Ausgabe 
21.6.1902 Erstes Blatt
 
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eignet, gelangt zur Enteignung, da den Eigentümern der offerierte Preis aus den verschiedensten Gründen zu niedrig ist. Man begreift eigentlich nicht, weshalb die neuen Kliniken gerade auf diesem wertvollen Gelände stehen zumal benachbartes, wesentlich müssen, billiger zu habendes Land in jeder gewünscht.n Menge vorhanden ist. Ob man einige Minuten mehr oder weniger zur Klinik zu gehen hat, das fann doch nicht so wichtig sein, als daß man darum mehrere Privatbesizer zwingt, ihr Besigtum zu einem Preise herzugeben, der dem Werte nicht entspricht.

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* Von den beiden hiesigen Turnvereinen gehen morgen 10 Wettturner zum Feldbergfest. Wir wünschen denselben zu ihrem friedlichen Wettkampf guten Erfolg.

St. Die Meinungsverschiedenheiten, welche zwischen dem Landesverein Hessische Aerzte und der staat­lichen Betriebskrankenkasse für das Großherzogtum Hessen bestanden und im März dieses Jahres zu einer Interpellation des Abg. Abg. Reinhart- Worms in der Zweiten Kammer Veranlassung gaben, sind durch Ver­mittelung der Ministerialabteilung für öffentliche Ge­sundheitspflege im Wege beiderseitigen Nachgebens, sowohl seitens der Aerzte, als auch seitens der Kranken­fasse geschlichtet worden. Die Betriebskrankenkasse hat bezüglich der ärztlichen Besuche die Minimaltare von einer Mark pro Besuch eingeräumt, dagegen haben die Aerzte einer Herabsetzung der Kilometergebühren von einer Mark auf 80 Pfennig pro Kilometer der Entfernung für die Extrabesuche außerhalb des Wohn­ortes der Aerzte zugestimmt. Ein Unterschied in der Honorierung der Stadt- und Landärzte soll grund­fäßlich nicht stattfinden.

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Die Einziehung der Noten der Bank für Süddeutschland in Darmstadt ist im Reichsanz." bekannt gemacht worden. Die Noten müssen bis zum 31. Dezember 1902 bei der Kasse der Bank für Handel und Industrie in Darmstadt und bei der Kasse der Filiale der Bank für Handel und Industrie in Frankfurt am Main gegen Bargeld umgetauscht werden. Nach dem 31. Dezember 1902 hören die mit der Firma der Bank umlaufenden Noten auf, Zahlungs­mittel zu sein; sie behalten jedoch die Kraft einfacher Schuldscheine und werden als solche bei der Bank für Handel und Industrie in Darmstadt und bei der Kasse der Filiale der Bank für Handel und Industrie in Frankfurt a. M. bis zum Ablaufe des Jahres 1905 eingelöst werden.

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* Mahnung. Gegenwärtig, da die Natur im bollen Frühlingsschmucke prankt, ist für Große wie Kleine die Versuchung am stärksten, Wiesen, Bäume und Sträucher zu plündern; geschieht dies nun meist auch in der Absicht, den Blüten daheim im Wasserglase noch ein paar Tage des Prangens zu gewähren, gewisser­maßen also den Lenz in die Stube zu verpflanzen, so zeugen doch die vielen abgerissenen Reiser und Blumen, welche man so oft über die Wege verstreut findet, daß vielfach nur Mutwillen die Flur ihres Schmuckes be­

Verdingung.

raubte. Mögen alle jungen Leser und Leserinnen, die| Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen. fich jetzt da draußen in Gottes freier Natur ergehen, die Worte Jean Pauls beherzigen:

"

,, Auch sag' ich's Euch,' s ist Alles heilig jezt; Und wer im Blühen einen Baum verlegt, Der schneidet ein, wie in ein Mutterherz; Und wer sich eine Blume pflückt zum Scherz Und sie dann schleudert von sich sorgenlos, Der reißt ein Kind von seiner Mutter Schooß; Und wer dem Vogel jetzt die Freiheit raubt, Der sündiget an eines Sängers Haupt; Und wer im Frühling bitter ist und hart, Vergeht sich wider Gott, der sichtbar ward."

Aus Hessen und Nachbargebieten.

o. Staufenberg, 21. Jani. Unser Kriegerverein feiert morgen und am Montag sein 25 jähriges Stiftungs­feft. Dabei wird dem Verein eine Fahnenschleife als Geschent des Kaisers und eine Ehrentafel von der Kriegerkameradschaft Hassia überreicht werden.

K. Lollar, 21. Juni. Gestern Mittag 3/412 Uhr brach in den Buderusschen Eisenwerken plößlich Feuer aus. Die Pflichtfeuerwehr sowohl wie die freiwillige und die Spriße der Werke nahmen das Feuer sogleich in An­griff, sodaß es bereits um 2 Uhr mittags gelöscht war. Das Feuer beschränkte sich auf die elektrische Zentrale und das Dach des Sandschuppens. 3wei Dynamomaschinen sind zerstört. Der Betrieb ist im allgemeinen nicht unter­brochen. Nur die Lichtanlagen versagen zum größten Teil den Dienst, weil viele Leitungsdrähte zerstört sind. Schaden ist ziemlich beträchtlich und soll sich auf etwa 40 000 mt. belaufen. Jedoch hat man darüber bis jetzt fein genaues Urteil. Die Werte sind versichert.

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Ueber die Ursache des Brandes ist man verschiedener Meinung. Die einen behaupten, er wäre durch Entzündung von Kohlenstaub entstanden, während ihn andere auf elek. trischen Kurzschluß zurückführen. Menschen wurden nicht verlegt.

u. Dutenhofen, 21. Juni. Morgen feiert der Ge­sangverein Liederkranz" sein 25jähriges Stiftungs­fest auf der Dorfwiese. Ein Tanzzelt ist auch vor­gesehen.

m. Nidda, 20. Juni. Am Samstag, 28. und Sonn­tag, 29. wird hier das diesjährige Bezirksfest des Bezirks Nidda verbunden mit der Fahnenweihe des Veteranen- und Militärvereins Unter- Schmitten festlich begangen. 22 Uhr wird sich ein großer Festzug mit Musit und Ehrenreitern durch die Stadt bewegen. Nach der Weihe und Uebergabe der Fahne findet Tanz statt.

Darmstadt. Das Ministerium, Abteilung für Land­wirtschaft, hat für dieses Jahr die Untersuchung der Weinberge und Rebanpflanzungen einer größeren Anzahl Gemeinden Rheinhessens auf das Vorhandensein der Reb­laus angeordnet. Weiter hat das Ministerium sämtliche landwirthschaftliche Bezirksvereine des Landes aufgefordert, zu der Frage der Errichtung einer Landwirtschafts­tammer Stellung zu nehmen.

Aufgebote.

Am 15. Juni: Jakob Hinkler, Fabrikarbeiter in Steinberg mit Margaretha Wagenbach dahier. Am 16. Juni: Wilhelm Kräger, Wirt mit Barbara Mater. Am 17. Juni: Ludwig Geiß, Bäder mit Staroline Luise Krafthöfer; Rudolf Hermann Grams, technischer Betriebsleiter in Leihgestern mit Lina Katharine Georgine Sier dahier; Georg Mayer, Gr. Geometer 1. Classe dahier mit Auguste Stute in Hörter. Am 19. Juni: Heinrich Leinberger, Lagerarbeiter mit Elise Deiß.

Eheschließungen.

Am 14. Juni: Friedrich August Louis Wilhelm Peter Konrad Bent, Eisendreher mit Auguste Frank; Friedrich Karl Adam, Spediteur in Butzbach mit Ottilie Pfaff dahier; Theodor Wilhelm Carl Martin Klingel­meyer, Schreinermeister mit Auguste Stoll; Friedrich Karl Schmidt, Schlossermeister mit Katharine Schneider.

Geborene.

Am 8. Juni: Dem Bautechniker Peter Grode eine Tochter, Maria Gertrude. Am 10. Juni: Dem Schmied Heinrich Becker 6. ein Sohn, Wilhem Friedrich Heinrich. Am 15. Juni. Dem Geometer 2. Classe Philipp Eisenhardt ein Sohn. Am 16. Juni: Dem Schloffer Wilhelm Kahn ein Sohn; dem Lokomotiv. heizer Heinrich Linkmann ein Sohn. Am 17. Juni: Dem Kutscher Johannes Scharmann eine Tochter. Gestorbene.

Am 15. Junt: Arthur Fourier, 17 Jahre alt, Telegrammbesteller. Am 16. Juni: Georg Volprecht Wenzel, 5 Monate alt, Sohn des Taglöhners Johann Friedrich Wenzel; Konrad Quandt, 33 Jahre alt, Stauf mann. Am 17. Juni: Otto Steiz, 18 Jahre alt, Schreinergeselle. Am 18. Juni: Matie Kreiling, geb. France, 67 Jahre alt, Lauffrau. Am 20. Juni: Karl Dickhardt, 51 Jahre alt, Möbelschreiner. Sämmtlich dahier.

Neueste Nachrichten.

Berlin, 21. Juni. Aus Anlaß des Ablebens des Königs Albert wird das Kaiserpaar seine gegenwärtige Reise in Wesel abbrechen und Sonntag früh nach dem Neuen Palais zurückkehren. Am Montag Vormittag reist das Kaiserpaar nach Dresden. Die Abreise Kaiser Franz Josefs nach Dresden erfolgt Sonntag Abend. In Begleitung des Monarchen werden sich der Erzherzog Otto und seine Gemahlln Erzherzogin Maria Josepha, eine Tochter König Georgs, befinden.

Graz, 21. Juni. In ganz Steiermark herrscht in. golge der andauernden Niederschläge ernste Hochwasser­tefahr. Viele Flüsse sind bereits aus den Ufern ge­freten und haben große Verwüstungen angerichtet.

* Krefeld, 21. Juni. Auf Befehl des Kaisers bet einem gestrigen Besuch soll Krefeld eine Garnison er­Salten und zwar ein Regiment Husaren.

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