Ausgabe 
25.10.1902 Drittes Blatt
 
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Prinzip der Duellverwerfung, 6 nichtfarbentragende Verbindungen, 3 wissenschaftliche Vereine sowie 4 freie Vereinigungen ohne forporativen Charakter. Glück im Unglück hatte ein hier ** Mainz, 23. Oft. her bestimmter Rekrut aus Westfalen. Er fiel in der Nähe von Meschede aus dem Zuge und zog sich dabei nur eine leichte Kopfwunde zu, die ihn nicht hinderte, dem Trans­porte mit dem nächsten Zuge nachzufahren. Sein Sturz aus dem Wagen war unbemerkt geblieben, so daß man, ale der Transport hier ankam, sich das Fehlen des Mannes nicht erklären fonnte.

Aus Franken, 23. Oft. Ein fürchterliches Blutbad richteten gestern Nacht in Sessenfahrt die Brüder Wilhelm und Georg Turbanisch, Kesselflicker und Scheerenschleifer von Profession, in der Wirtschaft des Gastwirt und Metzgers Georg Than an. Than wollte, da die beiden in einem fort mit den Gästen Streit anfingen, Feierabend machen, und begann die Stühle aufzustellen. Aus Wut darüber sprang Wilhelm Turbanisch herbei und versetzte ihm von hinten einen Stich in den Nacken. Da die Genickader Durchschlagen war, trat der Tod sofort ein. Als der Schwager des Ge­töteten, der Zimmermann Georg Schmitt von Strullendorf, zur Hilfe herbeieilte, erhielt er von Georg Turbanisch 4 Messerstiche in die Schulter. Einer traf die Lunge, so daß an dem Aufkommen des Mannes gezweifelt wird. Eben­falls swer verletzt wurde von den Beiden der im Zimmer anwesende Korbmacher Wilhelm Heß aus Sassenfahrt. Die Frau des getöteten Than, die erst seit einem Jahre mit diesem verheiratet war und vor 14 Tagen ihr erstes Kind geboren hatte, fiel ohnmächtig auf die Leiche ihres Mannes. Die Thäter wurden festgenommen.

r. Vom Lande. Die diesjährige reiche Obsternte hat so recht gezeigt, welche Unmasse von Apfelsorten in hiesiger Gegend gebaut werden. Fast überall hat aber auch die Ernte gezeigt, daß sich nicht alle Sorten zum rationellen Anbau eignen. Bekanntlich ist es ein Fehler der Obzüchter, daß sie zu viele Sorten ziehen. Man pflanzt eben leider zu oft ohne Wahl, ja man kauft häufig jedem Händler Obstbäume ab ohne zu wissen, auf welchem Grund und Boden dieselben auf­gewachsen oder auch nur ihre Sorte zu kennen. Be­fanntlich ber angt jede Frucht, also auch der Obstbaum ihren besonderen Boden. Um den Obstbau namentlich für den Verkauf rentabel zu machen ist es viel besser, einige Sorten in größerer Menge anbieten zu können, als viele Sorten in geringer Menge oder wo möglich noch durcheinander. Für die hiesige Gegend seien zum Anbau besonders empfohlen, Winter Goldparmäne, Kasseler Baumanns- und Landsberger Reinette und der Siebenschläfer. Als Wirtschaftsapfel verdienen Schafs­nase in erster Linie genannt zu werden, dieser hessische Nationalapfel liefert stets reichliche Ernten.

s. Kinzenbach. Etwas höhere Preise als in früheren Jahren scheinen die Schafzüchter mit ihren Lämmern zu erzielen. In diesen Tagen wurden hierselbst die ersten Lämmer verkauft und dafür 14-15 Mark per Stück gelöst. Sicherlich üben die stets hohen Fleisch­preise auch einigen Einfluß auf diese höheren Schafpreise.

Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten an der Kreuzung der Bahnhofstraße und Westanlage wird der Durchgangsverkehr für Fuhrwerke im Zuge beider Straßen vom 27. I. Mts. bis auf Weiteres gesperrt. Gießen, den 24. Oktober 1902.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler.

Bekanntmachung.

Die am 17. September bezw. 10. Oktober I. Js. angeordnete Sverre der Grünberge ftraße zwischen Moltke- und der Wolfstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 23. Of ober 1902.

Großherzogl. Polizeiamt Gießen. Hechler.

Bekanntmachung.

Die Landmannstraße und die Licherstroße zwischen Schiffenbergerweg und Wolfstraße wird wegen Vor­nahme von Kanalisationsarbeiten für den Führwerks­verfehr bis auf Weiteres gesperrt

Gießen, den 23. Oftober 1902.

Grozherzogliches Polizeiant Gießea. Hechler.

Gustav- Adolf- Frauenverein.

n. Dutenhofen. Die Regierung zu Koblenz hat bei dem hiesigen Gemeinderat angefragt, in welcher Weise derselbe die Mittel zur Besoldung eines dritten Lehrers aufbringen will. Bekanntlich ist die Schülerzahl nahezu auf 180 Kinder gestiegen und werden dieselben nach wie vor von nur zwei Lehrern unterrichtet.

** Der Unteroffizier Karl Emil Fischer vom Be­zierkskommando Friedberg hat sich in 7 Fällen kleinere Geldbeträge, die ihn vom Kommando zur Aus­zahlung übergeben waren, angeeignet. So sollte er eines Tages einem Metzgermeister eine Rolle mit 50 Mark bringen. Vorher aber entnahm er der Rolle 10 Mk, machte sie wieder fein säuberlich zu und über­reichte sie dem Schlachter. Erst als sie dieser weiter gab, wurde gemerkt, daß zehn Mark fehlten. unterschlagene Summe beläuft sich im Ganzen auf 37 Mt. 88 Pfg. Das Kriegsgericht in Darmstadt hat den Defraudanten zu 5 Monaten Gefängnis, Degrada­tion und Versetzung in die zweite Klasse des Soldaten­standes verurteilt. Seine Berufung gegen dieses Urteil wurde verworfen.

**

Die

* Darmstadt, 23. Oft. Prinz Ludwig von Battenberg, fgl. großbritannischer Kapitän zur See, ist als Nachfolger des Kontreadmirals Custance zum 1. Direktor des Nachrichten­dienstes im englischen Marineamt ernannt worden.

** Vom Main, 24. Oft. Von einem schrecklichen Unglück wird aus Sendelbach bei Lohr a. M. berichtet. Während der Abwesenheit des Steinhauers Eduard Rausch und seiner Ehefrau spielten die Kinder derselben, denen sich die Kinder des Schreinermeisters Nikolaus Kübert zugefellt hatten, mit Streichhölzern und zündeten schließlich auf dem Speicher des elterlichen Hauses ein Feuerchen an. In Nu brannte der ganze Dachstuhl. Das Feuer wurde bald von der Feuerwehr gedämpft. Aber 2 junge Menschenleben hatten in demselben ihren Tod gefunden. Unter dem zu­fammengestürzten Gebält hervor wurden die verkohlten Leich­name des 6. Jahre alten Söhnchens des Nausch und des 5 jährigen Söhnchens des Kübert hervorgezogen.

** Darmstadt, 24. Dft. Der Großfürst und die Groß­fürstin Sergius von Rußland werden am Montag hier ein­treffen und im Schlosse Wohnung nehmen.

Die Lejer der Giekener Neueste Nachrichten sollten dadurch mit unsere Zeitung in engere Verbindung treten. daß sie interessante Vorfälle, Mißstände aller Art, kurz alles für einen größeren Kreis Wissenswerte der Redaktion mitteilen Wahr­heitsgemäße worrespondenzen über interessante Vorfälle werden honoriert. Mißstände werden durch öffentliche Besprechung zur Kenntnis der berufenen Stellen gebracht und so deren Abstellung eingeleitet. Vereinsnachrichten, Berichte über General­versammlungen. Festlich feiten wollen uns, wenn fein Berichterstatter der Neueste Nachrichten" anwesend ist, die Herren Schriftführer einsenden, wir werden sie alsdann gern zum Abdruck bringen. Ein jeder zieht aus solchem Verfahren Vorteil: erweckt das Interesse für den Verein, trägt zur Abstellung eines Uebelstandes bei, ein Verein wird in weiteren Kreisen bekannt, was der Ge= winnung neuer Mitglieder förderlich ist usw. Also bei jeder passen­den Gelegenheit muß die Parole sein: das schreibe ich den

Gießener Neueste Nachrichten."

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

In der Zeit vom 18. bis 25. Ottober 1. Is wurden in hiesiger Stadt gefunden:

2 goldene Ringe und 4 Vorhemden. Die Empfangs. berechtigten belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen.

Gießen, den 25. Oftober 1902.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler.

Bekanntmachung.

Die Besitzer von Obstbäumen der Gemarkuna Gießen werden hiermit aufgefordert, zur Bekämpfung der Obstbaum­schädlinge sämtliche Obstbäume bis Mitte November gehörig abkraßen und mit Kaltmilch, gelöschtem Kalk, der mit viel Wasser verrührt ist, bestreichen zu lassen.

Gießen, am 24. Oftober 1902

Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum.

Bekanntmachung,

die Wahl der Wahlmänner für die Land­tagswahl betr.

Am Mittwoch, 29. Ottober 1902, Vormittags von 10 bis 1 Uhr und Nachmittags von 3 bis 61

Mariage.

In diesen Tagen werden die Jahresbeiträge für unseren Verein, wie alljährlin, erh oben werden. Eine größere Anzahl von Sammlerinnen hat sich freundlichst bereit erklärt die Erhebung der Gaben für 1902 zu übernehmen. Im Jahre 1901 wurden für die Staatsbeamter in hoher Stellung Zwecke des Vereins, zur vinde ung mannigfacher Not bei armen und in guten Verhältnissen, mittl. Glaubensgenossen. in unserer Gemeinde 1362 Mr. durch unfere Alters, ev., Junggeselle, wünscht Sammleri nen und das Wohlwollen der Gebenden zusammengebracht sich zu verheiraten und bittet Damen und durch Vermittelung des Verwaltungsrats in Darmstadt an 30 von 25 bis 30 Jahren aus nur hilfsbedürftige Gemeinden und Anstalten verteilt. Indem wir allen ersten Kreisen oder deren Angehör., Gebern und Geberinnen auf diesem Wege nochmals unseren herz- diesem ernsthaften Gesuch lichen Dank aussprechen, bitten wir, auch in diesem Jahr unsere trauensvoll entgegenzukommen u. Sammlerinnen freundlich annehmen und durch Spendung reichlicher die nötigen genauen Angaben über Gaben die gute Sache unser evangelischen Kirche fördern zu wollen. alle in Betracht kommenden Ver­

Gießen, 18. Oktober 1901.

Für den Vorstand des Gustav Adolf- Frauenvereins:

Die Vorsitzende: Louise Wortmann.

Der Schriftführer: Dr. Naumann, Pfarrer.

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Uhr, wird die Wahl von 50 Wahlmännern für die Ge­meinde Gießen zum Behuf der Wahl eines Abgeordneten in dem Sitzungssaal der Stadtverordneten­Versammlung im Bürgermeistereigebäude vorgenommen werden. Alle stimmberechtigten Staats­bürger werden daher eingeladen, an dem gedachten Ter­min sich persönlich einzufinden und ihre Stimmen ab­zugeben.

Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß Diejenigen, welche mit der Entrichtung ihrer schuldigen direkten Staatssteuer, oder falls sie zu einer solchen nicht herangezogen sind, ihrer Kommunalsteuer länger als zwei Monate sich im Rückstande befinden, zur Abstimmung nicht zugelassen werden und daß daher alle Diejenigen, welche bis zum 23. Oftober bezw. bis zum 24. Oktober 1902 mit der Entrichtung der betreffenden Steuer über zwei Monate im Rückstande waren, nur dann zur Ab­stimmung zugelassen werden können, wenn sie diesen Rückstand noch bis zur Wahl abführen und daß solches geschehen, der Wahlkommission durch Vorzeigung ihrer Steuerquittung nachweisen.

Gießen, den 25. Oftober 1902. Die Wahlkommission.

Der Bürgermeister: Mecum.

Die Urkundspersonen:

Keller. Wallenfels

Turnverein.

Montag, den 27. Oktober d. J. abends 8 Uhr

Generalversammlung

in unserer Turnhalle.

Tages- Ordnung:

1. Bericht, 2. Rechnungsablage, 3. Vorstandswahl, 4. Verschiedenes.

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für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein,& ißen.

2lm darauffolgenden Tage, welchem er ganz flüchtig in

Das wirkte. Denn wenige eben angedeuteter Weise rige Mutter einen langen Brief, hofer

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Nr. 248.

Samstag, 25. Oftober.

1902.