Ausgabe 
25.7.1902 Erstes Blatt
 
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Mark, Helfmann- Hanau 30 636,85 M.; Provinzial­Siechenanstalt K. Bölling- Lüdenscheidt 18 170,75 Mt., Birkenstock& Schneider- Gießen 17 227,60 Mt. Man kann hier wieder einmal sehen, welche Resultate eine Submission mit sich bringt. Im Loos I wurde der erste vom Mindestfordernden um 105 pCt., im Loos II um 100 pCt. und die Arbeiten beim Sielbau gar um 150 pet. unter boten.

gar nicht gefallen sind oder wenigstens nicht so, wie fie der Referent wiedergiebt. Die Los von Rom­Bewegung ist nicht durch Wort und Schrift des G.- A.­Vereins angeregt worden. Sie ist ohne sein Gutsinn entstanden, aber infolge der zahlreichen Uebertritte sind dem Verein neue Aufgaben erwachsen. Der Verein hat in den mit seiner Hilfe gegründeten Gemeinden Diakonissen als Gemeindeschwestern verwandt, nicht aber die Schwesternschaften, die sich der Krankenpflege widmen, selber in's Leben gerufen. Außer 2007 Kirchen und Kapellen und 854 Schulgebäuden sind 815 Pfarr­häuser gebaut worden.

Es ergiebt sich aus dieser aber immerhin, daß der| 98 061,25 Mt., Loos II Beppler- Emmendingen 59 583,15| bericht werden Aeußerungen zugeschrieben, die entweder Charakter des Dreibundes durch die Vertrags- Erneuerung keine Aenderung erfahren hat. Er ist früher ebenso wenig aggressiv gewesen, wie er heute ist, und anderer­seits ist er durch den Fortfall der nun allgemein bekannt gewordenen Abmachung feineswegs zu einer bloßen Förmlichkeit herabgedrückt worden. Denn diese Ab­machung betraf nur eine Frage der Zweckmäßigkeit, und ihre Beseitigung ändert nichts an der Verpflichtung Italiens, im Falle eines französischen Angriffes auf Deutschland uns Waffenhilfe zu leisten.

Paris, 24. Juli. Gestern Abend wurde ein Priester von einer Anzahl Demonstranten angefallen und ihm ein Messerstrich in den Unterleib verseßt. Er wurde ins Hospital gebracht. Auch aus der Provinz werden Demonstrationen aus Anlaß der Schließung der congreganistischen Schulen ge­meldet. In Quimper wurde ein Gendarm verwundet.

p. Ein angetrunkenes auswärtiges Frauen­zimmer verursachte gestern Abend in der Wallthorstraße einen großen Menschenauflauf. Sie wurde durch einen Schuhmann nach der Bahn geschafft.

8ur Kongregationsbewegung in Frank­reich. Von den Teilnehmern der gestrigen Rundgebungen erschienen heute sieben bereits vor der Straffammer wegen thätlichen Widerstands gegen die Polizei. Sie wurden zu Strafen von 50 Franks bis zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Nur in einem Falle wurde die Vollziehung der Strafe suspendiert. Sämtliche in Paris zur Schließung aufgeforderten Kongregationsschulen haben dem Befehle Folge gegeben, mit Ausnahme von fünf Schulen über deren weiteres Schicksal der Ministerrat beschließen wird.

p. Obstrevision.. Gestern Vormittag fand auf dem Wochenmarkt eine polizeiliche Revision bezüglich Ein Korb des zum Verkauf unreifen Obstes statt. aufgestellten Marktobstes wurde beanstandet.

p. Einsogenannter Geldwechsler, welcher sich Großgeld verschafft, in einen Laden geht für einige Pfennige Ware kauft und dabei ein größeres Geldstück hingiebt und dann das herausgegebene Geld, sowie auch im passenden Moment z. B. wenn andere Kundschaft im Laden erscheint, das von ihm hingelegte Geldstück wieder einstreicht und dann verschwindet, wurde gestern Nachmittag bei einer solchen Manipulation vom Laden­besitzer ertappt und später verhaftet.

Der frühere französische Kabinetschef Waldeck Rousseau, der sich gegenwärtig in Kopenhagen aufhält, beabsichtigt, wie der Vossischen Zeitung" von gut unter­richteter Seite mitgeteilt wird, auch Kiel zu berühren und die dortigen maritimen Einrichtungen zu besichtigen. Der Tag für die Ankunft in Kiel steht noch nicht fest.

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Aus Hessen und nachbargebieten.

*** Ruttershausen b. Gießen. Sehr große Miß­stimmung herrscht nicht nur allein in unserer Gemeinde, nein auch in benachbarten Orten ist man über den lang­samen Bau der Bahnbrücke unzufrieden. Dieselbe ist im vorigen Frühjahr begonnen worden und bis zum Herbst hat man daran gearbeitet, an eine Vollendung aber ist bis heute noch nicht zu denken. Warum? Seit langer Zeit ist gar nicht mehr daran gearbeitet worden. Besonders den Fuhr­leuten ist das sehr unangenehm, und die Fuhrherren zahlen doch auch Steuern.

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Weylar, 24. Juli. Eine Gesamtsizung aller für das XXIV. Gesangfest des Lahnthalsängerbundes ge­bildeten Ausschüsse wurde gestern Abend im Schüßen­garten" abgehalten. Von den Mitgliedern des Ehren­ausschusses die Herren Gymnasialdirektor Professor Dr. Fehrs, Generaldirektor Kaiser Herr Friedrich Oberstleutnant stießlich anwesend. Heinzenberg, der Vorsitzende des hiesigen Männer­gesangvereins, eröffnete die Sitzung mit Grußes- und Dankesworten an die erschienenen Herren. Die Gesamt­ausgaben werden bis jetzt auf ca. 3000 Mt. ver­anschlagt.

** Riesentinematograph. Vom Sonntag an wird uns auf Oswalds Garten etwas ganz Beson­deres geboten- Bläsers Riefentinematograph. Auf diese glänzende Erfindung können Photographen und Mechaniker in gleicher Weise stolz sein. Denn nur beiden zusammen ist es gelungen, nicht ein totes, sondern ein lebendiges Bild in Lebensgröße vor den Augen der erstaunten Bu­schauer zu entrollen. Ganze lange Szenen Aufzüge u. s. w. spielen sich naturgetreu von Anfang bis zu Ende ab. Um ein solches lebendes Bild" aufführen zu können, braucht der Photograph nicht weniger als 20-30,000 eir zeine Blatten. Ein ige wenige Kinematographenbilder haben wohl schon die meist en unserer Leser im Varietee gesehen. Aber diese Menge, diese Auswahl, des Allerneuste fann nur ein Spezialist bieten. Bläsers Kinematograph ist das erste und bis jeßt unübertroffene Institut dieser Art in Deutschland. Ueberall, wo er hintam, haben die Zeitungen nur Lob für ihn. Auch viele hohe Herrschaften bewunderten schon seine Darbietungen. Wir fönnen den Besuch dieses Theaters, das ebenso billig, wie lehrreich ist, nur empfehlen. ( Näh. s. Inserat.)

Neues Völkerbündnis. Zwischen Eng­land und Korea soll in Socul ein Abkommen abge­schlossen worden sein, wonach England und Japan der foreanischen Regierung in allen wichtigen Fragen, der inneren wie der auswärtigen Politik mit ihrem Rat zur Seite zu stehen haben. Korea darf auswärtige Anleihen nur in Japan, England oder Amerika aufnehmen, darf keine Ausländer als Staatsbeamte mehr aufstellen und verpflichtet sich, seine Flotte und Heer bis zu einem erforderlichen Grade zu ver­stärken.

Giessener Cagesneuigkeiten.

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Herborn( Dill), 24. Juli. Auf dem heute abgehal­tenen 8. diesjährigen Markt waren aufgetrieben 344 Stück Rindvich und 452 Schweine. Es wurden bezahlt für Fettvieh und zwar Ochsen I. Qual. 68 bis 71 Mt., II. Qual. 65 bis 67 Mt., Kühe und Rinder I. Qual. 60 bis 63 Mt., II. Qual. 53 bis 58 Mt. per 50 Kilo Schlachtgewicht. Auf dem Schweinemarkt kosteten Ferkel 60 bis 80 Mt., Läufer 90 bis 110 Mt. und Einlegschweine 120 bis 150 Mit. das Paar. Der nächste Markt findet am 25. August d. Js. statt.

* Der Kaiserpreis des 18. Armeekorps. In der vorigen Woche fand der Ritt der Kavallerie­offiziere des 18. Armeekorps um den vom Kaiser ge­stifteten Ehrenpreis statt. Von den Kavallerieregi­mentern des 18. Armeekorps beteiligten sich etwa 30 Offiziere an dem Ritt, der um 9 Uhr Abends begann. Die Teilnehmer ritten in ihren Garnisonsorten Hanau, Bockenheim und Darmstadt ab. Als Aufgabe war die Erkundigung einer Vorpostenstellung links des Rheines gestellt. Die Meldung über die Rekognoszierung mußte nach Alzey gebracht werden. Freitag Morgen 9 Uhr war der Ritt beendet. Der Sieger wird erst später be­fannt gegeben.

** Jugendfest. Die Zahl der bisherigen An­meldungen von Schülerinnen der höheren und erweiterten Mädchenschule zur Teilnahme am Jugendfest hat die Erwartungen weit übertroffen, ein Beweis dafür, daß zahlreiche Eltern die schweren Bedenken" des Lehrer­kollegiums der Schule nicht teilen und daß Bürger­meisteret und Kuratorium ganz richtig handelten, wenn sie trotz des Widerspruches der Lehrer unsere höheren Töchter zur Teilnahme an dem allgemeinen Volksfeste aufforderten. Auch unser früherer Oberbürgermeister, Herr Gnauth, ist jederzeit entschieden für Beteiligung der höheren nnd erweiterten Mädchenschule am Jugend­feste eingetreten. Die geäußerten Bedenken sind um so weniger gerechtfertigt, da der Festzug nicht mehr vom Oswaldsgarten, sondern von der Bürgermeisterei aus­geht und die Kinder jetzt nur einen furzen schattigen Weg zum Festplate haben. Es wird sich empfehlen bisher unterlassene Anmeldung schleunigst nachzuholen, weil die Frist hierfür Morgen, Samstag, abläuft und eine Verlängerung wegen der Vorbereitungen für die Festspiele und die auszuteilenden Geschenke nicht an­gängig ist. Anmeldungen werden auf der Bürger­meisterei, Zimmer 15, entgegen genommen.

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Dieburg, 23. Juli. Fortan fönnen auch die Schüler der Progymnasialabteilung das wissenschaftliche Be­fähigungszeugniß zum einjährig freiwilligen Militärdienst bereits nach durchlaufener Unter­sekunda erlangen, wenn sie sich der Abschlußprüfung nach der Prüfungsordnung vom 15. Dezember 1899 mit Er­folg unterziehen.

Kriegerkameradschaft Hassia. Nach Erfüllung der sagungsmäßigen Pflichten sind in den Landesverband der Kriegerkameradschaft Hassia" auf genommen worden: Kriegerverein Ober- Erlenbach mit 29 Mitgliedern, Bezirk Bilbel; Krieger- Militärverein Nieder- Beerbach mit 38 Mitgliedern, Bezirk Darmstadt; Kriegerverein Wernges mit 21 Mitgliedern, Bezirk Butz bach; Kriegerverein Zeilbach mit 19 Mitgliedern, Bezirk Ulrichstein; Kriegerverein Hörgenau mit 21 Mitgliedern, Bezirk Herbstein.

Kanal Die Submission zu den Kanal: bauten für den Sielbau sind gestern vergeben worden und zwar zunächst für Loos I, Loos II und für die Provinzial- Siechenanstalt. Es waren u. a. folgende Offerten mit eingegangen: Loos I Th. W. Düren­Godesberg 201 145,000 Mt., Jäger& Rumpf- Hanou

In eigener Sache Richter.

Roman von 2. Haidheim. ( Nachdruck verboten.)

( Fortsetzung.)

Sie gab ihm mit königlicher Huld ihre Hand, die er ritterlich an seine Lippen zog.

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und die Butterpreise beeinträchtigt?

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Als die Kunstbutter oder Margarine im Handel auf­tauchte, war die Gefahr zunächst nicht gerade von der Hand zu weisen, daß dadurch der Butterverbrauch und die Butterpreise gedrückt, also die allgemeine Wohlfahrt wie auch die Landwirtschaft durch die Margarine ges schädigt werden können. Indessen hat die große Volks­vermehrung in Deutschland und die wirtschaftliche Praxis, die der Margarine nur beschränkten Konsum ermöglicht, nunmehr klipp und klar die Erfahrung ge­zeitigt, daß trotz der großen Vermehrung des Wargarine­berbrauches der Butterkonsum und der Butterpreis in den legten 10 bis 15 Jahren doch noch bedeutend ge­fliegen ist. Den deutschen Landwirten ist sonach durch die Margarinefabrikation im allgemeinen kein Nachteil entstanden, zumal wenn man bedenkt, daß die Margarine­fabriken zur Herstellung ihrer besseren Margarineforten Hilfe in großer Geldnot gebeten hatte. Sie begleitete Burkard hinaus und erzählte ihm, wie höhnisch und rauh der Alte ge= wesen, bis dann plöglich das Sterben eintrat.

** Ueber den Bericht betr. Gustav Adolf­Fest in Alsfeld geht uns noch eine Berichtigung zu: Es war nicht der Zweigverein Grünberg, welcher das Jahresfest feierte, sondern der Zweigverein Gießen. Dem in der Morgenversammlung erstatteten Jahres­

Dann tam sie aber sofort auf das standesgemäße Quartier zurück. Hier blieb sie nicht! Keine Nacht! Konnte sie etwa zu Cäcilie fahren? Nein? Zwei Stunden weit? Und im ganzen 30g fie auch vor hier zu bleiben! Wer auch der Erbe oder die Erben sein mochten, sie war entschlossen dies Interimsjahr bis zur Testamentseröffnung auf Strapolno zu bleiben und dann fonnte man sie und ihre Kinder schon nicht auf die Straße sezen, die Familie war verpflichtet für sie zu sorgen. Und wenn das der Oheim nicht anerkannt hätte, so würde er sie nicht haben tommen lassen. Aber freilich, von dem zu erwarten, daß er großherzig und freigebig gegen Verwandte fei, ja nur anständig! bas wäre thöricht genug, hatte er doch seine eigenen Kinder ver­tommen laffen, während er auf Säcken voll Geld faß.

ficht war nicht allzu regelmäßig, die Backenknochen traten hervor, ber Mund war größer, als es sich mit den Gesezen der Schönheit bertrug und das Kinn sehr energisch, aber der Teint zart und burchsichtig und fast marmorweiß, die Augen so groß und schön umrahmt, der Blid flug und freundlich, nun der starre Hochmut fich aus ihnen verloren hatte.

So floß immer das mit Bitterfeit gefüllte Herz der schwer geprüften Frau über. Daß Burkard von Frohberg sich bereit zeigte ihre Ansprüche anzuerkennen, stimmte sie gegen ihn selbst etwas milder. Sie rief ihre Kinder und stellte sie ihm vor; die Kleinen sahen blaß und übermüdet aus. Der älteste Knabe war acht Jahr alt, Ludwig nannte sie ihn, Bela und Lizzi zählten erst sechs und vier. Aber Joseph, ihr ältester, ein Jahr jünger als Maria, sei im Kadettenhause mit böhmischem Königspatent. So nannte sie die Freistelle, die man dem jungen Wazlam gegeben.

Der Name erinnerte Burkard an den Vetter, den er nun schon ziemlich lange allein gelassen. Er sagte den Damen von dem anderen Antömmling des heutigen Tages.

Kaum fand er Zeit die Böhmin in den unteren Regionen aufzusuchen und ihr begreiflich zu machen, daß durch einen un­glücklichen Irrtum" die Frau Baronin zu seinem größten Ver­Bruß und seiner tiefsten Beschämung von einem der dummen Knechte in das Nebengebäude gebracht worden und daß die Gnädige sofort im Oberstock Zimmer haben müsse.

" Der wäre von Gottes- und Rechtswegen der Majorats erbe, wenn nicht seine Mutter-! Sie war von gutem Adel, aber allerdings eine Frau, die ihrem ersten Manne durch­gegangen und auch nachher nicht sehr vorsichtig gelebt hatte. Better Franz war ein Narr sie zu heiraten, aber der Sohn sollte es nicht entgelten", sagte Frau von Wazlaw.

Bergeblich beteuerte die nicht allzu fluge, der felige Herr Graf habe sie angewiesen drüben die Damen zu logieren; er ließ fie garnicht ausreden, fuhr sie beinahe zornig an und brachte es dann endlich so wett, daß sie sich bereit erklärte, nach dem Park hinaus die Gnädige mit den Kindern unterzubringen. Und ganz wie es fich gehörte, wo ein Toter lag, still und lautlos und mit allem Respekt. Ja, ja, gewiß, der gnädige Herr könne sich auf die Nandl verlassen.

Endlich ließ fie Burkard von Frohberg los, mit der schon lächelnd gegebenen Buficherung, sie würden nicht mehr Geräusch machen wie eben so viel Mäuse. Jest sah sie angenehm aus, sie entließ ihn sehr freundlich und Maria leuchtete ihm sogar mit ber Lampe, die feine Kuppel hatte.

Sie war wirklich ein schönes Mädchen, sah er, schlank und hoch gewachsen, mit dem föniglichen Anstande der Mutter. Ihr Ge

Noch einmal sah Burkard flüchtig zu seinen Gästen in das Eßzimmer hinein. Er war viel zu beschäftigt in seinen Ge­danken, ihnen jezt erst noch Rede und Antwort stehen zu mögen. Ganz erleichtert atmete er auf, als sie ihm erklärten, sie wollten zu Bett gehen.

Es fiel ihm auf, wie düster und blaß Graf Joseph stumm neben den plaudernden alten Herren gesessen.

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Ebern that Burkard leid! Er war doch Großvaters Enkel! Aber womit hätte er ihn trösten sollen? Und am Ende- morgen tam auch noch ein Tag, er hatte jezt wirklich noch zu piel zu besorgen und anzuordnen.

Er ging hinauf, noch einmal nach dem Toten zu sehen. Dort hatte die barmherzige Schwester Ordnung gemacht, das Bett in die Mitte des Zimmers gerückt und zu häupten des­selben ein großes Kruzifir, brennende Lichter auf silbernen Leuchtern, aufgestellt.

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Graf Joseph stieg die Treppe zu seinem Zimmer, begleitet von einem ihm das Licht tragenden jungen Diener, hinauf mit einem Grauen, welches ihm eisige Schauer über den ganzen Leib jagte. So war es ihm in der letzten Stunde wohl zehn Mal ge­gangen! Und dabei bohrte ihm ein Wurm im Hirn und ein gräßlicher Gedanke fam immer wieder, so auch ießt: Du bist fein anständiger Kerl mehr!" Nicht einmal mehr das wenigste, was ein Graf Ebern sein kann!

Im Bette lag, schon mit einem dünnen weißen Tuche be­deckt, der Großvater, und als Burkard die leichte Hülle einen Moment zurücknahm, durchschauerte ihn der Anblick dieses un­beschreiblich harten Gesichts, in dem jezt auch nicht ein Schimmer von Frieden und Verklärung lag, nur die Lieblosigkeit seines Lebens und die düstere Majestät des Todes.

In einer Ecke des Zimmers sprachen die beiden Geistlichen des Dorfes die Totengebete.

Alles, auch ihr gleichgültiges Starren, machte einen so falten, fühllosen Eindruck.

Die Nonne war die einzige, bei der ein wärmeres Empfinden hervortrat und dies galt dem jungen Herrn, der so plöglich am Bette des Sterbenden erschienen war und ihn so dringend um

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Uebel vor Aufregung und tödlicher Abspannung warf er sich mit dem Zeug aufs Bett und schlief in demselben Moment ganz fest. Aber nach zehn Minuten schon wachte er wieder hell und sprang empor. Er wühlte mit zitternder Hand in seiner Brust­tasche und brachte eine ganze Anzahl großer Scheine hervor, die er scheu ansah, als fürchte er sich vor ihnen. Was sollte er nun damit anfangen? Er wollte sie nicht; er wollte nun und nimmer ein Schuft sein. Daß ein beschriebenes Stückchen Papier hinter das Bett glitt, sah er nicht. Sollte er sie verbrennen? Er grübelte. War er dann weniger ein Dieb? Oder, wenn er sich zu dem Toten schleichen könnte und-? Aber bei dem hielten die beiden Geistlichen des Dorfes Sterbe­gebete und zwei Diener die Totenwacht, so hatte er den Doftor sagen hören. Das war also unmöglich! Aber wen man nun das Geld vermißte? Laß sehen, wie viel war es? Er zählte die Scheine, erstaunt, daß die Summe so viel mehr war, wie er gedacht. Aber am Ende, man ist darum nicht mehr ein Dieb, als für zehn Kreuzer! Ein Dieb! Ein ganz gemeiner Dieb! Großer Gott, er ein Dieb? Aber der Alte war doch sein Großvater! Das Geld tam von Rechtswegen fowohl ihm, wie anderen Erben zu! Wenn er- es war ja wahnsinnige Verzweiflung, die ihm die Hand geführt!- wenn er nun in der halben Bewußtlosigkeit sich vorab einen Teil seines Erbes aneignete? War nicht im Grunde das Geld unter allen Umständen sein? und war es nicht Notwehr, die er übte gegen den bösen alten Mann, der seine Kinder, seine Enkel Not leiden ließ und zum Verbrechen trieb?

( Fortseßung folgt.)

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