0000000000
1902
་ ་ ་་་
ist jetzt ziemlich allgemein. Die Ausständigen beabsichtigen die Gruben sowie die Maschinen durch Arbeiter bewachen zu lassen. Man glaubt allgemein, daß der Streit von langer Dauer sein werde. Viele Gruben arbeiter haben Beschäftigung bei Landwirten angenommen. Bedeutende Gendarmerie- Verstärkungen sind eingetroffen. Ernste Zwischenfälle kamen bisher nicht
bor. S
* Paris, 19. Sept. Gestern wurde hier der Kongreß der Post- und Telegraphenbeamten eröffnet. Die Vereinigung zählt 20,000 Mitglieder.
* London, 19. Sept. Ein furchtbarer Brand brach gestern in den Wolllagern der Docks an der Themse aus. Obwohl 18 Dampfsprigen in Thätigkeit waren, gelang es erst nach zwölfstündiger angestrengter Arbeit, das Feuer zu löschen. Zwei Feuerwehrleute erlitten Verlegungen. Der entstandene Schaden wird auf mehr als 100 000 Pfund geschätzt.
* Von einer Stadt, die nie schläft, wird der Frff. 3tg." berichtet: Keine Stadt der Welt kann sich mit Butte in Montana( Vereinigte Staaten von Amerika) vergleichen. Es ist dies eine Bergwerksstadt mit etwa 45 000 Einwohnern- eine Stadt, die nie schläft. Die Läden, Vergnügungslokale und sogar einzelne öffentliche Bureaus sind Tag und Nacht offen; man kann sich zu jeder Tages- oder Nachtstunde rassieren lassen, ein Theaterstück sehen, in den Wirtschaften sich zu einem Spielchen niederlassen und Eintäufe aller Art machen. Der einzige Erwerbszweig der Bevölkerung ist der Bergbau; dieser wird ununterbrochen in drei Schichten zu je 8 Stunden betrieben. Und nach dem Drei- Schichten- System ist das ganze Leben geordnet; die ganze Nacht durch erstrahlen die Läden im hellsten Glanze elektrischen Lichtes, wohlgekleidete Menschen sieht man zu jeder Stunde umherpromenieren; nur weiß man nicht recht, ob sie eben aufgestanden sind oder erst zu Bett gehen wollen. Man muß nicht denken, daß es in Butte ähnlich zugeht. Die Bergleute verdienen sehr viel Geld, sie arbeiten intensiv und wollen auch ebenso intensiv das Leben genießen.
* Wenn der König sein„ Bemmchen" ißt. Wir leſen in den„ Nachrichten für Grimma" geschrieben:„ Wenn König Georg ins Manövergelände ritt, so war von Absperrungsmaßregeln keine Rede. Wer den König in nächster Nähe sehen wollte, hatte die beste Gelegenheit dazu. Von dieser Gelegenheit ist denn auch reichlich Gebrauch gemacht worden; und man mußte dabei die Geduld bewundern, mit der der sächsische König es sich gefallen ließ, daß seinem Gefolge ein Schwarm getreuer Unterthanen sich anschloß, und die andauernde Freund lichkeit, mit der er jeden Gruß erwiderte. Nur dann wurde ihm die Neugier lästig, wenn sie ihn selbst beim Frühstück nicht ungestört ließ.„ Ich habe es nicht gern, wenn ich esse, und zehn bis zwanzig Hunrige schauen mir zu," wandte er sich das eine Mal an die ihn umgebende Menge, und ein anderes Mal fragte er sie: " Thr habt wohl noch Niemand Bemmchen essen sehen?" Beide Male erreichte er, daß den Zuschauern einigermaßen ihre Taktlosigkeit zum Bewußtsein kam. Sie wichen zurück- aber nicht weit, denn die Neugier siegte bald wieder."
Aus Heffen und Nachbargebieten.
** Ujingen, 19. Sept. In Rod a. Weil tritt der Forstmeister Blackert, nachdem er dort 31 Jahre gewirkt hat, in den Ruhestand. Blackert war früher in furfürstlich- hessischen Diensten.
m. Butzbach, 19. September. Der langjährige Rechner des hiesigen Mathildenstifts, Herr Gerbereibesitzer Jakob Küche I 4ter., ist gestern Nachmittag ganz plöglich verstorben. Herr Küchel litt schon längere Zeit an einer schweren Krankheit.
** Frankfurt a. M, 19. Sept. Unsere Nachbarge meinde Fechenheim erhält am 11. Oftober hohen Besuch. An diesem Tage trifft der Bischof von Fulda auf Station Mainfur ein, um am 12. in Fechenheim die Förmung vorzunehmen.
** Frankfurt a. M., 19. Sept. Heute früh wurde der 20 Jahre alte Georg Leister von Nieder- Eschbach, als er an der Station Eschersheim auf der verkehrten Seite den Bug verließ, um die Lokalbahn schneller zu erreichen, von dem von Frankfurt kommenden Personenzuge überfahren und getötet.
** Frankfurt a. M., 19. Sept. Als der Hehleret in den Diebstählen, die von Metzgerburschen in der Bauer
schen Wurstfabrik begangen sind, dringend verdächtig sind bis jetzt sieben Metzger und ein Wirt verhaftet worden. Mehrere andere Wirte sind gegen Stellung hoher Kautionen auf fretem Fuße belassen worden.
** Frankfurt a. M., 20. Sept. Wie wir bereits meldeten, begann gestern Abend im" Frankfurter Hof" der 1. allgemeine deutsche Bankiertag durch einen von den Banken und Bankiers Frankfurts veranstalteten Begrüßungsabend. Der große Saal war schon nach kurzer Zeit bis auf den letzten Platz gefüllt, und die Elite der deutschen Bantiers dort versammelt. Als Vertreter des Magistrats war Oberbürgermeister Adickes, als Vertreter der Stadtverordnetenversammlung Stadtverordnetenvorsteher Geh. Justizrat Dr. Humser erschienen, ferner bemerkten wir u. A. die Staatskommissare der Börsen in Berlin und Frankfurt. Im Laufe des Abends begrüßte Handelskammerpräsident Kommerzienrat Andreae- Bassavant die Festversammlung und betonte, es erfülle die Frankfurter Banfiers mit wahrem Stolze, eine solche Anzahl Vertreter der deutschen Banken hier anwesend zu sehen. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß die Verhandlungen des Bankiertages einen gedeihlichen Verlauf nehmen möchten. Lebhafter Beifall folgte diesen Ausführungen. Ein reichhaltiges Buffet nebst entsprechenden Getränken sorgte für das leibliche Wohl der Gäste. Erst in später Stunde trennte man sich.
** Mainz, 19. Sept. Eine Erhöhung des Preises für Ochsenfleisch tritt hier vorerst nicht ein, da sich eine Minderheit der Ochsenmetzger dagegen erklärte.
Litterarisches.
Buren- Oberst Schiel, eine echte deutsche Soldatennatur, der totes mutige Kämpfer auf dem Schlachtfelde Helena seine abenteuerreichen Erinnerungen niedergeschrieben von Elandslaagte, hat während der Gefangenschaft in St.
unter dem Titel: 23 Jahre Sturm und Sonnenschein in Leipzig zur Veröffentlichung anvertraut hat. Jede Seite des Südafrika", das er der Verlagsfirma F. A. Brockhaus in Manuskriptes, soweit es Schiels Abenteuer unter den Zulufaffern und die Zeit vor dem Burenkriege enthält, ist mit dem roten Stempel des englischen Censors der Kriegsgefangenen versehen. Diejenigen Teile des Werkes aber, welche über die Vorbereitung der Buren zum Kriege, über sind aus begreiflichen Gründen den Späheraugen des Censors die englische Politik in Südafrika und den Krieg handeln, entzogen worden. Nach dem reichen Inhalt zu urteilen wird das Werk bei jedem, ob Alt oder Jung, Mann oder Frau, größtes Interesse erregen. Wie die Verlagshandlung mitteilt, begreift man auf Grund seines Werkes, wie der südafrikanische Krieg möglich war, wie er kommen mußte und wie er so verlaufen mußte, wie er geendigt hat, mit der Unterjochung eines kraftvollen Eingeborenen- Volkes und mit der Vernichtung der Selbständigkeit der freiheitdürstenden dem Autor die Feder; seine knappen Schilderungen von GeBuren. Soldatischer Freimut gegen Freund und Feind führt fahren und Abenteuern, seine föstliche Erzählung derber Scherze reißen den Leser mit fort. Wir werden in der Lage sein, im Laufe des Erscheinens einen oder den anderen intereffanten Abschnitt aus Oberst Schiels Buch zu veröffentlichen. Das Werk erscheint zunächst in 18 Lieferungen zu 50 Pfg.
Die Heimat seiner Hoheit" betitelt sich der neue, überaus spannende Roman des Zapp, mit dem das beliebte Moden- und Familien- Journal, Mode und Haus" ( Berlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35) seinen XIX. Jahrgang beginnt. In völlig neuer, hochmoderner Ausstattung, bedeutend vermehrt, in elegantem Umschlag präsentiert sich jetzt„ Mode und Haus" seinen zahlreichen Abonnenten, und trotzdem beträgt der Abonnementspreis nach wie vor nur Mt. 1-( Ausgabe ohne Colorits) resp. Mt. 1,25 ( Ausgabe mit Colorits) bei allen Buchhandlungen und Postanstalten. Neben einer vorzüglichen Moden- Zeitung mit großem Schnittbogen, der es jeder Dame ermöglicht, ihre eigene Garderobe und die der Kinder selbst herzustellen, sowie naturgroßen Handarbeiten bringt das Journal eine 20 Seiten starke, reich illustrierte Belletristik mit Beiträgen erster Autoren in jeder Nummer. Außerdem weisen wir hin auf die beliebten Beilagen„ Aerztlicher Ratgeber", illustriertes Damen- Wißblatt Humor" und die sehr begehrte, 8 Seiten starke„ Illustrierte Kinderwelt". So vereinigt sich alles in diesem Journal zu einem harmonischen Ganzen sodaß die deutschen Frauen immer mit Spannung dem Erscheinen ihres Lieblingsblattes ent gegensehen.
Das Heft 18 von Hessenland", ausgegeben am 16. September, enthält wiederum ganz günstige Sachen. In unserer heutigen Nummer geben wir das u. a. mit enthaltene Gedicht in Schwälmer Mundart: De ahle schlächte Boh" wieder. Freunde der Hessenkunde sollten ein Abonnement auf diese Zeitschrift nicht scheuen.
De ahle, schlächte Zoh.) ( Schwälmer Mundart.)
Hansklos hat em lengte Backe So in ahler, schlächter Zoh, Krech de Angflad) senge Macke³), Fangt e löut se dowe¹) a. Alles dar e, än se destes), Bas sich nurscht erdenke luß, Dokterwärk) schlockt) hä zwo Meste 8), Dach es bleb om ahle Fuß.
Hinnerch mennt, hä mißt en wärme, Hansklos dats, vergäblich blebs, On mâcht nu em Höus in Lärme, Däß m'r ment, e Angled") gebs.
-
Wellem rut met Schnaps se betseln 10), Hansklos bett¹0) sich vom Verstand, Menges11) woẞt e Dozend Retseln, On de Schmäh · bleb ver d'r Hand. Do seng Frä, die säi¹) bedächtig, Bruche mißt e„ ver" die Zeh, Nackenicht¹³) on metternächtig Mißt e o e Wasser geh,
So on so mißt hä da spräche, Wasser namme en seng Möul¹); Hansklos dats, die Quâl se bräche Schmäße frechte bi in Göul! 15)
Nu gung hä nâm¹6) lahme Schnejrer, Dä langt senge Zang vom Brät, Rosterig on on so wejrer, Nomm de Hansklos ens Gebät. Of on ab em ganze Härwel¹7) Donz en¹8) bi e lâhme Stut: Dretthalb Stâng durt das Gesärwel19) On Gegärgel20) bis ofs Blut. Do of emol de Knâche Ens, zwe, drei, em Stowedräck¹). On die Schmähe von sächs Wâche Wann, Göttlob, of emol wäg; Bi in Ädstack22) met drei Wazeln23) Sage öus, so stark on groß. Bi e Zweelengspår von Hazeln24), Bi in rächter dicker Klos.
On de Hanklos säd:„ De Lemper25) Höt mich lang genung gefâhmt26), Langt Uch de Stattöffelstemper27), Stlapt en of, bo hä dro lahmt!" Da bi nu de lâhme Schenger28) Sich de Zoh langt von der Del29) On befuhlt met steffe30) Fenger, Märkt e bal, bâs wâr em Spel. Senge³1) Schmäh32) will necks33) bedejre³4), Konn e gâr gelehrt gemenn, Helf het hä gesucht bei Zejre35) Nurscht in Quätschekänn³6) wer drenn.
Dach, meng Jang 37), das wär deng Gleckche38), Schreib dersch hebsch hej ver die Stänn³9), Du wascht ohne Gnad ems Eckche40), Wâd in Böm¹¹) de Quätschekänn!!"
1) Zahn; 3) Unflat, Bösewicht; 3) Fehler; 4) toben; 5) stillen; Arznei;) schlucken, trinken; 8) Meste, Fruchtmaß gleicht 30 Pfd. Roggen;) Unglück; 10) beizen; 11) Magnus; 2) sagte; 1) nackend; 14) Maul, Mund; 15) Gaul; 16) nach dem;") Herberge, Wohnung; 18) 30g er ihn; 1902) zwei spez. schwälmer Ausdrücke für sinnlos an etwas herumzuarbeiten; 21) Stubendreck; 22) Erdstock; 23) Wurzeln; 24) gedorrte Birnen; 25) Lump; geschmerzt; 7) Holzgerät zum Zeiftampfen der Kartoffeln; 28) Schinder; 29) Diele, Fußboden; 80) steifen; 31) fein; 32) Schmerz; 33) nichts: 34, bedeuten; 35) bei Beiten; 3) Zwetschenstein; 37) Junge; 38) Glück; 39) Stirn; 10) um die Ecke: gleich verloren sein; 4) Baum. J. H. Schwalm.
26
261
Werte Doktorarbeiten
Preislisten
Briefumschläge Rechnungen
Plakate Tabellen
Visiten-,
Speise:. Weinfarten
sowie alle sonstigen Buchdruckarbeiten bei mäßigen Preisen und solider Ausführung.
duu jus
di adnad 2nd at this
unds tolbou signals
kiti sigu
Geburts-, Verlobungs-, Vermählungs-, Todesanzeigen Beileidskarten
Gießener Verlagsdruckerei.
( vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei)
Gießen, Neuenweg 28, im Gasthaus zum Löwen.
OOOGOO
JUGEND
FÜR UNSERE
habe.
Erräth er aber nicht erreicht hat, worauf dann das Spiel von den Namen seines Schafes, dann wird er von demselben so lange ge
Gelingt es ihm, ſein Schaf an der Stimme zu erkennen, so wird
er burch dasselbe von seinem Amte abgelöst.
schlagen, bis er den
Neuem beginnt.
Nr. 220.
Montag, den 22. September.
Oberhessische


