juni alle Wahlberechtigten zur Wahlurne kommen möchten, damit endlich wieder Wandel eintritt. Das direkte und gleiche Wahlrecht wurde vom Abg. Köhler im Hessischen Landtage bekämpft, und wer birgt uns dafür, daß er nicht auch im Reichstag so stimme. Geben Sie da um, so schloß Herr Justizrat Dr. Cutfleisch seine Rede, 5 m liberalen Kandidaten Heyl genstaedt, Ihre Stimme, und Sie leisten dem Vaterlande einen großen Dienst. Brausender Beifall folgte diesen Worten. Nachdem aus der Versammlung heraus Niemand Anfragen an den Kandidaten gestellt hatte, empfahl Herr Kommerzienrat Georgi die

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*** Gewerkschaft Gießener Braunstein­Der Versand an bergwerke vormals Fernie. Erzen der Gießener Braunsteinbergwerke vormals Fernie betrug pro Mai 11 500 Tonnen mit einem Brutto- Erträgnis von Mt. 110000. Für die zu bildende Gesellschaft zur Uebernahme der ruhenden 401 Kuren sind bisher Mt. 1450000 nur von Gewerken gezeichnet, so daß fremdes Kapital zur Realifierung der Sache nicht mehr nötig ist. Die Gewerkschaft ist jetzt der Sorge ledig, wie sie den Gläubiger Fernie befriedigen werde, von dem sie, da seine noch nicht fällige Forderung in diesem Jahre getilgt wird, einen Nachlaß von ca. Mf. 300 000 genießt. Weiter rhält Betriebsverbesserungen aber die Gewerkschaft Mt. 200000 zu ( Anlage eines direkten Schienengleises 2c.).

Aus Hessen und Dachbargebieten.

K Trais- Horloff. 5. Juni. Gestern Abend 7 Uhr verunglückte ein Maschinist in der Brikettfabrik dadurch, a er mit seinen Kleidern an der Transmission hängen blieb. Durch die Umdrehungen wurde der Bedauernswerte derartig verstümmmelt, daß der Tod sofort eintrat. Der Verstorbene war schon längere Zeit hier in Stellung und seit drei Wochen verheiratet. Das Mitleid mit der jungen W twe ist allgemein.

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Marburg. 4. Junt. Dem im Brungshäuser Walde erschossenen Förster Keller aus Bromskirchen sind laut Sektionsbefund 29 Schrote Nummer 00 in Herz und Lunge gegangen. 12 Schritte weit hat der Förster, der kein Ge­wehr aber 2 Revolver bei sich trug, seinen Angreifer verfolgt, dann ist er tot zusammengebrochen. Der tötliche Schuß ist nach dem Befund meuchlings abgegeben worden.

Die Giessener Neueste Nachrichten

Sa mtaa, abends 8 Uhr: Versammlung und Bibel­besprechung im Konfirmandensaal der Johanneskirche.

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Der Brief eines Gutspächters in Ungarn.

Herrn Franz Wilhelm, Apotheker. t. und f. Hoflicferant in Neunkirchen, Niederösterreich. Naszály.

Erlaube mir hiermit meinen Dank für die wunde bare Wirkung, welche Ihr ausgezeichneter Wilhelm's antiarthri­tischer ant rheumatischer Blutreinigungs- Thee bewirkt, auszu= sprechen. Ich habe durch diesen Thee eine Frau in Suttö gänzlich ausgeheilt, obwohl dieselbe schon drei Bierteljahre von den besten Aerzten der ganzen Gegend behandelt wurde, welche ihr das Leben absprachen. Durch diese Cur ist Ihr The in dieser Gegend so beliebt geworden, daß Herr Josef v. Tööf, Apotheker, Königspasse 7 in Pest gewiß einen guten Absaz an die Suttöer Landleute hat.

Auch in meinem Hause hat sich der Fall ereignet, daß ein bei mir bediensteter junger Mann so ein heftiges Gicht­leiden bekam, daß er weder Füße noch Hände rühren konnte und durch den Gebrauch von drei Packeten Ihres ausgezei h- neten Thees gänzlich geheilt wurde. Auch ich gebrauche den Thee zweimal im Jahre und bin überzeugt, daß derselbe mir gut thut Nochmals den besten Dank der Genes nen aus­sprechend, zeichnet mit aller Achtung

Michael Hohldampf.

Gutspächter in Naszály, I. P. Totis, Ungarn. Bestandteile: Innere Nußrinde 56, Walnußschale 56, Ulmenrinde 75, franz. Drangenblätter 50, Eryngiiblätter 35, Stabiosenblätter 56, Lemus­blätter 75, Bimmstein 150, rotes Sandelholz 75, Bardannawurzel 44, Carug­wurz I 3.50, Radic. Cariophyll. 350, Chinarinde 8.50 Eryngiimurzel 57, Fenchelwurzel( Samen) 75, Graswurzel 75, Lapathewurzel 67, Süßholzwurzel 75, Sassaparillwurzel 35, Fenchel, tom. 3:50, weiß Senf 350, Nachtschatten­ftengel 75. Die Bestandteile sind nach einem eigenen Verfahren geschnitten und getrocknet, wodurch der Heilwert speziell erhöht ist. Nicht zu verwechseln mit gewöhnlicher Handelsware.

Bekanntmachung,

Die diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt werden. Gießen wird, beginnend mit

Mittwoch, den 10. Juni

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im Impflokale- Sulgebäude Neustadt 61- für die nächsten 5-6 Wochen jeden Mittwoch, nach mittage 5-6 Uhr, abgehalten werden. Impfpflichtig im laufenden Kalenderjahr sind die im vorigen Jahre geborenen Kinder, sowie die rückständigen aus früheren Jahren.

Ich lade die hiesigen Einwohner, welche impf­pflichtige Kinder haben, zur Benutzung dieser öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denselben borgenommenen Impfungen unentgeltlich sind. Wer die Termine nicht benutzen will, muß die Impfung seines pflichtigen Kindes bis zum Jahresschluße auf seine Sosten bewerkstelligen lassen, widrigenfalls ihm im Januar nächsten Jahres eine vierwöchentliche Frist zur Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gesezt wird.

Außer den Pflichtigen werden auch Kinder, welche im laufenden Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Vertreter geimpft.

Alle in einem Termine geimpften Kinder müssen in dem 8 Tage später abgehaltenen Termine zur Nach­ichau nochmals erscheinen.

Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können gleichfalls dem Impfarzte in den öffentlichen Terminen vorgestellt

werden.

Die Impflinge müssen mit reiner Wäsche und rein gewaschenem Körper zur Impfung gebracht werden. Es wird nur an einem Arme mit Lymphe aus dem Lan­desimpfinstitut geimpft.

Kinder aus Familien, in denen ansteckende Krank heiten herrschen, dürfen nicht in die Termine gebracht Gießen, den 5. Juni 1903.

Der Oberbürgermeister Mecum

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