Ausgabe 
14.10.1902 Erstes Blatt
 
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mal sehen, ob ich dich treff", losdrückte, die Kugei ging dem Kind in den Hinterkopf und veranlaßte den sofortigen Tod. Der Thäter soll darüber tobsichtig geworden sein. ** Darmstadt, 11. Okt. Der im Jahre 1872 auf Forsthaus Winterstein bei Friedberg( Ober­heffen) Hessen) geborene Schreibgehilfe Gustav Schnauber hat sich wieder einmal eine Anzahl Unterschlagungen zu Schulden kommen lassen. Sch. war seiner Zeit sieben Jahre bis 1891 auf dem Kreisamt Friedberg beschäftigt, erfreute sich einer guten Führung, genoß das größte Vertrauen und wurde ihm damals die Stelle als Rechner des Landeskomitees zur Sammlung der Gelder für das Denkmal des verstorbenen Großherzogs Ludwig IV. übertragen. Er mißbrauchte aber diesen Posten und unterschlug circa 6000 Mt., weshalb er 1892 von der Straffammer Gießen zu zwei Jahren drei Mo­naten Gefängnis verurteilt wurde. Während seiner Strafverbüßung in Darmstadt zeigte er große Reue und führte sich sehr gut. Im Jahre 1895 murde er dann entlassen, aber mit Rücksicht auf sein gutes Ver halten bei der Anstalt als Schreibergehilfe weiter be­schäftigt. Er machte sich auch hier bald beliebt, verfiel aber in seinen alten Fehler, als er wieder Geld in die Finger befam. Er unterschlug Gelder, welche von ein­gelieferten Gefangenen mitgebracht worden und auf bewahrt werden sollte. Eine Kaution eines Lieferanten bon Mt. 130 eignete er sich ebenfalls an; als der Lieferant seine Kaution monierte, unterschlug Sch. die Beweise, verbrannte das Postquittungsbuch 2c.; die von einem hiesigen Kleiderlieferanten ausgestellte Rechnung quittierte er selbst mit dem Namen der Firma und be­hielt das Geld für sich. Am Frohnleichnamstag wurde er verhaftet, da man durch eine erneute Reklamation des Lieferanten hinter die Schliche desselben kam. Sch. ist seit Dezember v. J. mit der Tochter eines Land­wirtes in Alsfeld verheiratet. Er wird wegen Ur­fundenfälschung in zwei Fällen sowie wegen Unter­schlagung zu orei Jahren vier Monaten Zuchthaus, sowie fünfjährigem Ehrverlust verurteilt. Vier Monate Unter­juchungs haft werden ihm angerechnet.

** Ebsdorf, 13. Oft. Der Fußgersdarm Sinn von hier wird vom 1. November an nach Wetter versetzt.

** Mainz, 11. Oft. Der heute im großen Saale der Stadthalle stattgehabte siebente hessische Katho­litentag erfreute sich eines guten Besuchs aus allen Landesteile n. Ten Borsiz führte Reichs- und Landtags­abgeordnete Dr. Schmidt. Als erster Redner sprach Prof. May Bensheim über die kath. Studienvereine, deren Förderung im Interesse der kath. Glaubensgenossen sehr ec­wünscht si. Reichstags- Abg. Dr. Witte- Köln berichtet in längeren Ausführungen, während Reichs- und Landtags- Abg. Dr. Schmidt die Aufgaben und die Stellungnahme des Zentrums und der fath. Bevölkerung bei den bevorstehenden Landtagswahlen erörterte und zu eifriger Agitation auffordert. Interessant ist, daß der Redner zu heftigstem Rampfe gegen die Sozialdemokraten auffordert und bemerkt, daß das von der Regierung gegenüber dem Zentrum manch. mal zum Vorschein kommende Wohlwollen feineswegs von Herzen komme, sondern nur so lange arhalte, als es das Rentrum seine Stärke fürchte. Domkapitular Dr. Reich­Mainz verliest ein Antworttelegramm auf eine an den Papst gerichtete Begrüßungsdepesche. Der lezte Katholikentag vor 2 Jahren war mindestens um die Hälfte besser besucht. ** Wie wir aus der Mainzer Voltsztg." ersehen, wurde in Darmstadt am Mittwoch Abend statt. gefundenen sozialdemokratischen Versammlung der Beschluß gefaßt, von Aufstellung eigener Kandidaten zum Landtag abzusehen und die kandidaturen der freisinnigen Partei und der Bezirksvereine zu unterstüßen, und wurden als solche die Herren Buchhändler Saeng und Fabrikant Langenbach genanut. Dieselben sollen u. a. schrift­lich und auf Ehrenwort verpflichtet werden, im Falle ihrer Wahl im Landtag für ein fantelenfreies Wahlrecht ein­zutreten.

in einer

r Krofdorf. Auf eine 54 jährige segensreiche Thätigkeit im Dienste der Jugenderziehung blickte am 1. Oftober Herr Hauptlehrer Weil hierselbst zurück. Wer solch lange Zeit

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treu und gewissenhaft in einer Gemeinde gewirkt hat, der| besitzt Anspruch darauf, daß die Teilnahme seiner Mitbürger diesen Tag begleitet. Letztere hat sich bereits schon vor 4 Jahren bei dem 50 jährigen Amtsjubiläum des Herrn Weil überreichlich bewiesen. Aber aus Anlaß seiner nun­mehr erfolgten Amtsniederlegung waren am gestrigen Tage alle Lehrer und viele Geistliche des hiesigen Bezirks in Krof dorf verſammelt, um den Abschied des Herrn Weil zu feiern. Es würde zu weit führen, um hier hervorzuheben und an­zuerkennen, wie Herr Hauptlehrer Weil in dieser langen Zeit sein Amt verwaltet hat und wie er den Pflichten seines Be­rufes gerecht geworden ist. Dies alles wurde am gestrigen Tage bei Gelegenheit der zu Krofdorf abgehaltenen Lehrer­konferenz von berufener Seite hervorgehoben.

** Launsbach hatte am Sonntag fröhlichen Besuch. Die Weglarer Turner hatten sich früh morgens aus den Federn gemacht und waren per Bahn bis Kinzenbach gefahren und dann auf Schusters Rappen über Krofdorf, durch den Krof­dorfer Forst nach Salzböden, Odenhausen, Ruttershausen, Wismar nach hier, ihrem Endziel gekommen. Die Aufnahme durch die hiesigen Turner war eine sehr fröhliche, sodaß die Jünger Jahn's der Kreisstadt den besten Eindruck mit( nach Hausen ahmen.

Bach angeschwemmte Schlamm, der nebenbei be­merkt so manch sonderbaren und eflichen Inhalt mit in sich birgt ist fürzlich neu geräumt worden und der Schlamm nebenhin auf die Straße zum Trocknen ge­worfen. Und warum? die Gemeinde will denselben verkaufen.- Warum denn das; hats denn unsere Ge­meinde so sehr nötig, unbeachtet der Unannehmlichkeiten und Gefahren, welche den Anwohnern damit geboten werden? Es wird hiermit öffentlich an die Gemeinde­behörde appelliert, daß diese Schlammerde sofort nach dem Ausräumen nach einem geeigneten Platz befördert wird. Wenn Pläge und Wagen vorhanden wären, dann könnte dem Mißstand doch ausreichend abgeholfen werden und nicht Wochen lang, ja Monate lang der Schlamm an der Straße vor den Häusern seinen Ge­stank verbreiten.

Litterarisches.

Friedrich Spielhagen Romane- Neue Folge. Wohlfeile Lieferungsausgabe in 50 Lieferungen à 35 Pfg. Alle 14 Tage eine Lieferung( Verlag von s Aus dem Kreise Wehlar. Eine Neueinrichtung soll. Staackmann in Leipzig.) Spielhagen ist der Meister mit diesem Monat im hiesigen Streise eingeführt werden, des deutschen Romanes". Sein lebendig bewegter, fesselnder worauf wir alle Landwirte hinweisen möchten. Zur besseren Stil, die Kraft seiner anziehenden Schilderung, die Kühnheit Ausbildung in der Unterweisung der Wiesenpflege sollen seiner Erfindung, dabei die den meisten seiner Bücher zu unter Leitung des Kreisbaumeisters Kämpfer Lehrkurse Grunde liegende Verförperung der großen Ideen des letzten abgehalten werden. Vorläufig sind 3 Kurse zu Wezlar Jahrhunderts, all' die gerühmten Vorzüge des Meisters, ste Ahrd und Hochelheim von je 4 Tagen vorgesehen worden. finden sich auch in geschwächtem Maße in den Werken, welche Der Unterricht wird unentgeltlich erteilt und erhalten die in der vorliegenden Neuen( Schluß-) Folge" der Romane Teilnehmer sogar eine tägliche Entschädigung von 2 Mark enthalten sind. Die Lieferungsausgabe wird eröffnet mit dem stimmungsvollen Liebes- und Dichterroman" Sonntags­pro Tag. ** Wetzlar, 14. Oft. Donnerstag, den 6. November, find", der bereits in 8 großen Auflagen verbreitet worden ist. findet hier Stadtverordnetenwahl statt. Es scheiden nach dem Gesez aus die Herren Georg Buß, Ernst Leitz, Karl Flörsheim, Jakob Kraft, Georg Allmenröder und Michael Ritterle.

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-r. Marburg, 13. Okt. Bei der gestern hier ab­gehaltenen Delegierten- Versammlung des Hessischen Athleten- Verbandes war aus Gießen vertreten der Stemm- und Ringklub", ferner Vereine aus Kassel, Hersfeld und Marburg. Zum ersten Vorsitzenden wurde gewählt Hohenthal vom Klub Roland"-Kassel, zum ersten Stemmwart Köhler- Kaffel. Es wurde auch be­schlossen, den deutschen Ringkampf aufzugeben und dafür den griechisch- römischen einzuführen. Das Verbandsfest soll von jetzt an alljährlich abgehalten werden, wobei der festgebende Verein 25 Mf. 3rr Meisterschaftsprämie zu geben hat. Der nächste Delegiertentag wird am 14. April in Kaſſel ſtattfinden, das nächste Verbands­fest, das in größerem Maßstabe veranstaltet werden soll, Zur Schaffung nächsten Sommer hier in Marburg. dauernder befriedigender Theaterverhältnisse in unserer Stadt hat sich hier ein Theater- Verein gebildet, dem die hervorragendsten Personen unserer Stadt an­gehören.

** Marburg, 13. Oft. Die Einführung des neuen Rektors der Universität findet am nächsten Sonn­tag statt.

** Kirchhain, 12. Oft. Nach dem fürzlich erfolgten Tode des Geh. Sanitätsrats Dr. Klingelhöfer haben sich bereits 3 neue Aerzte hier nieder gelassen, sodaß jetzt für ärztliche Hilfe reichlich gesorgt ist.

** Kassel, 12. Oft. Der Hess. Post" wird Zur Fleischnot" geschrieben: Ein Landwirt im Kreise Homberg hat am 6. d. Mts. 10 fette Schweine nach Frankfurt a. M., die am 9. d. Mts. abgenommen werden sollten. Statt sie abzunehmen, schrieb der Händler, er fönne sie nicht abnehmen, denn Frankfurt wollte diese Woche nichts von Schweine haben.

Oeffentlicher Sprechsaal.

** Steinbach, 11. Oft.( Eingesandt.) Unser sehr ruhiges und aber auch in sanitärer Hinsicht sehr gut gestellter Ort hat jetzt einmal wieder seine Mauser­zeit. Der im ganzen Jahr von den Abhängen in den

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Das Köriger Schwarzbier ist seit dem 17. Jahr­hundert als ein vorzügliches Stärkungsmittel für Blut­arme und Geschwächte bekannt. Es wird gebraucht nach einer uralten englischen Portervorschrift. Es verdankt seine weite Verbreitung hauptsächlich seiner besonders zweckmäßigen Zusammensetzung- bei mäßigem Alkohol­gehalt enthält es sehr viel Malz- und sog. Extraft­stoffe, die den Stoffunsatz in hohem Grade fördern. In neuerer Zeit wird es auch vielfach in Lungen- Heil­anstalten angewandt, wo man die Schädlichkeit der früher beliebten Verabreichung großer Mengen von schweren Weinen und Spirituosen erkannt hat und das Schwarzbier als einen sehr zweckmäßigen Ersatz der= selben verwertet. Unter Verabreichung von Schwarzbier sind hohe Gewichtszunahmen bei Schwindsüchtigen, wie bei anderen schwächenden Krankheiten erzielt worden. Der Verwendung von Schwarzbier bei Kranken ist auch deshalb ein hoher Wert beizulegen, weil dasselbe wegen seines angenehmen Geschmacks selbst von empfindlichen Kranken gern genommen wird.

Marktbericht.

Gießen, 14. Oft. Auf dem heutigen Wochenmarkt lofteten Butter per Pfd. 90-1.00 Mt. Hühnereier 1 St. 7-8 Pfg., Enteneier St. -00 Pfg., Gänseeier 1 St. 0-0 Pfg., Käse per St. 5-9 Pfg. Erbien per Liter 19 Pfg., Linsen per Liter 32 Bfg., Tauben per Paar mr. 0.60-0.80, Hühner per Stüd Mt. 1.00-130, Hahnen, per Stüd Mr. 0,60-0.85, Enten per Stüd 2.00-2.30, Gänje p. Pfd. 50-65 Pfg, Ochsenfleisch per Pfd. 66-76 Bfg., Rindfleisch per Pfd. 60-64 Pfg. Schweineflei per Pfd. 70-80 Big. Schweine­fleisch gesalzen per Pfund 0.84 Big, Kalbfleisch per Pfd. 68-72 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 50-70 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 400-4.50 mt., Zwiebeln per 3t. Mt. 3.30-3.50, Milch per Liter 18 Pfg.

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