Ausgabe 
24.9.1902 Erstes Blatt
 
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ihn geplant gewesen sein. Die Verschwörer hatten seine Rückreise entweder auf der Nikolai- oder auf der War­schauer Bahnlinie erwartet und auf beiden Strecken Schienen aufgerissen. Auf der ersten Linie sei die Sache jedoch rechtzeitig entdeckt worden, im zweiten Falle dagegen sei der Nord Expreßzug entgleist.

werden.

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Giessener Cagesneuigkeiten.

** Zu den Landtagswahlen. Im Wahlkreis Gießen wird Herr Justizrat Dr. Gutfleisch wieder aufgestellt Für die Stadt Darmstadt wird von den Nationalliberalen Herr Oberbürgermeister Morneweg und Landgerichtsrat Dr. Buff in Vorschlag kommen. Im Wahlkreis Offenbach- Land stellen die Bürger­parteien Bürgermeister Lammerr in Bürgel auf. *** Ortsgewerbeverein Gießen. Die diesjährige Generalversammlung fand gestern Dienstag, den 23. September im Restaurant Feidel statt. Die Tages ordnung, welche 6 Punkte umfaßte, kam wie folgt zur Erledigung: Aus dem vom Vorsitzenden, Herra Kommerzienrat Heyligenstädt vorgetragenen Jahres­berichte entnahm man, welche rege Thätigkeit ins besondere der Vorstand im abgelaufenen Jahre ent­wickelt hat und wie vielseitig die Aufgaben waren, welche zu erledigen waren. Der Vorstand erlitt durch den Tod zweier Mitglieder der Herren Stohr und Schäfer eine schwere Lücke, die Anwesenden erhoben sich zum Zeichen der Trauer von ihren Plätzen. zweite Punkt der Tagesordnung: die vom Vereins­rechner Herrn Hoos vorgetragene Rechnungsablage gewährte ein recht erfreuliches Bild über den Stand der Finanzen. Die hierauf folgende Vorstandswahl ergab einerseits die Wiederwahl der turnusgemäß aus zuscheidenden Herrn: Petri II, Faber, Steinhäuser und Otto Schmidt und andererseits als Ersatz für die durch Tod oder Wegzug freigewordenen Stellen, die Herren: Dörr, Haggenmüller, Rahn und H. Müller. Die Ge= werbegerichtsordnung betreffend, überläßt man der näheren Erledigung dem Vorstand. Bezüglich des Genossenschaftswesens ist man allgemein der Ansicht, daß eine derartige Einrichtung nicht nur Schwierigkeiten bereiten, sondern auch kaum den er­

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hofften Erfolg haben würde; man will vielmehr zu nächst abwarten, was der Referent am 5. Oktober d. J. in der Generalversammlung zu Darmstadt über dieses Thema vortragen wird. Rücksichtlich der Winter­borträge ist wiederum wie in den Vorjahren die Vorbereitung in Gemeinschaft mit dem Kaufmännischen Verein getroffen worden und wird demnächst den Mit­gliedern das Einlaßbuch zugesandt werden. Zum Schluß wurde der von der Handwerkskammer aufge­stellte Leitfaden für die Meisterprüfungen zur Anschaff­ung empfohlen.

lichem Zusammensein beseßt.

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os. Ulrichstein, 21. September. Heute Nachmittag| bereits veröffentlichten Preisen verkauft. Auf dem Dienstag­tagte hier im Saalbau Grohn unter dem Vorsitze des Herrn Dr. med. Schmidt, das sogenannte Eisen­bahn- Komitee. Das Kreisamt Schotten war durch Herrn Kreis- Amtmann Bohn, und die politische Würde durch Herrn Landtags- Abgeordneten Brauer ver treten. Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung und ge­dachte in patriotischen Worten der Nähe des Landes­herrn und schloß mit einem begeisterden ,, Hoch" auf das Wohl desselben. In der Verhandlung stand. wie schon vor Jahren, der Ohmthalbahn- die Felda- Ohmthalbahn gegenüber. Erstere soll von Station Mücke über Ulrichstein in Station Rirfeld Strecke Lauterbach- Gedern einlaufen, lettere von Station Burg- und Nieder- Gmünd über Groß- Felda und Ulrichstein nach Nirfeld gelangen. Leider war die Groß Feldaer Partei noch nicht im Stande ein ent­sprechendes Projekt vorzulegen, verpflichteten sich aber durch ihren Redner Herrn Be geordneten Joh. Heinrich Völzing, bis Ende dieses Jahres ein solches beizu schaffen. Der Mangel an geeignete Eisenbahn­Ingenieure hatte die Verzögerung ergeben. Nach Schluß der Versammlung stiegen die Auswärtigen zu den Burgausgrabungen hinauf und vertieften sich in alte Zeiten, und-- das wunderbare Landwirtschafts­Panorama, dessen Frische noch nichts verloren hatte. Am Abend entdeckte man im Fremdenbuche des Hotels Pfannenstiel:

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,, Kennen Sie Ulrichstein? Nein?

Dann sehen Sie, bitte, d'e Burg sich an" ,, Und überlegen, was man daraus machen kann." Zur Rentabilität der im Projekt stehenden Eisenbahn," ,, Liegt viel daran."

" Wasser, Erde, Luft und Aussicht",

Für Bauplatz- spricht".

** Butzbach. In Anwesenheit einer großen Anzahl ge­ladener Gäste, darunter Vertreter der Behörden, fand am Samstag die feierliche Eröffnung der Oberhessischen bst- Ausstellung statt. Unter den Erschienenen be­merften wir u. a. die Herren Provinzialdirektor Breidert, Landes- Dekonomierat Müller, Kreisarzt Melior von Alsfeld, Dekonomierat Schlente vom Hardthof, ferner Vertreter verschiedener Streisämter Oberheffens und auch 3. 2. solcher aus den anderen Provinzen. In seiner Begrüßungs­rede führte der Ehrenvoisißende des Ausstellungskomitees, Fey, aus, wie die nun zur Eröffnung kommende Aus­stellung einen erziehlichen, einen einigenden und einen auf­munternden Zweck haben sollte und wie dieses Ziel teilweise auch schon erreicht sei, teilweise aber auch noch erstrebt werden

müsse. Alsdann übergab Herr Kreisrat Fey die Ausstellung als fertig an den Vorsißenden des Oberhessischen Obstbau­Vereins, Herrn Reichstagsabg. Grafen Oriola. Dieser

dankte dem Lokal- Komitee und allen Mitarbeitern an der ** Am Sonntag hatte sich bei Gelegenheit eines Aus­Ausstellung und begrüßte alsdann die Vertreter der Staats­flugs des Bithervereins Alpenröschen" nach dem Schüßenhause auch der Alsfelder Zitherverein ein­behörden und alle Erschienenen. Er betonte in seinen weiteren Ausführungen, wie der im Jahre 1882 in Bußbach von gefunden. Ernste und heitere Vorträge, wie auch Vorträge von Vertretern des Gesangverein Harmonie" und des Ge­13 Herren gegründete Verein nunmehr zu einem der be­mischten Chor des E. A.-V." boten eine schöne Abwechse- deutendsten Obstbauverein Deutschlands herangewachsen ist. Der Landwirt habe sich in hohem Maße dem rationellen lung zu den Klängen der Zithern, Geigen und Mandolinen. Obstbau zugewandt und sich die Kenntnisse und das Sach­Besonderen Beifall fand ein Mandolinen- Terzett der Herren verständnis hierfür aus der von dem Obstbauverein verwirt­Bernhardt( Dirigent des Vereins), Whr und Wagner. lichten, unter vorzüglicher Leitung stehenden Obstbauschule Lange, nachdem die Alsfelder schon die Heimfahrt angetreten, hielten sich noch die Räume des Schüß nhauses bei gemütlichen Stamm von Baumwärtern, der durch diese Anstalt geholt. Insbesondere betonte der Herr Graf den vorzüg­** Die Blumenausstellung in der Turnhalle der hiesigen Stadtmädchenschule, die in dankenswerter Weise von der Leitung noch um einen Tag verlängert wurde, ist gestern geschlossen worden. Die Ausstellung bot im Ganzen recht hübsche Leistungen, und wir zählten wohl über 600 Blumen- und Blattpflanzen der verschiedensten Art, unter denen die besten, ca. 70 an der Zahl, mit der Auszeichnung des 1. Preises unter einer breit schattigen Palme inmitten des ganzen Arrangements aufgebaut waren. Aber auch bei den anderen ringsum stehenden Blumen bemerkten wir sehr hübsche Exemplare, die von der Sorgfalt ih.er Pflegerinnen ein anerkennens­wertes Zeugni gaben. Wir können daher nur zur weiteren Ausgestaltung der Blumenpflege durch unsere Kinder anspornen, denen sie allmählich immer mehr Interesse abgewinnen wird.

** Die israelitischen Herbstfeiertage fallen in diesem Jahre auf einen recht späten Zeitpunkt; sie be= ginnen am 2. Oftober mit dem Neujahrstage des Jahres 5663 seit Bestehen der Welt; am darauffolgenden Tage wird das zweite Fest begangen. Das Versöhnungsfest, welches bekanntlich als der höchste israelitische Feiertag gilt, fällt auf den 11. Oftober. Las Laubhüttenfest wird am 16. und

17. Oftober begangen und schließt am 23. Oktober; leßteres Fest wird seit altersher als Dankesfest für die Ernte- und Herbsterträgnisse gefeiert. Den Schluß der hohen Feste bildet die Gesezesfreude am 24. Oftober.

** Vom 1. Oktober d. Is. ab wird die Eisenbahn­bau- Abteilung Gießen, zu deren Vorstand der Abteilungs­ingenieur H. Hillebrandt ernannt worden ist, nach Nidda verlegt. Ihre Thätigkeit wird sich auf die Nebenbahnen Grebenhain- Gedern, Laubach- Mücke und Stockheim- Höchst( a. d. Nidda) erstrecken.

** Das Reichsgericht hat entschieden, daß bei Ver­wendung von Posteinlieferungsbüchern nicht die Auf­schrift der Postanweisung, sondern die Eintragung im Bosteinlieferungsbuch für die Zahlungsverbindlichkeit

der Post entscheidend ist.

Aus Hessen und nachbargebieten.

** Bad Naukeim, 23. Sept. Wie zuver­lässig verleutet, wird die Zarenfamilie im nächsten Sommer zu längerem Kurenfenthalt hierher kommen und dabei einige Zeit im Schlosse zu Friedberg Wohnung nehmen.

herangebildet worden sei. Die Rede flang in einem Hoch höchstwelcher für die Landwirtschaft immer ein warmes Herz auf Seine Königliche Hoheit der Großherzog aus, Aller­und dessen Regierung stets ein großes Entgegenkommen in dieser Hinsicht gezeigt hat.

An die Eröffnungsrede schloß sich ein Rundgang unter Führung des Herrn Professor Neichel durch die Ausstellung, die sich im schönsten Gewande präsentiert. In übersichtlicher Gruppierung ist das troß des frühen Ausstellungstermins prächtig entwickelte Obst auf vier Tafelreihen in netten Papiertellern und zierlichen Körbchen untergebracht, wobei besonders die große An­zahl der 10- Pfund- Körbchen auffällt. Auch Obst- und Beerenweine, eingemachte Früchte und Gemüse, Riesen­kürbisse 2c. sind zu sehen, alles wohlgeordnet und schön arrangiert. Auf der Bühne ist die Büste des hohen Landesherrn, umgeben von blühenden und Blattpflanzen und einem Wald von Lorbeer- und Tannenbäumen,

aufgestellt. Ein Festmahl und ein Ausflug in den schönen Zipfenwald und nach den Ausgrabungen auf dem Schrenzerberg beschloß die Eröffnungs. feierlichkeit.

** Frankfurt a. M., 23. Sept. Die Straffammer ver­urteilte heute den Kassierer der hiesigen Zahlstelle des deut­schen Tabafarbeiterverbandes Kraifer wegen schwerer Ur­kundenfälschung und Unterschlagung von Verbandsgeldern in Höhe von 1774 f unter Annahme mildernder Umstände zu 1 Jahr Gefängnis.

** Frankfurt a. M., 23. September. Der diesjährige Herbst pferdemarkt läßt sich recht gut an. Der Auf­trieb, nam ntlich an Arbeitspferden, war gestern und heute so groß wie selten zuvor. Bezahlt wurden für leichtere Arbeitspferde 350-500 Mt., für mittlere 550-800 Mt., für schwere 1000-1200 Mt.

** Frankfurt a. M., 23. Sept. Partout sterben will der 40 jährige Friseur Karl Pfeuser hier. Vor einiger Zeit erhängte er sich, wurde aber noch rechtzeitig abgeschnitten. Tann sprang er in den Main- lebend wurde er wieder herausgezogen. Gestern Abend versuchte er sich die Puls­ader zu ff en, snitt aber vorbei und lief, als Lute tamen, fort in den Nizza und erhängte sich dort an seine Hosen­träger. Aber auch hier wurde der durch Abschneiden wieder der Weg ins Jens is verlegt. Man brachte ihn nunmehr dahin, wohin er gehört, ins Irrenhaus.

** Frankfurt a. M. 25. Sept. Zum Schluß des Marktes am Montag wurden noch 25. Waggons zu den

markt waren bis 12 Uhr mittags 95 Waggons angeboten; verkauft wurden 29 Waggons Kelteräpfel, 3 Waggons Tafel­äpfel und 1 Waggon Zwetschen. Der Besuch war nicht so start wie am Montag, doch zeigte sich mehr Kaufluft. Auch ausländisches Obst ward abgefeßt, so 10 Waggong Schweizer Kelteräpfel, die nach Baden gingen. Das Ge­samtangebot stellt sich demnach auf 248, der Umsatz betrug 70 Waggons. Die heutigen Preise waren Mt. 8.85 und 9.10 pro hundert Kilo frei Frankfurt und Mt. 7 60 ab Marburg. Die Tafeläpfel fofteten pro Waggon Mt. 1800, die Zwetschen pro 100 Kilo Mt. 15. Die Besserung der Geschäftslage hat, so heißt es in dem Bericht der Central­stelle für Obstverwertung in Frankfurt a. M. für die Zeit vom 15. bis 20. September, nicht angehalten. Das Geschäft war in dieser Woche trop starkem Angebote und bedeutender Nachfrage ziemlich flau. Große Abschlüsse wurden nicht gemacht, da ſowohl Verkäufer wie Käufer ſich ſehr zu­rückhaltend zeigten; dies gilt hauptsächlich von Tafel- und Moſtäpfeln. Zwetschen sind sehr gesucht und Angebote hierin erwünscht. Die Durchschnittspreise der einzelnen Obstsorten betrugen Pfirsiche Mt. 30, Birnen Mt. 8-15, Früh­äpfel Mt. 7-15, Falläpfel Mt. 3.25-3,35, Zwetschen Mt. 8 per Ctr. Einige Abschlüsse in Mostobst wurden mit­geteilt; die Preise waren: Mt. 8.50, 8.75, 9 und 9.50 per 100 Kilo Lieferung teils sofort, teils Ende dieses Monats frei Verbrauchsstation.

** Darmstadt, 22. Sept. Der am Samstag erfolgte Tod des früheren hiesigen Gymnasiallehrers, späteren Handelskammersekretärs in Worms, Prof. Dr. Nies, bringt einen Vorfall in Erinnerung, der sich im Sommer 1884 hier gelegentlich eines Festes der Kriegerkamerad­schaft Hassia" abspielte. Es war kurz nach der Ver­mählung des verstorbenen Großherzogs Ludwig IV. mit Frau v. Kolemine. Bekanntlich war das Hessenvolt von dieser Heirat nicht sonderlich erbaut. Es herrschte vielmehr eine starke Erregung darüber in allen Volfs­schichten. Daher kam es denn auch, das Männiglich zögerte, das Hoch auf Kaiser und Großherzog zur Er­weit es den Großherzog betraf. Fürchtete man doch, öffnung des Kriegerfestes auszubringen, wenigstens so ausgezischt zu werden. Da meldete sich Nies dazu. In einer zündenden Ansprache rieb er den Anwesenden

gehörig den Kümmel. Nicht nur in guten Tagen, so führte er ungefähr aus, müsse man zum angestammten Herrscherhause stehen, sondern erst recht in schlimmen. Jezt gelte es, zu zeigen, ob man in Wirklichkeit ein Batriot ſei. Die Rede riß die Menge zu ungeheuerer Begeisterung hin, und das Hoch auf Kaiser und Groß­herzog, das Nies ausbrachte, erweckte stürmischen Wider­hall. Staatsminister Finger aber trat auf Nies zu und sagte:" Sie sind ein ganzer Mann!" Exzellenz, ich habe aus dem Herzen gesprochen!" erwiderte dieser. ,, Das nehme ich nur an", meinte der Minister.

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** Mainz, 23. Sept Milde Richter fanden in der gestrigen Straffammerfizung gir gräuliche Milchpantscher. Die besseren Hälften" der Landwirte Weyerhäuser IV., Friedrich Schott, Ph. J. Brückner, J. Walldorf IV., Joh. Ph. Hassinger, F. Felix, G. Weyerhäuser II., H.inrich Kröhl und die Tochter Marie des Landwirts Franz Thörle sämtlich aus Niederbeuchelheim, wurden in Geldstrafen von 100 bis zu 500 Mt. genommen, weil sie die von ihnen dahier ver­

kaufte Milch ganz erheblich mit Wasser( 100-30 Prozent) geliefert, wies das doch von ihr verzapfte Zeug gleich getauft hatten. Frau Kröhl hatte gleich Wasser statt Milch 85 Prozent Wasser auf. Der Staatsanwalt hatte in allen Fällen Gefängnis beantragt, gegen die Kröhl 3 Monate. Mainz, 23. Sept. Das Kriegsgericht des Gouver nements Mainz verurteilte den Leutnant Langenstraß vom 21. Pionierbataillon in Rastel, der einen Pionier auf's Ohr geschlagen hatte, daß ein Ohrtrommelriß entstand, zu 14 Tagen Stubenarrest.

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** St. Goarshausen, 22. Sept. Das hier seit 1. Oftober v. J. bestehende landwirtschaftliche Technikum soll auf An­ordnung des Ministers wieder geschlossen werden, da kein Bedürfnis für eine solche Anstalt vorliege.

Vermischtes.

Berlin, 23. Sept. Wegen schwerer Beleidigung des Verlegers der Staatsbürger- Zeitung, Wilhelm Bruhn, begangen in einem Artikel der Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus wurde heute vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts I der Redakteur Kurt Bürger zu 1 Monat Gefängnis ver­urteilt. In der Begründung des Urteils führte der Vorsitzende Amtsgerichtsrat Wagler aus, daß die ganze Tendenz des Artikels zweifellos darauf hinauslaufe, den Privatkläger als Lumpen hinzustellen. Dazu lag nicht der geringste Anlaß vor.

Breslau, 23. Septbr. Aus Fraustadt wird gemeldet, daß man in Schussenze gestern Morgen den Pächter einer Pflaumen- Allee ermordet und gräßlich verstümmelt aufgefunden hat. Der That verdächtig sind mehrere Burschen, die bisher aber noch nicht er­mittelt werden konnten.

Leipzig, 23. Sept. Die Revision der Angeklagten im Leipziger Bank- Prozeß, Exner und Dodel, ist auf den 4. Oktober vor dem 4. Straffenat des Reichsgerichts angesezt.

* Ein schweres Esenbahnunglück hat sich auf der Nebenbahnstrecke Paderborn- Sennelager ereignet. Ein Herr und zwei Damen, die in einem Break von Lippspringe, wo sie ihre Kur beendet, in die Heimat zurückfuhren, wurden auf einem Bahnübergang vom Buge erfaßt. Ersterer wurde sofort getötet, die beiden Damen schwer, der Kutscher nur leicht verletzt und das Pferd ebenfalls getötet. Unachtsamkeit der Reise­gesellschaft hatte das Unglück herbeigeführt.

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Lüttich, 21. Sept. Gestern Abend stürzte in Herstal eine Mauer ein, wodurch 5 Kinder verschüttet

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