Ausgabe 
3.10.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 232. Zweites Blatt.

Abonnementsprete: in Gießen, abgeholt monatlich 50- Pfg., in's Haus gebracht 60 Bfg., durch die Post bezogen viertels fährlich Mr. 1.50.

Gratisbeilagen: Oberhefftfche Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obft- und Bartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werttagen nachmitags.

Samstag, den 3. Oktober 1903.

Gießener

12. Jahrgang.

Insertionsprei 8: Die einspaletge Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Bfg.

Postzeitungsliste No. 3869.

Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr. 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Esthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Bekanntmachung.

In Gemäßheit des Art. 23 des Volksschulgesets und der Bestimmung Großh. Ministeriums des Innern, Abteilung für Schulangelegenheit n, vom 26. November 1901 bringen wir hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß die

Fortbildungsschule

Montag, den 5. Oktober 1. J. im Stadtknaben­schulhaus an der Nordanlage beginnt und vom genannten Tage an wöchentlich zweimal abgehalten wird.

Zum Besuche derselben sind alle Knaben verpflichtet, welche während der letzten drei Jahre aus der Volksschule entlassen wurden, sowie die Schüler der Gymnasien, Realgym­nasien, Oberrealschulen, Realschulen und höheren Bürgerschulen, welche nach Ablauf des achten Schuljahres austreten ohne mindestens ein Jahr lang der Obertertia angehört zu haben und sich hier aufhalten.

Es haben sich einzufinden:

Montag, den 5. Oktober, namittage 2 Uhr: alle stulpflichtigen Kaufleute, soweit dieselben nicht die kauf­männische Fachschule besuchen, Schreiber, Schriftseßer, Buch­binder, Geometer, Photographen, Graveure, Lithographen, Mechanifer, Maler, Lackierer, Frieseure, Metzger, Kellner, Auslaufer, Gärtner.

In dieser Gruppe findet der Unterricht Montags von 2 bis 5 Uhr und Donnerstags von 2 bis 4 Uhr statt. Montag, den 5. Oktober, nachmittags 5 Nhr: alle schulpflichtigen Maurer, Steinhauer, Zimmerleute, Dach­decker, Spengler, Schlosser, Schreiner, Glaser, Weißbinder und alle sonstigen Bauhandwerker.

In dieser Gruppe findet der Unterricht Montags von 5 bis 7 Uhr und Donnerstags von 4 bis 7 Uhr statt. Dienstag, den 6. Oktober, nachmittags 5 Uhr: alle schulpflichtigen Bäcker, Schneider, Schuhmacher, Sattler, Tapezierer, Wagner, Schmiede, Fabritarbeiter und alle übrigen Schulpflichtigen, deren Unterricht Dienstags von 5 bis 7 Uhr und Freitags von 4 bis 7 Uhr stattfindet.

Außerdem haben diejenigen Schüler der Nachbarge­meinden, welche abends in ihren Himatsort zurückkehren, aber zum Besuche der hiesigen Fortbildungsschule angemeldet worden sind, si Mittwoch, den 7. Oktober, nachmit­tags 4 Uhr, im Stadtknabenschulhaus einzufinden.

Der Unterricht in dieser Klasse findet Mitt­wochs von 4 bis 6 Uhr und Samstags von 3 bis 6 Uhr statt.

Unter Hinweis auf Art. 25 des Volksschulgesetes, wo­nach Lehrherrn, Dienstherrn und Arbeitgeber ihren Lehr­lingen, Dienern und Arbeitern die zum Besuche der Fortbildungsschule nötige Zeit bei Meidung polizeilicher Strafen einzuräumen haben, ersuchen wir die Genannten so­wie die beteiligten Eltern, Vormünder u. s. w. den Schul­pflichtigen von vorstehender Bekanntmachung rechtzeitig Kennt­nig zu geben.

Gießen, den 28. September 1903.

Für den Schulvorstand: Mecum Oberbürgermeister.

Vermischtes.

Hahn Reftor.

[ Was kostet einem Kongreß die Bennkung des Reichs­tagsgebäudes?] Aus Anlaß des Kongresses des inter­nationalen statistischen Instituts dürfte es interessant sein, festzustellen, was dem Kongresse die Benutzung des Reichs­tagsgebäudes fostet. Für Benutzung des Gebäudes, für Heizung und Beleuchtung haben die den Reichstag benutzen­den Kongresse feine finanziellen Aufwendungen zu machen. Die Summe, die sie zu hinterlegen haben, beträgt bei einer Dauer von 8 Tagen nur 500 Mark, ein ziemlich billiges Vergnügen. Für diese Summe werden die für die Dauer der Tagung angestellten Diener, sowie die im Postamte des Kongresses beschäftigten Beamten oder ihre Stellvertreter auf den Postämtern, von denen sie für die Kongreßdauer Delegiert sind, und die Reinmachefrauen besoldet. Alle übrigen Kosten trägt das Reich.

[ Der Papst und seine Schivestern.] Römische Blätter wissen täglich neues vom Papst Pius X. zu erzählen. Vor einigen Tagen erfuhr der Papst, daß Nonnen seinen drei Schwestern prächtige Hüte geschenkt hätten. Der Papst be­fahl, die Hüte sofort zurückzuschicken, da seine Schwestern nic Hüte getragen hätten und nicht Damen zu spielen brauchten, weil ihr Bruder zufällig Papst geworden sei. Man erzählt auch folgende Geschichte: Ueber den von den Schwestern des Papstes bewohnten Zimmern liegt eine Wohnung, die zu vermieten war. Ein römischer Prälat beeilte sich, sie zu mieten, um mit der Familie des Papstes verfehren zu können; er mochte hoffen, auf diese Weise sein Avancement beschleunigen zu können. Als der Papst das erfuhr, verbot er seinen Schwestern, den Prälaten zu empfangen oder ohne seine Erlaubnis mit irgend einem anderen kirchlichen Würdenträger in Verkehr zu treten.

[ Die wackere Bürgermeisterstochter.] Der merika­nische Kongreß hat dem achtzehnjährigen Fräulein Manuela Flores, der Tochter des Bürgermeisters von Linares, eine Medaille für ihre Tapferkeit und ihre großen Dienſte_wäh­rend der letzten schweren Gelbfieber- Epidemie gestiftet. Fräu­lein Flores übernahm, als ihr Vater von der Seuche er­griffen wurde und schwer krank darniederlag, mit Erlaub­nis der Regierung die Zügel der Stadtverwaltung. As donn noch mehrere städtische Beamte der verderblichen Krankheit erlagen, führte sie auch deren Geschäfte mit gro­ßer Umſicht und Energie weiter.

[ Die Erschaffung des berabischen Adam.] Die Ber­bervölker Maroffos, auch Beraber genannt, stehen in Frank­reich auf der Tagesordnung, seitdem sie bei El Mungar den französischen Truppen eine ernste Schlappe beigebracht haben. Sie zählen 37 Stämme, von denen einige, wie die Beni Mguild, 10 000 Soldaten ins Feld schicken kön­nen. Herr de Segonzac, der fast vier Monate unter den Berabern gelebt hat, schildert in seinen Reiseberichten diese wilden Bergvölker recht anschaulich. Sie wollen von der Zivilisation nichts wissen und sind sich selbst genug mit ihren Herden, ihren Pferden und ihren Weibern. Sie hal­ten sich für das erste, das schönste, das tapferste aller Völker. Als Allah den ersten Menschen erschaffen wollte," erzählen sie, nahm er Teig, fnetete ihn sorgfältig und schob ihn in den Ofen. Nach einem Tage und einer Nacht öffnete der Schöpfer, den Ofen, um sein Werk zu betrachten: der Mensch war weiß und weich. Allah dachte: Ich habe ihn nicht genug backen lassen." Er schob den Menschenteig wie­der in den Ofen und ließ ihn jetzt eine ganze Woche drin. Der Mensch kam ganz schwarz heraus und strömte einen schlechten Geruch aus. Allah dachte: Ich habe ihn zu lange backen lassen." Er formte also ein neues Bild, schob es in den Ofen und nahm es nach dem dritten Tage her­aus. Diesmal hatte der Mensch eine schöne goldbraune Farbe und war geschmeidig und widerstandsfähig. Allah rief: Er ist gut geworden."

Ein Unglücksprophet.] Der englische Schäfer Tho­mas", Old Moore, dessen Ruf immer noch fest und uner­schüttert dasteht, hat sich diesmal sehr beeilt, denn er veröffentlicht schon jetzt seinen Prophetischen Almanach für 1904". Es wäre übertrieben, wenn man sagte, daß er seine Zeitgenossen, die ohne ihn schon genug gequält und gepeinigt sind, nur beruhigen wollte, denn der Astrolog des 20. Jahrhunderts wie er sich nennt prophezeit faſt ausschließlich Unglücksfälle: Erdbeben, Wirbelstürme und neue Steuern. Mars und Saturn, versichert er, werden Unruhen hervorrufen, die die ganze Welt erschüttern wer­

In der Beantwortung, welche die Pforte der russisch­österreichischen Note zu teil werden läßt, wird der aufrichtige Wille zur Durchführung der Reformen ausgedrückt; diese Reformen würden aber wesentlich erschwert durch die Hal. tung Bulgariens. Die Mächte möchten doch in Sofia geeignete Schritte tun. Daß es der Türkei Ernst ist, erweist sich aus den Maßregeln zur Untersuchung und Bestrafung der von den Truppen begangenen Ausschreitungen- offen­bar schon eine Wirkung der Note, zu der jetzt übrigens auch Italien zustimmende Stellung genommen hat.

Das Neuefte aus den Witzblättern.

Der Nichtsnuk. Beanter: So ein nichtsnuzziger Bengel - verschluckt der grade am Monatslegten ein Zehnmark­Stück. Jedes Mal. Ah, pardon,... ich wußte wirklich nicht, daß Ihre Tochter verlobt ist." Aber das stand doch jedes­mal in der Zeitung!"

Protest. Den Laubfrosch dürfen Sie nicht pfänden! Ohne denselben könnte ich meinen Beruf nicht aus­üben... ich bin Wetterprophet!"

Mitgefühl. Afrika- Reiſender: Ich bin in Gegenden ge­reist, wo ich wochenlang feinen Menschen zu sehen bekam; ich - Dame: Sie war ganz auf mich selbst angewiesen...." Aermster!"

Unnötige Angst. Die ganze Nacht über hat der Kopf­schmerz nicht nachgelassen. Ich fürchte, Herr Doktor, es ist vielleicht am Ende eine Hirnentzündung."- ,, Dazu fehlt doch jede Voraussetzung." ( ust. Bl.)

Kunft und Wissenschaft.

RK. Rudolf Falb. In Schöneberg verschied nach langem Siechtum der Wetterprophet" Rudolf Falb, dessen Namen ebenso wie seine Theorie von den kritischen Tagen" in ganz Deutschland populär ist. Nach Falbs Behauptung werden durch das Zusammenwirken von Sonne und Mond auf die Erdatmosphäre und das flüssige Innere unseres Planeten an kritischen Tagen" Erdbeben, Wetterkatastrophen und schlagende Wetter hervorgerufen. Er gründete diese Theorie auf die bekannte Tatsache, daß die Anziehungskraft des Mon­des Ebbe und Flut hervorrufe. Zwar hat Falb stets die Herrschende astronomische Wissenschaft gegen sich gehabt, aber niemand kann ihm abstreiten, daß seine Vorhersagungen in mehreren Fällen überraschend eingetreten sind. Falb selbst behauptete übrigens nicht einmal, daß seine Prognosen stets zutreffen müßten, sondern betonte nur ihre Wahrschein­lichkeit. Falb hat eine stürmische Vergangenheit hinter sich. Geboren am 13. April 1838 zu Obrech in Steiermark als Sohn eines katholischen Müllers, wurde er in einem Kloster erzogen und dem Priesterstande geweiht. Nach längerer Wirksamkeit als Pfarrer trat er zum Protestantismus über und verheiratete sich, worauf er erfommuniziert wurde. Er wendete sich dann gänzlich aſtronomischen Studien zu, für die er schon als Klosterschüler große Neigung gezeigt hatte. Vor zehn Jahren erlitt Falb einen Schlaganfall und war an den Rollstuhl gefesselt. Freude und Verehrer sammel­ten, um die Not von seinem Lebensabend fernzuhalten, da­mals für ihn die Summe von 75 000 Mart.

Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein; für das Lokale, den Gerichts." und ,, Deffentlichen Sprechsaa": Fr. Oppermann,

den: es wird besonders in den Balkanländern alles drunter Man kann es nicht ernst- genug

und drüber gehen; es will uns jedoch scheinen, daß man das auch hätte voraussagen können, ohne von den Hyste­rien der Astrologie eine Ahnung zu haben. Man braucht ja nur die Zeitungen zu lesen. Im Januar wird die Herr­schaft Jupiters dem König Eduard VII. besonders günstig sein. Aber der März wird für die Männer, die in Eng­land am Ruder sind, sehr traurig sein, da kriegerische Komplikationen große Veränderungen in der englischen Re­gierung herbeiführen werden. Die Unruhen und die Auf­regungen werden durch die Venus nur noch mehr vermehri und verstärkt werden: es wird z. B. in London einen Ehe­scheidungsskandal geben, wie er noch nicht dagewesen ist. Im Oktober aber werden sich alle Wogen wieder glätten, und man wird wieder frei aufatmen können. Heißer Danf dafür gebührt dem Propheten Old Moore, dessen Pessimis­mis uns übrigens nur indirekt angeht, denn seine Prophe­zeiungen find hauptsächlich für England bestimmt.

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mit seinem täglichen Getränk nehmen mit dem, was man gewohnheitsmäßig zu bestimmten Mahlzeiten immer und immer wieder genießt. Hier summiert sich stets die heilsame oder schädliche Wirkung und unser ganzes leibliches und geistiges Wohlbefinden hängt nicht zum geringsten davon ab. Am besten ist nach ärztlichem Urteil jeden­falls derjenige aufgehoben, der sich vor dem gefährlichen Uebermaße anerkannter Gifte, wie Alkohol, Koffein 2c., hütet und ein wirklich erprobtes, wohlbekömmliches Ge= tränk wie Kathreiner Malzkaffee ständig und täglich zu sich nimmt. Immer gleiche, ungeschmälerté Lebens- und Arbeitsfreude wird ihn am schönsten dafür belohnen.

und Pfg. für je 2 abgeteilte Portionen enthalten alle Bestandteile der natürlichen Bouillon in unerreichter Qualität. Nur durch Ueberbrühen mit kochendem Wasser erhält man sofort eine Tasse Kraftbrühe für 8 Pfg. oder Fleischbrühe für 6 Pfg.

Man verlange ausdrücklich ,, Maggi's Bouillon- Kapseln" und weise andere Marken zurück.

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