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-1500 Matrosen und Feuerleute der Hamburg- Ame­rikalinie und des Norddeutschen Lloyd versammelten sich in Hoboken zu einer großen Parade und zogen darauf zum Flower- Hill- Kirchhof, wo sie die Gräber der bei dem großen Brande des ,, Piers" des Norddeutschen Lloyd am 30. Juni 1900 umgekommenen Opfer mit Blumen schmück­

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In Osnabrück ging ein schweres Gewitter nieder, bei dem hühnereigroße Hagelschlossen schweren Schaden in Gärten und Feldern anrichteten.

Infolge der großen Hiße sind in Paris an einem Tage 15 Personen an Hißschlag gestorben. In Clermont Ferrand erlitt Oberstleutnant Vidal einen Sonnenstich, während er an der Epiße seines Regiments vor dem Generalin­spekteur manövrierte.

-Graf de la Vaux, der sich gegenwärtig in Montpellier befindet, wo er die Arbeiten seines Luftschiffes überwacht, wird demnächst einen neuen Versuch unternehmen, das Mittelmeer zu überfliegen.

-In Wiborg( Finland) wurde der schwedische Feldjä­gerleutnant Lindgren wegen Betrügereien im Umfange von einer halben Million Mark festgenommen; als Mit­schuldiger ist der Direktor einer dortigen Aktiengesellschaft Hardesvogt verhaftet worden.

- Ein in Florenz wohnhafter reicher Deutscher, Karl Nicolai, wurde bei seiner Heimkehr von Fiesole von zwei Unbekannter überfallen und durch Messerstiche in den Un­terleib schwer verwundet.

zu gunsten der Immobilienbank wirken sollte. Jedenfalls sind nun, das leuchtet jedem ein, die an einen Verein und die an eine Einzelperson gewährten Spenden genau voneinander zu trennen, wiewohl der freigebige Ge­schenkgeber vielleicht in beiden Fällen die gleichen Beweg­gründe gehabt haben kann. Einem Verein gegenüber kann sich ein bemittelter Mann sehr leicht das Ansehen eines objektiven Verehrers und Gönners geben. Auch ist es eine sehr problematische Sache, einen ganzen Verein für die privaten Zwecke gewinnen zu wollen; das Ansehen des Berl. Presseklubs läßt es jedenfalls als völlig ausgeschlos= sen erscheinen, daß die maßgebenden Kreise dieser Orga­nisation auch nur entfernt an die offenbar verfolgten Zwecke gedacht haben. Anders aber liegt die Sache bei den persönlichen Kostgängereien, bei denen es sich um einen Austausch von Dienstleistungen handelt, und wir nicht nur Journalisten, sondern auch einen ehemaligen Beamten finden. Diesen Teil der Feststellungen würzte der Vor­jizende mit der Frage: ,, Wann sind Sie Kommerzienrai geworden, Herr Schulz," womit zweifellos angedeutet wer­ben sollte, daß das zinslos gewährte ,, Darlehen" das Ho­norar für eine in dieser Richtung liegende Gefälligkeit sei Angesichts solcher Ermittelungen muß man mit Entschie denheit die Forderung nach rückhaltsloser Klarstellung der Fälle stellen. Herrscht ein Panama oder nicht? Wir müs­sen in dieser Frage klar sehen, nachdem sich bereits in verschiedenen Großstädten wie Berlin und Dresden Schä den gezeigt haben. Es ist ja allerdings sehr schwer, in den großen Pläßen das journalistische Personal so zu sie ben, wie es bei mittleren und kleineren Pläzen geht. Dort spielt sich das Leben des einzelnen vor der vollen Deffentlichkeit ab und es kann nicht so leicht praktiziert werden, daß die Rechte nicht weiß, was die Linke nimmt. Um nicht ungerecht zu sein, muß auch das nicht außer acht gelassen werden, daß in Großstädten die Versuchung zu solchen gegenseitigen Liebesdiensten größer ist als ander­wärts. Aber einerlei! Wenn sich überhaupt eine Kor­ruption zeigt, ist vor allen Dingen eine genaue Unter­suchung der Fälle und eventuelle Entlassung aus dem Preß­dienst eine unbedingte Notwendigkeit! Da sich die ganze Angelegenheit vor der vollen Oeffentlichkeit abspielt, sind die Inhaber von Zeitungen sogar in der Lage, solche un­sauberen Elemente, die nicht nur das Vertrauensverhältnis zwischen Publikum und Presse vernichten, sondern auch burch ihre falschen Darstellungen einen unberechenbaren Echaden an dem Vermögen derer, die ihnen geglaubt haben, anrichten können, dauernd aus der Presse auszu­merzen, indem sie eine schwarze Liste anlegen, in die die in solcher Weise kompromittierten Personen eingetragen werden; eine solche Liste tut bei Etellenbewerbungen schon im Hausgebrauch ihre Dienste. Vorläufig aber ist eine Karstellung der Sachlage hinsichtlich der Personenfrage ein unbedingtes Erfordernis der öffentlichen Moral. Na­men heraus!

Vermischtes.

Von der Kieler Woche.

( Eigener Bericht.)

Riel, 25. Juni 1903.

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Die Aussichten für die Kieler Woche" waren diesmal schlecht. Schon seit 14 Tagen taltes, trübes Wetter; wagte sich einmal ein Sonnenstrahl hervor, gleich wurde er von böswilligen Regenwolfen wieder zugedeckt, furz, kein Wetter, um sich auf dem Wasser aufzuhalten. Da mit einem Male gestern das schönste Kaiserwetter, es ist auch nötig, denn jetzt beginnt, nicht offiziell aber doch dem Gebrauche gemäß, die Kieler Woche mit dem Eintreffen des Kaisers auf seiner Yacht Hohenzollern". Der deutsche Kriegshafen Kiel hat unterdessen ein recht internationales Gepräge erhalten. Amerikanische, belgische, dänische u. s. w. Flaggen wehen luftig im Winde, ein Zeichen für die Beliebtheit der Ver­anstaltungen der Kieler Woche und auch ein Zeichen für den Frieden, dessen sich Deutschland dank der Politit seines Raisers seit Jahrzehnten erfreut. Den Mittelpunkt der zu ben Festlichkeiten erschienenen Gäste bilden natürlich die Amerikaner. Nicht nur die vier amerikanischen Kriegsschiffe, sondern ganz besonders auch die prächtige Yacht, auf der Mrs. Cornelius Vanderbilt die Reise von seiner Heimat hierher zurückgelegt hat, na, die Vanderbilts fönnen sich den Lurus ja leiften. Dazu die große Anzahl fremder und ein­heimischer Yachten, von dem eigenen Salonfahrzeug bis zum gecharterten Dampfer was soll ich sie alle aufzählen sie alle geben dem Kieler Hafen ein buntes Gepräge, in dem die deutschen Kriegsschiffstolossen den ruhenden Bol darstellen. Munter schießen die Barkassen und Pinnassen durch die Fluten, Gäste von Bord bringend oder abholend, dazwischen die mächtigen Segeln der Rennyachten, die sich zu dem Glanzpunkte der Kieler Woche den Segelbootwetts fämpfen präparieren, dann wieder eine Abwechslung im Bilde durch ein langsam dahinschwimmendes Torpedoboot, es ist ein Leben, von dessen eigenartigen Reiz man sich nur ein Bild machen fann, wenn man es selbst gesehen. Und solches Treiben entsteht erst, wenn man gegen 5 und 6 Ubr die Taufende von deutschen und amerikanischen Matrosen in ihren großen Booten ans Land gebracht werden und nun ganz Kiel sozusagen überschwemmen. Die Amerikaner er­regen natürlich schon an und für sich das größte Interesse, umsomehr, als sie garnicht das sind, was wir uns unter Matrosen vorstellen. Zwar eine Matrosenuniform haben sie an, sonst sind sie aber nach unseren Begriffen so unmilitä­risch wie möglich. Die Knie hoch auf das gegenüberliegende Bolster einer Chaise gezogen, die Müße auf dem Hinterkopf auf einem Haarwuchs, der einen Künstlerjüngling Ehre machen würde, fahren sie durch die Straßen, neugierig be­gafft und wohl auch spöttisch belächelt. Man hat das Ge­fühl, Angst erregen diese Burschen bei uns nicht, und wenn das Großmaul Dewey noch so oft mit der nahenden Rache droht. Abends gegen 9 Uhr sind sie dann olle in dem Zustande, den man nicht mehr als übergroße Nüchternheit bezeichnen kann, dann kommen meist die Verbrüderungsszenen mit den deutschen Matrosen, wobei man, namentlich bei der Konversation, dem Bersuche sich gegeneinander verständlich zu machen, die wunderbarsten Dinge erleben kann. Unter den amerikanischen Gästen selbst sind dann natürlich die Neger und Chinesen es, die von ihren amerikanischen Ka­meraden ängstlich gemieden, besondere Aufmerksamkeit erregen,

*[ Kaiser Wilhelm I. und General Zurlinden.] In einer Pariser Zeitschrift veröffentlicht der bekannte franzö­sische General Burlinden Erinnerungen an ein deutsches Kaisermanöver im Jahre 1884 zwischen Köln und Düssel­dorf, dem er als Mitglied der französischen Mission bei­zuwohnen Gelegenheit hatte. Er spricht mit großer Ver­ehrung von dem damals 87jährigen greisen Herrscher, der einen großen Teil des Manövers zu Pferde mitmachte. Bei der Kritik ritt der Kaiser mit zahlreichem Gefolge, das einem Meere von Helmen glich, auf die fremdländischen Missionen zu, die sich zum Abschied versammelt hatten, und sagte ihnen mit einem gutmütigen und feinen Lächeln in französischer Sprache: Ich hoffe, daß die Herren sich über­zeugt haben und davon werden berichten können, daß in meiner Armee alles in Ordnung ist." Interessant ist auch die unbedingte Anerkennung, die Zurlinden in seinem Auf­satz dem überlegenen Feldherrngenie Moltkes angedeihen läßt.

Der Staatsanwalt hat inzwischen an die Angeklagten Romeil und Schulz die Aufforderung gerichtet, sich über folgende geheimen Ausgaben zu äußern: An Redakteur G. 1000 Mart, Quartalssumme für Dr. W. 3000 Mart, Dr. D. 2000 mt., Prof. M. 2000 Mt., Dr. Desterreich 4000 Mark u s. w. Die Angeklagten lehnten es ab, die Namen der betreffenden Journalisten zu nennen. Desterreich sei ein fingierter Name. Alle jene Leute seien nicht besto­chen, sondern für Arbeiten bezahlt.

Aus dem Gerichtssaal.

[ Eine Erinnerung an Deutschlands Unglücksjahr] wird durch das 700jährige Jubiläum der österreichischen Stadt Braunau am Inn wachgerufen, das in diesen Tagen im Beisein des Kaisers Franz Josef begangen wird. Am 26. August 1806 wurde in Braunau der Nürnberger Buch­händler Johann Philipp Palm hingerichtet, der mannhaft Jegen die Tyrannei des korsischen Eroberers auftrat. Palms franzosenfeindliche Schrift Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigung" erregte den Grimm Napoleons, der seinen Gegner furzweg nach einem Scheingericht füsilieren ließ.

§ Ein gefährlicher Zahnarzt. Wegen schwerer Körper­berlegung wurde in Nürnberg der Zahntechniker Gottschall zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte einem 15 jährigen Mädchen, dem er einen Zahn ausfüllen sollte, diesen sowie zwei gesunde Vorderzähne ausgerissen und ztvei weitere gesunde Zähne abgezwickt, damit das Mäd­chen gezwungen sei, sich von ihm ein vollständiges Gebiß anfertigen zu lassen! Das Mädchen ist im Gesicht dauernd entſtellt. Die Strafe erscheint im Verhältnis zu der un­glaublichen Rohheit des Angeklagten äußerst mild, wahr. Scheinlich ließ aber der einschlägige Gesezesparagraph keine höhere zu.

[ Vieh- Einfänger.] Einen eigenartigen Beruf üben auf dem Berliner Zentral- Viehhof eine Anzahl Leute aus, nämlich den eines Vieh- Einfängers". Das Geschäft will verstanden sein, denn es ist nicht so einfach, wildgewordene Bullen, die sich losgerissen, wieder dem Stalle zuzuführen. Eine Gastrolle mußten nun dieser Tage zwei solcher Ein. fänger im Posenschen geben. Ein Berliner Großhändler hatte auf dem Gute Mischke bei Obornit 20 feiste Stiere eingekauft. Beim Verladen gelang es zwei der Tiere, sich, loszureißen und das Weite zu suchen. Zwei geübte_Gin­fänger des Zentral- Vichhofes wurden daraufhin telegra. phisch ersucht, zum Einfangen der vierbeinigen Deserteure jefort an Ort und Stelle zu erscheinen. Aber auch ihre Kunst batte keinen Erfolg, vielmehr mußten, nachdem ein Stier den einen Einfänger nicht unerheblich verletzt hatte, die bei­den Flüchtlinge erschossen werden. Durch das Umherlaufen der Tiere im Getreide und über Gemüsefelder war ein Schaden von etwa 1000 Marf entstanden, für den jetzt der Großhändler ersatzpflichtig gemacht wird.

§ Die Rechte eines Mutterherzens nahm in einer Straf jache wegen Beleidigung eines Lehrers und Hausfriedens. bruchs die Berliner Straffammer in Schutz, indem sie die Angeklagte, Frau Groß aus Friedrichsfelde, freisprach. Sie hatte zu dem Lehrer Bender gesagt: Unglücklich ist der Mensch, der seine Kinder Ihren Händen anvertrauen muß!" und sollte auf dessen Aufforderung hin nicht sofort das Schul­lokal verlassen haben. Nach Ansicht der Richter war die Angeklagte zu jenem Aufschrei eines geängstigten Mutter­berzens" berechtigt. Wie die Beweisaufnahme ergab, hatte ber Lehrer die ältere Tochter der Frau Groß dermaßen ge­züchtigt, daß sie ein halbes Jahr am Veitstanz litt, und auch bie jüngere Tochter war jetzt von dem Lehre wiederholi schwer förperlich abgestraft worden und hatte ungebührlich oft und lange nachsitzen müssen.

Kleine Gerichts- Chrouit. Ein großes Pariser Ver­lagshaus hat den Polizeipräfekten von Paris, Herrn Lépine, auf 10 000 Francs Echadenersaz verklagt, weil r durch Poliziste Anschlagzettel zerreißen ließ, auf wel­hen der Präsident Krüger neben der Königin von Holland dargestellt war.

Nab und Fern.

± Zn der Affäre Bonmartini in Bologna verlautet ferner, es lägen dringende Verdachtsgründe vor, daß die Familie der Frau des ermordeten Grafen Boumartini die­sen schon früher durch Gift aus dem Wege räumen wollte. In verschiedenen Apotheken hat man bereits Nachforschun­gen nach verdächtigen Rezepten gehalten. Auf Giftmords­bersuche soll sich auch die Verhaftung des Dr. Secchi, des Geliebten, und die eiligen Vernehmungen des Vaters der Gräfin, des Professors Murri, beziehen. Man hält die Verhaftung des letzteren für nahe bevorstehend.

V Die Grundsteinlegung zum neuen Rathaus in Hannover wurde im Beisein des Grafen Waldersee und dei Bertreter der königlichen, städtischen und Provinzialbehör­den in feierlicher Weise vollzogen. Der Bau, dessen Koster auf 11 Millionen Mark veranschlagt sind, wird in fün Jahren vollendet sein.

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so was hat man seit der letzten Anwesenheit eines ame­ritanischen Geschwaders in Kiel, anläßlich der Einweihung des Kaiser Wilhelm- Kanals doch nicht gesehen. Man fühlt sich erinnert an die Eindrücke, die man an bewegten Tagen am Hamburger Hafen erthält. Alles das ist dazu angetan am Kieler Hafen einen Verkehr zu erzeugen, wie er sonst dort nicht zu sehen. Ein imposantes Bild war es, als man gestern gegen abend von der Höhe der Bellevue herab auf den Hafen blickte, das Ufer befät mit einer nach Tausenden zählenden Menschenzahl, die alle den Einzug des Kaisers erwarteten. Gespannt blickt alles nach der Holtenauer Schleuse durch die die Hohenzollern" von Cuxhaven kommend nach Passieren des Kaiser Wilhelm- Kanals fahren muß. Da auf einmal, gegen 6 Uhr, Bewegung auf allen Kriegsschiffen, Kommandorufe hallen zum Ufer herüber und donuernd er­öffnet das Wachtschiff Neptun", das den Schleusen_zu­nächst liegt, den Kaisersalut, den die anderen Schiffe sofort aufnehmen, bald ist die ganze Szene in dichten Pulver­dampf gehüllt und erst nachdem die 33 Schuß, die jedes Schiff zu Ehren des höchsten Kriegsherrn abgab, lange ver­hallt, verzieht sich der dichte Nebel und ein reizvolles Bild eröffnet sich unseren Augen. Langsam durchfährt die Hohen­zollern", auf deren Kommandobrücke man, vom Ufer natür­lich nur die Umrisse, den Kaiser stehen sieht, die lange Kette der Kriegsschiffe, die Mannschaften der Schiffe auf Deck in Paradeaufstellung, den Kriegsherrn mit donnerndem Hurrah begrüßend, die Besatzung der Schulschiffe in den Raaen pa­radierend, ein so plastisches Gemälde, das sich dem Auge tief einprägt. Bald ist die" Hohenzollern" an dem für sie bestimmten Blaze angelangt, der Menschenschwarm verläuft fich, um sich dort wieder zusammenzufinden, wo die Brücke ist, die den Verkehr zwischen dem Schlosse des Prinzen Heinrich und dem Hafen vermittelt. Um 7 Uhr kam die Kaiserin mit Sonderzug auf dem hiesigen Bahnhof an, von Frau Brinzessin Heinrich von Preußen und dem Großherzog von Mecklenburg- Schwerin, der furz vorher angekommen, empfangen. Die hohen Herrschaften bestiegen sofort das Verkehrsboot, das dicht am Bahnhof, an dem Blaze lag, wo sonst die Postschiffe, die den Verkehr nach Korsör- Kopen­hagen vermitteln, antern, und fuhren sogleich zur Hohenzollern hinaus. Heute abend kam Graf Waldersee hier an, Graf Bülow und die vielen Anderen, wer nennt ihre Namen?, find als Gäste des Kaisers gleichfalls schon erschienen. Ueber­morgen findet der Stapellauf des Neubau Ersatz Kaiser" statt, und dann füllen die großen Wettfahrten das Programm der folgenden Tage. Ueber dies werde ich das nächstemal berichten. Alexander Burger.

Millionen- Erbschleicherei. Einen Eteckbrief hinter der Witwe des Geh. Kommerzienrats v. Zimmermann, Ro­sa geb. Echolz, hat soeben der Untersuchungsrichter bei dem Königlichen Landgericht Berlin I erlassen. Frau v. 8., welche sich ihrer Verhaftung durch die Flucht entzogen hat, wird der Verleitung und Anstiftung zum Meineide beschuldigt. Gleichzeitig fahndet die genannte Behörde in derselben Angelegenheit auf die flüchtig gewordene Gesell­schafterin, unverehelichte Martha Echüler, welche der An­Stiftung zum Meineide in zwei Fällen dringend verdächtig ist. Es handelt sich hierbei um eine große Erbschleicherei­Affäre, in welche außer den vorerwähnten Personen auch ein bekannter Magnetiseur ,, Professor" Willy Reichel, so­wie unschuldigerweise der Landgerichtsrat E. verwickelt sind. Der letztere ist von dem im Jahre 1901 verstorbenen Geh. Kommerzienrat v. Zimmermann zu seinem Testa­mentsvollstrecker ernannt worden. Landgerichtsrat E. soll gelegentlich der Erbschaftsregulierung die hinterbliebene Witwe und den Professor" Reichel, in dessen Behandlung sie sich seit einigen Jahren befand, beschuldigt haben, aus der Nachlaßmasse etwa vier Millionen Mark erschlichen zu haben. Die Beschuldigten denunzierten hierauf den Testa­mentsvollstrecker wegen verschiedener angeblicher Ver­gehen. Dies hatte zur Folge, daß gegen E., der als durch­aus ehrenhafter und rechtschaffener Mann bekannt ist, ein Antrag auf Entmündigung gestellt wurde, welches Ver­fahren zur Zeit noch schwebt. Inzwischen hatten Frau v. 3., Reichel und die Schüler das Weite gesucht; die Flüch­tigen sollen sich angeblich nach Amerifa gewandt haben. Bemerkt sei noch, daß die jetzt steckbrieflich verfolgte Witwe b. 3., die frühere Wirtschafterin ihres Mannes war, der sie noch im Alter von 65 Jahren zu seiner Frau machte.

(") Zwei schwere Feuersbrünste werden gemeldet. In Frankfurt am Main brannte eine Schuhfabrik und meh rere anstoßende Fabrikanwesen nieder. Bei den Löschungs. arbeiten wurden durch eine einstürzende Mauer mehrer Feuerwehrleute verleßt, darunter einer schwer. In Floh bei Schmalkalden wurden durch eine verheerende Feu­ersbrunst im ganzen 41 Häuser mit Nebengebäuden einge äschert.

Bunte Chronit. Auf dem Schießplaz Hagenau( Elsaß) ist der Typhus und gleichzeitig auch die Pferdeseuche aus­gebrochen. Vom Typhus ist namentlich das 8. Jäger- Ba­taillon betroffen. Ein Mann ist bereits gestorben. Der Blaz wird von den Truppen gesäubert und tüchtig des infiziert.

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