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Hof und Gesellschaft.

*** Ein Besuch des Kaisers in Stettin steht für Aus­gang Oktober bevor. Der Kaiser gedenkt nach den bisherigen Dispositionen am 31. Oktober dort einzutreffen, um dem an diesem Tage auf der Werft des Vulkan" stattfindenden Stapellaufe des neuen Linien- Panzerschiffes beizuwohnen. Nach dem Stapellauf wird ein Frühstück eingenommen, dem später im Offizierkasino des Königsregiments ein Festessen folgt. Während der Tafel wird der Monarch dem Offizier torps ein von Professor Röchling gemaltes Bild überreichen. das die Erſtürmung des Kirchhofes von Planchenvil bei Waterloo am 18. Juni 1815 darstellt.

*** Die Kaiserin ist zu einem mehrtägigen Besuch) bei dem Herzogspaare Friedrich Ferdinand zu Schleswig­Holſtein- Glücksburg cingetroffen.

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Der Kronprinz weilt zur Zeit in dem herrlich gelegenen Dambachhaus im Bodetale zur Jagd. Er ist wie der Kaiser ein treffsicherer Kugelschüßze. Er benutzt auf seinen Jagdausflügen fast ausschließlich das deutsche Militärgewehr und streckt das Wild so waidgerecht, daß es mit seltenen Ausnahmen im Feuer zusammenbricht. Von den eingestellten Jagen und Treibjagden ist der Brinz nicht so erbaut wie von Pürschgängen und dem Jagen auf dem Anstand.

*** Die kaiserlichen Prinzen August Wilhelm und Oskar, welche gegenwärtig die Prinzenschule in Plön besuchen, werden am 18. Oktober cr., dem Geburtstage des berewigten Kaisers Friedrich, in Berlin eingesegnet werden.

Heer und flotte.

Ueber beabsichtigte Heeresverstärkungen weiß eine Ber­liner parlamentarische Korrespondenz zu berichten. Die Er­höhung der Friedenspräsenzstärke werde sich auf etwa 10 000 Mann belaufen. Bei einzelnen Grenzregimentern in Ost­preußen und Lothringen sind dritte Bataillone vorgesehen, ferner 4 neue Maschinengewehrabteilungen, 6 bis 7 Es­fadrons Jäger zu Pferde. Dazu kommt eine Verstärkung der Fußartillerie in einigen Grenzfesten. Einige Tele­graphenbataillone sollen um je eine Kompagnie verstärkt werden. So gut wie gewiß sei die Umarbeitung der jetzigen Geschütze in Rohrrücklaufgeschüße. Die Gehaltsaufbesse rung der Oberstleutnants, Militärroßärzte und-Apotheker sei gewiß. Was an dieser Meldung wahres ist, läßt sich vorläufig nicht feststellen.

Belgische Heereszustände. Ein eigentümliches Licht auf die Schlagfertigkeit der belgischen Armee wirft folgende faum glaubliche, aber verbürgte Meldung aus Brüssel. Ein für diese Woche angesagtes Manöver der dortigen Garnison mußte verschoben werden, weil wegen zu weitgehender Be­urlaubungen fein Truppenteil auch nur annähernd aus­reichend besetzt war. Die Blätter geißeln diesen elenden Zu­stand mit bitterer Satire.

Erst am Abend des Tages wurde er bei Oberrad von einem Gendarmen angetroffen, dem er weinend erzählte, daß ihn Zigeuner soweit mitgeschleppt, ihn aber schließlich im Walde Lutten laufen lassen. Es wäre wirklich an der Zeit, mit der Zigeunerplage energisch aufzuräumen.

Unser Kreuzerdienst auf der australischen Station hat nach einer halbjährigen Unterbrechung wieder begonnen. Seitdem der inzwischen heimgekehrte Kormoran" seine große 240tägige Rundreise durch das Schutz- und Interessen­gebiet der Südsee ausgeführt hatte, war kein deutscher Kreuzer in Ozeanien und Mikronesien erschienen; nur die Möwe" war, abgeschnitten vom Weltkabelnet, bis ins Karolinengebiet mit Vermessungen beschäftigt. Sie ist schon seit Anfang April ohne direkte Verbindung mit der Hei­mat, und die Ermordung des Engländers Howard und sei­ner Leute durch Eingeborene der Admiralitätsinseln harrt noch der Ahndung. Jezt unternimmt der neue Stationär, der Kreuzer Kondor", Korvettenkapitän Kirchhoff, von Sidney aus eine Kreuzfahrt an der Küste des Festlandes nach den Fidschi- Inseln und Samoa, um später nach Neu­guinea und dem Bismarck- Archipel zu dampfen und die Kriegsflagge in dem unruhigen Gebiet zu zeigen.

Aus dem Gerichtsfaal.

** Ein einfaches Mittel zur Wohnungs- Desinfektion zu erfahren, dürfte unseren Leserinnen beim Umzug willkom­men sein. Nach umfangreichen Versuchen, die ein nam­hafter Hygienifer in letzter Zeit angestellt hat, bietet sich in der Sodalösung ein solches Mittel, wie man es praf­tischer und wirksamer kaum wünschen kann. Die gewöhn­liche, im Haushalt bekannte und bewährte Sodalösung mußß jedoch sehr warm, ja heiß in Anwendung gebracht werden. alsdann genügt eine fünfprozentige Lösung völlig, um Diphtheriebazillen in einer Minute zu töten, und selbst die äußerst widerstandsfähigen Staphylokokken in einer Viertel­stunde. Der Forscher hat Gebrauchsgegenstände, wie Kämme, Bürsten u. s. w., mit allerlei Bakterien, auch mit tuberkulösem Auswurf, start infiziert; und alle waren nach einer Behandlung mit fünfprozentiger 60 Grad heißer Sodalösung nach Verlauf von zwei Tagen abgetötet. Zum Reinigen der Fußböden, Türen und Fensterrahmen sowie der geölten Wände empfiehlt er eine zweiprozentige Soda­lösung von 60 Grad Wärme, vermischt mit Schmierseife. Wichtig ist, daß die Lösung heiß ist, nur gering erwärmte Sodalösung wirkt nicht sehr, selbst wenn sie hochprozentig ist. Neben der leichten Handhabung dieser Desinfektions­flüssigkeit ist auch ihr geringer Preis von Wichtigkeit.

§ Das Urteil im Berliner Bestechungsprozeß Baganz und Genossen lautete gegen den Hauptangeklagten Baganz auf vier Jahre Zuchthaus und achtjährigen Ehrverlust. Frau Baganz erhielt sechs Monate Gefängnis( davon ein Monat durch die Untersuchungshaft verbüßt), Aufrecht 600 Mart Geldstrafe, eventuell 60 Tage Gefängnis, Puchmüller drei Monate Gefängnis, Eduard Sanden einen Monat Gefäng­nis zusätzlich, Hörmann vier Monate Gefängnis( davon zwei Monate verbüßt), Polzin 300 Mark Geldstrafe, eventuell 30 Tage Gefängnis. Justizrat Raezell wurde freigesprochen und Hörmann aus der Haft entlassen.

§ Zum Laurahütter Landfriedensbruch- Prozeß wird mit­geteilt, daß fünf weitere Personen, die an dem Aufruhr teil­nahmen, darunter auch der Mann, der den Amtsvorsteher geschlagen hat, verhaftet sind. Alle fünf kommen in der neuen dritten Verhandlung vor das Schwurgericht. Beide Korfanty haben gegen das Urteil der Strafkammer Be­rufung eingelegt.

Nab und fern.

In Ungarn ist es gekommen, wie es kommen mußte. Graf Khnen hat im Abgeordnetenhause dem Verlangen der Mehrheit nachgegeben und eine Antwort auf die Aeuße­rungen des österreichischen Ministerpräsidenten v. Koerber erteilt. Diese Antwort ist nun der Mehrheit viel zu zahm gewesen. Auch die liberale Partei, die bisherige einzige Stüße Khuens, versagte, und so fam etwas wie ein über­wältigendes Mißtrauensvotum heraus, das den Minister veranlaßte, dem Kaiser sofort telegraphisch seine Demission anzumelden. In den Kreisen der Regierung herrscht natürlich große Bestürzung. Lucacz soll einigen liberalen Abgeordneten erklärt haben: So kann man nicht regieren! Ihr werdet schon sehen, was die Antwort auf diesen Beschluß sein wird; ihr habt euch die Folgen selbst zuzuschreiben." Die Deutschen Südungarns gaben ihrer Kaisertreue wieder einmal beredten Ausdruck. Wie es heißt, ist unter ihnen eine Strömung im Zug, die jungen Leute zum freiwilligen Antritt des Militärdienstes zu bewegen. Graf Theodor Andrassy und Desidor Perczel haben den Ver­tretern Barabas' ihre Ankunft in Budapeſt mitgeteilt und sich zur ritterlichen Beilegung der bewußten Händel bereit erklärt.

Denkmals- Enthüllungen. Die Enthüllung der in Rüstrin errichteten drei Hohenzollern- Denkmäler( Hans von Küstrin, großer Kurfürst und Friedrich der Große) ist nun­mehr für Mitte Oftober( 15., 19. oder 20.) in Aussicht genommen. Der Kaiser hat seine Teilnahme an der Ent­hüllungsfeier in sichere Aussicht gestellt. Die definitive Fest­sekung des Termins ist der Bestimmung durch den Mon­archen noch vorbehalten. Die Enthüllung des Denkmals Friedrichs des Großen in Rheinsberg ist, endgiltiger Bestim­mung zufolge, auf Sonntag, 11. Oktober, Mittags 12 Uhr, festgesetzt worden. Als Vertreter des Kaisers wird der Kron­prinz dem feierlichen Akte beiwohnen.

Panik auf einer Zahnradbahn. Die auf den Schwaben­berg bei Budapest führende Zahnradbahn entgleiste infolge schlechter Wechselstellung in der Mitte des Berges. Die dicht­gefüllten Waggons sprangen aus den Schienen und wurden arg beschädigt. Es entstand eine große Panik, da die Passa­giere gleichzeitig gegen die Waggonausgänge stürmten. Doch waren erfreulicherweise nur einige leichtere Verlegungen zu beklagen.

Von Zigeunern geraubt. Nachdem erst eben die fleine Else Kassel aus den Händen von Zigeunern befreit wurde, wird jetzt ein neuer Fall bekannt, daß eine herumziehende Zigeunerbande ein Kind mitzuschleppen versuchte. In Höchst verschwand spurlos der zehnjährige Sohn der Familie Gall.

DO. Ein eierlegendes Sängetier soll jetzt im Londoner Zoologischen Garten zu sehen sein. Man nennt das in Australien vorkommende Tier, das wie ein stachlicher Ameisen­fresser aussieht, Echidna, wie man jene fabelhaften Untiere benannt hat, die halb schöne Jungfrau, halb Schlange sein sollten. Die Echidna ist hoffentlich nicht mit der Ente" verwandt. Dagegen spricht allerdings, daß die Notiz sich in ernſten Blättern findet.

Kunft und Wiffenfchaft.

RD. Die Generalversammlung der deutschen Geschichts­und Altertumsvereine wird zur Zeit in Erfurt abgehalten.

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Etwa 200 Mitglieder sind dazu in Erfurt eingetroffen. Der Anregung zu dem Im Namen des Verwaltungsausschusses sprach Regierungs. Bortrag halten.

Geh. Archivrat Dr. Bailleu hielt die Begrüßungsansprache.

präsident v. Dewitz.

LT. Roseggers Dank an Altheidelberg". Für seine Gr. nennung zum Ehrendoktor gelegentlich des Heidelberger Universitätsjubiläums stattet Rosegger seinen Dank in einem längeren öffentlichen Schreiben ab. Er sagt darin u. a.: Altehrwürdige Hochschulen beginnen aus ihrer Abgeschlossen. heit hervorzutreten ins freie Leben und geistige Worte an zuerkennen, auch wenn diese außerhalb akademischer Kreise liegen. Die Heidelberger Promovierung so vieler Männer

Zeichen für deutsches Geistesleben der Zukunft.

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aus allen geistigen Arbeitsgebieten ist ein bedeutsames brei auf vier Jah GZ. Professor Behrings Tuberkulosetheorie findet in sollten vorerft Wiener Klinikerkreisen lebhaften Widerspruch. Der be. werden, um bie

Die Einweihungsfeierlichkeiten der Warnemünder Ost­fee- Fähre, auf deren große Bedeutung unser gestriger Bericht von dort hinwies, verliefen programmgemäß. Unt 10 Uhr vormittags traf der Sonderzug mit den aus Schwerin kom­menden Fürstlichkeiten, unter ihnen der Großherzog, Prinz Heinrich der Niederlande und Herzog Johann Albrecht in Warnemünde ein. Die Fürstlichkeiten und die übrigen Herrschaften, unter denen sich Minister Budde und Staats­sekretär Kraette sowie Unterstaatssekretär Schultz befanden, begaben sich in die Warteräume des Bahnhofes, wo ein Imbiß eingenommen wurde. Inzwischen wurden die Wagen über das bewegliche Gleis in die große Fähre Friedrich Franz IV." übergeführt, welche am Mast die großherzog­liche Standarte und am Bug den Danebrog führte. Um 10% Uhr setzte sich die Fähre unter den Klängen der Musik in Bewegung. Vom Ufer wurde Salut geschossen. Das überaus zahlreiche Publikum, welches die Mole besetzt hatte, begrüßte die Festteilnehmer beim Eintreffen des Zuges wie bei der Abfahrt mit lebhaften Hochrufen.

Ein verwegener Raub wurde in Washington ausgeführt. Als der Zahlmeister einer Baufirma, der in Begleitung seines Buchhalters von einer Bank Gelder für Lohnzahlungen erhoben hatte, nach der Baustelle zurückgekehrt war, sprengten Räuber seinen Wagen mit Dynamit in die Luft

rühmte Kinderarzt Professor Escherisch erklärt Behrings Be. hauptung, daß die künstliche Ernährung mit Kuhmilch eine unbedingte Gefahr einer Infektion zur Tuberkulose zur Folge habe, für nicht den klinischen Erfahrungen ent sprechend. Aehnliche Ansichten vertreten der Universitäts. professor Monti und der Spitaldirektor Unterholzner.

Lokales.

Gießen, 1. Oftober 1003.

* Privattelegram m. Bei der heutigen Ziehung der 6. Klasse der Hessisch- Thüringischen Staatslotterie wurden folgende Gewinne gezogen: die Prämie von 100 000 Mt. und der Gewinn von 2000 Mt. auf Nr. 83 501( nach Alzey); 4 Prämien á 50 000 Mt. auf die Nr. 28 245, 41 538, 55 455, 78 487; 40 000 Mt. auf die Nr. 48 519; 8 Brämten á 25 000 Mt. auf die Nr. 15 043, 22 214, 35 953, 54 035, 58 952, 75 846, 81 966 und 84 379.

+ Verhaftete Mädchenhändlerin. Eine gefährliche inter­nationale Mädchenhändlerin ist auf Betreiben des deutschen Nationalkomitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels von der Berliner Kriminalpolizei verhaftet. Die aus dem Rhein­land Stammende erscheint dringend verdächtig, Mädchen im Alter von 12 bis 14 Jahren ins Ausland verschleppt und einem unſittlichen Lebenswandel zugeführt zu haben. 14 400 Mart. Der Zahlmeister wurde getötet und der Buch­halter schwer verwundet. Die Zustände in einzelnen Teilen Ameritas sind in letzter Zeit überhaupt wieder recht unsicher geworden. Im Staat Montana wurden vier Dynamitatten­tate gegen Eisenbahnzüge ausgeübt, allerdings ohne bc­sonderen Schaden anzurichten. Die unbekannten Urheber drohen mit weiteren Attentaten, falls die Eisenbahngesell­schaft nicht 200 000 Marf an einem bestimmten einsamen Ort niederlegen lasse.

** Das Amtsblatt Großh. Ministeriums der Justiz Nr. 22. enthält ein Ausschreiben an sämtliche Justizbehörden betreffend die Grundsäße über die auf die bürgerlichen Behörden übergehende Vollstreckung militärgerichtlich erkannter Gesamtstrafen.

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= Der Zweiten Kammer der Stände ist ein Antrag der Abg. Hirschel und Köhler zugegangen mit folgen­dem Wortlaut: hohe zweite Rammer wolle beschließen, die Großherzogliche Regierung zu ersuchen, dem Landtage als­bald Vorlage zu machen wegen Erbauung einer Eisen­bahn von Grünberg nach Lich. Eine Vorstellung des Landesrechner- Verbandes im Großherzogtum Heffen bittet unter Bezugnahme auf eine frühere Vorstellung um gefeßliche Regelung der Pensions-, Witwen- und Waisenversorgung der Gemeinde- Einnehmer usw.- Eine Vorstellung von pen sionierten Beamten, die wiederruflich angestellt waren und vor dem 9. August 1899 in den Ruhestand traten, betrifft die Ausbesserung ihrer Pensionsbezüge. Abg. Leun bat eine die Schulzeit an der Volksschule zu Leihgestern be­treffende Anfrage gestellt.

Türkische Justiz. Wie unter dem Halbmond Recht gesprochen wird, dafür ist der Fall einer deutschen Küchen­vorsteherin in einem Konstantinopeler Hospital typisch, die von drei türkischen Soldaten überfallen, vergewaltigt, be­raubt und halb totgeschlagen wurde. Der Untersuchungs­richter erklärte, daß die Köchin durch ihren leichtsinnigen Lebenswandel den Soldaten Veranlassung zu ihrem Vor­gehen gegeben habe. Ganz abgesehen davon, daß es sich um eine gänzlich unbescholtene Person handelt, ist nicht abzu­sehen, weshalb der angeblich leichtfertige Lebenswandel der leberfallenen zu Raub und Mordversuch Anlaß gäbe. Aber in der Türkei sind fremdländische Frauen der Roheit der Soldateska eben wehrlos preisgegeben.

Bunte Chronik. Der Wiener Professor Loren weist die Angriffe der amerikanischen Aerzte, die seine blutlosen Ge­Ienfoperationen für gänzlich mißlungen erklärten, als ge­hässige Erfindungen zurück.

Infolge eines heftigen Unwetters ist der Sumamma­Fluß in Algier aus den Ufern getreten und hat mehrere Ortschaften überschwemmt. Zehn Eingeborene ertranken. Ein Teil des Eisenbahndammes wurde zerstört.

+ Versept wurde am 30. September d. J. der Oberförster der Oberförsterei Münster Forstmeister Ludwig Spieler zu Dieburg in gleicher Dienfteigenschaft in die Ober­försterei Friedberg.

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** Stadttheater Gießen. Der Freitag bringt Stobizers historisches Lustspiel Liselott", das bei der sorgfältigen Vorbereitung, die ihm hier zu Teil wird, wohl diefelbe Zugkraft ausüben dürfte, wie an allen größeren Bühnen, über die es gegangen. Liselott ist die historische Pfalzgräfin Elisabeth Charlotte, die durch Heirath an den Hof des Sonnenkönigs verschlagen, dort durch ihre deutsche Derbheit und drollige Natürlichkeit einen amüsanten Auf­ruhr hervorruft. Frl. Margarate Hohl die in der Er-. öffnungsvorstellung den Prolog sprach hat die Titelrolle inne; sie darf Rollen dieses Genres geradezu als besondere Domäne betrachten. Diese Vorstellung ist die erste Freitags= abonnementsvorstellung. Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß die Inhaber von Abonnements­billets nur das erste Billet ihrer Blocks abends vorzuzeigen haben und keine Tagesbillets einzutauschen brauchen. Die Direktion beabsichtigt auf den Sonntagsvorstellungen ein gewähltes Programm zu bieten, wovon Interessenten auf Sonntage abonnements gefälligst Kenntnis nehmen wollen. Gestern fand die Eröffnung der Neubau­strecke Laubach- Mücke statt, am 1. Oktober wurde die Bahn dem Betrieb übergeben, damit ist die Verbindung Friedberg- Hungen- Mücke hergestellt. Ein mit Guirlanden und Blumen geschmückter Zug eröffnte die Bahn und wurde auf allen Stationen von zahlreichen Zuschauern begrüßt. Zu den Eröffnungs- Feierlichkeiten waren u. a. Finanzminister Exz. Gnauth, der Graf Solms- Laubach, Provinzialdirektor Dr. Breidert, Herren von der Eisenbahndirektion Frankfurt und viele andere erschienen. Ein Festessen fand um 5 Uhr im Hotel Schüßenhof" in Laubach statt.

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* Grünberg soll Luftkurort werden, ein Plan, der von langer Hand vorbereitet, einer Verwirklichung wert und wünschenswert wäre. Die gesunde, ozonreiche Lage Grünbergs ist zu einem solchen Unternehmen wie ge schaffen, die Schönheit der Umgebung, der Waldreichtum und noch manche andere Vorzüge, werden ihren Einfluß auf die große Zahl Erholungsbedürftiger die alljährlich den großen Städten entfliehen nicht verfehlen. Hat doch der Vogelsberg, seitdem er dem Verkehr erschlossen und noch immer mehr dem Verkehr erschlossen wird( Bahn Hungen- Laubach- Mücke, Bahn Lich- Grünberg) gar manchen auf seine Schönheit aufmerksam gemacht. Der Plan ist etwa folgender: auf der unteren Ziegelhütte eine Milchfuranstalt, auf dem Tannenkopf( Sißberg) ein mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattetes Hotel, über der Dickelsmühle( Emilienruh') eine Wasserkur- und Nerven­heilanstalt, dazu die nötigen Anlagen, Spazierwege und ein fleiner Tierpark im Wäldchen nach dem Stadtpark zu. Das ist in großen Zügen der Umriß des Plans, der noch der Ausarbeitung harrt. Frankfurter Kapitalisten stehen

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