Nr. 179,
Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertel fährlich Mr. 1.50.
Gratisbetlagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitags.
Montag, den 3. August 1903.
Gießener
12. Jabrgang.
Insertion@ pret 8: Die einfpaltige Betttzelle für Gießen wie gang Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pff fonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzetle 30 refp. 40 fg.
Boftzeitungsliste No. 3969.
Rebattion und Expedition: Gießen Neuenweg 98. Fernsprechanschluß Nr. 362.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
316
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Bekanntmachung.
Betr.: die Nebision der Bierdruckvorrichtungen.
Die Stelle des Kontrolleurs der Bierdruckvorricht ungen in den Wirtschaften der Landgemeinden des Kreises ist neu zu besetzen. Bewerber wollen sich unter Vorlage bon Zeugnissen über ihre technische Befähigung schriftlich bei uns melden.
Gießen, den 31. Juli 1903.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
J. V.: Dr. Wagner.
Bekanntmachung.
Herr Stadtrechner Doepfer ist vom 1. bis 23. August beurlaubt und wird während dieser Zeit durch den I. Stadtkassegehilfen Herrn Peter vertreten.
Gießen, den 31. Juli 1903.
Der Oberbürgermeister Mecum.
Bekanntmachung.
In der Zeit vom 25. Juli bis 1. August 1903 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Trauring, i goldener Ning, 1 Bortemonnaie mit Inhalt, 1 weiße Nachtjacke, 1 rotes Kinderjäckchen und 1 Pferdeteppich:
bertoren: I zehnmarkstück und 1 Stahlbrosche; entflogen: 1 Kanarienbogel;
entlaufen: 1 Forterrier und 1 Teckelhund.
Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend ju machen.
Gießen, den 1. August 1903.
Großh. Polizeiamt Gießen. J. V. Roth. Bekanntmachung.
Das im hiesigen Stadtwalde unverbürgt gebliebene holz als: 3 mtr. Nadelprügel, 1 mtr. Giche Scheitholz, 14 Rmtr. Eiche Reiser und 13 Rmtr. Nadel Reiser soll Mittwoch, den 5. d. Mts., nachmittags 5 Uhr in dem hiesigen Rathaussaale anderweitig versteigert werden.
Auch wird bekannt gegeben, daß das aus dem Wirtschaftsjahr 1902/3 im hiesigen Stadtwalde ge= steigerte Holz bis zum 10. August d. Js. bei Vermeidung von Strafe abgefahren sein muß. Grünbers, am 1. August 1903.
Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg. Zimmer.
Bekanntmachung.
Die städtische Fischerei in der Höfentränk dahier soll Mittwoch, den 5. d. Mts., nachm. 5 Uhr, im hiesigen Rathaussaale auf weitere 6 Jahre verpachtet werden.
Grünberg, am 1. August 1903.
Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg.
Zimmer.
Lehrlingsfchulen.
Man schreibt uns: Der preußische Handelsminister hat, wie erinnerlich, in Osnabrück darauf hingewiesen, daß die Zeitverhältnisse sich für den Handwerkerberuf von Grund aus geändert haben und zwar so sehr, daß selbst die Berufserziehung auf eine andere Grundlage gestellt werden müsse. Die Zeit werde nicht mehr fern sein, in der staatliche Anstalten für die Lehrlingsausbildung errichtet werden, denn das heutige System habe sich überlebt. Wer mit offenem Auge dke Zeitverhältnisse verfolgt, fann dem Minister nicht ganz unrecht geben. Das heutige System ist noch ein Ueberrest aus der patriarchalischen Zeit, der heranwachsende Berufsgenosse wird in die Lehre zum Handwerksmeister gegeben, aber die Hausgemeinschaft hört in der Regel auf und damit auch der Einfluß auf die sittlichen Anschauungen des Lehrlings. Außerdem aber macht sich in weit höherem Maße als in früheren Jahrhunderten das Bestreben geltend, die Lehrlinge als billige Arbeitskräfte auszunußen. Früher war das weniger der Fall, nicht weil die Handwerferschaft der damaligen Zeit auf höherer sittlicher Warte gestanden hätte, vielmehr deshalb nur, weil die Vorbedingungen zu einer derartigen Praxis fehlten. Heute ist kein Handwerk mehr ohne maschinelle Einrichtungen, zu deren Bedienung ein Lehrling in wenigen Wochen abgerichtet werden kann. Dornt er dann noch das Handwerksmäßige der Technik dazu.
dann ist der Lehrling als Betriebsgehilfe fix und fertig. Der Staat hat ja mit seinen Bestimmungen über die Zahl der zulässigen Lehrlinge bereits eingegriffen, aber immerhin ist es, das muß ein um den Nachwuchs besorgter Meister zugeben, möglich, daß ein Lehrling auch dann noch mißbraucht und ausgenutzt wird. Ein Merkmal des Maschinenzeitalters ist eben die Arbeitsteilung; aber nur der Fertige" soll Spezialist werden, die Lehrlingserziehung soll sonach allseitig sein, damit dereinst ein„ Meister" sich aus dem Lehrling herauswächst.
Eines aber kommt noch hinzu, um das heutige Ausbildungssystem allmählich in Verfall zu bringen: die hohen Ansprüche, die an das theoretische Wissen gestellt werden. Diese führen allmählich dazu, daß wenigstens in den Städten völlige Lehrlingsschulen eingerichtet werden, in denen nach einen bestimmten Plan die Theorie und Praxis auf fachlicher Grundlage organisch ineinander greifen. Wer sich nicht geflissentlich die Augen verschließt, wird zugeben müssen, daß wir diesen Verhältnissen entgegen gehen. Daß eine systematische Berufsausbildung in Lehrlingsschulen voraussichtlich die berufliche Tüchtigkeit des Nachwuchses steigern würde, ist nicht zu leugnen, denn für den Lehrmeister, der sich lediglich der technischen Erziehung widmet, fallen alle Gründe fort, einen Handwerksrefruten einseitig zu erziehen und ungeeignete Elemente zu halten. Diese würden schon während der Lehrzeit in die Reihen der ungelernten Arbeiter abgeschoben werden. Zweifellos würde eine schulmäßige Handwerkserziehung auch die Empfindung für die Berufsehre ſteigern, ebenso würde der Wettbewerb in den Schulen und durch die periodischen Prüfungen nicht ohne Einfluß auf die Leistungn sein- alles Vorzüge, die nicht gering anzu schlagen sind.
Aber die Schattenseiten! Derartige Organisationen sind nur in den Städten möglich. Auf dem Lande fehlen alle Vorbedingungen dazu, die Zahl von Lehrlingen, um Fach schulen einzurichten, die Kräfte, um den Unterricht systematisch zu gestalten. So ist auch die von dem Minister auf die Tagesordnung gesetzte Frage ein neuer Beweis für das wachsende Uebergewicht der Städte in unserem wirtschaftlichen Dasein. Soll diese Entwickelung aufgehalten werden, dann ist es unerläßlich, daß die Meister jede Lehrlingszüchterei vermeiden, die sittliche Erziehung des Nachwuchses über wachen und auch darauf sehen, daß der Lehrling sich in der Fach- und Fortbildungsschulen die Aneignung neuer Kennt nisse angelegen sein läßt sonst könnte das, was Minister Möller als eine langsame Zukunftsentwickelung ankündigt vielleicht eine überraschende Spende der Gesebaeher werden
Die Politik.
Ein deutsches Fürstenjubiläum.
Fünfzig Jahre sind seit jenem 3. August verflossen, an dem Herzog Ernst von Sachsen- Altenburg den Thron ſeiner Väter bestieg. Selten hat ein deutscher Fürst so lange Jahre das Szepter geführt, wie Herzog Ernst, der dabei noch die Achtzig nicht erreicht hat. Am 16. September 1826 als ältester Sohn des Herzogs Georg und seiner Gemahlin Marie, Prinzessin von Mecklenburg- Schwerin geboren, tat der Prinz von 1851 bis 1853 Dienst bei dem Potsdamer Ersten Garderegiment zu Fuß. Kurz nach seiner 1853 er folgten Vermählung mit Prinzessin Agnes von Anhalt, die er vor 6 Jahren durch den Tod verlor, trat Herzog Ernst die Regierung seines Landes an. Er schloß sich eng an Preußen an und war neben dem Großherzog von Baden einer der begeistertsten Vorfämpfer der deutschen Einheit unter Preußens Führung. Seine einzige Tochter, Prinzessin Maria, vermählte sich 1873 mit dem Prinzen Albrecht von Preußen, dem jetzigen Regenten von Braunschweig; sie starb bereits vor ihrer Mutter 1893. Die Liebe seiner Altenburger und die Verehrung gatiz Deutschlands möge den greisen Fürsten, der an seinent Jubelfeste seine dahingeschiedenen Lieben schwer vermissen wird, einen Ersag bieten für das, was ihm das Schicksal mitleidslos entrissen hat.
Monarchenbegegnungen im Spätsommer.
Offiziell wird jetzt bestätigt, daß König Eduard VII. am 15. August zu dreiwöchigem Kurgebrauch in Marienbad eintreffen werde. Wie weiter verlautet, wird der König im Anschluß an seinen Marienbader Aufenthalt auch dem Kaiser Franz Josef in Wien einen offiziellen Besuch abstatten. Von dort aus begibt sich der König entweder nach Homburg oder nach Wiesbaden. Bekanntlich wird im Herbst auf deutſchem Boden eine Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm, dem 3aren, König Eduard und den Königen von Dänemark und Griechenland stattfinden, die sämtlich ihre Anwesenheit bei der Hochzeit des Prinzen Andreas von Griechenland mit der Prinzessin Alice von Battenberg in Darmstadt zugesagt haben.
Fürst Ferdinands Herrscherschmerzen.
Fürst Ferdinand von Bulgarien scheint von der Wahrheit seiner Versicherung, in Bulgarien sei alles ruhig, selbst nicht allzu viel zu halten. Er hat, wie jezt bekannt wird, dem Familienrate des Hauses Koburg- Kohary die Frage vorgelegt, ob er auf den bulgarischen Thron verzichten solle. Ein cilen bat man ihm geraten, die Ohren steif zu halten
uuuwarien. Es scheint auch, als sei es dem Ministerpräsidenten Petrow gelungen, in der Abwesenheit des Fürsten das Heer wieder für Ferdinand zu gewinnen, und auch Rußland scheint dadurch, daß es die Bitte der Zankowisten und Radoslawowisten um Unterstützung einer Revolution unbeantwortet ließ, die Revolutionslust etwas eingedämmt und Ferdinands Stellung im Fürstentum einigermaßen befestigt zu haben. Wie lange aber wird das vorhalten?
Der Budapester Korruptionsskandal.
Die Annahme, das Kabinett Khuen- Hedervary werde über die unglaublichen Bestechungsversuche an dem Abgeord neten Zoltan Papp zu Falle kommen, scheint sich nicht bestätigen zu sollen. Die Untersuchung, die von der parla mentarischen Untersuchungskommission veranstaltet worden ist, hat zwar als völlig zweifellos ergeben, daß der Gouver neur von Fiume, Szapary, ein intimer Freund Khuens, der Urheber des Bestechungsversuches gewesen ist. Aber Szaparr fonnte auf sein Ehrenwort erklären, daß Graf Khuen von diesem und von anderen ungefeßlichen Beeinflussungsver suchen, die Szapary zu Gunsten des Ministeriums gemacht hatte, kein Sterbenswort gewußt habe. So dürfte denn der Rücktritt des Ministeriums wegen unmittelbarer Beteiligung an der Korruptionswirtschaft nicht erfolgen. Vielleicht erfolgt er aber binnen kurzem aus anderen Gründen, die mit der Bestechungssache zu tun haben. Unter dem Eindruck der Enthüllung Papps hat sich nämlich die vor kurzem auseinandergefallene Kossuthpartei wieder geeinigt, und Franz Kossuth ist wieder an ihre Spite getreten, um einen erneuten scharfen Kampf gegen die Regierung zu führen. Uebrigens ist, Szapary seinerseits das Opfer einer Schwindlerbande gewesen, die seine Leichtgläubigkeit und seine Sucht, eine Rolle im politischen Leben zu spielen, geschickt auszubeuten wußte. Er hat diesen Erpressern, zu denen auch der über Berlin nach Hamburg geflüchtete Dienes ge hörte, allmählich große Summen, etwa 50 000 Gulden, ge opfert. Hinter Dienes ist die Polizei her, in Berlin konnte er noch im letzten Augenblick entwischen; die Polizeibehörden im Reiche sind angewiesen, ihn zu verhaften, wo sie seiner habhaft werden.
Persische Revolte.
+ Der religiöse Fanatismus in Persien fordert immer neue Opfer. Die moslemitische Priesterschaft hetzt die Bevölkerung gegen die Sefte der Babisten; an verschiedenen Orten kam es zu weiteren Greueln. In Schiras ist ein ganzer Stamm im Aufstande. Aus Isvahan sind 3200 Babiſten ausgewiesen worden, weil man fürchtete, die erregte Menge könnte sie niedermezeln. In Jesd sind 120 Babisten getötet; zwei von ihnen wurden vor die Mündung eines Geschützes gebunden und in die Luft geschossen. Die Geistlichkeit ging so weit, die Frage der Schutzherrschaft des Sultans anzuregen, d. h. also Hochverrat an den Schah zu predigen!
Das russisch- japanische Abkommen.
Näheres über die zwischen Rußland und Japan getroffenen Verabredungen in Sachen der ostasiatischen Frage wollen Pariser Blätter erfahren haben, und sie dürften in der Tat gut unterrichtet sein. Danach hat der russische Kriegsminister Kuropatkin Japan folgende Vorschläge gemacht: Rußland sei bereit, die russischen Truppen aus der Mandschurei zurückzuziehen, mit Ausnahme der von der Eisenbahn berührten Zone. China dürfe hierauf Ausländern den Aufenthalt in allen beliebigen Orten gestatten mit Ausnahme der an der Eisenbahn gelegenen, für die sich Rußland das Zustimmungsrecht vorbehalte. Was Korea angehe, sei Rußland bereit, sich jeder Einmischung in diesem Lande zu enthalten, vorausgesetzt, daß Japan das gleiche tue. Diese Vorschläge wurden sowohl von Japan als, wie die Pariser Blätter weiter melden, von den Vereinigten Staaten als befriedigend angesehen. Dagegen steht England ihnen wenig günstig gegenüber. Das läßt sich denken!
Die„ Komitatschis" in Macedonien.
Das Bandenunwesen in Macedonien will kein End nehmen. Während der letzten zehn Tage haben im Vilaje Monastir sechs Zusammenstöße zwischen bulgarischen Bander und türkischen Truppen stattgefunden. Vierzehn Bulgarer und sieben türkische Soldaten wurden dabei getötet. In gleichen Zeitraume wurden im Vilajet Monastir von Ko mitatschis( Mitgliedern des maroffanischen Komitees) fünf zehn Mordtaten begangen, darunter zehn an Per jonen, welche Teilnehmer einer Bande verraten hatten. Wenr die Pforte von den Mächten an der Niederwerfung der Romitatschis noa) weiter gehindert wird, wird dieses Treiber der bulgarischen Abenteurer wohl kaum sobald aufhören.
Kämpfe an der algerischen Grenze.
A Die wilden Araberstämme an der algerischen Grenz lassen den Franzosen keine Ruhe. 500 maroffanische Berabe haben bei Sidi- el- Jady, 80 Kilometer von Adrar, 50 Sahara schützen angegriffen, die dort 150 weidende Kamele be wachten. Es entspann sich ein ernster Kampf. Die Beraber erlitten große Verluste, töteten aber 10 Sabaraschützen uni zwei französische Korporäle und führten alle Kamcle weg Wie aus Algier gemeldet wird, sollen zwei Bataillone ans der Provinz Constantine an die maroffanische Grenze gehen. Offiziell behauptet man, sie würden nur zur regelmäßig statt
Glender gezüchtigt werden würde!" ich eine einzige Person hier, die mich verteidigte, wie ein
,, Nein, dem ich heute die Tür gewiesen und der, hätte
Margherita schritt
an
ihrem Zimmer einzuschließen. der Fürstin vorbei und verließ das Gemach, um sich in
Füritiu hattachanisch aus ihrem Stub ere
Wagen langsam angefahren, ten den Lauten, bernehmlich durchzubringen. Jetzt kam ein flüstern hörte. Die dünnen Holzwände des Hauses gestatteEs mochte Mitternacht sein, als sie unten auf der Gasse der plötzlich hielt, er mußte Wieder ging das
ganz in der Nähe ſtehen geblieben sein. Geflüster unten los, und jie glaubte zu hören, daß man
Am
Von Albert Rosztof( Tempelhof). Wir sind so klug- und dennoch spukts in Tegel. Das Teufelspack- es fragt nach keiner Regel.
Der Spuk von Sanssouci.
Stammtisch
Blauen Starpfen" war
es
heute
Kostüm auf
dem hölzernen Esel
reiten mußte.
gleichembat penster weht die Luft denn doch zu scharf
lassen: für
flapperte ärgerlich mit die verliebte Gräfin nicht wieder sehen
im Berliner Schloß!" Herr Linsemann
deckel, während die anderen dem Kreisphysikus lachend zudem Krug
Stimmten doch oh
the night perforen


