Ausgabe 
19.6.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 139. Erstes Blatt.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel jährlich Mt. 1.50.

Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen wöchentlich).b Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. sise an id thun asonal tid sidun thin

Donnerstag, den 19. Juni 1902. dr

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11. Jahrgang.

Simild sido gje sjedno dien Insertionsvreis: Die einfpaltige Petitjeile für Gießen wie, ganz Oberhessen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Bfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg. фін Postzeitungsliste No. 3032.

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sisense bijna do ist olan pdf Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. 967ar de nommit med i sdrar olonG bus spitised isi sil mn dien gozina 8 dan

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Neuelle Nachrichten

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( Gießener Zeitung) blink

für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

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Zuckerfabriken mit Rübenverarbeitung im Betriebe, 429 341 Star Borja. Sür diese Fabriken find 429 341 Heftare bepflanzt worden, gegen 476 873 im Vorjahre.

Eine neue Schußwaffe. Der Oberst der franz. Stolonial- Truppe Humbert, machte eine Erfindung, welche eine vollständige Umwälzung auf militärischem Gebiet hervorrufen dürfte. Es handelt sich um einen an allen Schußwaffen anzubringenden Apparat, durch welchen der Schall beim Schuß vollständig beseitigt wird. sid ni miondi R

fusion Desterreich.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei,( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen Annahme der direkten und geheimen Wahl über die Förderung genossenschaftlichen Ver­taufs von Getreide und organ ford that is durch die Zweite Kammer. lichen Erzeugnissen( Kornlagerhäuser) zur Zeit Die Zweite Kammer hat in ihrer Sigung vom Dienstag für erledigt zu erklären mit Rücksicht auf die ungünstige den Artikel 4 der Regierungsvorlage:" Die Zweite Kammer Finanzlage und den nahe bevorstehenden Schluß des geht aus direkten Wahlen mit geheimer Abstimmung hervor", gegenwärtigen Landtages. Ebenso beantragt der erste Ausschuß, den Antrag des Abg. Köhler- Langsdorf mit 40 gegen 5 Stimmen angenommen.nons of Die Kammer hat mit dieser Abstimmung zweifellos über die Zurückvergütung der Baukosten für von den dem Empfinden weiter Voltstreise Rechnung getragen und Kreisen zu übernehmende Gemeindechausseen für er wir sind auch der Ansicht, daß sie mit der Annahme der ledigt zu erklären, da eine Aenderung des Gesetzes im direkten und geheimen Wahl recht gethan hat. Nicht, daß beantragten Sinne im Hinblick auf Art. 6 des Kunst­wir dieses Wahlrecht für das vollkommenste oder nur ge- straßengesetzes nicht begründet sei. rechteste hielten. Denn die Reichstagswahlen zeigen, daß die Ergebnisse sehr vieler Wahlen aus geschickter Agitation und aus Kompromissen hervorgehen, wobei die Meinung der Mehrheit nicht zum Ausdruck kommt. Aber eine Be schränkung der Wahlfreiheit, wie sie in den indirekten Wahlen liegt, steht im Widerspruch zu der Entwicklung, die das gesamte Voltsleben unter dem Einflusse der modernen Gesetzgebung seit 1870 genommen hat. Nachdem diese Gesetz gebung das freie Spiel der Kräfte" namentlich auf wirtschaftlichem Gebiete zur Geltung brachte, das vielen Kleinen an den Lebensnerv ging, Kapital und Rücksichts­Tofigfeit zu ersten Machtfaktoren erhob, aber doch die In­dustrie und den Nationalwohlstand zu riesiger Höhe empor­führte, sehen wir nicht ein, warum dieses freie Spiel der Kräfte" nicht auch bei den Wahlen zu Volksvertretungen zugelassen werden sollte. Es scheint uns dies eine einfache Konsequenz der Gesamtentwicklung des Volkstums zu sein, der auch die Erste Kammer nicht widerstreben sollte Wir versprechen uns als heilsamste Folge der direkten und ge= heimen Wahl eine

Wahlpflicht.

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auch ohne gefe blue gung der( auen Wählermassen sich po­litisch nicht unterkriegen lassen will, muß eben mitthun; und wer nicht mitthut, hat fein Recht zur Klage. Staats­minister Rothe sagte ganz richtig, wenn die staatserhaltenden Parteien nicht ohne Wahlzwang zur Urne schreiten, dann sind sie nicht staatserhaltend". Wer in der harten Schule des wirtschaftlichen Konkurrenzkampfes steht und sich nicht werfen läßt, wird auch dem politischen Non­furrenzfampf, wie ihn das neue Wahlgesetz entfesseln wird, furchtlos entgegensehen.d

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Politische Nachrichten.

* Ueber das Befinden des sächsischen Königs wird เก gemeldet: Sibyllenort, 18. Juni. Auf den gestern ohne wesentliche Störungen verbrachten Tag folgte eine un ruhige Nacht. Der König hat wenig geschlafen, das Atmen war zeitweise erschwert. Buls 100, regelmäßig. feine Fiebererscheinungen.imitiul d

( gez.) Dr. Fiedler. Dr. Selle. Dr. Hoffmann. de Breslau, 19. Juni. Anläßlich des gestrigen 49. Hochzeitstages des sächsischen Königspaares waren in früher Morgenstunde bereits über viele 100 Glück wunschtelegramme eingegangen, darunter von fast sämtlichen deutschen Fürsten, Kaiser Franz Joseph und dem französischen Präsidenten. Kaiser Wilhelm sandte dem franken König ein wunderbares Blumenarangement und ein Handschreiben. Der König ist über die vielen Beweise sichtlich erfreut. In der Schloßkapelle fand um 9 Uhr eine stille Festfeier des tgl. Hofes statt. In der unmittelboren Umgebung des Königs hat man heute mehr wie bisher den Eindruck, daß die Kräfte im Ab­nehmen begriffen sind. Trotzdem versah auch heute Vormittag der König eine Anzahl Regierungssachen mit seinem Namenzuge. Er beantwortete wiederholt die Frage, ob ihn die Geschäfte nicht zu sehr ermüdeten, verneinend.

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Generalfeldmarschall Graf Waldersee ist vom Kaiser telegraphisch zur Teilnahme an den Fest­lichkeiten nach Aachen berufen worden. Auch Reichs­fanzler Graf Bülow und Generaloberst Freiherr von Loe fanzler Graf Bülow und Generaloberst Freiherr von Loe treffen dort ein

Die deutsche überseeische Auswanderung betrug im Mai d. J. 3520 Personen gegen 2569 im Mai Der Kaiser trifft heute in A a chen ein, woselbst borigen Jahres. Aus deutschen Häfen wurden im er auf dem Rathause eine belgische Abordnung empfängt. Mai d. J. neben 2775 deutschen Auswanderern noch * Darmstadt, 17. Juni. Der erste Ausschuß der 32 004 Angehörige fremder Staaten befördert. Kammer beantragte den Antrag Haas- Darmstadt In diesem Jahre sind in Deutschland nur 392

Geerteerd.

Novelle von E. Vely.

( Nachdruck verboten.)

Der Tag läßt sich aber schlecht an für ihn die Leute jizen heute in ihren Häusern, wie die Hamster im Bau, es giebt absolut nichts zu sehen.

Eine Zeit lang schiffen seine Gedanken auf den fremden Meeren, die er gesehen, dann müssen sie auch nicht immer angenehm sein, denn sein Gesicht versinstert sich, er mächt eine unmuttige Bewegung und ruft Geerteerd.

Sie hat den Laut schnell vernommen und steht bald darans neben ihm.

Ein Better, sagt er, das ist gar nichts, so windstill.

*

-

Ja ja entgegnet sie. Ihr war, als habe sie drüben am Fenster Jo's Kopf auftauchen sehen. Warum soll das nicht sein? sie blickt ja auch nach ihm aus.

Einmal, spricht der alte Seemann weiter, sind die beiden Eilande so nahe gelegen, daß sie von Wangerooge nach Spiekerooge ein Brod auf der Ofenschaufel haben hinüber­reichen können

Sie nicht, die Erzählung ist für ein Inselkind nicht neu. Dazumal ist ein Flüßchen gewesen, heute geht die See dazwischen. Vierzig Fuß tief! bestätigt Geerteerd. Der Alte guckt sie lauernd an. Kannst was draus lernen, Deern! Ach, Vater

Ein schöner Morgen, meint sie. Es ist heute alles hell kannſt es! braust er auf. Edo Finnink hast Du kopf­

an ihr, die Miene, das Kleid, die Stimme.

Dort

Stein Segel tann sich rühren, brummt der Alte. Mag sich ändern, antwortet Geerteerd, legt die Hand über die Augen und sicht aufs Nachbarhaus hin. ist's auch still- und wird sich ändern, wenn Sicick zum Abend die Kohlen schürt, weiß sie mehr, als am Morgen. Die Jungens, spricht Maniel, sind alle am Land, aber feiner kommt daher.

Wart's ab!

Er schüttelt den Kopf. Edo Finnink ist kopsscheu. Sie schlägt die Arme unter der Brust zusammen; sie hat ein Gefühl, als gäbe es nichts mehr zu thun, als zu warten. Alles ändert sich, sagt Maniel, von Bestand ist nichts. Sie reißt die großen, schwarzen Augen auf. Wenn Zwei einander gut sin das bleibt, spricht sie wie im Traum. Ein heiseres Lachen antwortet ihr.

Ueber Nacht kann eine Springfluth kommen, Deern Ja, Vater, wie Anno 55

Er nimmt die Pfeife aus dem Munde und deutet nach dem Hause. Kann weg sein, als wenn ich's von der flachen Hand wische

-

scheu gemacht der war mir recht. Wenn Du einen Andern bringst... sett er zögernd hinzu, heute sind Junge und Deern einander gut kann eine Nacht sein, da ist Tiefwasser dazwischen

Wie ein kühler Wind weht es über sie hin, dann aber schüttelt sie den Kopf.

Ist Dein Denken immer so grämlich gewesen, Vater? Wie ich noch ein Narr war, nicht.

Einen Augenblick sieht sie ihn forschend an.

Vater, warum hast Du keine Freundschaft unter den Leuten wie die Andern?

Brauche feine!

Wieder eine Pause, dann fragt sie: Warum hat Reid Toben Feindschaft auf Dich und mich?

Er rückt auf dem Stuhle hin und her. Habe nicht nachgefragt.

War meine Mutter gut mit ihr?

Er stößt einen Fluch aus und hebt wie drohend die Faust. Weibsbilderart fannst Einen nicht in Ruh' lassen?

Sie buscht mit einem Lächeln in's Haus, jezt ficht jie nichts an, auch des Vaters Ungeduld nicht, der sie doch selber gerufen hat.

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Der Kaiser unternahm Mittwoch früh die Fahrt auf den Hochschneeberg. Im Berg- Hotel sprach der Kaiser auch den die deutsch- französische Kriegs- Medaille tragenden Fabrikanten Engau an und fragte ihn, unter weisen Kommando er den Feldzug mitgemacht habe. Als der Fabrikant antwortete: Unter Stönig Albert von Sachsen, erwiderte der Kaiser, der liegt leider krank darnieder. Sein Ableben wäre ein großer Verlust für uns alle. .bung sgni and D

Aus unseren Kolonien. In dem Süden unseres füdwestafrikanischen Schuhgebietes sind seit Ende Mai d. J. 36 Buren familien mit 313 Köpfen eingewandert. Denselben sind Grundstücke pachtweise überlassen worden in der Erwartung, daß das Pacht­verhältnis mit der Zeit zur eigentümlichen Erwerbung der Farmen führen wird. si lo adyn

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Heffischer Landtag.

Darmstadt, 18. Juni. Wahlgeseẞ.a Spezialdebatte über das Wahlgesez.

Zu Artikel 1 des Gesetzes wird der Antrag Haas= Darmstadt mit allen gegen eine Stimme angenommen, der dahin geht, daß in diesem Artikel nicht von Landständen die Rede sein soll, weil das den Eindruck erweckt, als handle es sich um eine ständische Vertretung, sondern statt dessen vom Landtage, womit deutlich zum Ausdruck gebracht sei, daß es sich um Vertreter des ganzen Volkes handle. dni Abg. David will die erste Kammer überhaupt beseitigt wissen; deshalb würde er und seine Bartei Staatsminister Rohte: gegen den Artikel 1 stimmen. An der ersten Kammer würde die Regierung unbedingt fest­halten.

Darauf wird Artikel 1 des Geseßes mit allen Stimmen gegen die der Sozialdemokraten angenommen.

Der Mittag kommt. Maniel ist noch immer allein ge­blieben, er läßt seinen Unmuth an Geerteerd aus. Sie sentt die langen Wimpern und sagt: Zwischen jetzt und Abend fann noch viel sein.

Wartest etwa auf einen Freier?

Kann sein! lacht sie. Häufig sißt sie lässig herum. Dabe denkt sie, wie es wohl zugegangen ist, daß ihre Mutter den Vater hat gut sein können. Dazumal muß ex freilich auch anders gewesen sein. Sie hat keine Erinnerung an die Mutter. Es fällt ihr ein, daß ihr nie der Hügel derselben gezeigt ist. Die alte Großmutter, welche in Maniel's Haus gewirth­schaftet hat, hat's vergessen nun ist deren Ruhestätte ebe falls längst verweht. Kaum vierzehnjährig ist Geerteerd allein gewesen aber die Hausfrauensorgen haben ihre jungen Schultern nicht gedrückt, sie ist schlauf unter ihnen emporgewachsen und drüben im Nebenhause Jo und zwischen ihnen da Gutſein.

Heimlich genug denn Reich Toben ihre Augen sind wach­sam gewesen hat sich Jo zu Geerteerd zu finden gewußt, wenn sie auf den spärlich bewachsenen Wiesen herumgelaufen ist, oder halb vom Dünenhafer verborgen im Sande lag, den kleinen Eidechsen zusehend, wie sie behend hin und her schlüpften. Schiffe hat er ihr gebaut aus alten angeschwemmten Brettern und dann hat sie allemal gesagt: Jo, wenn Du groß bist und über's Wasser kannst, gehn wir in die weite Welt. Die nächste Welle hat dann oft das kleine Fahrzeug davon gerissen, aber die Kinder­augen haben einander zuversichtlich angeguckt.

So soll's einmal sein.

Es kommt jezt über Geerteerd wie ein Druck, sie fann es in den engen vier Wänden nicht mehr aushalten, sie muß hinaus das Meer sehen.

Heimlich eilt sie in die Dünen und bahnt sich geradewegs den Pfad nach dem Strande. Im Stillen hat sie gehofft, Jo wäre auch draußen. Aber kein Mensch ist weit und breit zu sehen das Meer glatt und träge, endlos vor ihr. ( Fortseßung folgt.)

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138.

Oberhessische Familienzeitung.

eine logische Form zu fleiden. Heimat nabe fei, tam fie zu folgendem Schluß: was fich aber anderen febr unähnlich, versuchte fte, ibre 3weifel in Mädchen, in unvollkommener Kenntnis ibres eigenen Gemüts, Bum Schluß war Miß Brifto, gleich vielen anderen jungen Als fie erfubr. daß Dick ber

Liebe mebr für fie empfand? su lieben; wenn Did nun zurücktearte und teine aufri@ tige

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photographiert wären",

Es wird wundervoll werden. fagte fie schalthaft. Nun wohl, hier ist Ihr erstes Portrait. Ste lanten, dass Sie noch

in unzählige Stückchen auf dem Kieswege. fie ans Licht gehalten, so entfiel sie seiner Hand und zerbrach

Alice reichte ihm die tropfende Platte. Er bat fie in feiner ruhigen Weise, es seben zu dürfen. Kaum hatte er

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Nr. 138

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Oberhessische Familienzung.

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