Ausgabe 
12.8.1902 Zweites Blatt
 
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Auguft und September berücksichtigt, so fällt abermals das Maximum auf den Juli.

Dasselbe Resultat ergiebt die Registrierung des mittleren monatlichen Sonnenscheins. Während von den hier in Be­tracht kommenden 5 Monaten Mai bis September der Mai in den Sonnenschein Verhältnissen nach jeder Richtung hin, eine ausgesprochen günstige Stellung einnimmt, charakterisiert sich der Juli wiederum als geringwertigster Monat, er be­fizt erwiesenermaßen den wenigsten Sonnenschein. Selbst die Gewitter erreichen im Juli ihre größte Frequenz, wie die Tabelle zeigt.

Nieder- Tempe Bewöl- Sonnen- Gewitter Schlag ratur fung schein %( Celsius)

%

Januar

6,4

0,7

7,5

10,80

% 1,2

Februar

6,5

0,6

7,3

22,16

1,0

März

7,5

2,8

6,8

23,03

3,3

April

5,5

7,4

6,4

32,15

5,1

Mai

7,2

11,7

5,9

38,74

14,01

Juni

10,3

15,6

5,9

33,58 16,6

Juli

12,6

16,8

6,8

26,67

27,9

August

10,4

16,4

6,4

35,99

19,8

September 8,7

13,5

6,1

35,78

Oftober

10,2

8,5

7,4

19,10

4,1 7,7 0,6 8,0

15,60 8,75

6,9 2,0 1,2 1,0

November 6,7 Dezember 8,0 Nach diesen auf der zuverlässigen Grundlage der Be­obachtungen der Deutschen Seewarte beruhende Tabellen ist unter allen Sommermonaten der Juli vom schlechtem Wetter in geradezu auffallendem Grade ausgezeichnet: er besitzt die größte Regenmenge, die stärkste Bewölkung, den geringsten Sonnenschein und die meisten Gewitter! Ünter diesen Ge­sichtspunkten wäre es dringend zu wünschen, den Juli als Erholungs- und Ferienmonat ein für alle Male fallen zu lassen und die Zeit der größten Sommerferien auf eine in meteorologischen Hinsicht von der Natur weniger stiefmütterlich behandelte Periode zu verlegen, also entweder auf Mai(?) und Juni oder auf August und September, eventuell Oktober. In Desterreich hat man diesen Umstand längst zu würdigen gewußt und giebt dort bis Mitte August Unterricht und von da ab bis Mitte Oktober große Ferien. Möge man auch in Deutschland, vor allem

in deſſen nördlicher Hälfte, bald zur Erkenntnis gelangen

der Dank der Millionen Schüler und nicht minder ihrer ebenso erholungsbedürftigen Lehrer wird sicher nicht aus­bleiben. In der Kräftigung der Jugend liegt die Stärke des Vaterlandes!

Bei( uns in Hessen sind die Ferien schon nach diefem bernünftigen Grundsatz gelegt. Wenn erst die 6 wöchentlichen Sommerferien eingeführt, werden unsere höhere Schulen einen weiteren Fortschritt vor den preußischen Schulen zu verzeichnen haben.

**

Aus Hessen und nachbargebieten. Friedberg, 8. Auguft. Der Altertumsverein, der beim Fauerbacher Thor einen alten römischen Brunnen ausgraben ließ, machte dabei einen inter­essanten Fund, indem ein römischer, dem Jupiter ge­widmeter Votivstein entdeckt wurde, der die gut er haltene Inschrift: ,, J. O. M."( Jovi Optimo Maximo) trägt. Der Fund wurde dem Altertums- Museum in Darmstadt überwiesen.

**

Homburg v. d. H., 11. Auguft. Gelegentlich der zweiten Saalburg- Fahrt der Vereinigung der Saal burg- Freunde wird am 18. August auf der Saalburg eine Ausstellung veranstaltet werden, welche die bis herige Thätigkeit und Bestrebungen der Vereinigung Der Kaiser wird eben zum Ausdruck bringen wird.

falls der Ausstellung einen Besuch abstatten.

o. Mainz, 11. Aug. Die israelitische Religionsge­meinde beabsichtigt ein neues israelitisches Hospital in der Gonsenheimer Hohl zu erbauen.

Jugendfest.

Das diesjährige Jugendfest, zu welchem 3215 Kinder angemeldet worden sind, soll Mittwoch den 13. August im Philosophenwald abgehalten werden.

Nachmittags 2 Uhr stellt sich der Festzug in der Ost- und Südanlage zum Abmarsche auf und nimmt seinen Weg durch die Grünbergerstraße nach dem Feſt­plaze Erwachsenen Personen ist das unbefugte hereindrängen in den Zug, sowie das Betreten der Spielplaße und das Eingreifen in die Spiele streng stens untersagt. An den Eingängen zum Festplat wird zur Bestreitung der Kosten von allen nicht zum Buge gehörenden Festteilnehmern ein Eintrittsgeld von 30 Pfg. erhoben. Auch können am Festtage gelegent­lich des Ganges zum Philosophenwalde Karten à 30 Pfg. in der Ostanlage am Justizgebäude und in der Grünbergerstraße am Anfange der Moltkestraße von mittags 12,30 Uhr bis nachmittags 4 Uhr gelöſt werden. Die vorhergelösten Karten sind an den Kassen­stellen im Walde vorzuzeigen.

Von nachmittags 2,30 Uhr an läßt die Omnibus­gesellschaft ihre Wagen vom Neuenwegerthor aus alle Viertelstunde nach und von dem Philosophenwalde verkehren, worauf aufmerksam zu machen wir nicht versäumen wollen. Hauſierern mit Luftballons, Pfauen federn und Lärminstrumenten ist der Zutritt zum Festplaße untersagt.

Gießen, den 9. August 1902.

Der Festausschuß.

Mecum, Bürgermeister.

Vermischtes.

* Die Handwerkervereine verschiedener Ortschaften der Kreise Osthavelland und Niederbarnim, u. a. in Velten, Eich städt, G.- Ziethen, Vehlefang, Heinersdorf, beabsichtigen, sich zu einem Bunde zu vereinigen, um ihre Ziele wirksamer durchführen zu können. Aus der Bundeskasse sollen die Kosten für geeignete Redner in den Vereinsversammlungen bestritten werden.

* Aus Eifersucht auf ihren Mann hat die 26 Jahre alte Frau des Möbelpoliers Paul Hartung in Berlin sich und ihr Kind durch Gift umgebracht. Die Frau hat dem Kinde Lysol zu trinken gegeben und dann selbst dieses Gift zu sich genommen. Wie versichert wird, war die Eifersucht der Frau völlig grundlos.

*

Hatte testamentarisch den Pfarrer seines Wohnortes als unwürdig von seinem Leichenbegängnis ausgeschlossen und mit seiner Beerdigung den Pfarrer von Lunka be­auftragt. Als dieser im Leichenhause erschien, wurde er, wie uns berichtet wird, von seinem Pojaner Amts­bruder mit den Worten:" Du Räuber, willst mich um meine 20 Kronen Stolgebühr bringen!" empfangen und mit einem Stocke niedergeschlagen. Darauf gab es eine allgemeine Prügelei; der Pojaner wurde aber mit seinem Anhang bezwungen, worauf der Lunkaner Pfarrer mit verbundenem Kopfe die Bestattung vornahm.

* Was man nicht töten soll. In Frankreich ent­halten die Schulbücher Belehrungen über die Nützlich­feit mancher Tiere, die vielfach getötet werden, die man aber nicht töten sollte. Es heißt darin:

Igel. Lebt meistens von Mäusen, kleinen Nage­tieren, Erd- und Wegschnecken und Engerlingen alio von Tieren, die dem Ackerbau schädlich sind. Tötet daher feinen Igel!

Kröte. Eine wahre Gehilfin des Landmannes. Jede vernichtet 20 bis 30 Insekten in der Stunde. Tötet die Kröte nicht!

Maulwurf. Er verzehrt un blässig Engerlinge, Larven, Raupen und andere den Ackerbau schädigende Insekten. Keine Spur von Pflanze wurde jemals in ſeinem Magen gefunden. Tötet den Maulwurf nicht!

Vögel. Jede Provinz hat alljährlich große Ver­luste durch die Insekten. Vögel sind die einzigen Feinde derselben, welche imstande sind, tüchtig aufzuräumen. Sie sind die großen Raupentöter und Gehilfen des Ackerbaues wie der Obstzucht. Nehmet keine Vogel­

nester aus!

Marienkäferchen. Diese sind die besten Freunde der Feidbauer und Gärtner, indem sie Blatt­läuse auf den Gewächsen in Menge verzehren. Tötet die Marienkäferchen nicht!

Hochschulnachrichten.

Gegenüber der Mitteilung einzelner Blätter, Professor Rudolf Birchow werde seine Lehrthätigkeit einſteuen, be­merkt die Bossische Zeitung, daß mit dem Rücktritt des Ge­lehrten von seinem Lehramt teine der zuständigen Stellen sich bisher zu beschäftigen gehabt habe.

Interessante Mitteilungen über die Landesheere europäischer Großmächte bingen die Löbellschen Jahres­berichte. Die Etatsstärke des deutschen Heeres beträgt 24,134 Offiziere, 80,642 Unteroffiziere 494,471 Gemeine, 104,485 Dienstpferde, 3066 bespannte Geschütze. Defter reich- Ungarn zählt im Frieden 18,677 Offiziere, 336,502 Unteroffiziere und Mannschaften, 1048 Geschütze; Italien 10,916 Offiziere, 234,481 Unteroffiziere und Mannschaften, 870 Geschütze; Frankreich 29,998 Offi­ziere, 543,538 Mann; Rußland 42,000 Offiziere, 1,074,000 Mann. Von besonderem Interesse erscheinen die Angaben über die Befreiungen vom Militärdienſt. Danach sind überhaupt vom Militärdienst befreit: In Desterreich- Ungarn 50 vom undert, Deutschland 37 vom Hundert, Italien 27 vom Hundert, Frankreich 21 vom Hundert und Rußland 17 vom Hundert. Wirklich eingestellt werden: In Frankreich 78, Deutschland 51, Desterreich 40, Italien 33 und in Rußland nur 29 vom Hundert. Wegen Untauglichkeit werden befreit: In Frankreich 21, Deutschland 37, Desterreich 50, Italien 27, Rußland 17 vom Hundert. Von 1000 Männern in dem erwerbsfähigen Alter von 21 bis 60 Jahren stehen im Dienst: In Frankreich 58,4, Deutschland 48, Rußland 43, Italien 30. Zur Kriegszeit steher von 1000 Mann desselben Alters im Dienst: in Deutsch­land 139, Desterreich 96, Frankreich 171, Italien 107, Rußland nur 81 Mann. Es ergibt sich aus dieser Zu­sammenstellung, daß die Wehrpflicht auf Frankreich am höchsten lastet, am geringsten auf Rußland. Deutschland steht ziemlich in der Mitte. Deutsch­land und Desterreich wird das Hauptgewicht bei der Man schreibt aus Heidelberg: Der a. o. Professor Einstellung auf förperliche Tüchtigkeit gelegt, während der Laryngologie Dr. Jurasz, und der a. o. Professor der in Italien und Rußland geringere Ansprüche gestellt romanischen Philologie Dr. Schneegans wurden zu etat­werden. Die geringsten Ansprüche daran machtmäßigen a. o. Professoren, Dr. Rissom zum etatmäßigen chemischen Laboratorium ernannt. Frankreich, wo jährlich 25,000 eingestellte Rekruten Assistenten am Tübingen: Professor Heinrich Maier in Zürich hat den wieder als unbrauchbar entlassen werden müssen. an ihn ergangenen Ruf als Nachfolger des verstorbenen Professors Dr. v. Bleiderer an der philosophischen Fakultät angenommen und wird mit Beginn des Wintersemesters sein Wie die Allgemeine Zeitung mit­hiesiges Amt antreten. theilt, wurde der Privatdozent für neuere Literaturgeschichte an der Münchener Technischen Hochschule Dr. E. Sulger­Gebing zum a. o. Professor für deutsche Sprache, sowie für allgemeine und deutsche Literaturgeschichte an der ge­Der Professor der klassischen nannten Hochschule ernannt. Philologie an der Universität Berlin Geheimrat Dr. Joh. Bahlen begeht am 11. Aug. das goldene Doktor- Jubiläum - Köln: Die hiesige Handels- Hochschule hat nun ihr drittes Semester geschlossen. Im Ganzen haben im Sommer- Semeſter 750 Besucher an den Vorlesungen und Uebungen teilgenommen. Davon waren 146 immatrifulirte Studirende( gegen 68 im ersten, 117 im zweiten Semester), 59 Hospitanten und Mitglieder des Handelslehrerseminars und 545 Hörer, die an den öffentlichen Vorlesungen, welche in 23 Abendstunden wöchentlich abgehalten wurden, teilnahmen. Von den Studirenden sind 134 Deutsche und 12 Ausländer.

* Genua, 10. Aug. Der vor einigen Tagen ausgebrochene Straßenfeger- Streit ruft große Kalamität hervor. Die 8u­stände in den Straßen sind geradezu gesundheitsgefährlich. Der Gemeinderat beschloß, falls teine Einigung erzielt wird, fremde Arbeiter heranzuziehen.

* Der erste Siebenmaster ist füngst in der Werft von East Weymouth( im amerikanischen Staat Massachutts) vom Stapel gegangen. Dieses ungeheuere Segelschiff ge­hört einer völlig neuen Bauart an, nag der jedoch, falls sie sich bewährt, noch mehrere Fahrzeuge erbaut werden sollen. Das neue Riesenschiff faßt 11,000 Tonnen, besigt beinahe 150 Meter Länge und wird bei voller Ladung einen Tief­gang von 262 Fuß haben. Die Masten sind nahezu 50 Meter hoch und aus Stahl mit Spitzen aus Fichtenholz her­gestellt. Das ganze Schiff kostet gerade eine Million Mark. Es soll zunächst Fahrten zwischen nord- und südamerikanischen Häfen ausführen. Da es zum Betriebe lediglich der Segel bedarf, so stellt sich die Fahrt bedeutend billiger, als die der Dampfer.

* Unlauterer Wettbewerb. Der Gutsbesitzer Lazarus Hyisztora von Pojan bei Temeswar( Ungern)

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Seite 4.

Nr. 185.

Dienstag, den 12. Auguft

1902.

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