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6. Quartal Bostämtern erneuern
Nr. 141.
Erstes Blatt.
Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., n's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mr. 1.50. sds sibisip Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberheffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Samstag, den 21. Juni 1902.
Gießener
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11. Jahrgang.
Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pf., sonst 15 Pfg.; Neklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3032.
Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.
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Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
Bedingung Was die dreijährige Staatszugehörigkeit anlange, so solle sie eben die Garantie geben, daß der Wähler sich der Bedeutung des Rechts bewußt ist, das er ausübt. Man müsse dabei auch bedenken, daß Derjenige, der wählt, auch gewählt werden könne. Diese Forderung sei also nicht nur mit Rücksicht auf das aktive, sondern auch auf das passive Wahlrecht geboten. Bei den Landtagen handle es sich doch hauptsachlich um wirtschaftliche Dinge. Wer da mitraten wolle, der müsse eine längere Zeit in dem betreffenden Lande wohnen. Man fönne also die Bedingung betreffs der Staatsangehörigkeit sehr wohl stellen. Wer ferner feine Steuer zahle, der solle auch nicht mitraten. Neu sei nur, daß die Steuerrückstandsklausel auf die Gemeindewahlen ausgedehnt wird. Das entspreche nur der Gerechtigkeit. Auch sei die Steuerrückstandsklausel nicht gegen die Armen gerichtet. Er glaube, daß die Kautelen der Vorlage solche seien, von denen man sagen könne, daß sie von der Regierung verlangt werden dürfen.
Das Kaiserpaar im Rheinland. Mörs, 20. Juni. Das Kaiserpar traf um 9 Uhr der Zustellung des 20 Min. Vormittags hier ein. Nach dem Eintreffen da tt. Da das Poſt. selbst erfolgte die Enthüllung des Denkmals König nzelnen Bostämtern Friedrichs 1. Um 10 Uhr reiste das Kaiserpaar nach Uebermittelung an unb bie Kaiserin nach der Begrüßung das Museum und Krefeld ab. In Krefeld angekommen, besuchte der Kaiser , so sind wir nicht das Standbild Kaiser Wilhelm 1., sowie die Ausstellung te Erneuerung des der Krefelder Seiden- und Samtindustrie. Hierauf wurden hung zu verhindern. im Oberlichtsaal die Stadtverordneten vorgestellt und dem Kaiser ein Ehrentrunt angeboten, worauf der Kaiser eine Unsprache hielt, in welcher er u. A. sagte: Sie, die Sie doch eine Handelsstadt sich nennen, begreifen, daß außer dem Heer noch andere Dinge notwendig sind, und das ist unsere Flotte. Sie haben empfunden im Laufe Ihrer Entwicklung, was es heißen will, wenn mit einem Male an fremden Gestaden die deutsche Flagge entfaltet wird und der Respekt vor den deutschen Kriegsschiffen bei affer kauft die Löwer der Bevölkerung der berührten Länder erwacht. Für Sie 1183 i es eine Notwendigkeit, daß eine starke, mächtige Flotte Kilbinger. die Handelsflagge beschirmt, damit Sie in Ruhe Ihre Ersetzung des Wahlrechts macht.
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zeugnisse überall abseßen können.
Hessischer Landtag.
Darmstadt, 20. Juni. Spezialdebatte über die Wahlrechtsvorlage. Artikel 5( Stimmrecht für die Erste Kammer) wird er Aktien- Brauerei mit allen gegen die sozialdemokratischen Stimmen angeGießen,
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Gegen Artikel 6 wendet sich Abg. Dr. David, da er die dreijährige Staatszugehörigkeit fordert, sowie die Steuerzugehörigkeit fordert, sowie die Steuerrückstandsklausel entbält, die nicht so sehr den Arbeiter, als vielmehr den kleinen Bauern treffe, zumal wenn sie auch, wie der Artikel wolle, auf die Gemeindefteuer ausgedehnt wird. Redner verteidigt feinen Standpunkt, daß für das wahlfähige Alter das 21. Lebensjahr festgesetzt werde. Ebenso sei die Staats zu gehörigkeit nicht nötig, die ja auch bei den Kommunalwahlen nicht gefordert würde, woraus ersichtlich, daß es auch ohne das gehe.
Redner verteidigt
Staatsminister Rothe: Das direkte Wahlrecht werde in
haltungswaagen feiner Verfassung ohne gewisse Voraussetzungen gegeben.
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Wilhelm Orbig
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Der Entwurf halte am 25. Lebensjahre fest und daher an bem, was bisher war und woran auch das Reichstagswahl recht festhalte. Auch die Forderung des dreijährigen Wohnsizes im Lande sei schon früher gewesen, also feine neue
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Geerteerd.
Novelle von E. Vely.
6.
( Nachdruck verboten.)
Es ist ein Festtag für die Insel, dieser erste MovemberSonntag. Mit einem Extraboot ist der Pfarrer herüber geholt und ganz besonders ruhiges Wetter hat der Himmel für die Fahrt des würdigen, alten Herrn geschenkt, der solch eine große Angst vor der Seekrankheit hat. Er bekommt genug zu thun an dem einen Tag die taufbaren Kinder werden in das gothische Kirchlein getragen und für zwei Paare klingen die
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Sie sind so rasch hier für's Leben verbunden, wie auf dem Festland aber daß das Leben selber für den Seefahrer ein noch leichter verlierbares Gut ist, das vergißt der weißhaarige
I Krebs, en Seelsorger nie wehmüthig zu betonen.
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Nur wenig Personen sind heute nicht Hochzeits- oder Kindtaufsgäste Maniel Hay sitzt bei dem fröhlichen Zwillingsvater und erzählt dort seine Haarsträubenden Seegeschichten, denen ein andächtiger Kreis lauscht und dazu trinkt.
Geerteerd hat Edo Finnink versprochen, zu seinem Fest zu tommen, wenn sie aber in der Freude überhaupt nicht das schwarzhaarige Mädchen vergessen haben, so haben sie es vergeblich erwartet. Maniel Hay's Einzige hat wie an einem Werktag im Hause geschafft und nicht darauf geachtet, daß von hüben und drüben die Gäste herausgetreten sind zum Kirchgang. Als dann die Glockenstimme sich erhebt, eilt sie an's Deer, hart av Strande setzt sie sich nieder und blickt mit ſtarren Augen auf die graue Wassermasse. All die Zeit her hat sie's brav getragen, das Weh, das Gefühl von Schmach kein Mensch hat gewahren können, wie's in ihr war, keiner hat darüber lachen sollen, daß Geerteerd Hay eine Verschmähte ist. Sie hat keine Thräne gehabt und keinen Seufzer- nur ein Brennen im Herzen, ein Wühlen. Die Wellen kommen und gehen, sie sieht dem bekannten
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Artikel 5 wird darauf einstimmig angenommen, gemäß dem Ausschußantrag, der nur ein ein jähriges, nicht ein dreijähriges Wohnen in Hessen zur Voraus
Zu Artikel 7 hat Abg. Dr. David beantragt, daß das Stimmrecht nicht beschränkt werde durch die Armenunterſtügungsklausel. Man redet so viel vom christlichen Staat. Wenn man damit ernst machen wolle, so solle man die Armen auch als gleichberechtigte Bürger anerkennen. Diese Klausel sei so unmotiviert und unglücklich, daß sie fallen müsse, wenn sie auch auf die Wahi selbst nicht von großem Einfluß sei.
Abg. Leun wendet sich gegen die Steuerrückstandsflausel, soweit sie sich auf die Gemeindesteuern bezieht, mit Rücksicht auf die Landbewohner und wünscht, daß man an Stelle des zweimonatlichen Rückstandes nur den Rückstand des vorhergehenden Jahres anerkenne. Abg. Reinhardt hat einen dahingehenden Antrag eingebracht, weil er die Wahlpflicht wünsche.
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Abg. Weidner will den Antrag Leun auch unterstützen, findet den warmen Appell des Abg. David an die Humanität sehr schön und gut, möchte aber nicht die Verschwendungssucht unterstützen und deshalb ist er für Beibehaltung des vom Abg. David bekämpften Passus in Artikel 7.
Geh. Staatsrat von Krug wendet sich gegen den Abg. Ulrich. Es handle sich bei Position 5, 6 und 7 nur um Konsequenzen aus richterlichen Urteilen, nicht um fleine Versehen der Beamten und ihre Folgen, sondern um die allerschwersten Vergehen derselben.
Abg. Ulrich hat einen Antrag eingebracht auf Streichung von Position 5, 6 und 7.
Abg. Molthan spricht sich gegen diesen Antrag Ulrich aus, wenn er und seine Partei ihre endgültige Stellung zur Vorlage auch nicht von diesen Dingen abhängig machen würde.
Abg. Ulrich: Es handle sich namentlich bei Position 6 doch auch um Dienstvergehen und nicht um schwere Verbrechen, die ia schon durch Position 4 getroffen würden, und deshalb halte er die Position 5, 6 und 7 für bedenklich.
Der Ausschußantrag zu Position 1 bis 4 und 8 bis 10 wird darauf mit allen gegen 6 Stimmen an genommen; ebenso Position 5 und 7, Position 6 dagegen nicht. Die Abstimmung über Position 11 ( Steuerrückstandsklausel) wird für später ausgesetzt. Artikel 8 wird angenommen.
Zu Artikel 9 a( Wahlpflicht) spricht Abg. Reinhard, der die Wahlpflicht wünscht.
Abg. Molthan erklärt, im Prinzip sei ja seine Partei für die Wahlpflicht, aber wenn nur die ProporDa aber die Regierung tionalwahl eingeführt werde. sich dagegen ausgesprochen, würde er und seine Partei nun im Interesse der Vorlage gegen die Wahlpflicht stimmen. ia
Ministerialrat Beder werdet ihnen den Vor- seine
schlag des Abg. Leun, der identisch ist mit dem Antrag des Abg. Reinhardt, weil das sonderbare Zustände her vorrufen würde, was er näher darthut.
Abg. Ulrich erklärt, seine Partei würde nötigenfalls für den Antrag Reinhart und Leun stimmen. Er wendet sich dann gegen die Pofitionen 5, 6 und 7 dieses Artikels wegen der Verschärfung, die er enthält, indem er das Wahlrecht von Beamten aller Art und von Rechtsanwälten beschränkt, wozu jede rechtliche Basis fehle.
Spiele zu; sie braucht nichts zu thun, als nur auf dem Playe zu bleiben, den sie jetzt inne hat, um in ein paar Stunden sanft wie von weichen Armen fortgetragen zu werden. Und das graue Wasser wird genug sein, das Brennen in ihrem Herzen zu löschen.
Nein! so nicht. Sie spricht die Worte mit sprödem Ton in das Glockenläuten hinein. An dem Tage, wo sie auf Jo's Kommen gewartet, hat sie auch in die Wellen hinein gesprochen, das ist etwas von„ büßen" gewesen.
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Mit einem herben Lachen sieht sie an sich hinunter. Das sagt sich leicht sie ist ja aber nichts, als ein Leibsbild hat sie's hindern können, daß Jo sein Spiel mit ihr getrieben, daß er am selben Tag, wo sie seiner geharrt voll Liebe und Vertrauen, einer Andern seine Werbung gebracht hat? Kann sie jetzt die Töne da oben in der Luft verstummen machen? Die Kirchgänger auf ihrem Wege aufhalten, die blonde Mecrie von Jo's Scite reißen?
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Nichts kann sie nur über sich selber lachen, über Geerteerd mit all ihrem Troß und Hohn für Andere. Sie beißt die Zähne in die Lippen. Deutlich sicht sie jezt, wo das Geläut schweigt, die Beiden zum Altar gehen an denselben Play, wo sie in ihren Gedanken sich und Jo bereits erblickt hat. Was sie da Alle geloben wollte- Demuth und Treue Nun reckt sie die Rechte nach den Wogen hin und ihre Lippen murmeln einen Fluch und dann sagt sie: Dem Maniel Hay gehör ich zu, was dem geschehen ist, hat er heimgegeben.
Dann fauert sie sich still wieder nieder. Sie weiß nicht wie, aber sie fühlt's in sich, daß noch eine Stunde kommen mag, wo sie Vergeltung üben kann.
Ob's schlecht ist? Ist Jo gut mit ihr gewesen? Ob Rache gottlos ist? Sie hat die Liebe für Jo wie vom Himmel geschenkt genommen und sich fromm und gut gefühlt und es sein und bleiben wollen! Wer braucht sie jetzt noch so? Ihr Vater nicht, der lacht über die Demüthigen und nennt die Guten dumm; für den kommt aus dem Himmel nur Negen oder Sonnenschein, Sturm oder günstiger Wind.
Abg. Dr. David: Obgleich die Wahlpflicht gegen walten lassen und der Wahlpflicht seitens seiner Partet zustimmen. Als unbedingte Voraussetzung fomme aber für seine Partei hier allerdings in Betracht: 1. die Beseitigung der Steuerrückstandsklausel; 2. müsse die Wahlzeit so gelegt werden, daß jeder Lohnarbeiter wählen könne, ohne einen Lohnausfall zu riskiren und andere Unannehmlichkeiten. B
Abg. Korell spricht sich in ähnlichem Sinne aus. Er wünscht allerdings nicht, daß bei Einführung der Wahlpflicht eine Geldstrafe eintrete für Versäumnis
Und niemand braucht sie sonst auf der Welt und sie niemanden.
Geerteerd Hay!
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steht vor dem Leuchtthurmwächter, Sie schnellt empor der sie überrascht hat, und guckt ihm fast drohend in's Gesicht, forschend auch, ob's sein kann, daß er ihre Einsamkeit deutet. Aber er hat nur das fröhliche Lachen, welches alle Menschen an ihm sonst geliebt haben, das aber den schweigenden Insulanern so ungewohnt ist.
Habe gemeint, außer mir giebt's niemand, der heute nicht ande Hochzeit feiert, sagt er. Wem der Sinn nicht darnach ist, muß allein bleiben, antwortet das Mädchen.
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Er streckt ihr die Hand hin und sie legt die ihre hinein. Geerteerd wenn Du gewollt hättest Sie läßt ihn nicht ausreden, das Läuten beginnt von Nenem. Nun ist aus Meerie Möllers Jo Toben's Frau geworden.
So oft Du mich siehst, Frizz West, sagst Du dasselbe. Er senkt den Kopf. Heute hörst's zum letzten Mal, ich will darum einkommen, daß sie mich fortthun.
Es ist, als ob's in Geerteerd's Hirn läutet, so pocht es in ihren Schläfen.
Fort willst Du, murmelt sie mechanisch. Seine Blicke ruhen traurig auf ihr. Du magst nun einmal keine Fremden
Einer fann sich ändern, sagt sie wie vorhin und benkt, daß sie unter den Glockenflängen nun heimgehen in's Dorf. Friz West giebt sich eine Deutung ihrer Worte: Geerteerd- bist Du im Ernst?
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Sie fährt mit beiden Händen gegen ihr Herz wenn es einmal still sein wollte, da innen! Und wenn sie sich besser verstanden hätte auf die Falschheit der Männer, so konnte sie heute mit Frig, West dem Hochzeitszuge vorangehen- Jo zum nur darum. Troß
( Fortjesung folgt.)


