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20.8.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 192.

Erstes Blatt.

Mittwoch, den 20. August 1902.

Hovanement preis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., ins Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mt. 1.50.

Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberheffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Gießener

11. Jahrgang.

Infectionsvreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Bfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Bfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr. 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblaff)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei,( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen

Politische Nachrichten.

Der Kaiser in Homburg.

Homburg, 19. August. In Anwesenheit des Kaiserpaares fand heute Vormittag um elf Uhr die Ein­weihung des Kaiserin Friedrich- Denkmals statt. Außer dem Kaiserpaar waren anwesend der Kronprinz, Prinz Joachim und Prinzessin Viktoria Louise. Der Kaiser in der Uniform der sogenannten Totenkopf- Husaren schritt die Front der von dem 80. Infanterie- Regiment gestellten Ehren- Compagnie ab. Bekanntlich war die Kaiserin Friedrich Chef dieses Re­giments. Der übrige Teil des Regiments war hinter dem Denkmal aufgestellt. Nach Abschreiten der Front begab sich der Kaiser mit dem Gefolge nach dem Kaiser­zelt, in welchem als Ehrengäste noch der Feier bei wohnten: Der Erbprinz und die Erbprinzessin von Meiningen, der Prinz und die Prinzessin von Schaum burg- Lippe, der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland, der Prinz und die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, sowie auch der Herzog von Cambridge. Hierauf wurde der Kaiser durch den Vorsitzenden des Denkmals- Ausschusses, Herrn Dr. Rüdiger begrüßt. Nach der Ansprache desselben fiel die Hülle, des Denk­mals unter dem Präsentieren des versammelten Militärs. mals unter dem Präsentieren des versammelten Militärs. Nun ergriff der Kaiser das Wort, in dem er in längerer Rede ein Lebens- und Charakterbild seiner ber­storbenen Mutter entwarf. Hierauf trug ein Schüler­chor ein von Direktor Schulze verfaßte Weihelied vor, worauf der Bürgermeister von Homburg, Dr. Ritter bon Mary, ein Hoch auf den Kaiser ausbrachte. Kaiser ließ nach der Weihe verschiedene Herrschaften zu sich bitten, von welchen folgende Herren ausgezeichnet wurden: Der Landrat des Kreises Homburg, von Meister, erhielt den Hohenzollerschen Hausorden, der Bürgermeister Dr. Ritter von Marr wurde zum Bürgermeister Dr. Nitter von Marr wurde zum Oberbürgermeister ernannt, der Bildhauer phues, der Schöpfer des Denkmals, erhielt den Kronenord en dritter Klasse und der Vorsigende des Denkmal- Ausschusses, Dr. Nüdig den Roten Adler Orden vierter Klasse. Kurz vor 1 1hr war die Feier beendet. Es folgte dann ein Vorbeimarsch des ge= famten 80. Infanterie- Regiments vor dem Kaiser. Um 2 Uhr fand im Königlichen Schloße eine Frühstückstafel zu 60 Gedecken statt, zu welcher die Spitzen der Civil­und Militär- Behörden, sowie auch die Herren vom Denkmal- Ausschuß geladen waren.

In eigener Sache Richter.

Roman von L. Haidheim. ( Nachdruck verboten.)

( Fortsetzung.)

" In Klaino, Graf, das ganze Schloß ist ein Lazarett." " O, diese Folter hierher, von Trautenau", stöhnte er. Trautenau?" Seitdem liegen Sie schon-?"

Der

" Nein, nein, vorgestern Nacht zweites Gefecht schrecklich Stockfinster fie fagen, ich sei allem Anschein nach von einer Granate so furchtbar zerrissen Ach, Maria, mit mir ist's aus Er flüsterte fast unverständlich.

" Joseph! Vetter! Sie haben wenigstens als Soldat-." Ach was! Als Soldat wollten sie mich nicht; Schlachten­bummiler! trug wenigstens hier und da den Leuten Munition hin und da in der Nacht ich weiß nur noch, es waren ganz enge finstere Straßen- das verwünschte das unglückliche Volf; es unterschied nicht Freund und Feind von ach, nein einander fürchterlich aus den Häusern, den Fenstern, von den Dächern warfen sie's und auf die Köpfe und dann weiß ich nichts mehr, mir ist, als wär alles Feuer- Feuer-."

-

Sie nezte seine brennenden Lippen mit Eiswasser. Er lag in tödlicher Ermattung, aber er hielt sie mit den Augen fest, bewachte sie angstvoll. Eine Weile schlummerte er ein. Plöglich war er wieder Ist Burkard hier auch?" fragte er fie. Nein! Jft er verwundet?" Sie konnte vor Herzs Elopfen kaum einen Laut hervorbringen.

ganz wach.

-

-

:

,, Königgräs- Bein ab-. Wissen Sie's nicht?" Sie verneinte stumm. Mit höchster Anstrengung erstiate fie einen lauten Schrei.

Lenette ist bei ihm", sagte er.

Lischa? Lischa und Tante Cäcilie! Gottlob!"

, Unsinn! Lenette! seine Lenette!"

,, Welche- Le- nette-?"

Die Mertoni! Seine Freundin! Aber das weiß doc

alle Welt!"

Wer ist sie denn? Lischas-?"

.Soubrette, pflegt ihn schon seit Königgräs."

- Das Ergebnis des Reichshaushaltes für 1901 wird vom Reichsanzeiger veröffentlicht. Im Ganzen find an ordentlichen Einnahmen, soweit sie dem Reiche verbleiben, 27,393,413 m. weniger eingegangen. Da die Mehrausgaben 21,029,317 m. betrugen, so er­giebt das Rechnungsjahr 1901 einen Fehlbetrag von 48,422,783 Mart.

Zum Ableben des sächsischen Kriegs­ministers v. d. Planit wird den" Dr. N." noch aus Hofteritz gemeldet, daß der Tod sanft und ohne jeden Todeskampf erfolgte. Der Zustand des Ministers war in den letzten Tagen stationär geblieben, weder eine Besserung noch eine Verschlimmerung war ein­getreten. Dienstag Vormittag 11 Uhr traf König Georg in Begleitung des Grafen Pillnitz zu Fuß in Georg in Begleitung des Grafen Pillnitz zu Fuß in Hosteriß ein, um den Hinterbliebenen des Ministers seine Beileidsvisite abzustatten. Der König, welcher vor der Villa von der Tochter des Verstorbenen empfangen wurde, sprach unbedeckten Hauptes in kurzen Worten sein Beileid aus und verblieb alsdann noch ca. 20 Mi­nuten in der Villa.

- Als Nachfolger des verstorbenen Kriegs­ministers von der Planiz wird der Militärattachée Bithum, sowie der kommandierende General Treischke genannt.

2 Gendarmen, 2 Soldaten und 1 Polizeikommissär ber­Paris, 19. Aug. In Saint Méen wurden gestern darmen die Rippen eingeschlagen. 5 Männer und 3 Frauen wundet. Einem Bauern wurde die Nase und 2 Gens­halten. Gegen 1 Hausbefizer, 1 Journalisten und 1 Briefter wurden verhaftet, aber nur zwei Verhaftungen aufrecht er­wurde ein gerichtliches Verfahren wegen Aufreizung zum Widerstand gegen die Staatsgewalt eingeleitet.

des Loire- Beckens ist gestern abend von dem Präfetten Der Vorsigende des Grubenarbeiterverbandes empfangen worden. Derselbe erklärte dem Vorsitzenden, die Grubenbesizer seien entschlossen, die angekündigte Lohnherab­sezung zurückzuziehen.

hat sich gestern erschossen. -Der Privatsekretär des Abgeordneten Rovannet

Herren und nicht Herren. Eine er schreckende Nachricht kommt aus Südafrika nach einem Telegramm des Daily Expreß" in London. Danach haben die englischen Beamten zwar guten Willen, sie sind aber den wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Südafrika, zumal in Johannisburg, nicht gewachsen und es droht dort ein wirtschaftliches Chaos auszubrechen. Die Menschenanhäufung in den Küstenstädten seien beispiellos, die Behörden wissen nicht, was sie anfangen sollen. Das Innere Afrikas sei von Dewet und Delarey wurden bei ihrer Ankunft von Rotterdam, 19. Juli. Die Buren- Generale Botha, sozialen und industriellen Schwierigkeiten überschwemmt. Die mittleren Klassen des Landes bringen ihre Frauen, einer tausendföpfigen Menge enthusiastisch begrüßt. Töchter und jungen Kinder an die Küste, da das Leben Mittags_reisten die Generale nach dem Haag und be- in Johannisburg unerträglich sei. Krüger einen Besuch in Utrecht ab.- Die Generale suchten Steijn in Scheveningen. Morgen statten fie erklären in einem Schreiben an die Blätter, daß sie in gesprochen und Steijn einen Besuch abgestattet hätten. Holland keine Besuche machen dürften, bevor sie Krüger Sie beabsichtigen sobald als möglich nach London zu­rückzukehren. Zahlreiche Einladungen und Glückwunsch telegramme find ihnen zugegangen

Mittwoch nach Spaa, um der Königin einen Besuch abzu­Brüssel, 19. Aug. Der König begiebt sich nächsten statten.

Rom, 19. Aug. Der Chef des Generalstabes der italienischen Armee, Graf Saletta wird den Herbst­manövern der deutschen Armee beiwohnen.

,, Und Tant Cäcilie-?"

,, Sie suchte ihn; ich habe ihr aber nichts gesagt." Maria ging ein furchtbares Licht auf.

Jetzt wollte mußte sie alles wissen.

Er liebt diese- diese Pers-?" fragte sie mit ruhiger Stimme.

Natürlich! Sie will ihn heiraten, sagt man! Sie läßt ihn nicht los--. Ah?- was ist Maria?"

Was war's groß? Eine junge Pflegerin war schwach geworden. Nicht ohnmächtig, o nein! Nur eine kurze Ruhe und fie war wieder ganz frisch. Mit bleichen Lippen ganz aufrecht stehend und mit einem allerdings erzwungenen Lächeln nahm sie es an, daß man sie ablöste. Und dann dann einen einzigen Moment allein! Dann fant sie auf das Bett, das man ihr angewiesen wie tot.

-

Lenette hieß sie! Lenette Mertoni Soubrette! Und sie wollte ihn heiraten-!- O, darum war sie ihm so gleichgültig? Keine Sekunde schlief fie.

Als sie am anderen Morgen ihren Dienst antrat, sagte der Oberarzt: Ihre Kräfte reichen nicht aus! Ich beurlaube Sie!" " Sie reichen! Ich bin stärker als Sie denken, Herr Ober­arzt! Lassen Sie mich hier", bat sie mit seltsam feſtem Willen im Blick.

Nr. 9 ist ein Verwandter von Ihnen?" " Ja, ein Vetter zweiten Grades." " Steht er Ihnen auch sonst noch nahe?" Nein, Herr Oberarzt."

Warum also die Schwäche?"

Er erzählte mir von einem anderen- Und der ist nicht hier?"

Nein, Herr Oberarzt."

Gut, thun Sie Ihre Pflicht wie bisher. Nr. 9 ist zur Operation gebracht und bleibt in einem der anderen Säle. Sie gehen nicht hin."

Wohl, Herr Oberarzt."

Mitte Jult- Ende Juli war gekommen!

Im Parte von Klaino schlichen Genesende, Invaliden, die noch immer nicht aus der ärztlichen Behandlung entlassen werden

Studenten unruhen beteiligt geweſenen Studenten Der Zar hat den meisten an den jüngsten

Moskau beteiligt gewesenen Studenten begnadigt. Baren sind fast sämtliche an den Februarunruhen in die Strafe erlassen. Durch ein weiteres Dekret des

Die 6. Sigung der hessischen Handwerker­

fammer.

( Wegen Raummangel in der gestrigen Nummer erfolgt die Veröffentlichung erst heute.)

Zunächst weist der Vorsitzende F. Falt- Mainz darauf hin, daß man mit den Gesellen- Prüfungen sehr gute Resultate erzielt habe, da man ca. 1500 Brüfungen abgehalten habe; den Ausschüssen gebühre dafür besonderen Dank. Auch die Vorbereitungen zu den Meisterprüfungen lassen gute Erfolge erhoffen.

fonnten, zwischen den üppig blühenden Rosen umber; jest fast nur noch Desterreicher, denn die Preußen waren, sofern ihre Wunden es nicht unmöglich machten, bereits eingewechselt. Sie waren gerne gegangen, denn die Heimat und heimatliches Fühlen lodte fie, noch lieber sah man sie scheiden, denn noch waren die Schmerzen so bitter und heiß für jeden Patrioten, als daß man sie dem siegreichen Feinde so recht hätte vergessen können.

Desterreichs bestes Blut war in Strömen geflossen, bas mußte erst verwunden werden. Kam doch erst jest bie Größe des nationalen Unglücks Oesterreichs Söhnen erst ganz und voll aum Bewußtsein.

Dennoch drängte sich das Leben mit seinen Forderungen unwiderstehlich in die gewohnten Bahnen, und wie Gewohnheit und Behagen meist unzertrennlich sind, so strebte bewußt und un bewußt alles in dieselben zurüc.

Statt der in der Eile dankbar entgegengenommenen Hülfe der freiwilligen Krankenpfleger hatte man jezt aus allen Teilen des Reichs geschulte Kräfte herangezogen und fonnte die Frauen und Mädchen aller Stände in ihre Heimat entlassen.

Auch Maria von Wazlam war frei geworden und blieb jent in Klaino nur, weil sie eben nicht recht wußte wohin, denn in Strapolno hatte sich inmitten dieser Striegszeit alles in einer Weise verändert, die für sie die Rückkehr dahin vorläufig unthunlich machte. Herr Gürtler fam eines Tages, es mochten nun wohl zwei Wochen her sein, sehr aufgeregt zu ihr nach Klaino. Was sollte er thun-? Sie war die einzige, welche ihm raten konnte. Der Kanonendonner von Königgräß war noch faum ver­hallt und ganz Böhmen noch in Bulverdampf gehüllt, von Schreckens- und Wehgeschrei erfüllt, als eines Nachmittags ein großer Reisewagen, ganz mit Stoffern beladen, vor dem Strapolnoer Schlosse hielt und ein fahlföpfiger, ältlicher Mann, knochig und mager, mit harten, groben Zügen ausstieg und nach dem Herrn desselben fragte.

Er sprach ein mit viel fremdartigen Ausdrücken gemischtes Deutsch, sah auch in Kleidung und Manieren so fremdartig aus, daß der Gärtner, welcher zufällig der erste war, der ihm entgegen fam, nicht anders dachte, als er gehöre zu den verhaßten Feinden. Und doch starr und ganz verdugt schaute er den fremden Herrn an, der nach dem toten Herrn des Schlosses fragte und demselben Toten doch so ganz merkwürdig- so erschredend ähnlich sah.

Dieselbe harte edige Physiognomie! Der table Stopf, bie eigensinnige Stirn ( Fortsetzung folgt).