Ausgabe 
26.6.1902 Zweites Blatt
 
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das russische Oel in die Hände geben, allerdings aus dem Grunde, weil es billiger ist. Die Landleute und das sogenannte kleine Bolt, wohnen aber meist in engen Räumen, und sie haben ferner eine unüber. windliche Scheu, im Winter wo am meisten Petro­leum verbraucht wird bei geheiztem Zimmer die Fenster zu öffnen, um die Luft zu erneuern. Gerade der stärkere Bedarf des russischen Dels an Sauerstoff, bewirkt einen stärkeren Verbrauch dieses Lebenselements im Lampenbrenner, um der Flamme die Leuchtkraft zu erhalten. Schon nach einer Stunde pflegt die Flamme den Sauerstoffgehalt einer kleinen Stube so weit ver­braucht zu haben, daß ein Zurückgehen der Flamme bemerkbar wird. Anstatt nun die Fenster zu öffnen, die schlechte, stickstoffüberfüllte Luft durch neue Sauer­stoffzufuhr zu verbessern, schrauben die unflugen Menschen den Docht immer weiter heraus, so daß er anfängt zu fohlen, und nun erst recht Nuß und Qualm entwickelt; schließlich blasen die Leute wütend die Lampe aus, öffnen vielleicht auf einen Augenblick das Fenster, und brennen den frisch verschnittenen Docht aufs neue natürlich mit demselben Verlauf.

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Demnach sollte man russisches Del lieber mehr an Leute zu bringen suchen, die in großen, luftigen Räumen wohnen, oder die in Folge ihres besseren Verständnisses oder man sollte für richtige Lufterneuerung sorgen,

die Landleute besser darüber aufklären, wie notwendig sowohl den Lampen wie auch den menschlichen Lungen eine geregelte Lufterneuerung im Zimmer ist, und daß eine reine Luft sich am geheizten Ofen auch schnell wieder erwärmt, während dicke, stickstoffhaltige Luft schwer zu erwärmen ist. Freilich sollte eine solche Be­lehrung Aufgabe der Schule sein, aber an seinem Teile fann doch auch der Kaufmann dazu beitragen, ist er doch in vielen Dingen der berufene Ratgeber seiner Kunden, namentlich dort, wo noch von einer wirklichen, das heißt festen, anhänglichen Kundschaft die Rede ist. Wir schließen hiermit unsere Betrachtungen; sie werden manchen überraschen, manchem zuerst wider bei genauerer Ueberlegung werden den Strich gehen, aber alle vorurteilsfreien Leser zu der Ueberzeugung fommen, daß die Petroleumfrage wie jedes andere Ding zwei Seiten hat, und daß es notwendig war, auch einmal die andere" Seite zu beleuchten.

Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstraße Nr. 2( Bürgermeisterei­gebäude) Zimmer Nr. 14.

Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern( Arbeitern feglicher Art, Dienstboten und Lehr­lingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln.

An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 geöffnet. Angebot der Arbeitnehmer:

2 Spengler, 1 Installateur, 5 Schlosser, 1 Schmied 3 Schreiner, 1 Hausdiener, 1 Knecht, 1 Taglöhner, 4 Lauffrauen, 1 Dienstbote, 1 Kindermädchen, 1 Büreau­gehilfe. Nachfrage der Arbeitgeber:

1 Bäckergeselle, 1 Müllerbursche, 1 Lackierer oder Vergolder, 1 Schmied, 1 Schneider, 1 Schreiner, 1 Haus. bursche, 1 landwirtschaftl. Arbeiter, 6 Dienstmädchen, 1 Lauffrau, 2 Kindermädchen.

Lehrlinge: 2 Bäcker, 1 Friseur, 1 Schlosser, 1 Schuhmacher.

1

Abonnements- Einladung.

Unser Glück auf", welches wir bei unserer Geschäfts- llebernahme am 1. Juni a. c. unseren gesch. Abonnenten, Inserenten, Leserinnen und Lesern, wie auch allen Freunden und Gönnern der

,, Gießener Neueste Nachrichten"

zuriefen und seit dieser Zeit dieser Herzenswunsch all unsere täglichen Nummern auf ihren Wanderungan begleiten, hat in allen Bevölkerungskreisen den erwarteten Widerhall gefunden. Es gereicht uns heute zur freudigen Genugthuung, fonstatieren zu können, daß man unsere Zeitung mit Interesse verfolgt und sie durch Inseraten- und Abonnements- Aufträge wie auch sonst redaktionell unterstüßt, wofür hiermit allen unseren verbindlichsten Dank.

Was uns ferner nicht minder wichtig ist, ist die uns aus dem Publikum heraus gewordene Anerkennung, daß man mit unserer Schriftleitung zufrieden ist, und damit haben wir abermals gesehen, daß der Wunsch: die Zeitung sie möge und soll der Stadt Gießen und seiner Umgebung erhalten bleiben" ein berechtigter ist. Die aufstrebende Industrie, der zunehmende Handel und Verkehr der Stadt und die rührige Landwir schaft im Umkreis erfordert es, daß eine zweite Beitung, welche es mit dem allgemeinen Woht, mit dem Aufblühen unserer Stadt wie mit dem national- wirtschaftlichen Aufschwung des deutschen Volkes wohl meint, furz, die eine beredte Stimme der ganzen Einwohnerschaft unseres großen Verbreitungsbezirkes ſein soll und werde, ein unbedingtes Erfordernis ift.

Für die allgemeinen Interessen einzutreten, die Bekämpfung aller Sonderinteressen, der Kaufmannschaft, dem Handwerker und Mittelstand, wie auch der arbeitenden Bevölkerung neben Anerkennung der Verdienste unserer hohen und höchsten Stände wollen wir mit geradem Auge, ohne nach rechts und nach links zu schauen, unsere Unterstüßung widmen. Das im vollen Maße zu ermöglichen, dazu bedürfen wir aber auch der thatkräftigsten Unterstützung aller unserer Freunde und Gönner aus allen Kreisen. Am besten kann uns das neben der redaktionellen Mitarbeit und Berichterstattung werden, daß man uns Abonnements: Gund Juferatenaufträge bei allen Gelegenheiten zuweist oder empfiehlt. Die Gießener Neueste Nachrichten" fosten im Abonnement

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pro Monat nur 50 Pfennige,

zugestellt frei ins Haus 60 Pfg., eiu Preis, der es Jedermann ermöglicht, unsere Zeitung zu halten.

Lassen Sie unsere reichlichen Mühen und Kämpfe auch fernerhin belohnt sehen; wir werden nicht ermangeln, unserer Devise: Alles für unsere Leser Alles durch unsere Leser!

bollauf gerecht zu werden.

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Redaktion und Verlag der Gießener Neueste Nachrichten.

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Donnerstag, den 26. Juni

1902.

milienzeitung.

Zhielen be!

Oberhessische Familienzeitung.

Seite 4.

Auch mancher Behrer, deffen goldnes Wort

mir enthülte, las' ich dankbar dort.

Nr. 145.

Oberbell

11909D

Universitätsfest.

s

Nach Beschluss der städtischen Behörden wird zur Feier der Immatrikulation des Tausendsten Studenten unserer Hochschule von der Stadt am

Mittwoch, den 2. Juli ein Waldfest im

veranstaltet.

Philosophenwald

Um 5 Uhr nachmittags bewegt sich der Festzug vom Oswaldsgarten durch die

Neustadt über die Marktstrasse, Markt, Mäusburg, Kreuzplatz, Seltersweg, Südanlage, Bleichstrasse, Löberstrasse, Goethestrasse, Ludwigstrasse, Ludwigsplatz, Grünberger­strasse und den Trieb nach dem Festplatze. Alsdann Festkommers mit Konzert und Tanz. Die Bürgerschaft wird freundlichst gebeten, an dem frohen Festtage teilzu­nehmen und ihre Häuser zu schmücken.

Die Festschleifen, welche leicht sichtbar zu tragen sind und ausschliesslich zum Betreten des Festplatzes berechtigen, werden von heute ab gegen Einzeichnung in eine Liste und Zahlung von 2 Mk für Herren( schwarzweissrot) und 1 Mk. für Damen( rotweiss) ausgegeben. Die Festteilnehmer sind zum unbeschränkten Genuss der von der Stadt gestellten Getränke und Speisen berechtigt. Schluss der Listen bei Erreichung einer bestimmten Teilnehmerzahl bleibt vorbehalten. Auf dem Festplatz Auf dem Festplatz werden Schleifen nicht ausgegeben.

Die Listen sind aufgelegt:

a. auf der Bürgermeisterei, Zimmer 15,

b. bei Herrn Metzger, Seltersweg 70,

c. bei Herrn Balser, Mäusburg 11,

d. bei Herrn Scharmann, Lindenplatz 3.

Giessen, den 24. Juni 1902.

Der Festausschuss.

I. A.

Mecum, Bürgermeister.

Ein Fortschritt gegenüber allen ähnlichen Brodukten sind

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