Ausgabe 
14.6.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 135.

Erstes Blatt.

Samstag, den 14. Juni 1902.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mt. 1.50.

Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhefüische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Gießener

11. Jahrgang.

Jusertionsvreis: Die einspaltige Petitieile für Gießen wie ganz Oberhessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg., sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei,( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

zwirnt) wurde auf Antrag Bachem der Zoll auf 20 resp. 40 Mt. herabgesetzt und bei Position 393( zweimal

Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten, außerdem gezwirnt) ebenfalls auf Antrag Bachem auf 60 Mr. liegt ihr bei

Die Positionen 394 bis 396( Rohseide ungekämmt, ge­die Seifenblase fämmt sowie Floretseidengespiunste) wurden wieder nach und die Oberbeffische Zeitschrift für Landwirt- der Regierungs- Vorlage angenommen. Nächste Sigung schaft, Obst- und Gartenbau.

Kleine politische Nachrichten.

Zum Befinden König Alberts. Der greise König hatte bis gestern Nachmittag den starken Asthmaanfall, an dem er seit der vorletzten Nacht leidet, noch nicht überwunden. Die Freitag Nachmittag aus Sibyllenort in Dresden eingetroffenen Nachrichten lassen das Schlimmste befürchten, Es sind beim Könige wieder Herzbeschwerden eingetreten. Der Beichtvater des Königs bleibt ununterbrochen in der Nähe des Kranken. Im Laufe des Nachmittags trafen die abgereisten Mitglieder der föniglichen Familie wieder in Sibyllenort ein. Das Aerzte- Kollegium ist seit heute früh in Permanenz getreten. Allenthalben herrscht tiefe Niedergeschlagenheit. Sibyllenort. Gegen Mittag ging es dem König Albert weniger gut als des Morgens. Er hatte wieder einen Anfall von Schlafsucht und es sah sehr schlimm aus. Nachmittags gegen 5 Uhr war der König jedoch wieder lebhafter. Die formelle Uebertragung eines Teiles der Regierungsgeschäfte an den Prinzen Georg ist nicht beabsichtigt. Zu dem Gerüchte haben die längeren Konferenzen, die gestern auf dem Schlosse stattfanden, Beranlassung gegeben.

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Dresden. Unter der Bevölkerung herrscht tiefgehende Trauerstimmung. Das Staatsministerium ist seit gestern Mittag zur Sigung versammelt.

* Dresden, 13. Juni. Wie aus Sibyllenort ge­meldet wird, lag König lag König Albert gestern Mittag ohne Bewußtsein. Das gesamte Personal, das den Dienst beim König versieht, war den ganzen gestrigen Tag über beschäftigt. Um 11 Uhr abends konnten sich diejenigen, welche nicht zur unmittelbaren Umgebung des Königs gehören, zur Ruhe begeben."

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* Berlin, 14. Juni. Der frühere Reichstags- und Landtags- Abgeordnetc, General- Direktor Friedrich Gold­schmidt von der Pazenhofer Brauerei ist gestern in Marien­bad am Herzschlag im Alter von 65 Jahren gestorben. Berlin, 13. Juni. Das Staatsministerium hielt heute Sigung ab. Der Staatsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz gegen die Verunstaltung landschaftlich hervorragender Gegenden.

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Berlin, 13. Junt. Der Abg. v. Salisch( fons.) brachte im Reichstage einen Gesezentwurf ein, bezweckend Ent­schädigung von Personen, die bei Rettungswerken berunglücken

Die Kommission des preußischen Herrenhauses für die Polen- Vorlage nahm den Entwurf unverändert an. Zum Nachfolger Thielens wird außer dem früheren Chef der Eisenbahn- Verwaltung des großen General­stabes und gegenwärtigen Direktor einer Privat- Waffen­fabrit, Generalmajor a. D. Budde auch der Direktor im Ministerium der öffentlichen Arbeiten Möllhausen

genannt.

Zolltariffommission.

Berlin, 13. Juni. In der gestrigen Nachmittags­fizung der Zolltarif- Kommission des Reichstages wurden die Positionen 371 bis 374( Rohleim, Leim aller Art, Blätter, Flittern, Kapseln, Oblaten 2c., Elastischer Leim) nach der Regierungsvorlage angenommen außer daß der Zoll für elastischen Leim von 20 auf 10 Mt. herab­gesetzt wurde. Position 375( Holztheer- und Torftheer­Creosot) bleibt wie bisher zollfrei. Position 376( ver­dichtete Gase) wird ausgesetzt. Bei den Positionen 377 und 378( Alkavlide 2c., Kollodium und Gelloidin) wird auf Vorschlag des Abg. Speck der Zoll auf 20 Mark herabgesetzt. Position 380( Bromoform und Jodoform) bleibt wie bisher zollfrei. Die Positionen 382 und 383 ( Künstliche Süßstoffe und Süßholzsaft) werden ausge­sezt und schließlich die Pofitionen 384 bis 388( Balsame, Arzneiwaren, Geheimmittel und chemische Erzeugnisse) nach der Regierungsvorlage angenommen. Die Weiter­beratung findet heute Morgen 9 Uhr statt. Die Zolltarif- Kommission erledigte am Freitag Nachmittag die Positionen 389 bis 391( Rohseide ge­färbt und ungefärbt) nach der Regierungsvorlage. Bei Position 392( Rohseide ungezwirnt oder einmal ge­

Mittwoch.

Berlin, 13. Juni. Der frühere japanische Premier­minister Graf Matsukata, der 14 Jahre lang die Re­formen der japanischen Finanzen leitete, stattete auf seiner Rundreise dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Freiherrn von Richthofen in Berlin einen Be­such ab. * Bonn a. Rh., 14. Juni. Zur Einleitung der Fest­lichkeiten des 50jährigen Garnison- Jubiläum des hiesigen Susa ren- Regiments Kaiser Wilhelm I. fand gestern im Offizier- Kasino der Gersdorff- Kaserne ein Festessen statt, an dem u. A. Prinz Adolf zu Schaumburg- Lippe, General­Oberst von Loe, sowie die städtischen Behörden teil nahmen.

München, 13. Juni. Wie verlautet, steht die Ver­lobung des Herzogs Siegfried in Bayern mit der österreich. Erzherzogin Maria Annunciata bevor.

Wien, 14. Juni. Der Abg. Wolff hat den Al­deutschen Berger wegen der vorgestrigen Beschimpfungen fordern lassen Berger lehnte die Annahme der Forderung ab, weil er Wolff für nicht satisfaktionsfähig hält.

* Der Dreibund erneuert. In der Freitags- Sizung des österreichischen Abgeordnetenhauses gab Minister­präsident von Szell die Erklärung ab, daß die Dreibund: mächte verpflichtende Erklärungen getauscht hätten und daß sie bereit und entschlossen seien, den Dreibund zu erneuern und die diesbezüglichen Dokumente rechtzeitig zu erneuern.

Ein Konflikt im nenen Ministerium soll bereits ausgebrochen sein. Der Minister Combes soll dem Justizminister Balle Vorwürfe gemacht haben wegen seines

Minister Valle.

Minister M. Bulot. verstimmte an zahlreichen Stellen, und viele Stimmen er­hoben sich gegen das etwas ungewöhnliche Verfahren des schüchtern. Ministers. Dadurch aber ließ sich Valle keineswegs ein­

* Aus Südafrika. Das englische Kriegsamt veröffent­licht eine neue Verlustliste, woraus hervorgeht, daß am 3. ds. M. im Westen der Kap- Kolonie ein Gefecht mit den Buren unter dem Kommandanten Marig stattgefunden hat, wobei auf Seiten der Engländer vier Mann getötet und zwei verwundet wurden, darunter ein Offizier.

Kaisermanöver und zweijährige Dienstzeit.

In militärischen Kreisen neigt man der Ansicht zu, daß die diesjährigen, bekanntlich in großartigem Maßstab ggeplanten Raisermanöver, welche ja nicht weit ab von Gießen stattfinden eine gewisse Bedeutung haben werden für die nicht mehr ferne erneute Er= höhung der Friedenspräsenzstärke des Heeres. Eine Nachforderung der von der Militärvorlage vom Jahre 1899 durch den Reid stag abgestrichenen 7000 Mann vor Ablauf des Quinquemats hält man militärischerseits für unwahrscheinlich. Trifft diese Auffassung zu, würde also die nächste Vermehrung des stehenden Heeres nicht vor dem 31. März 1904 erfolgen, dann läßt sich die Annahme kaum von der Hand weisen, daß einerseits eine erhebliche Mehr­forderung, andererseits die dauernde gefeßliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit in Frage kommt. Da im nächsten Jahre die Neuwahlen zum Reichstag stattfinden, würde die gegenwärtige Volfsvertretung hierüber allerdings nicht mehr zu befinden haben. Daß aus den Wahlen ein der zwei­jährigen Dienstzeit weniger geneigtes Parlament hervorgehen wird, ist wohl ausgeschlossen. Selbst in konservativen Kreisen hat man sich mit der zweijährigen Dienstzeit mehr und mehr befreundet, besonders im Hinblick auf den Leute. mangel, der durch die Rückkehr zur dreijährigen Dienstzeit eine Verschärfung erfahren würde Es ist also anzunehmen, daß die Festlegung der zweijährigen Dienstzeit bei Ablauf der Quinquemats erfolgt, und daß die diesjährigen Kaiser­manöver militärtechnisch einen gewissen Abschluß der noch schwebenden Beurteilung der Ergebnisse der verringerten Dienstzeit bedeuten oder bewirken sollen. Die endgiltige Festlegung der zweijährigen Dienstzeit würde den Reichstag den Neuforderungen für das Heer immerhin geneigter

Interviews über den General- Staatsanwalt Bulot. Ferner wird gemeldet: Die seit mehreren Tagen angekündigte Maß­regelung des General- Profurators Bulot ist bisher nicht erfolgt.

Zur Vorgeschichte des Konfliktes wird mitgeteilt: Dem neuen französischen Ministerium gehört in dem Justizminister Valle ein besonders heftiger Feind der Familie Humbert, die den Millionenschwindel verübte, an. Herr Valle war, bevor er das Portefeuille der Justiz übernahm, Valle war, bevor er das Portefeuille der Justiz übernahm, ein renommierter Advokat, und als solcher vertrat er einen Gläubiger der flüchtigen Betrügerkompagnie. Jezt hat er als Minister es sich zur Pflicht gemacht, nicht bloß die entflohene Gesellschaft Humbert- d'Aurignac auf das ener­gischste suchen zu lassen, sondern auch gegen diejenigen Personen ohne Ansehen der Stellung und Bartei vorzugehen, die mit den Humberts irgendwie Gemeinschaft hatten. Und bei diesem Bestreben ist Herr Valle auch gegen den Generalprofurator Bulot, einen guten Republikaner, aufgetreten. Herr Bullot erflärte, die Familie Humbert gar nicht gefannt zu haben, und gab nur zu, daß sein Bruder der Architekt der Madame Humbert gewesen sei. Herr Valle dagegen sagte vor wenigen Tagen zur Ver­wunderung selbst radikalster Kreise in Paris Bulot werde in fürzester Zeit demissionieren. Diese Art, die bevorstehende Maßregelung eines hochverdienten Beamten fundzugeben,

-

machen.

Preussischer Landtag.

Berlin, 13. Juni. Im Abgeordnetenhause stand heute der Geseßentwurf betr. Ausführung des Schlacht­vieh- und Fleischbeschaugesetzes zur zweiten Beratung. In Verbindung damit wurde der Antrag Arends- Labiau Zu den betr. Schlachtvieh- Versicherung debattirt. einzelnen Paragraphen lagen verschiedene Anträge und Amendements vor, welche eine längere Debatte veran­Die einzelnen Abschnitte wurden in der laßten. Kommissionsfassung mit kleinen Abänderungen ange­nommen. Auf der morgigen Tagesordnung steht die dritte Lesung des Gesezentwurfs betr. Unfall- Fürsorge für Gefangene.

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Hören; unser Geschmack ist durch Mr. Miles figlich geworden,

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Gute Mutter.

Kleines Feuilleton.

warum

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Warum

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ist sie es? Und Wouhere hält, mag Jugend in denn nicht alle Mütter schön?

Natur eine junge Mutter das Schönste sei. Irgendwer hat gesagt, daß in Gottes reicher dem glaube, daß Töchter und Söhne, es die junge? hübschen Wer sich nur an das Bilde

unwillkürlich

Eng.

Liebe und

Zärtlichkeit;

er

Hat

allem Anderen die Mufit der Sympathie.

Hand des Vaters

Fragen des Herzens allein Rat, Mitgefühl und uns im Wirbel der Welt

leiten, aber die Magit es, welche uns in den

Tröftung giebt.

Und wie wenig können wir ihr all ihre Liebe

Sorgfalt und

So lange und

wir noch

himmlische Geduld

hilflose Vögelchen im Neste