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3.1.1903 Erstes Blatt
 
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So hat es sich jetzt in dieser Neujahrsnacht geändert. Diesmal aber hatten sich die Burschen schrecklich ver­rechnet. Zum Anfang wurde ein hübscher Walzer ge­spielt. Schon stehen die Tänzer und zwar in Reihen, um sich nach dem Tafte der Musik zu bewegen, aber zu gleicher Zeit hörte die Musik auf und in starkem Ton ertönte das Wort: In den Schuhen darf nicht getanzt werden in der geölten Stube. Die Burschen fanten vor Schrecken auf ihre Size nieder. Was war zu machen? Alles, was sich schon lange anf die Neu­jahrsnacht gefreut hatte, sann darüber nach. Nach langem Unterhalter, wurde endlich einmal gefragt, ob man nicht in den Stümpfen tanzen dürfe. Dieses hätten die Tänzer gerne angenommen, aber erstens scheuten sie sich die Stiefel auszuziehen und zweitens wollten sie sich auch die Strümpfe nicht vertanzen und hatten auch Angst für ihre Hühnereugen. Nun wurde von der Spinnstubenmutter folgender Anschlag ge= macht: Alle alten Strümpfe wurden herbeigeholt und abgeschnitten. Diese wurden von den Tänzern ange= nommen. Run ging es luftig zu bis auf den frühen Morgen. Die Nachbarsleute fonnten ungestört schlafen. Indem ich hoffe, daß ein solcher Akt nie wieder vor­Tommt, bitt: ich alle, die die Spinnstube bekommen, die Gäste nach solcher Art zu belustigen.

Einer für Alle.

* Aus dem Kreise Wetzlar. Der Kreisobstbaulehrer Kilp wird in der Beit vom 5. bis 8 Januar 1903 zu Garbenheim einen Unterrichtsfursus in Obstbau ab­halten. Der Unterricht umfaßt Pflanzung, Schnitt und Pflege der Obstbaumschädlinge und Krankheiten. Berechtigt zur Teilnahme an dem Kursus sind männliche Personen nicht unter 16 Jahren. Die Teilnehmer versammeln sich am 5. t. Mts., vormittags 9 Uhr in der Wohnung des Herrn Vorstehers zu Garbenheim.

** Vom Odenwald. Im mittleren und südlichen Odenwald grassiert die Influenza in der heftigsten Weise. In manchen Orten ist fein Haus davon verschont.

** Wiesbaden, 2. Januar. Hier hat die Sylvester­nacht einen Todten gefordert. Der 58jährige Dach­decker Heinrich Schmieden, der seine in einen Streit ver­wickelten 2 Söhne herausholen wollte, wurde von dem 22jährigen Maurer Höns mit einer Mauerklammer er­schlagen. Der Thäter wurde verhaftet.

Bingcu, 2. Januar. Die Verdachtsmomente, daß der in Untersuchungshaft befindliche Wilhelm Herzberg, der llrheber der Pulvererplosion ist, mehren sich. ** Aus Rheinhessen. In Frei- Weinheim schoß der 7jährige Sohn des Tünchers Philipp Zerban seinem 4jährigen Brüderchen mittels Pfeil und Bogen ein Auge aus.

Oeffentlicher Sprechsaal.*)

Erklärung.

Der Gießener Anzeiger" vom gestrigen Tage veröffentlicht den am 19. Dezember v. Js. bei

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Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde.

der Zweiten Rammer eingereichten Antrag des Abge. ordneten Köhler Langsdorf, der sich mit meiner Person beschäftigt. Die dort aufgestellte ungeheuerliche per Bfd. 60-64 Bfg. Schweinefleisch per Bfd. 70-80 Big. Schweine Behauptung, daß ich als Lehrer der Staatswissen schaften den Börsenkreisen nahe stehe", tann ich leider nach Lage der preßrechtlichen Bestimmungen im Gießener Anzeiger" nicht, wie es sich ge= hörte, als grobe und plumpe Verleumdung bezeichnen; denn der ,, Gießener Anzeiger" ist nach§ 12 des Preß­geseges vom 7. Mai 1874 berechtigt, die von einer Landesvertretung ausgehenden Druckschriften zum Ab­druck zu bringen, auch wenn sie solche Unwahrheiten ent­halten. Der Antrag des Abgeordneten Köhler- Langsgemeinde. Pfarrer Scheunemann. dorf ist nämlich als Nr. 74 der Drucksachen der Zweiten Kammer der Hessischen Stände soeben ver­öffentlicht worden.

Nach Lage der gesetzlichen Bestimmungen bin ich also der Redaktion des Gießener Anzeigers" gegenüber machtlos.

Daß der Gießener Anzeiger" auch ohne preßrechtliche Verpflichtung eine Richtigstellung meiner­seits in seinen Spalten aufnehmen würde, sezte ein Maß von Loyalität voraus, die bei diesem Blatte nicht zu erwarten ist.

Der Abgeordnete stöhler Langsdorf wird in der Kammer seinen Antrag näher zu begründen haben. Dort bleibt es ihm unbenonimen, mir weiterhin meine wissenschaftliche Ehre abzuschneiden. Auch hiergegen bin ich ohnmächtig; denn einem Abgeordneten steht bekanntlich das Privileg zu, jede außerhalb der Kammer stehende Person straffrei zu beleidigen.

Ich muß also abwarten, bis der Abgeordnete Köhler- Langsdorf und sein Moniteur, der Gießener Anzeiger", die jetzt aufgestellten Be­hauptungen außerhalb einer Beziehung zu den Druck­sachen und den Verhandlungen der Zweiten Kammer wiederholen. Erst dann ist es mir möglich, gegen solche schändliche Ereftorationen gerichtlich vorzugehen. Gießen, den 3. Januar 1903.

Dr. jur. et phil. M. Biermer, 0. Professor der Nationalökonomie an der Landesuniversität.

Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keine Verantwortung.

Marktbericht.

Gießen, 3. Jan. Auf dem heutigen Wochenmarkt tosteten Butter per Bib. 0.80-0.90 Mt. Hübnereier 1 St. 8-10 Bfg., Enteneier St. -00 Pig., Käse per St. 5-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Bfg., Erbien per Liter 21 Vfa.. Linsen ver Liter 32 Bfa.. Tauben der Vaar

Gottesdienst.

In der Stadtkirche.

Sonntag nach Neujahr, den 4. Januar. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markus­

Nachmittags 5 Uhr: Siehe Johanneskirche. Donnerstag, den 8. Januar, abends 8 Uhr im unteren Konfirmandensaal, Kirchstraße 9, Bibelstunde. Marc. 2. Pfarrer Scheunemann.

In der Johanneskirche. Sonntag nach Neujahr, den 4. Januar. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrassistent Bogt. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukas­gemeinde. Pfarrer Euler.

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Ludwig Naumann aus Siefersheim. Am Sonntag den 4. Januar, abends 8 Uhr, Ber­sammlung und Bibelbesprechung im Konfirmandensaal der Johanneskirche.

Montag, den 5. Jan., abends 8 Uhr, Bibelstunde im Konfirmandensaal der Johanneskirche. Pfarrer Euler. Text Psalm 115.

Nächstkünftigen Sonntag, den 11. Januar Feier des Landesmissionsfestes. An diesem Tage wird in beiden Kirchen eine Kollefte für die Heidenmission erhoben werden.

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Lehrlinge: 3 Raufleute.

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für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

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