Ausgabe 
16.7.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 162.

Zweites Blatt.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mr. 1 50.

Gratisbetlagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Mittwoch, den 16. Juli 1902.

Gießener

11. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen, wie ganz Oberhessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Die Würzburger Affaire im bayrischen

Landtag.

Am Dienstag kam die Affaire zum vorläufigen Austrag in der Abgeordnetenkammer vor. Abg. Ober­landesgerichtsrat Geiger bedauert namens des Centrums die Erkrankung des Kultusministers. Die Erkrankung sei nur Vorläuferin seiner Enthebung. Der Minister habe sich mit einer doppelten Schuld be laden. Er habe der Festigung des christlichen Charakters der Schule keinen Widerstand entgegengesetzt und es ge­wagt, über die unlauteren und im höchsten Grade be­denklichen Verhältnisse in Würzburg seine Mißstimmung zu äußern. Wegen dieses doppelten Verschulden, wozu vielleicht noch anderes gekommen sei( 3urufe links: Viel!), sei er gestürzt und der liberalen Minderheit ge­opfert worden. Die Majorität des Volkes und die von dieser hierher geschickten Abgeordneten hätten den Sturz des Ministers als einen Schlag gegen sich empfunden. Redner beklagt es, daß Redner beflagt es, daß Die Majorität des Bolles und der Volksvertretung für ihre Gefühle feinen Dolmetscher in jenen Kreisen besitze, welche dem Regenten am nächsten stehen.( Lebhafte Zustimmung rechts.) Tiefernst seien die Besorgnisse wegen der Zukunft. Das Centrum wolle jedoch keinen solchen Schritt unternehmen, wie der liberale Abg. Casselmann gegen den Kultusminister. Aber die Be­fürchtungen und Besorgnisse des Centrums greifen weit über die Person des Kultusministers Landmann hinaus. Die vorliegenden Verhältnisse seien geeignet, das Ver­trauen in die Minister zu erschüttern.( Lebhafte zu­stimmung rechts.) Die dem Stultusminister widerfahrene Krankheit möge nicht zum mindesten darin ihren Grund haben, daß er in Angelegenheiten seines Ressorts in Bezug auf die Maßnahmen, welche er als gerecht und als notwendig für das Staatswohl angesehen hat, von seinen übrigen Ministerkollegen verlassen worden ist. Dies Fehlen der Kollegialität gehöre auch zu den Be­sorgnissen der Zukunft. Ich wiederhole namens meiner sämtlichen Kollegen der Fraktion, die Verhältnisse sind soweit gediehen, daß wir in der That ernste Besorg: nisse hegen, und daß wir die Verhältnisse für geeignet ansehen, das Vertrauen in die Berater der Krone zu erschüttern.

Ministerpräsident Graf Craelsheim: Die Sachlage ist so, daß ein Minister erklärt hat, er könne

ein

halt vorher erst eingehend prüfen. Die Regierung glaube sich damit einer Schädigung der Autorität" nicht aussehen zu können.

Nach langen Auseinandersetzungen zwischen dem Stultusetatreferenten, Domkapitular Dr. Schädler( 3tr.) und dem Ministerpräsidenten und nach der Erklärung des Oberlandesgerichtsrats Wagner, daß sich die Liberalen in den Streit des Zentrums um den Kultus­minister nicht einließen, wurde das Thema verlassen, und die Spezialberatung des Kultusetats be­

gonnen.

Aus Hessen Aus Hessen und nachbargebieten.

r Krofdorf, 15. Juli. Gestern fand bei Konzert und Tanz noch eine kleine Nachfeier des vorgestrigen Stiftungs­festes statt. Sie verlief sehr gemütlich und zur allgemeinen Zufriedenheit. Die Feier erhielt noch eine besondere Weihe dadurch, daß unser allverehrter Herr Dirigent auf eine dreißigjährige Wirksamkeit in dieser Eigenſchaft zurückblicken fann. Möge es ihm vergönnt sein, den Verein zu tüchtigen Leistungen anzuspornen und zu führen.

Kinzenbach. Herr Georg Bepler von hier hat auf der Weglarer Tierschau für ausgestellte Rinder den Hörnsheim angegeben worden. 6. Preis erhalten. In unserem Bericht war irrtümlich

a. Wezlar, 15. Juli. Die neue Bürgerliste der Stadt Weglar ist fertiggestellt. Die gesamten wahl fähigen Bürger werden nach der gezahlten Steuer in drei Klassen eingeteilt, von denen jede 48 570,52 Mart aufzubringen hat. In diesem Jahre zählen alle drei Klassen bedeutend mehr Zahler als im Vorjahre. Die erste Klasse 21( 14), die zweite 115( 67), die dritte 798( 453) Zahler.( Die in Klammern gesezten Zahlen beziehen sich auf das Vorjahr.) Die höchste Gesamt­steuerleiſtung in der ersten Wahlabteilung beträgt 14 706,96 Mt. Wie beträchtlich" der Unterschied ist, der zwischen der ersten und zweiten Klasse besteht, ersieht man daraus, daß der niedrigste Zahler erster Klasse 840,72 Mt., der höchste Zahler zweiter Klasse 840,71 Mr., also einen ganzen Reichspfennig weniger zahlt.

fort als unsicherer Heerespflichtiger in die 2. Kompagnie des hiesigen Infanterie- Regiments No. 117 eingestellt. Homburg v. d. H., 15. Juli. Dem Vorsitzenden des Taunusklubs wurde mitgeteilt, es sei nicht ausgeschlossen, daß Kaiser Wilhelm der Einweihung des Feldbergturms beiwohnen werde, wenn dieselbe in die Zeit vom 17. bis 24. August verlegt wird.

f. Mombach, 15. Juli. Eine Bürgerversammlung beschloß eine Eingabe an den Ortsvorstand, worin dieser aufgefordert wird, mit der Bürgermeisterei Mainz behufs Eingemeindung von Momba ch sofort in Verbindung zu treten.

m. Bingen, 14. Juli. In dem Kellerloch des Hauses des Steuermanns Becker in der Leitergasse fand man gestern nachmittag einen jungen Handwerksburschen derart einge­da ihm der Schaum vor den Mund getreten war und er zwängt, daß er weder vor- noch rückwärts konnte. Er wurde, so den Eindruck eines Epileptikers machte ins Hospital ge­

bracht, wo sich herausstellte, daß er sinnlos betrunken war. In der Nacht auf Sonntag war er in den Keller durchs Kellerloch eingedrungen und hatte die dort vorhandenen Nahrungsmittel und mehrere Flaschen Wein zu sich ge­Die Quantität des Genossenen war jedoch zu

nommen.

so gra, ſo daß er auf dem Wege, wo er hereingekommen war, nicht mehr hinaus konnte und entdeckt wurde.

** Aus Hessen, 15. Juli. Einem 49jährigen Land­wirt in Nieder Liebersbach gingen seine beiden Kühe mit dem Wagen durch. Der Wagen ging über den Landwirt sowohl wie über seine Frau weg. Die Frau erlitt einen Schenkelbruch, der Mann innere Ver­legungen, an denen er starb.

P.-A. Die nationale und soziale Bedeutung der deutschen Turnerschaft.

Der Mittelrheinkreis der deutschen Turnerschaft, zu dem

auch unser hessischer Gau, der sich von Friedberg bis Marburg und von Wetzlar bis Lauterbach erstreckt, gehört, steht gegen­wärtig im Zeichen des Turnfestes, welches in den Mauern von Worms gefeiert wird. Da geziemt es sich wohl, die Ziele und Bedeutung der deutschen Turnfache etwas näher zu be­leuchten, zumal man, selbst in gebildeten Kreisen, die oftmals unbegründetsten Ansichten hören kann.

m. Wetzlar, 15. Juli. Für die Provinzialtierschau Leibesübungen wurden in allen Zeiten und bei allen in Düsseldorf sind für die Vogelsberger Tierzüchter Völkern betrieben. Auch unsere Vorfahren, die alten Deut­nicht weniger als ziemlich 3000 Mt. an Preisen ausgeschen, betrieben mit großer Leidenschaftlichkeit ihre Leibes­setzt. Auch der Prinz Friedrich von Solms- Braunfels übungen, bestehend in Laufen und Springen, Fechten und reie Höhe von 200 geftiftet. Ringen, Reiten und Schwimmen. Dieselben standen bis hl bei dem Volte aus dem Adel in alice dreißigjährige Krieg Bolt in