Ausgabe 
31.7.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 175.

Zweites Blatt.

Donnerstag, den 31. Juli 1902.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertel­jährlich Mr. 1 50.

Gratis beilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Gießener

11. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen, wie ganz Oberheffen, die Kreise Weßlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberhessen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Abonnements- Einladung.

Der 1. August steht vor der Thür. Da richten wir denn an unsere bis­herigen Freunde und Leser die dringende Bitte, das Abonnement auf die Gießener Neueste Nachrichten" möglichst sofort zu erneuern, damit in der Zustellung des Blattes jede unangenehme Unterbrechung vermieden wird.

In Folge neuer Anordnungen ist es jedem Abonnenten, der die Zeitung durch die Post bezieht, möglich gemacht, die Bestellung durch den Briefträger bes sorgen zu lassen, so daß der Gang auf das Postamt gespart wird. Es liegt daher im eigenen Interesse unserer Abonnenten, von dieser dankenswerten Einrichtung der Post Gebrauch zu machen.

Wir richten an alle Leser und Gönner unseres Blattes die Bitte, nicht nur selbst die ,, Gießener Neueste Nachrichten" weiter zu bestellen, sondern auch allenthalben für die weitere Verbreitung derselben eintreten zu wollen und uns durch Empfehlung und durch Angabe von geeigneten Adressen behufs Versendung von Probenummern in der Gewinnung neuer Abonnenten zu unterſtüßen.

Die Gießener Neueste Nachrichten" werden, wie bisher, über alle poli­tischen Ereignisse schnell, zubersichtlich und eingehend berichten und in Leit und sonstigen Artikeln die auswärtigen und die inneren Ereignisse in für Jedermann verständlicher Weise beleuchten. Daß sie dabei ihr Augemerk fort­dauernd darauf richten werden, die Interessen der schaffenden Stände, insbesondere der Landwirtschaft und des Handwerks in ernstester Weise zu wahren und zu fördern, bedarf nach der bisherigen Tradition der Gießener Neuste Nachrichten" feines besonderen Hervorhebens.

Besonderes Gewicht wird ferner auf die Reichhaltigkeit des provinzialen und lokalen Teiles gelegt. Für Unterhaltung und Be chrung bieten die ,, Gießener Neueste Nach­richten" im feuilletonistischen Teile, namentlich aber in der

,, Oberbessischen Familienzeitung". anerkannt reichhaltiges und interessantes Material. Bestellungen werden fortwährend durch die Post- Anstalten, Landbriefträger, unsere Agenten und Boten, sowie in der Expedition Gießen, Neuenweg 28, ent­gegengenommen.

Der Bezugspreis beträgt pro Monat nur 50 Pfa., in welchem billigen Preis noch unentgeltliche Zugaben mit einbegriffen find: Die vierseitige Humoristische Beilage

.. ,, Die Seifenblasen".

sowie die

Oberb. Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- u. Gartenbau,

welche wöchentlich erscheinen.

Die große Verbreitung, sowie das fortwährende Steigen der Abon­nentenzahl der ,, Gießener Neueste Nachrichten" in ganz Oberheffen und den Kreisen Wetlar und Marburg sowie vor Allem in der Stadt Gießen und nächter Umgebung selbst sichert den Annoncen den besten Erfolg. Probenummern stehen zu jeder Zeit zur Verfügung.

Redaktion und Verlag der Gießener Neueste Nachrichten".

Reformvorschlag für die Versorgung der| kommen, mit ca. 1400 Mt. beginnend und nach 21

Militär- Anwärter.

Aus Militäranwärter- Kreisen wird dem B. Lokal- Anz. folgendes geschrieben:

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Nach Ableistung der 12 jährigen Dienstzeit gelangt der Unteroffizier in den Besitz des Zivilversorgungsscheines und tritt sodann in das Verhaltnis als Militär- Anwärter Nur in Ausnahmefällen und durch besonders glückliche Umstände gelingt es aber Anwärtern, bald nach absolvierter Dienst­zeit in den Zivildienſt überzutreten; die große Mehrzahl ist gezwungen, im Verlauf weiterer Dienstjahre den Erfolg der Bemühungen um eine Stelle im Zivildienst abzuwarten. Ein Teil der Anwärter Reflektanten auf Unter­beamten- und ähnliche Stellen gelangt im allgemeinen nach einem bis zwei, oft aber auch erst nach mehreren Jahren zur Einberufung und Anstellung, der andere Teil- Reflek­tanten auf Kanzlei- und Bureaubeamtenstellen muß zirka 2-4 Jahre auf diese Einberufung warten. Nach darge­thaner Befähigung schließt sich an die Probe- 2c. Zeit eine 3-4 jährige, ja oft 6- und mehrjährige Diätarzeit an und erst im Anschluß an diese erfolgt die definitive, mit Pensions­berechtigung verbundene Anstellung. Der Anwärter hat dem­nach beim Eintritt in die unterste Stufe der Gehaltsstala seiner Stelle durchschnittlich das 40. Lebensjahr erreicht, ein Alter, in welchem der Zivilanwärter meistens die auf 21 bis 24 Jahre berechnete Stala fast durchschnitten hat.

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Es besteht also nur für einen Teil der Militäranwärter die Wahrscheinlichkeit, die oberste Gehaltsstufe zu erreichen oder gar einige Jahre im Genuß derselben thätig zu sein. Diese offenbar ungünstigen Verhältnisse resultiren aus der großen Ueberzahl der Weilitäranwärter gegenüber der Zahl der ihnen vorbehaltenen Stellen. Eine günstigere Gestaltung des Verhältnisses durch Einstellung einer entsprechend höheren Bahl von Beamten bei den Zivilbehörden ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, und es erübrigt nur, Umschau nach anderer Gelegenheit zur Unterbringung versorgungsberechtigter Militär- Anwärter zu halten. Diese bietet sich meines Er­achiens innerhalb der Heeres Verwaltung selbst.

Ich deute hierbei an die große Zahl vorhandener Bataillons, Regiments-, Brigade, Divisions, Inspek tions- 2c. Schreiber, Bezirksfeldwebel- Stellen, welche die Truppentheile gegenwärtig mit in Ableistung ihrer zwölfjährigen Dienstzeit begriffenen Unteroffizieren be­setzen. Der Dienst in diesen Stellungen ist lediglich Bureaudienst. Er beansprucht bautechnische Stenntnisse, Gewissenhaftigkeit und geistige Fähigkeiten in demselben Maße, wie die verwandten Stellungen im stanzlei- und Bureaudienst der Civilbehörden. Genannte Stellen würden sich hiernach als durchaus zur Umwandlung in solche für civilversorgungsberechtigte Militäranwärter eignen. Die betreffenden Inhaber würden dem Dienst­range nach zwischen den oberen und unteren Militärbe­mten rangiren und als Dienstkleidung eine diesem ienstrange entsprechende Uniform tragen. Ein Ein­

Dienstjahren bis auf ca. 2100 Wt. steigend, bildet un­gefähr den Durchschnitt desjenigen der oberen und unteren Militär- Beamten und würde, trotzdem es nicht unerheblich hinter demjenigen der in den Civildienstüber tretenden Militäranwärter zurückbleibt, hinreichen, um begehrenswert erscheinen zu lassen. dem Unteroffizier die Erlangung einer solchen Stelle

Bereitstellung der erforderlichen Mittel, deren Höhe bei Schwierigkeiten bietet voraussichtlich zunächst die einer rund 1000 betragenden Zahl in Betracht kommen­der Unteroffiziere auf ca. eine Million Mark zu schätzen sein wird. Aber auch diese Schwierigkeit wird der Dringlichkeit des Bedürfnisses, mit der Zeit weichen müſſen.

Aus Hessen und Nachbargebieten.

Hochstapelei in der Maske eines Offiziers. Der be­rüchtigste Hochstapler, frühere Drogist Carl Bordato ist in Wiesbaden und Umgegend wohlbekannt, hat er doch vor nicht langer Zeit hier und in Biebrich biele Leute gebrandschatt. Der Mann, der erst vor einem Jahre wegen zahlreicher Schwindeleien zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus, 1800 Mt. Geld­strafe, Ehrverlust, Polizeiaufsicht und wegen wider­rechtlichen Tragens einer Uniform zu vier Wochen Haft zweiten Ferienstraffammer am Landgericht II zu Berlin, verurteilt wurde, stand dieser Tage wieder vor der zweiten Ferienſtrafkammer am Landgericht II zu Berlin, um sich wegen einer Reihe weiterer Schwindeleien furt a. M., in Gießen und in Darmstadt verübt hat, zu verantworten, die er in Bad Nauheim, in Frank­außerdem auch wegen eines Diebstahls. Auf seinen furt a. M., in Gießen und in Darmstadt verübt hat, Beutezügen trug er eine Offiziersuniform. In dieser erschien er in Pensionen und Chambregarnies, mietete für sich oder einen angeblichen befreundeten Offizier zwei bis drei Zimmer mit Burschengelaß und verstand erhebliche Vorschüsse abzuschwindeln, worauf er sich es dabei, den Vermietern unter irgend einem Vorwande nicht mehr sehen ließ. In Spandau ist er schließlich abgefaßt worden. Für die erschwindelten Vorschüsse hat er stets gefälschte Checks oder Wechsel hinterlegt. Endlich hat er verschiedene Schneidermeister um graue Offiziermäntel teils geprellt, teils zu prellen gesucht. unter den zur Anklage stehenden fünf Fällen befanden sich zwei, in denen er den Gastwirt Thiel in Bad Nauheim und den Kaufmann Schäfer in Frank­furt a. M. den Einen um 1200 Mark, den Anderen unter dem falschen Vorgeben be­schwindelt hat, daß er ein Patent zur Erzeugung eines besonders wirksamen falten Wasserstrahles(?) besige und ausnußen wolle. Den ihm zur Last gelegten Diebstahl hat er in der Weise begangen, daß er einem Studenten, der ihn nach einer fidelen Kneiperei mit auf seine Bude" nahm, beim Weggange einen

um 100 Mark

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seidenen Regenschirm stahl. Nach erfolgter Beweisauf­nahme, die der Staatskasse viel Kosten gemacht hat, da die Zeugen aus Nauheim, Frankfurt, Darmstadt persönlich vor Gericht erscheinen mußten, wurde der Angeklagte zu sechs Monaten Zuchthaus, 450 Mark Geldstrafe und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt.

Vermischtes.

* Berlin, 30. Juli. Der sozialdemokratische Stadt verordnete Wehl in Spandau und dessen Schwager wurden verhaftet. figt und in finanzielle Bedrängnis geraten war, soll Wehl, der eine Gastwirtschaft be­angeblich mit seinem Schwager Urkundenfälschung begangen haben.

Berlin, 30. Juli. Der Magistrats- Hilfsarbeiter Ulbrich, der s. 3. dte städtische Sparkasse um 16 000 Mark betrogen hat, hat sich freiwillig der Behörde gestellt.

unglück 14 Wittwen mit Kindern und 50 Bollwaisen Hamburg, 30. Juli. Bis jezt sind von dem Schiffs­zu unterstüßen. Das Komitee braucht 150,000 cf. ubie Hinterbliebenen davor zu bewahren, der Armen- Verwaltung zur Last zu fallen.

* Leipzig, 30. Juti. Die Staatsanwaltschaft hat auf die Einlegung der Revision gegen das Urteil des Leipziger Schwurgerichts vom 23. Juli gegen die Direktoren und Aufsichtsräte der Leipziger Bank verzichtet. Das Urteil kräftig geworden. gegen Dr. Genzsch und die Aufsichtsräte ist somit rechts­

Rudolstadt, 29. Juli. Die hiesige Straffammer ber urteilte heute den sehr angesehenen Inhaber der fürstlichen 3 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust. Hofwagenbauerei Jahn wegen 78 Wechselfälschungen zu

* Lemberg, 29. Juli. Die Meldungen über die sou Plünderungen und Brandstiftungen lauten höchft eraft, den streifenden Feldarbeitern verübten Gewaltthaten, Die Streifenden versuchen, die Brücken über die Flüsse nahe bebor. zu zerstören. Die Verhängung des Standrechtes steht

schäftigte den Bezirksausschuß in Trier eine Ungelegenheit, * Der fiskalische Hund. 8um zweiten Male be­die auch für weitere Kreise von Intereffe sein dürfte. Im Kreise Bitburg ſind nach der dort beſtehenden Hundesteuer­Ordnung nur diejenigen Hunde steuerfrei, welche zur Be­wachung einzelner Gehöfte und zu gewerblichen Zwecken un­entbehrlich sind. Der Eisenbahnstationsvorsteher Wirz zu Erdorf- Bitburg unterhält nun auf Kosten der Eisenbahnver­waltung einen Hund zur Bewachung der Stationskasse und der auf dem Bahnhof lagernden Güter, wofür er eine Hunde­steuer von 5 Mt. entrichten soll. Hiergegen erhob er in Gemeinschaft mit der Saarbrücker Eisenbahndirektion Klage im Verwaltungsstreitverfahren mit dem Antrage auf Be­freiung von der Steuer. Der Bezirksausschuß wies die Klage mit der Begründung ab, daß der Bahnhof nicht als Gehöft und die dort liegenden Warenvorräte nicht als