Ausgabe 
21.8.1902 Zweites Blatt
 
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Das Denkmal in der Sachsenklemme.

Dort, wo sich im schönen Land Tyrol für den vom Norden kommenden Reisenden, wenn ein Zug die Brenner­höhe passiert hat, das bisher liebliche Thal verengt und in himmelragender Höhe die mit düsterem Nadelholz bewaldeten Berge sich zusammenschließen, daß kaum mehr für den Eisack, die Bahn und die altberühmte Brennerstraße Raum bleibt, haben am 4. und 5. August 1809, vor nun mehr als 93 Jahren, jene geschichtlich denkwürdigen Kämpfe statt­gefunden, welche als der dritte Tyroler Aufstand bekannt sind. Zur Erinnerung an jene Tage, nicht als Zeichen des Sieges über die heutigen Verbündeten, wurden an der Stätte des damaligen Kampfes Dentzeichen errichtet, welche am 15. August in Anwesenheit von 1400 bayerischen Veteranen, Vertretern von über 50 Vereinen des bayerischen Kampf­genossenbundes und etwa 60 Tyroler Schüßen-, Veteranen­und Reservisten- Kompagnien mit etwa 1900 Mann enthüllt wurden. Das eigentliche Denkmal, welches die Stelle be­zeichnet, wo die Kämpfe begannen, ist ein etwa 8 Meter

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Denkwal der Sachfenklemme.

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hoher, aus Granit( jenem Steine, aus welchem die Felsen der Sachfenklemme bestehen) gemeißelter Obelist, dessen Sockel in prächtiger Ausführung die Bronzewappen von Desterreich,

Tyrol, Sachsen und Bayern und Inschriften zu Ehren der Tyroler, welche siegreich in den Tod gingen, zum Andenken an die heldenmütigen bayerischen Krieger und zum Gedächtnis der tapferen Sachsen trägt. Thalabwärts bei Oberau ruhen unter 3 mächtigen Kastanienbäumen zwei Brüderpaare, die ein tragisches Geschick am selben Tage der Heldentod sterben ließ: die Kapitäne Wilhelm von Schierbrard und Emil von Höning und die Setondeleutnant Gustav v. Höning und v. Schierbrand, welchen nun gleichfalls ein Denkstein errichtet wurde. Das Sachsenkreuz am sogenannten Sachfenacker, wo gegen 200 Thüringer begraben liegen, wurde neu errichtet und am Gasthofe in Unterau, dem Endpunkte der Sachsen­flemme, eine Gedenktafel angebracht.

Vermischtes.

* Berlin. Der seiner Zeit mit 55 530 Mr. flüchtig gegangene Kassenbote Wagner wurde am Samstag zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt.

* Berlin, 19. Aug. Letzte Nacht fand im Charlotten burger städtischen Familieno bdachhause eine blutige Schlägerei statt. Ein Ehepaar wurde derart zugerichtet, daß es ins Krankenhaus geschafft werden mußte.

* Ein Berliner Barbier- Herr, der Gehilfenlohn sparen wollte, hat seine Tochter und Frau nach langem, gründlichem theoretischen und praktischen Unterricht in die Kunst des Rafirens eingeweiht, und nun üben beide mit Geschick ihre Kunst aus. Die jungen Leute strömen aus dem ganzen Norden herbei, um von zarten Händen rasirt zu werden was für Berlin den Reiz einer Neuheit hat, in Böhmen und Ungarn aber ebenso wie in Skandinavien gang und gäbe ist.

Schönhausen, 15. August. Zur Affäre Dr Wothe. Jahrelang und gewerbsmäßig hat Dr. Wo the aus Schönhausen, über dessen Flucht wir schon berichteten, seine verbrecherische Thätigkeit( Verbrechen gegen das feimende Leben) betrieben. Nicht weniger als 240 Fälle find zur Anzeige gebracht. Wie verlautet, hielt sich W. zeitweise in Magdeburg, Halle a. d. S. und anderen Städten auf, um dort seine weisen" Ratschläge zu er­teilen. Die Untersuchung soll weite Kreise ziehen und man darf auf einen Sensationsprozeß gespannt sein, wenn es der Behörde gelingt, des Wothe habhaft zu

werden.

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* Düsseldorf, 17. August. Ueber die Abfahrt des Kaisers von Düsseldorf schreibt die Köln. 3tg.": Als das Kaiserschiff unter dröhnenden Böllerschüssen in in die Höhe der Ambachschen Badeanstalten kam, setzten fich an hundert Schwimmer in Begleitung von Nachen in Bewegung und boten im Vorbeischwimmen dem Kaiser aus dem Wasser auf Kommando ein kräftiges Gut Naß. Hurrah!" Der Kaiser schten über btesen auch ihm wohl selten begegnenden Schwimm­parademarsch sehr erfreut und winkte den wadern

Schwimmern freundlich zu, die die Wacht am Rhein fingend bald entschwanden.

Trier, 19. Aug. Gestern wurde einem jungen Mann vom Zuge der Kopf abgefahren. In Osann wurden durch Blitzschlag 5 Häuser zerstört.

* Vom Besuch des Kronprinzen in Hohwald im Elsaß wird folgende Szene mitgeteilt: Zwei Damen hatten die Absicht, den Kaisersohn zu photographieren, fanden aber nicht den Mut dazu. Der Kronprinz ahnte die Absicht, photographierte nun seinerseits die Damen, worauf er seine Müge zog und lachend sagte: Bitte, jetzt komme ich an die Reihe." Die Aufnahme geschah.

** Karlsruhe, 18. August. Als heute Vormittag 10 Uhr 42 Minuten der Paris- Wiener Schnellzug den hiesigen Hauptbahnhof verließ, fuhr ihm eine Rangier­maschine in die Seite. Der direkte Wagen Avricourt­München wurde vollständig aus dem Geleise gehoben. Ein Personenwagen wurde zertrümmert. Der Schaffner Romacker wurde schwer verletzt. Von den Reisenden hat Niemand Verletzungen erlitten.

* Ein herrenloses Klavier. Es ist bekannt, daß die mannigfaltigsten Gegenstände in Verlust geraten oder irgendwo Jahre hindurch herrenlos liegen bleiben; daß dies aber auch bei einem Klavier vorkommen fann, bleibt immerhin merkwürdig. Auf dem Wiener Bahn­hofe der Eisenbahn Wien- Aspang ist seit 6 September 1901 ein Klavier( deutsche Fabrikmarke) herrenlos, und es ist der Bahnverwaltung bisher nicht gelungen, den rechtmäßigen Besitzer ausfindig zu machen.

* Neue Erklärung. Vor einigen Tagen, so schreibt man den M. N. N.", stand ich spät abends auf dem Perron des Münchener Zentralbahnhofes und wartete auf einen Zug. Zwei Bauern standen in meiner Nähe. Ein Zug fuhr in die Halle. Da ziemlich rasch und fest gebremst wurde, schleiften einige Räder auf den Schienen, wodurch liebliche Töne entstanden: die Räder jauchzten gleichsam aus Freude, wieder in München zu sein. Aus dem Genuß dieser Symphonie wurde ich durch ein Gespräch der beiden Luftg'­selchten" aufgeschreckt. Du, Seppi, do schau her, was der Zug für a Musi macht." Ja woaßt, Barthel, des dean ( thun) solchene Züg allewei; zwegn dem nennt ma's ja a ( auch) Harmonikazüg."

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* Der Fall Löhning auf dem Brettl. Im ,, Kaisergarten in Bosen tritt gegenwärtig mit großem Erfolge der Humorist Hans Heimer auf. Dieser trägt u. a. auch ein humo­ristisches Potpourri vor, das folgende Strophe enthält: Zur Heirat will sich niemand gein bequemen. Denn sehr ristant ist's, sich ein Weib zu nehmen; Die Aussicht wird für Mädchen immer schlechter, Besonders aber für Feldwebelstöchter.

Die Anspielung auf die bekannte Posener Affaire" wird bom Bublifum stets mit verständnisinnigem stürmischem Bei­fall aufgenommen.

und Kutscher beschlossen heute den Streit vorläufig auf­* Hamburg, 19. Aug. Die ausständigen Fuhrherren, zu heben. Kurz nach der Versammlung wurde der Betrieb

wieder aufgenommen.

* Sprottau, 19. Aug. Am Montag ging über Sprottau traf das städtische Oberforsthaus und richtete große Ver­und Umgebung ein schweres Gewitter nieder. Ein Blißstrahl wüstungen an. Die Frau des Försters wurde zu Boden geworfen und blieb mit Lähmungserscheinungen liegen.

* Magdeburg, 19. Aug. Einen Doppelselbstmordversuch unternahmen in einem Gasthause an der Lübecker Straße der Sergeant Röder vom 27. Infanterie- Regiment und ein junges Mädchen, welches er für seine Schwester ausgegeben hatte. Die Persönlichkeit derselben ist noch nicht festgestellt. Beide funden, doch hofft man sie am Leben zu erhalten. Es handelt wurden mit geöffneten Pulsadern auf ihrem Zimmer ge= funden, doch hofft man sie am Leben zu erhalten. Es handelt sich anscheinend um ein Liebesdrama.

* Ein Mord und Selbstmord wurde in Leipzig ver­übt. Gegen 6 Uhr drang der 45 jährige Schuhmacher Töpfer in die Wohnung der 36 jährigen Zeitungsträgerin Witwe Dieße, schoß die Frau nieder und richtete dann die Waffe gegen sich. Er ist kurz nach seiner Einlieferung im Hospital gestorben. Der Grund zu der Mordthat war verschmähte

Liebe.

* Klagenfurt, 18. August. Die Seethalhütte ist ab­gebrannt. Der Bächter, seine Frau und das Dienst­personal sind sämtlich verbrannt.

* Zürich, 19. Aug. Auf dem Trientiner(?) Gletscher ist ein Offizier des Forts Savatan verunglückt.

* Wien, 18. August. Der bekannte Professor für Embryologie Dr. Schenk ist vergangene Nacht in Schwanen in Steiermark gestorben.

Professor Schenk,

* Nachstehendes Gedicht, das ein schlichter Mann zur Veröffentlichung gegeben, ist zwar nicht ganz funstgerecht, zeigt aber warme Empfindung und geschichtliches Verständnis. Kaiser Wilhelm's Rheinfahrt. Es geht eine alte Sage, Daß Sommernachts am Rhein Ein großer Kaiser wandle Bei hellem Mondeschein. Es ist dies Karl der Große, Der wandelt da am Rhein, Wann Trauben blüh'n und duften

Am Berg bei Ingelheim. Jüngst ging der Kaiser wieder Den altgewohnten Gang, Da sieht er Freudenfeuer Und hört den Böllerklang. Und jauchzend hört er rufen: Heil Kaiser Wilhelm, Dir! Das schallt von beiden Ufern, Verwundert ist er schier.

Da sieht ein Schiff er schwimmen, Ein Kaiser steht darauf, Dem gelten diese Stimmen, Die schallen bis hinauf. Hinauf bis an die Mauern, Wo stolz ein Schloß einst stand, Darin ein Kaiser thronte, Der große Karl genannt. Da spricht der große Kaiser: Wohl bist Du würdig mein, Bieh' Wilhelm ein in Frieden

In's goldne Mainz am Rhein!

* Ein Anzeigenduell fand, wie die K. A. 3." er­zählt, fürzlich in Neuhaus a. Q. statt. Es erschienen die beiden folgenden Inserate:

Warnung.

Ich warne hiermit Jeden, meiner Frau auf meinen Namen zu borgen, da ich für die Schulden meiner Frau nicht hafte.

Ziegler Wilhelm Hunstock,

3. 3t. Ziegelei Ahlf u. von Heyn, Bülkau. Erwiederung.

Lieber Mann! Habe nur keine Angst, daß mir Jemand auf Deinen Namen etwas borgt, denn Dir borgt ja selbst Niemand etwas. Frau Marie Hunstock, 3. Zt. Dingwörden.

* London, 18. Aug. Aus Kapstadt wird gemeldet: Die Barke Highfields stieß, als sie bei starkem Sturme in den Hafen einlief, mit dem deutschen Dampfer Kaiser" zu sammen. Die Barfe sant sofort. Der Kapitän, 2 Offi­ziere und 31 Mann der Besagung ertranfen.

*

Schwerer Unfall bei einem Festzug in Antwerpen. Als Huldigung für die Entwickelung des modernen Beleuchtungswesens hatte die Stadt Antwerpen einen großen Umzug veranstaltet. Unter den zahlreichen Fest­wagen befand sich einer, der besonders wirkungsvoll ausgestattet war und den Winter darstellen sollte. Ketten bunter elektrischer Lämpchen zogen sich um die Plattform des Gefährts, auf welcher fünf Damen in Kostümen unter einem Baldachin placiert waren. Plötz­lich stand der ganze Wagen in Flammen. Vor den Augen des Publikums verbrannte die auffallend schöne Frau, welche die Wintergöttin repräsentirte, die vier anderen Damen erlitten schwere Verlegungen. Trok des fürchterlichen Eindrucks dieser schrecklichen Scene auf die Zuschauer segte der Festzug seinen Weg fort. Man sollte es kaum glauben, daß die Festleitung nach einem solchen Unglück den Festzug weiter passiren laffen konnte. Kairo, 18. Aug. Bisher sind 381 Pestfälle in Egypten fonstatiert worden. Gestern wurden 31 Fälle, darunter 21 mit tötlichem Ausgang festgestellt. In Alexan­dria hat sich gestern ein Fall ereignet. Im Ganzen befinden sich daselbst 9 Kranfe. Seit dem 7. August siud 229 Fälle, darunter 149 tötliche, in Kairo zu verzeichnen gewesen.

Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstraße Nr. 2( Bürgermeisterei­gebäude) Zimmer Nr. 14. Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern( Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten und Lehr­lingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln.

An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 geöffnet.

Angebot der Arbeitnehmer:

1 Buchbinder, 1 Heizer oder Steffelwärter, 2 Schrei­ner, 1 Schlosser, 1 Arbeiter, 2 Hausburschen, 6 Tag­löhner, 2 Knechte, 1 Gärtner, 1 Maurer, 4 Dienst­mädchen, 1 Lauffrau, 1 Laufmädchen, 1 Näherin, 1 Kaufmann, 1 Expedient.

Lehrlinge: 1 Spengler zu strengem Meister. Nachfrage der Arbeitgeber:

2 Glaser, 1 Wagner, 1 Schreiner, 1 Knecht, 2 Hausburschen, 1 landw. Arbeiter, 10 Dienstmädchen. Lehrlinge: 2 Bäcker.

Die Ziehung der Haupt- und Schlußklasse der Landeslotterie, in der 14,000 Gewinne und 2 Prämien mit zusammen 5 Millionen 153,000 mark zur Ausspielung fommen, beginnt bereits am 22. August. Wer sein Los zur Schlußklasse, die ihrer großartigen Gewinn­aussichten wegen als eine Lotterie für sich bezeichnet werden fann, noch nicht erneuert haben sollte, versäume daher nicht, solches zur Sicherung seines Anrechts an einen etwaigen Gewinn unter Zahlung des Erneuerungsbetrages umgehend noch zu thun.

Athemwege im Handumdrehen fertig.

un, wenn das fleine Leiden lange anhält und all­wiederkehrt, dann dürfte nach und nach das Lun­feren Jahren furzat zität einbüßen, Sie würden in ſpä­Stataras tann denn daraus werden?"

Temperaturweden sind Sie auch nicht, und so ist ein

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Donnerstag, den 21. Auguſt

1902.

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Nr. 193.