Ausgabe 
15.8.1902 Zweites Blatt
 
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Der Sheriff hat seine Einwilligung gegeben, aber man nimmt an, daß die staatliche Behörde einschreiten und die Frau verhindern wird, des Sheriffs Arbeit zu thun.

* Beim Stapellauf des für den Norddeutschen Lloyd gebauten Riesen- und Prachtdampfers, Kaiser Wilhelm II. dem auch der Kaiser in Stettin beiwohnte, wurde von der Tochter des Generaldirektors Wigand ein von Dr. Stetten­heim verfaßtes Taufgedicht gesprochen. Aus diesem geben wir nachstehende Strophen wieder:

sid

Heil dem Kaiser! Ueberkommenes Erbe Hütet er treulich. Bu hohen Zielen Führt er sein Volk Mit Kraft und Weisheit. Er lenkt den Blick Auf das weite Meer

Und schreitet voran, Das Meer zu erobern In friedlichem Kampf.

Nun eile hinein

In dein fünftiges Reich Und trage den Namen, Der dir beschieden, Mit Stolz und Ehren. Hoffnungsfroh folgen dir Unsere Bünsche,

Jubel umrauscht Deine ersten Schritte.

Und so taufe ich dich

Auf den Namen des Kaisers:

" Kaiser Wilhelm der Zweite" Seift du genannt!

Hierauf wurde die Taufe mit einer Flasche Kupfer­berg Gold", extra dry, vollzogen, und stolz glitt das mäch tige Schiff in die Flut. audi

* Der Prinz als Geiger. Mie dem Kl. Journ." aus München gemeldet wird, hat Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern, der nicht nur ein viel gesuchter Arzt, sondern auch Musiker und Kunstmäcen ist, als erster Violinist bei der Aufführung der Meister­finger" im Orchester des Prinzregenten- Theaters mit­gewirkt.

* Ein wanderndes Schloß. Ein in letzter Zeit u. A. aus Anlaß des Todes Rudolf v. Bennigsen's öfters geuanntes Schloß, dessen Vorgeschichte wenig bekannt ist, aber aufgefrischt zu werden verdient, ist das Schloß Monbrillant bei Osnabrück. Es wurde unter dem König Ernst August von Hannover erbaut, und zwar in Herrenhausen bei Hannover. Im Jahre 1857 wurde es, wie der Voss. Ztg." berichtet wird, an den Georgs- Marien- Bergwerks- und Hüttenverein verkauft, regelrecht abgebrochen und in seinen einzelnen Teilen buchstäblich auf Wagen eine Bahn von Osnabrück nach Hannover gab es damals noch nicht nach seinem jezigen Bestimmungsort, Georg- Marienhütte bet Osnabrück, transportirtein denkwürdiger Häuser­transport vor 45 Jahren! Der Wiederaufbau erfolgte merkwürdiger Weise so, daß die Front nach dem Parke zu zu stehen kam, die Rückseite ein wenig föniglicher Anblick nach der Straße zu!

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Port Arthur, 11. Aug. Seit dem 15. Jult bis 2. August find 246 Chinesen und 70 Europäer an der Cholera erkrankt. Davon starben 219 Chinesen und 27 Europäer, darunter 11 russische Soldaten. Viele tausend chinesische Arbeiter verließen aus Furcht vor der Cholera die Stadt und begaben sich nach Tschifu. Die Gesellschaft des russischen Roten Kreuzes versieht die Stadt mit gutem Trinkwasser.

* Der Thaler, das alte und im Verkehr vielbeliebte Münzstück, dürfte nun doch aus dem Handel scheiden, nach­dem auch der deutsche Handelstag sich eingehender mit dieser Frage beschäftigt hat und bei aller Wertschäßung des Thaler stückes ihm doch das Bedürfnis für seine Beibehaltung ab­gesprochen wird. Wohl erkennt man n, daß das Fünf­markstück in seiner heutigen Gestalt eine sehr unhandlich Münze ist, aber man hofft, um diese Unzuträglichkeit dadurch herumzukommen, daß das Fünfmarkstück durch Verwendung feineren Metalls fünftighin seine unhondlichen Formen der liere und nicht viel größer als der jeßige Thaler ausfalle. * Aus Kindermund. Am Familienisch hatten nur die vier großen Kinder Platz und der kleine Hans mußte zu

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Deutsch tugiesisch

Leipzig.

1 side in

Por­

seinem großen Leidwesen seine Mahlzeiten am Razentischchen einnehmen. Eines schönen Tages rief er mit einem tiefen Seufzer aus: Ach Gott, Mama, wenn doch nur endlich einmal eines von den Großen sterben würde, daß ich auch an den großen Tisch könnte!"

"

* Mühlhausen, 14. Aug. Heute früh kurz nach 4 Uhr brannte die große Möbelfabrik Hirler gänzlich nieder. Der Schaden ist ernorm. Der Besizer befindet sich gegenwärtig auf einer Geschäftsreise.

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Esisheim, 14. Aug. Gestern Abend wurde ein Zucht­haussträfling, der aus dem Gefängnis en' fliehen wollte, auf der Gefängnismauer von einem Wachtposten erschossen.

Zürich, 14. Aug. Die Gipfel der umliegenden Berge sind mit Schnee bedeckt und aus den meisten Ortschaften wird über heftiges Schneegestöber berichtet. Das Thermo­meter ist unter Null gesunken.

* Ein wertvolles Krönungsgeschenk für Eduard VII. König Eduard empfing im Buckingham- Palast den Lord mayor von London, der ihm das Krönungsgeschent Englands in der Form eines Checks über 115,000 Pfund Sterling ( 2,300,000 Mart) überreichte. Diese Summe war von allen Schichten der englischen Bevölkerung in großen und kleinen Beträgen zusammengebracht worden. Der König zeigte sich hocherfreut und überwies die Summe sofort dem King Edward Hospital Fund, einer Stiftung der Königin Viktoria, welche bezweckt, die Hospitäler Londons schuldenfrei zu machen. Der anwesende Prinz von Wales, welcher Präsident dieser Stiftung ist, nahm den Millionen- Check an sich.

* Ein ganzes Dorf an die Luft gesetzt. Man schreibt den Münch. N. N." aus Madrid: Der Hauseigen­tümer des fleinen Dorfes Campocerrado in der Provinz Salamanca, ein Herr Cobalega, hat sämtliche Ein­wohner, die seine Mieter sind, auf die Straße seßen lassen. Vom Standpunkt des geschriebenen Rechts ist eine Ruhestörung befürchtete, gewiß richtig handelte, nichts dagegen einzuwenden, sodaß die Regierung, welche als sie eine zahlreiche Gensdarmerie entsandte, um die Execution ordnungsmäßig vollziehen zu lassen. Es fragt sich aber, ob es im Interesse des Staates liegt, ein ganzes Dorf, und wenn es auch nur, wie Campo­lerrado, 161 Einwohner hat, auf den einfachen Antrag eines Hauseigentümers hin plötzlich zu ent­

* Deutsche Lehrer in Konstantinopel. Die Herren, die sich zu einer deutschen Lehrerfahrt nach dem Orient vereinigt haben, sind am 5. Aug. wohlbehalten in Konstantinopel ein­getroffen. Auf der Wanderung durch die Stadt wurde am Kaiserbrunnen, dem Geschenke Kaiser Wilhelms II an den Sultan, den beiden Herrschern eine Huldigung dargebracht. Lehrer Köhler aus Köln, der unter den Orientfahrern einen Sängerchor gebildet hat, hielt eine Ansprache, der ein musi­kalischer Vortag des Chors folgte. Die im Augenblicke zu Hunderten angewachsene Menge, die den Sinn des Vorgangs bei der Namensnennung des Sultans begriff, nahm die Huldigung begeistert auf. Die Gesellschaft schiffte sich dann nach Athen ein.

Hochschulnachrichten.

Heidelberg. Der Custos an der Universitäts­Bibliothek, Dr. N. Sillib, ist zum Bibliothekar er­nannt worden.- Marburg. Der Professor der Philosophie Fr. Schottky beabsichtigt, einen an ihn ergangenen Ruf an die Universität Berlin anzu­nehmen.

Bei der medizinischen Fakultät der Universität Berlin ist Dr. med. Gustav Brühl als Privatdozent für Ohrenheilkunde und Dr. med. et rer. nat. Franz Müller als Dozent für Arzneimittellehre zugelassen worden. In der philosophischen Fakultät der Uni­versität Berlin führte sich Dr. Josef Horovitz aus Frankfurt a. M. als Privatdozent ein. Seine Antritts­lehre handelte von der ältesten geschichtlichen Litteratur der Araber- Der Professor Dr. Eduard Jacobi in Freiburg i. B. ist zum etatsmäßigen außerordent­lichen Professor der Dermatologie ernannt worden. Die philosophische Fakultät der Universität Breslau hat den Provinzialschutrat Thalheim in Breslau zum Ehrendoktor ernannt. Dieselbe Auszeichnung ist dem Geh. Hofrat und ordentlichen Professor an der juristischen Fakultät Leipzig Ludwig Mitteis zu teil geworden. Die königlich sächsische Gesellschaft der Wissenschaften ernannte die außerordentlichen Pro­fessoren der Leipziger Universität Dr. phil. Karl

Die Berufswahl im Staatsdienst. Vorschriften über Annahme, Ausbildung, Prüfung, An­stellung und Beförderung in sämtlichen Zweigen des Reichs­u. Staats-, Militär- und Marinedienstes. Mit Angabe der erreichbaren Ziele und Einkommen. Nach amtlichen

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F

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[ Errichtet Mk. 5142 840

"

46600 000 Den am Gewinn der Gesellschaft beteiligten Versicherten wurden bisher 3866 000 Mk. Dividende überwiesen.

Correns( Botanik), den zweiten Prorektor am ana­tomischen Institut Dr. med. Hans Held und den ehe­maligen Assistenten am physiologischeu Institut Dr. phil. Mar Siegfried zu außerordentlichen Mitgliedern der mathematisch- physikalischen Klasse.

Als Nachfolger des verstorbenen Professors Ger­hardt für den klinischen Lehrstuhl an der Universität Berlin fommt auch Professor Dr. v. Noorden, der Direktor des städtischen Krankenhauses in Frank­furt a. M., in Betracht. Ferner werden Professor Müller in München, bis vor kurzem in Mar­burg, ein ehemaliger Assistent Gechardts, und Pro­feffor Krahl- Leipzig, dem die Nachfolgerschaft Müller's in Marburg zugedacht war, als Kandidaten genannt. Professor Dr. Alexander Cartellieri an der Universität Heidelberg hat einen Ruf als etatsmäßiger Extraordinarius für mittelalterliche Ge­schichte an der Universität Jena erhalten und wird demselben schon zum 1. Oktober d. J. Folge leisten. Professor Cartellieri ist zu gleicher Zeit mit der Ver­tretung von Professor Ottokar Lorenz beauftragt, der aus Gesundheitsrücksichten den Winter in Italien zuzu­bringen gedenkt. Würzburg. Prof. Dr. Theodor Boveri, Vorstand des zoologisch- zootomischen Instituts der hiesigen Universität, erhielt für sein 1900 erschienenes Werk Zellenstudien"," leber die Natur der Centro­somen" den Stiebel- Preis der Senckenbergi­schen Stiftung in Frankfurt a. M., der alle vier Jahre zur Verteilung gelangt. Der berühmte Augen­arzt Geh. Nat Professor Dr. Karl Schweigger in Berlin feiert heute sein goldenes Doktorjubiläum.

Am 23. feiert der Professor der Theologie an der Leipziger Universität, Direktor des neutestamentlich­exegetischen Seminars, Geh. Nat Dr. theol. et phil.&. A. Fricke seinen 80. Geburtstag.

Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Schweigger, der verdienstvolle Berliner Augenarzt, feiert heute, am 15. August, das goldene Doktor­jubiläum. Der Gelehrte promovierte vor 50 Jahren zu Halle, wo sein Vater Joh. Sal. Chr. Schweigger ( 1779-1857), der Erfinder des elektromagnetischen Multi­plicators, Professor der Physik war. Sein Sohn Karl promovierte, 22 Jahre alt, in Halle, wo er Assistent des Klinikers Peter Krutenberg war und als solcher einer der ersten, die Kurse in der Auskultation und Perkussion in Deutschland erteilten. Von 1857-1865 stand er als Assistent dem genialen Albrecht v. Gräfe in dessen Augenklinik zur Seite; auch nahm er in dieser litterarisch ertragreichen Zeit rühmlich an dem Ausbau des wissenschaftlichen Teiles der Augenheilkunde Anteil. 1860 wurde er Privatdozent an der Berliner Universität. 1868 wurde er ordentlicher Professor und Leiter der neubegründeten Augenklinik in Göttingen, und 1871 folgte er dem früh dahingeschiedenen Albrecht v. Gräfe in der Berliner Professur nach. Vor zwei Jahren zog er sich aus Gesundheitsrücksichten von seiner erfolg­reichen Wirksamkeit als Kliniker und Lehrer zurück.

Litterarisches.

Weltall und Menschheit. Hans Krämer, der Herausgeber des bekannten Werkes Das 19. Jahr­hundert in Wort und Bild", läßt jetzt im Verlage des deutschen Verlagshauses Bong u. Co. unter Mitwirk­ung hervorragender Fachmänner ein neues Werk unter dem Titel" Weltall und Menschheit" heraus. Wie der Untertitel sagt, soll dasselbe eine Gegenüber­stellung von Naturivunder und Menschenwerk, eine Ge­fchid.te der Erforschung der Natur und Verwertung der Naturkräfte geben. Nach den vorliegenden Lieferungen ( es werden deren im ganzen 100 zum Preise von je 60 Pfennige erscheinen) zu urteilen, giebt es ein monumen­tales Werk, das seinesgleichen sucht, und die Zierde einer jeden Bibliothek und die Freude eines jeden Buch­liebhabers bilden wird. liebhabers bilden wird. Die beigegebenen Abbildungen sind wahrhaft fünstlerisch ausgeführt, und geben ein lebenswahres Bild von Teilen der Erdoberfläche und deren Umbildungen durch vulkanische Eruptionen. Für letztere dürfte wohl hinsichtlich der Ereignisse der jüngsten Vergangenheit ein besonderes lebhaftes Interesse herrschen. Andere Abbildungen führer dem Leser die Auffassung früherer Zeiten über erwähnte Umbildungs­

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+ der Technik, edren

und gefällig

Nr. 188.

Oberbeflische

Freitag, den 15. August

1902.

Familienzeitung.