Ausgabe 
21.7.1902 Erstes Blatt
 
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Note der russischen Regierung hinsichtlich der Zucker- Konferenz für die Konferenz- Staaten entstanden ist, sowie über den neuen ostindischen Zucker- Prämien- Ausgleich- Zoll und die Weintlausel beraten soll.

Wien, 21. Juli. Die Lemberger Grünwaldfeier ergab durch Verkauf von Demonstrationsfarten, durch Sammlungen etc. einen Reinertrag von 6000 kronen. Das Komitee be­schloß, dafür Actien der Posener Hypotheken- Creditbank an­zukaufen zur Errichtung einer Grünwald- Stiftung, deren Zinsen der Lemberger Gemeinderat alljährlich am 15. Juli zu nationalen Zwecken mit besonderer Berücksichtigung des polnischen Volfsbildungs- Vereins verwenden soll.

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Desterreich- Ungarn. Der hochoffiziöse Mag­gyar Nemzet meldet, im Falle des Zustandekommens des Boll- und Handels- Büudnisses zwischen Oesterreich und Un­garn würde dasselbe auf 10 Jahre geschlossen werden. In gleicher Weise würden auch die Handelsverträge 10 Jahre laufen.

Paris, 19. Juli. Ministerpräsident Combes empfing gestern Abend die Oberin des Ordens St. Vincent de Paul, der größten Frauen- Kongregation Frankreichs. Dieselbe teilte dem Kabinettschef mit, daß sie bereit sei, ihren Orden den gesetzlichen Bestimmungen zu unter­werfen.

Frankreich. Pariser Blätter berichten, der Papst be­reite eine Protestnote gegen die von der französischen Regierung neuerdings gegen die Kongregationen er­laffenen Verfügungen vor. Desgleichen sollen zahlreiech Bischöfe beabsichtigen, sich direkt an den Präsidenten Loubet zu wenden, um diesen auf das ungesetzliche, der getroffenen Maßnahmen aufmerksam zu machen. Außer den in der Presse erlassenen Protest- Rundgebungen wird nunmehr auch eine Interpellation des katholischen Senators Chamalard angekündigt. Mehrere Bürger­meister beabsichtigen, ihr Amt niederzulegen, falls die fongreganistischen Schulen in ihren Bezirken geschlossen werden sollten. Auch der Erzbischof von Paris hat eine Protestschrift an die Regierung gesandt.

In Bain fanden Gendarmerie und Polizei­agenten die Schule der Ordens- Schwestern von Bäuer­innen besetzt, welche mit Heugabeln bewaffnet waren. In St. Ambroise hatten sich mehrere Personen in die Schule einschließen lassen, um dieselbe zu verteidigen.

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ziehen und verspricht Maßnahmen zu treffen, um, weitere Konflikte zu verhindern. Man hofft, daß durch die Entsendung des als energisch bekannten Schemsi Pascha weitere Zusammenstöße in Zukunft hintan ge­halten werden.

Zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und dem Papst sind Vereinbarungen ihrer religiösen Interessenfragen auf den Philippinen getroffen worden.

Giessener Cagesneuigkeiten.

** Von der Universität. Am schwarzen Brett sind folgende Preisaufgaben für das Jahr 1902-03 ange­schlagen: Das Thema der theologischen Fakultät lautet:

Der Erzbischof von Paris und der Bischof von Autun sandten an den Präsidenten Loubet ein Schreiben, worin alle Freiheiten für alle Franzosen verlangt und die Aufmerksamkeit des Präsidenten darauf gelenkt wird, daß durch die von der Regierung angeordnete Schließ der fongreganistischen Schulen ein ungerecht fertigter Eingriff in die Rechte der Familie erfolgt sei. Die Bischöfe stüßen sich in ihrem Schreiben auf die bon Loubet bei Gelegenheit seiner letzten Reise durch die Provinz gethane Aeußerung, Frankreich bedürfe der Ruhe. Diese Ruhe könne nicht durch Rechtsverletzungen wie die jetzt begonnenen erzielt werden. Lord Salisbury will sich gänzlich ins Privats leben zurückziehen und nunmehr auch auf seine Stellung als Karden of the cinque ports( Hüter der fünf Häfen) Ver­zicht leisten. Salisbury hat dieserhalb schon mit dem Könige konferirt und dessen Einverständnis erhalten. Cha m- berlain soll die ebenso ehrenvolle als einträgliche Sinefure erhalten als Dank dafür, daß er bei Salisburys Rücktritt seine Person nicht in den Vordergrund geschoben hat. Neueste zwischenfälle auf der Balkan­

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Die Anschauung Melanchthons vom Gottesdienst." Die juristische Fakultät stellt als Preisaufgabe: " Die civilrechtliche Haftung des Staates und der Gemeinden für ihre Beamten:

Die Themata der medizinischen Fakultät lauten: 1. Für den akademischen Preis: Bedeutung und Erfolge der Schieloperation.

2. Für den Balserpreis: Die Natur der bei Kata­tonie zu beobachtenden Muskelzustände soll unter An­wendung graphischer Registriermethoden untersucht werden."

Konstantinopel, 20. Juli. Der Minister des Aeußern Tewfik Pascha teilte gestern dem montenegrinischen Ge­sandten mit, daß 2000 Montenegriner die Grenze über­schritten und die türkischen Truppen umzingelt hätten. Die Pforte verlangt, daß die Montenegriner sich zurück­

Die philosophische Fakultät stellt für das Jahr 1902-03 folgende Aufgaben:

1. Archäologische Aufgabe: Die Entwicklung der Wagengruppe in der griechischen und nischen Kunst." 2. Philosophische Aufgabe: Experimentelle Untersuchung der beim Nachzeichnen von Linien und Winkeln entstehenden Größenfehler."

3. Physikalische Aufgabe: Förderung in der Kenntnis von der elektrischen Leitfähigkeit der Luft."

4. Chemische Aufgabe: Vergleichende Unter­suchung elektrischer Verfahren zur Halogenisirung von Kohlenstoffverbindungen."

5. Griechisch- philologische Aufgabe: ,, De die Griechisch- philologische natali a Graecis et Romanis celebrato quaestiones instituantur."

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führenden Meister prüfungen, sowie die geplante Ein­führung des Befähigungsnachweises für die Baugewerbe Die seitens der Vertreter vorgebrachten Wünsche und An­fragen bezüglich der Meisterprüfungen fanden in zufrieden­stellender Weise ihre Erledigung und Beantwortung durch den mitanwesenden Vorsißenden der Meisterprüfungstom­mission für die Provinz Oberhessen, und fam man insbe besondere darüber zu einem gemeinsamen Ziele, daß für die Prüflinge in der ersten Zeit sogenannte Vorbereitungsfurse in die Hand zu nehmen, um den Prüflingen auf dem Ge­biete der theoretischen Anforderungen die erforderlichen Unter­weisungen fostenlos zu Teil werden zu lassen. Außerdem sollen durch Besprechungen über die Ausführung der Meister­prüfungen im allgemeinen noch in den Ortsgewerbevereinen der vorgenannten Orte unter deren Mitgliedern mehr Klar­heit im Interesse der Prüflinge herbeigeführt werden. Be­züglich Beantwortung des Fragebogens über den geplanten Befähigungsnachweis für die Baugewerbe, ging einstimmig die Ansicht in begutachtender Weise dahin, daß die Ablegung der Meisterprüfung gemäß§ 133 der Gewerbeordnung nebst den dazu erlassenen Ausführungs­bestimmungen bereits den Befähigungsnachweis über die selbständige Ausführung von Arbeiten in den bezüglichen Baugewerben unter strenger Kontrole erbringen müsse, und somit weitere Maßnahmen ganz überflüssig seien; im Gegen­teil die klaren Bestimmungen der Gewerbeordnung unvor­teilhaft beeinträchtigen würden. Auch sollte den Befähigungs­nachweis durch Ablegung der Meisterprüfung nicht blos der Bauhandwerker eines bestimmt abgegrenzten Gewerbes erbringen, sondern auch der Bauunternehmer, welcher in mehreren Gewerben thätig ist, und zwar für jedes Ge= werbe gesondert, wie solches der Sinn und die Fassung der Gewerbeordnung bezüglich des Meistertitel zum Ausdruck bringt.

Die Akademischen Preise betragen je 180 Mark, der Preis der Balserstiftung besteht in den ungefähr 500 Mark betragenden Zinsen des Stiftungskapitals. Die Bewerbungsschriften sind vor dem 1. Mai 1903 einzusenden und an die betreffende Fakultät oder den Dekan derselben zu adressiren. Die Arbeiten sind mit einem Motto zu bezeichnen und es ist ihnen ein das gleiche Motto tragendes verschlossenes Couvert beizu­geben, das den Namen des Verfassers enthält. Jede Bewerbungsschrift darf nur einen Verfasser haben. Nur diejenigen sind berechtigt, sich um den Preis zu bewerben, die wenigstens in dem auf die Ausschreibung der betreffenden Preisaufgabe folgenden Wintersemester der Landes- Universität ais Studierende angehören. Auch der Diez preis gelangt im Jahre 1904 wieder zur Vergebung. Arbeiten, die sich um den Preis bewerben, sind bis zum 1. Mai 1904 bei der Landes­Universität einzureichen. Es ist nicht Erfordernis, daß der Bewerber sich noch auf der Universität befindet, sondern nur, daß er einen erheblichen Teil seiner Studien in Gießen absolviert hat. Die Bewerbung ist an feine Nationalität gebunden.

** Der Großherzog empfing am Samstag den Ober­staatsanwalt Theobald und den Staatsanwalt Hoos von Gießen.

** Der Bezirksausschuß Gießen des Landes­gewerbevereins hielt gestern unter dem Vorsiße des Herrn Petri II. eine Sigung mit den Vertretern aus Gießen, Lich, Grünberg, Lollar, Londorf und Homberg a. D. ab, und behandelte die erstmalig durchzu­

Das neue Berliner Rettungsleitersystem.

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** Cirkus Walles. Außer dem Sperrsit waren die anderen Pläge auch gestern Abend alle gedrängt voll. Die Dressurleistungen sind vorzüglich. Ungeheuere Heiterfeit rief der störrische Esel hervor, der mit Geschickt und den er­denklichsten Tricks jeden Reiter abzuwerfen verstand, ein Zeichen, daß Freund Langohr" meist nicht so dumi ist, wie er aussieht. Die musterhaften Vorführungen der Frau Walles sind großartig zu nennen. Zur Erheiterung der Besucher des Circus trugen während den Zwischenaklen die beiden Clown bei. Am besten sieht man sich selbst die Leistungen der Akrobaten einmal an.

** Verein deutscher Studenten. Ende dieses Monats begeht der Hessische Gauderband der Vereine Deutscher Stu­denten sein zehnjähriges St ftungsfest, verbunden mit einem Kartellfest der südwestdeutschen Vereine Deutscher Studenten im Kyffhäuserverband. Die Hauptfeier findet zu Linden­fels 1. D. und einem noch näher zu bestimmenden Ort an der Bergstraße statt.

** Schnellzugverbindung Hamburg­Frankfurt a. M. Wie wir erfahren, werden die Sommer- Schnellzüge Abfahrt Hamburg H 9.35 Vorm., Ankunft Frankfurt a. M. 8.02 Abends und Abfahrt Frankfurt a. M. 9.35 Vorm., Ankunft Hamburg 7.41 Abends, die seither mit dem 20. September in Wegfall kamen, in diesem Jahre bis zum 20. Oktober verkehren. Diese über Hildesheim- Göttingen- Bebra laufenden Züge bieten eine bedeutend günstigere Reiseverbindung zwischen den genannten Städten, als die kurz vor diesen liegenden Tages- Schnellzügen, da sie zur Fahrt von Hamburg nach Frankfurt a. M. 1 Stunde 2 Minuten und in umgekehrter Richtung 1 Stunde 7 Minuten weniger Fahrzeit gebrauchen und bessere Anschlüsse in Lehrte nach dem Harz, sowie über Bebra in der Richtung nach Eisenach- Lichtenfels oder über Elm nach Würz­burg München bieten als jene.

** Die Einnahme an Wechselstempel.

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Seitdem vor nunmehr zwei Jahren die großen Brände von Warenhäusern in Rirdorf und Braunschweig die Gefährlichkeit dieser Gebäude dargethan hatten, in denen nicht nur Angestellte dieser Häuser eingeschlossen ihren Tod fanden, sondern die geradezu zu einer Hölle für die in den oberen Stockwerken wohnenden Privatleute wurden, sind von den Polizeibehörden der größeren Städte eingehende Erwägungen angestellt worden, wie die Gefährlichkeit solcher Brände nach Möglichkeit zu verringern sei. In erster Linie wurde dementsprechend für eine zweckmäßigere innere Einrichtung der Warenhäuser ge= jorgt. Zweitens aber suchte man nach Mitteln, um den Bewohnern der oberen Stock­werke die Möglichkeit zu gewähren, sobald ihnen der Weg über brennende oder ver­qualmte Treppen versperrt ist, schnellstens ins Freie zu gelangen, wenn auch die rettende Feuerwehr mit dem Sprungtuch noch nicht zur Stelle ist. Man hat sich daher in Berlin für das amerikanische Rettungsleitersystem entschieden, wie es sich dort in den eng­bevölkerten Stadtteilen an jeder Mietskaserne befindet und an Front und Rückseite des Hauses vom ersten Stock bis zum Dach empor reicht. Versuchsweise ist in Berlin bei Dem Warenhause von M. Laserstein, Wörther- Straße 29, dieses amerikanische Rettungs­leitersystem eingeführt worden. Das Warenhaus bildet ein Eckhaus. Es sind an dem­jelben insg samt vier solcher Leitern angebracht worden, eine in der Wörther Straße, eine in der Rykestraße und zwei solche Leitern an der Hofseite des Hauses. Unsere Ab­bildung zeigt uns eine solche Leiter, von vorn und von der Seite. Die Leiter fällt aus der Ferne gar nicht auf, da sie in der Farbe des Hausanstriches gehalten ist, sie ent­stellt also das Haus durchaus nicht, wie das in Amerika der Fall ist.

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Die Leiter beginnt etwa 42 Mtr. über dem Erdboden, kann also unbefugten, Dieben oder Einbrechern, nicht zur Erleichterung ihres Handwerks dienen, wie so oft von Gegnern dieses Systems behauptet wurde. Andererseits ist die Höhe nicht so groß, daß, wenn die Feuerwehr bei einem Brande mit ihren Hilfsleitern noch nicht zur Stelle ist, ein Mensch, der sich mit den Händen an der untersten Sprosse gehalten hat, sich nicht gefahrlos fallen lassen könnte. Die Sprossen sind 40 Ctm. von einander entfernt. Die Leiter führt zwischen den Erkerseitenfenstern auf der einen Seite und den nächsten Frontfenstern auf der andern Seite in die Höhe. Sie kann von beiden Fenstern aus leicht erreicht werden. Um dieses Gewinnen der Leiter noch gefahrloser zu machen, ist zwischen den Fenstern eine Art Schutzgitter um die Leiter errichtet, an dem sich der vor dem Feuer Fliehende halten kann. Die Gitter sind unten mit einer Art vergittertem Fußboden versehen, vor der Leiter befindet sich jedoch eine etwa 1/2 Mtr. breite Seffnung, so daß eine Person ungehindert durch das Gitter hindurch die Leiter auf- und abklettern fann. Es wird hierdurch ermöglicht, daß eine Person an einer andern, die in dem Seiten Schutzgitter steht, vorbeiklettern kann. So fönnen Feuerwehrleute ungehindert durch Flüchtige ihre Pflicht thun. Bisher hat dieses System noch keine Gelegenheit gehabt, fich in Deutschland zu bewähren. Hoffentlich wird sich auch diese Gelegenheit nicht finden. Wenn man aber nach den Erfolgen, die dieses System in Amerika gehabt hat, urteilen kann, so dürfte die Einführung desselben in Deutschland der Berliner Polizei­verwaltung als eines ihrer größten Verdienste angerechnet werden.

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Das neue Berliner Rettungsleitersystem.

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