Nr. 145.
Erstes Blatt.
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Gratisbeilagen: Oberhefftsche Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Donnerstag, den 26. Juni 1902.
Gießener
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inimi i rad 11. Jahrgang.
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Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen tote ganz Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pf., fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitgeile 30 resp. 40 Pfg. Boftzeitungsliste No. 3082.
Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblaff)
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Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberhessen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsbruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
Politische Nachrichten.
Bu Thielens Scheiden. Berlin, 25. Juni. Der Kaiser hat an dem Staatsminister von Thielen am 23. de ein Handschreiben gerichtet, in dem er ihm sein lebhaftes Bedauern über sein Scheiden und seinen Dank für die geleisteten Dienste ausspricht.
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Die
straßen werden folossalen Schaden zu verzeichnen 1 sd haben, da viele bereits große Vorräte an Lebensmitteln aufgespeichert hatten, welche nunmehr zum größten Teile dem Verderben ausgesetzt sind. Der entstandene Schaden beläuft sich auf viele Millionen. Das Material für die Errichtung der Tribünen allein hat einen Kostenaufwand von über einer viertel Million Pfund Sterling verursacht Gesellschaft, welche die Tribünen errichtet hat, weigert sich entschieden, die Gelder für die belegten Bläge zurückzuzahlen. Der Gottesdienst und das Bantett am 26. ds. sind Admiral Hotham empfing gänzlich abgesagt worden. Admiral Hotham empfing heute Morgen die Kommandanten der fremden Schiffe, teilte ihnen die Situationen mit und erklärte ihnen, daß die Flotten- Revue bei Spithead nicht stattfinden würde. würde. lidoj
Dresden. Im Befinden der Königin Karola bon Sachsen ist in der vergangenen Nacht eine Aenderung zum Besseren nicht eingetreten. Die Königin leidet unter einer heftigen Gemüts- Depression.
Darmstadt, 25. Juni. Die zweite Kammer nahm heute die Regierungs- Vorlage betreffend die Errich tung einer Hypothekenbank zur Förderung des Nealkredits an.
-Wie die Berliner Thierärztliche Wochenschrift mitteilt, hat das preußische Staatsministerium fich dafür entschieden, daß die Zulassung zum Studium der Tierarzneikunde von der Ablegung der Reifeprüfung abhängig gemacht werden soll.
König Eduards Befinden.
Nach einem Telegramm des Lokal- Anzeigers aus Kopenhagen erhielt die dänische Kronprinzessin wie verlautet, von ihrem in London weilenden Gemahl die Nachricht, daß der Zustand des Königs Eduard als hoffnungslos gelten müffe.
Von der Operation teilt man mit: Es wurde ein 10 bis 12 cm langer Einschnitt über die Lende gemacht, die franthaften Teile entfernt und die Cirkulation im Darme durch eine Röhre wieder hergestellt. Nach Ansicht der Aerate dürften wenigstens drei Wochen vergehen, ehe eine Befferung im Befinden des Königs zu erwarten ist.
Wie ferner mitgeteilt wird, muß der König sich wahrscheinlich demnächst einer zweiten Operation unterziehen. Telegramme aus der Provinz berichten, daß entgegen dem Wunsche des Königs sämtliche Festlichkeiten aufgeschoben worden sind. In Handelstreisen ist man erbittert über das Verhalten der Aerzte, welche erst im lezten Augenblick die kritische Lage und den Gesundheitszutand des Königs erkannt haben.
Folgen der Erkrankung Eduards. Eine ganze Anzahl Prozesse sind bereits anhängig gemacht worden gegen Hausbefizer, Hotelbefizer 2c., welche sich weigern, die für die vermieteten Fenster erhaltenen hohen Beträge zurück zu erstatten. Die Restaurants in den Haupt
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Geerteerd. Novelle von E. Bely.
( Nachbruck verboten.)
Bist noch da? fragt er, als er sich umwendet. Sie lacht halblaut. Bin ich Dir nicht schnell genug fort? Dann gleitet sie hinaus. Maniel folgt langsam. Hie und da, wo ein Mann in den Häusern zurückgeblieben, tritt er hinaus, sie bedürfen eigentlich keiner besonderen Mahnung, an den Strand zu kommen. Sie sind alle wetterkundig und begierig zugleich, Ausschau zu halten. So findet sich ein Häuflein zusammen, das den Dünen zuwandert.
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Wien, 25. Juni. Wie von informierter Seite berlautet, erteilte die Regierung den Landes- FinanzDirektionen in den an Ungarn angrenzenden Provinzen die Weisung, alles vorzubereiten, daß am 1. Januar 1903 der Grenz- Finanz- Wachtdienst seinen Anfang nehmen könne.
Brüssel, 25. Juni. Hiesigen Blättern zufolge find aus Anlaß der heute Abend stattfindenden Buren- Versammlung große polizeiliche Sicherheits- Maßregeln getroffen.noinloist is impiy
Triest, 25. Juni. Die Straßenbahn- Angestellten sind in den Streif eingetreten. Der Verkehr mußte gänzlich eingestellt werden. Dagegen ist der Ausstand der Fleischhauer beendet, da zwischen den Meistern und Gehilfen völlige Einigkeit erzielt wurde.
Echt russisch. Den Juden ist berboten, in der Mandschurei zu wohnen oder sich dort anzusiedeln Selbst die Durchreise durch die Mandschurei ist ihnen nur auf Grund eines Auslandspasses gestattet.
New- York, 25. Juni 4 N.. Das Komitee des Repräsentantenhaus für die Konferenzen bezüglich des Isthmus kanals beschloß, gleich dem Senat, die Vanamaroute zu begünstigen, sofern der Präsident ein vorteilhaftes Arrangement mit den Beteiligten machen fann. Dieser Beschluß stellt einen großen Fortschritt in den Vorbereitungen für den Durchstich dar, da sofern die Panamaroute unerreichbar ist, der Präsident sofort die Vorbereitungsarbeiten für den Nicaraguafanal beginnen kann.
Meerie wird blutroth und macht sich am Feuer zu schaffen; Geerteerd will sich zum Gehen wenden, da trifft sie das Wort: Gleichst Deiner Mutter wie ein Sandkorn dem andern laß sehen, sind bald an die zwanzig Jahre, daß die auf und davon ist
Meine Mutter? stammelt Geerteerd verwirrt.
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Ein langer Scufzer Talke's, eh' die Worte nachkommen: Mit dem fremden Matrosen ja, ja die schwarze Sophei! Das schlanke Mädchen lehnt sich gegen die Wand, ihr ist kraftlos zu Muth, während die Wittwe murmelt: Ja, ja es giebt viel Unglück in der Welt.
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Ist's das, was Jo gemeint hat mit dem Wort, sie sei die
Erste nicht?
Die Dampfschiffe, welche zwar mühsamer wie sonst vorüberziehen, erwecken weniger das Interesse der Insulaner die Ja, ja, spricht Talke weiter. Darum ist Dir auch die Reid kämpfen sich schon durch die kleinern Segelschiffe und Fischer- feind- ihr Mann hat Gefallen an der Sophei gehabt. boote sind's, die am meisten Gefahr laufen. Jo ist nicht hier, murmelt Geerteerd, sich wie hülflos um
Der Wind heult wilder und wühlt die See tiefer auf, ſehend. schwarz sind die Wogen, wild schlagen sie an den Strand.
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aber
Geerteerd ist die Straße entlang geschlüpft bis zu Talke Möllers Haus, wo Jo und Meerie wohnen. Es ist ein mühsames Durcharbeiten durch die Wolken von Flugsand fie thut es mit wilder Lust und wie sie sonst immer einen Umweg um das Haus ihrer Nebenbuhlerin gemacht hat, tritt sie heute mit einer Art von grausamer Freude ein.
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Talke und Meerie ſizen am Herdfeuer, der rothe Schein spielt über den blonden Scheitel des jungen Weibes, das mit einer häuslichen Arbeit beschäftigt ist.
Wo ist Jo? fragt Geerteerd, ohne einen Gruß. Wer was von ihm will, muß ihn suchen! sagt die Wittwe, während Meerie erstaunt die Blicke hebt.
Darum bin ich da! ruft die Schwarze. Talke hält die Hand über die Augen.
Dem Maniel Han seine Geerteerd bist Du, murmelt fiefie sagen, der Jo wäre Dir einmal nachgegangen. Um meine Meerie wär' mir's recht gewesen fonnte einen Bessern friegen, dent' ich!
Was willst Du von dem? ruft da Meerie und erhebt sich aus dem Feuerschein, als sei ein plötzlicher Muth über sie gekommen. Von dem laß ab- magst Künste kennen, wie Deine Mutter, aber an dem verfangen sie nicht!
Talke bewegt beide Hände durch die Luft. Sag' nicht, was eine Sache ist es liegt im Blute, sie hat's geerbt von der Urgroßmutter und der Mutter.
Meerie lacht hell auf, sie versteht kaum den Sinn von dem, was ihre Mutter meint, aber es freut sie, die Feindin so gedemüthigt dastehen zu sehen.
Ich hab's nicht gewußt, stammelt Geerteerd. Auf dem Gesicht des jungen Weibes bleibt der ſpöttische
Ausdruck.
Die Möven und Spaßen auf dem Eiland haben davon reben können- Reid Toben auch.
Reick! wiederholt das Mädchen und streicht über das Haar.
Meerie mag denken, daß fie die Gelegenheit benüßen soll, die ihr Geerteerd so hülflos in die Hand giebt.
Graf Walderfees Trinkspruch.
Die zwischen Feldmarschall Graf Waldersee und Feldmarschall Lord Roberts gewechselten Trinksprüche find mehr als höflich und verbindlich, sie sind überraschend herzlicher Art. Beide Toaste scheinen nicht vom Augenblick eingegeben, sondern programmgemäße Kundgebungen, sodaß man annehmen darf, daß dieser Austausch von Erklärungen den Intentionen des deutschen Kaisers und des Königs Eduard entspricht. Es ist be= kannt, daß die Herrscher den lebhaften Wunsch hegen, die durch den südafrikanischen Krieg übrigens nicht durch diesen allein, auch durch britische Uebergriffe her vorgerufene Verstimmung in der deutschen Bevölkerung gegen England zu beheben. Nachdem der Strieg seinen Abschluß gefunden, greift in der That allmählich ein rubigeres Urteil hüben wie drüben Plaz.
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Gleichwohl wird vielleicht manchem Einzelnes in dem Trinkspruch des Grafen Waldersee nicht zusagen, z. B. das der Menschlichkeit der britischen Armee gespendete Lob. Alles Mögliche fann anerkannt werden, wenn man den britischen Truppen Ehre erzeigen will: Die Hingabe an ihr Land, sogar die Tapferkeit, denn es sind immerhin Fälle von Mut und Entschlossenheit zu verzeichnen gewesen aber das Lob der Menschlichfeit hätte man wohl in dieser Ansprache gerne vermißt. Hebertriebene Schilderungen auf das richtige Maß zurückgeführt, bleibt immer noch genug übrig, um unschwer den Nachweis zu erbringen, daß die Humanität gerade in diesem Kriege sehr wenig zu Ehren gekommen ist. Dagegen fann man als ein Stompliment für die Buren auffassen, daß Graf Waldersee die Aufgabe der britischen Armee in Südafrika als ,, schwer und mühsam" bezeichnete. Die britischen Truppen hatten eben einen schwächeren, aber an Wert, an Heroismus, an Ausdauer überlegenen Gegner; dieser Unterschied machte die Aufgabe ,, mühsam", ja zu einer verzweifelt schwierigen. Lord Roberts versicherte in seiner Antwort, daß die britischen Soldaten ,, tief empfänglich für die freundliche Gesinnung seien, die Graf Waldersee getrieben habe, von ihnen in so anerkennungsvollen Worten zu sprechen." Man fann hinzufügen: doppelt empfänglich, weil den Engländern aus der ganzen internationalen ZuschauerStorona während des Burenkrieges selten und färglich der Preis zuerkannt worden ist. In einer sympathischen Beleuchtung erblickt man auch heute noch nicht speziell den ,, ftets fiegreichen" Feldmarschall Lord Roberts.
Wir stehen auf dem Standpunkte, daß die Bestrebungen zweckmäßig und fördernswert sind, die auf
Haft nie gefragt, daß Du so schwarz bift? Ein Franzosen find ist Deine Großmutter gewesen.
Nun schüttelt sich Geerteerd, als müffe der Bann von ihr weichen durch die heftige Bewegung, das seltsame Glühen, tommt in ihre Augen und dann beugt sie fich tief hinab zu der Sigenden.
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Lach' nicht, Meerie zu früh ist's wenn ich gewollt hätte, so saßest Du schon an Deinem Hochzeitstag allein und warst eine Wittwe und wenn ich will id Sie stockt einen Augenblick, richtet sich dann rasch empor,
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hebt wie drohend die Hand und sagt: Ja, ich will!
Dann ist sie verschwunden und die beiden Frauen, denen ihre Worte unverständlich sind, blicken einander erstaunt an..
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Hochaufgerichtet geht Geerteerd weiter. Als sie mit der Gedanken, die Jo Toben suchten, vorhin dort über die Schwelle getreten ist und das friedliche Bild gesehen hat, ist's ihr wie Reue gekommen soll sie das Glück zerstören? Wie dann aber die Worte der beiden Frauen an ihr Ohr geschlagen sind, wie sie unter dem Spott und Hohn fast zusammengebrochen ist, da ist der Entschluß fest in ihr geworden. Ina Blut ist's bei ihr soll sie besser sein, als ihre Mutter gewesen ist besser, um dieses kaltherzigen, blonden Geschöpfes willen? Sie lacht, der scharfe Wind nimmt ihr die Töne von den Lippen.
Wo soll sie Jo nun suchen? Aber dann weiß sie es ebenso schnell, als sie fragt. Er wird mit den Andern am Strand sein dorthin wendet sie sich.
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Schwer ist's Durcharbeiten nach den Dünen; bis dort hinauf sprigen die salzigen Tropfen, die Sandvolken, welche empor gewirbelt werden, erschweren das Sehen. Gruppenweis stehen die Männer der Insel auf den höchsten Spigen und lugen auf das inimer erregter ter werdende Dicer aus und beobachten die jagenden Wolken und suchen den Jahrzeugen zu folgen, die sich mühsam ihren Weg balmen. ( Sortjeßung folgt.)
IN WESEL
WILLIBRORDIKIRCHE
HELGOLAND
Plän
PLON


