Ausgabe 
11.7.1902 Zweites Blatt
 
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den im Jahre 1904 zu eröffnenden Stuttgarter Rats­teller. * Ganz plößlich erblindet ist in Elberfeld am Sonnabend Abend im Hotel Korbuch ein dort be­schäftigter Kellner, während er mehrere Gäste bediente. In der Augenklinik erhielt er den niederschmetternden Bescheid, daß sein Augenlicht unwiederbringlich ver­Ioren sei.

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* Gemütliche Konkurrenz. Einen in seiner Gigen tümlichkeit wohl einzig dastehenden Gastwirtschaftsbetrieb findet man in dem Dorfe Kunzendorf im Streise Sagan. Es giebt dort zwei Gasthäuser, aber nicht so biele Gäste, daß beide Wirte auch ein Geschäft machen fönnten. Die Gasthausbesitzer sind daher übereinge­tommen, daß abwechselnd jeder ein Jahr, von April zu April die Wirtschaft betreibt, während der andere so lange das Lokal schließt,

* Schreckliche Folgen der Hebammenpfuscherei wurden burg zu Tage gefördert, in welcher gegen die 66 Jahre am 6. Juli in der Sizung der Strafkammer in Inster. Altfizerfrau Anna Schliepat aus Berschkallen wegen Am 17. Februar wurde

* Der französische Schiffsleutnant Tabie, hat eine Vorrichtung für drahtlose Telegraphie erfunden, welche die Unterseeboote in den Stand seßt, in einer Tiefe von 15 Metern mit einer an Bord eines Schiffes oder an der Küste befindlichen Station für drahtlose Telegraphie zu forrespondieren.

den bei den hiesigen Gerichten zur Verhandlung| die Bibel eine Attrape war, die in amerikanisch- temperenz­fommenden Prozessen wegen Tierquälerei ist ein hoher lischer Art eine Schnapsflasche war, aus welcher Pastor und Prozentsaz auf die oft bestialische Mißhandlung von Küster einander zutranken. Taran hat nun ein anwesender war die Anflage. Die Angeklagten müssen ihren Scherz, Kazen zurückzuführen. Die Zahl der herrenlosen ver- Polizeibeamter Aergerniß genommen, und die weitere Folge wilderten Kazen in Berlin wird auf etwa 30000 ge= schätzt. Dem obengenannten Uebelstande entgegenzu- der Paftor" mit drei Wochen, der Küster" mit einer treten, um den Tieren einen größeren Schuh zu ge- Woche Gefängnis, büßen. währleisten und ihren Wert zu erhöhen, soll der Deutsche Tierschutz- Verein sich bemühen, bei dem Deutsche Tierschutz- Verein sich bemühen, bei dem Magistrat für die Einführung der Kazensteuer zu Magistrat für die Einführung der Kazensteuer zu wirken. Daß diese durchführbar ist und dem Stadt­säckel ein nicht unbedeutendes Sümmchen zuführen würde, zeigt die Einführung der Kazensteuer in der Stadt Augustusburg im Erzgebirge, wo eine solche Steuer mit progressiver Steigerung seit einigen Jahren mit bestem Erfolge erhoben wird. Dort beträgt die Steuer für eine Kaze eine Mart, während für eine zweite in demselben Hanshalt befindliche Kaze drei Mark gezahlt werden müſſen. Mit der Quittung der die das versteuerte Tier zu tragen hat. Wie bereits Steuer erhält der Besizer auch eine Marke eingehändigt, das Aussehen von Hunden verboten und strafbar ist, so müßte dieſes Reglement auch auf Kazen erweitert

fahrlässiger Tödtung und Uebertretung der Polizeiver­die Angeklagte, welche seit vielen Jahren die Hebammen­

pfuscherei gewerbsmäßig betreibt, von dem Losmann Urbigkeit zu dessen Frau abgeholt. Erst vier Tage Dabei traten später ist Lettere entbunden worden. sehr starke Blutungen ein, welche immer mehr und mehr zunahmen. Niemand kam auf den Gedanken, nach einem Arzt oder einer Hebamme zu schicken, dagegen wurde der Wöchnerin, auf Veranlassung der Schliepat Kartoffelmehl mit Milch, Kaffee und Siegellad eingegeben. Da die erwünschte Wend­ung zum Besseren nicht eintrat, wurde Nachts nach einer Hebamme geschickt, doch starb die Wöchnerin, be­bor die Frau eintraf. Nach dem Gutachten des Medi­zinalrats Dr. Liedtke ist der Tod der Frau Urbigkeit in Folge Verblutung eingetreten, welche auf ein Ver­schulden der Schliepat zurückzuführen ist. Das Urteil lautete, mit Rücksicht auf das hohe Alter der Schliepat und ihre Unbescholtenheit auf drei Monate Gefängnis.

werden.

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Im Alter von 105 Jahren gestorben ist das Fräulein de Lisle du Fief zu Paris. Die Matrone, welche im April 1798 geboren war, war ehedem Hof­dame der Herzogin von Berry. Die Verstorbene schrieb bis zur allerletzten Zeit ohne Augenglas. Sie hinterläßt Gedichte, welche sie als Hundertjährige ver­

* Die tieftrauernden Hinterbliebenen". In einem, nicht sehr weit von Kassel belegenen kleinen Ackerstädtchen sollte ein Fest gefeiert werden, auf welches Jung und Alt sich seit Wochen freute. Dies geschah auch in der Familie eines Ackerbürgers, welcher mehrere tanz­lustige Töchter, zugleich aber auch einen schwerfranken Groß­vater besaß, der am Vorabend des Festes starb. Was thun? Würde der Todesfall bekannt, so dürfte man doch unmöglich an dem Feste teilnehmen. Was würden die Leute dazu sagen? Man beratschlagte und fand endlich auch den helfen­den Ausweg. Das Ableben des Großvaters wurde ver­schwiegen und die Leiche desselben zur Nachtzeit in den Keller gebracht. In den nächsten Tagen aber genossen die Familienmitglieder die Festesfreude in vollen Zügen. Erst als am 4. oder 5. Tage das Fest sein Ende erreichte, brachte man die Leiche wieder aus dem Keller heraus und droben im Auszügerstübchen ins Bette, der Nachbarschaft mit Thränen in den Augen das eben erfolgte Ableben des Alten verkündend. Aber der die Todtenschau ausübende Arzt er fannte aus mehreren untrüglichen Merkmalen, daß der Tod schon vor mehreren Tagen eingetreten sein müsse. Er nahm die trauernden Hinterbliebenen" ins Verhör und erfuhr so endlich den Sachverhalt.

* Eine Steuer auf Kazen. Mit der Frage der Einführung einer Katzensteuer in Berlin wird sich in seiner nächsten Sigung der Vorstand des Deutschen Tierschuh- Vereins beschäftigen, nachdem die An­regung hierzu von einer Anzahl Mitgliedern des Vereins ausschließlich Kazenfreunden, gegeben worden ist. Die Kaße genießt im Gegensatz zum Hund zumeist eine redyt mangelhafte Pflege. Das intelligente, von Natur aus treue und zutrauliche Tier wird in den Haushalten wenig beachtet und bleibt oft bei den Umzügen des Besizers in der alten Wohnung zurück, um von dem neuen Mieter dann auf die Straße gejagt zu werden. Die herrenlos gewordene Kaze treibt sich auf den Höfen, den Dächern, in ten Gärten und Parkanlagen umher, fie verwildert, und unter der Einwirkung ihrer Raub­Die gelüfte wird sie zum Schrecken der Singvögel. Kazen verschaffen sich hierdurch immer neue Feinde, werden verfolgt, mißhandelt und arg gequält, und von

Sielbau Gießen.

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faßte.

Ein großes Erdbeben

hat in den letzten Lagen in und um Saloniki gewütet. reiſte, erzählt, der Mittelpunkt des Erdbebens set

Guvesuo gewesen, wo man dir ersten nicht beachteten Erdstöße am 22. Juni spürte, denen dann stärkere am 23. und 28. folgten. Seither ist dort der Boden nicht zur Ruhe gekommen. Weil die Bevölkerung aber durch das Vorhergegangene auf der Hut war, forderten die unerhört starten Stöße vom vorigen Sonnabend feine Opfer an Menschenleben. Risse von 25 Zentimeter Tiefe sind heute noch zu sehen. Die Bevölkerung kampiert weiter unter Zelten. Auch in Saloniki dauert die Bewegung fort.

* Pastor" und Küster" auf dem Masken Ball. Wegen Beschimpfung firchlicher Einrichtungen hatten sich die Arbeiter Schadewiß und Bläsing vor dem Landge­richt zu verantworten. Die beiden Angeklagten besuchten am 8. Februar einen Maskenball. Schadewiß ging als Pastor, im Talar und weiße Bäffchen, und trug ein Barett Bläsing dagegen martirte den Rüster", ging stets in den Fußtapfen des Pastors" und trug diesem eine Bibel nach. Ab und zu blieb der Pastor" stehen und neigte sich um zum Beten. Sofort reichte ihm der Küster die Bibel hin, der Pastor schlug sie auf, und da stellte sich heraus, daß

Erste Darmstädter

Saloniki, 10. Juli. Infolge erneuter heftiger Erdstöße herrschte hier große Aufregung. Alles fam piert im Freien.

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* Die Cholera- Epidemie auf den Philippinen ist im steten Wachsen begriffen. Nach einem vom 4. Juli aus Manila gekabelten Bericht waren bis dahin in den Provinzen schon 10332 Cholerafälle vor gekommen. Von diesen endeten 7713 mit dem Tode. Dazu kamen in der Stadt Manila 1530 Erkrankungen und 8949 Todesfälle. Die Zahl der Todesfälle in Manila selbst ist im Wachsen begriffen, erreicht aber erst die Ziffer von 15 bis 20 täglich, während bei der großen Cholera- Epidemie im Jahre 1882 die Zahl der Todesfälle bis auf 1000 täglich stieg. Die Bekämpfung der Epidemie wird erschwert durch den passiven Wider stand der Eigeborenen, die ihre Kranken entweder aus: setzen oder ertränken, und der Soldaten, die den An­ordnungen nicht immer Folge leisten.

Hochschulnachrichten.

Breslau, 10. Jult. Der Direktor der technischen Hoch schule zu Braunschweig, Professor Dr. Heinrich Beckurts, hat den an ihn ergangenen Ruf als Direktor des pharm ceutischen Instituts der Universität Breslau als Nachfolger des Geheimrats Poleck abgelehnt.

Bekanntmachung.

Zur diesjährigen Ausführung der Ebel- Stiftung wer bezogen werden:

Arbeiten und Lieferungen für das Hauptabflußfisl, den Haupt Schlossfreiheits- Lotterie den u. A. erforderlich und sollen auf dem Submissionswege

8um Sielbau der Provinzialhauptstadt Gießen sind

fammler A. und den Regensammler W. 2. losweise getrennt oder insgesamt zu vergeben.

Die Ausschreibung umfaßt: Los 1.

Die Arbeiten und Lieferung der nicht bauseitig beschafften Materialien für das Hauptabflußfiel, den Hauptsammler A. die Unterführung bet der Eisenbahnbrücke, den Düder unter der Wieseck, insgesamt etwa

1200 m Mauerfiel Profil 50/75 bis 156/195 824 m Thonrohrkanäle von 25-40 cm Durchmesser einschließlich aller besonderen Bauwerfe, Spül- und Einsteig­schächte.

208 2.

Schnelle Entscheidung in nur zwei Klassen. Alle Gewinne undä Prmien kommen abzugsfrei zur Auszahlung.

Ausschliesslich Geldgewinne!

Eine Viertel Million baar!

im günstigsten Falle.

I. Klasse.

II. Klasse.

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ca. 25 fertige Anzüge für Knaben( Joppe und Beinkleid ohne Weste),

ca. 50 Meter Stoff zu Winterkleidern für Mädchen, ca. 80 Meter Baumwollflanell bezw. Halbleinen zu Hemden Ferner soll die Anfertigung von ca. 20 Mädchenfleider und von ca. 45 Knaben- und Mädchen hemden vergebe werden.

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Angebote auf Lieferung der Anzüge und Stoff, for Anfertigung der Mädchenkleider und Hemden sind bis spätesten Montag, den 14. Juli 1902 bei dem Armenamte in zureichen.

Für die Knabenanzüge sind Muster in Loden und racher Tuch vorzulegen.

Die Arbeiten und Lieferung der nicht bauseitig be­schafften Materialien für den Regensammler W. 2 ins- Ziehung am 15. Juli 1902. Ziehung v. 18.- 22. Sept. 1902 Gießen, 3. Juli 1902. gesamt etwa

500 m Gementrohrkanäle von 20 bis 90 cm Durchmesser einschließlich der Spül- und Einsteigschächte.

Bedingungen und Angebotformulare ausschließlich der Beichnungen tönnen gegen porto- und bestellgeldfreie Ein­sendung von 1.50 Mt. für das Los durch das Sielbauamt Großh. Bürgermeisterei Gießen Zimmer Nr. 6 be zogen werden. Ebendaselbst liegen sowohl die Zeichnungen wie sonstige Verdingungsunterlagen während der Dienststunden zur Einsicht auf. Auskunft erteilt außerdem Herr Ober­banrat Schmid Darmstadt, Mühlstraße 60.

Die Angebote sind versiegelt und mit der Aufschrift: ,, Angebot auf Herstellung von Sielbauten" bis zum 24. Juli d. I. nachmittags 3 Uhr bei dem Siel banamt einzureichen, woselbst die Eröffnung der einge­laufenen Angebote im Beisein etwa erschienener Bewerber am genannten Termine erfolgt.

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Mögliche 100000 Mögliche 70000 gewinne.

Höchst­

gewinne.

1 Prämie

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Gießen, am 5. Juli 1902.

1370

Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum.

44100 Loose zur ersten Klasse das Zentel 3 Mk., Fünftel 6 Mk., Halbe 15 Mk., Ganze 30 Mk. zu haben bei allen Kollektören

20

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15000 20000 20000

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3200 Gew. u. 1 Prämie 651420

Die Angebote tönnen auf die einzelnen Lose sowie auf die Gesamtleistung erfolgen.

Zuschlagsfrist 4 Wochen.

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In dem früher Lindenstruth'schen Hause Tiefenweg 13, and Wiederverkaufsstellen.

find auf 1. August zu vermieten:

1. eine größere Wohnung von 3 Zimmern, Küche, Kammer, Speicher, Keller, Werkstätte und gedecktes Holzlager­plätzchen,

2. eine fleinere Wohnung von 2 Zimmern und Küche, 3. ein mehrstödiges Lagerhaus im hinteren Hof.

Gießen, 3. Juli 1902.

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Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum.

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25000 200 20000

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Darmstädter Schlossfreiheits- Loose

Kollektur der Hess. Landes- Lotterie, Gießen, Neuen Bäue 11.

Find zu haben bei

Richard Buchader,

Die Armen- Deputation. Mecum.

Ein Führer zum Wohlstand für Jedermann

Das Buch

ist

der praktischen Erwerbslehre.

Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner von

Reinhold Fröbel. 3. Auflage.

Preis geheftet 5 Mark, gebunden 6 Mark 50 Pfg.

Die Wiener ,, Presse" urteilte über das Werk: ,, Das Fröbel'sche Buch ist ein Volksbuch, ein praktischer Führer durch die Wirrsale des Erwerbslebens, ein Vade mecum für Jedermann. Es zeigt durch verständige An­weisung und praktisches Beispiel dem kleinen Mann wie dem grossen Capitalisten, dem Handwerker wie Beamten, dem Kaufmann wie Landwirt, kurz allen Ständen und Berufsarten die Mittel und Wege, wie der materielle Wohlstand zu begründen und zu erhalten, wie die ganze Erwerbsthätigkeit praktisch u. erfolgreich zu gestalten ist.

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Leipzig. Fröbel'sche Verlagshandlung bebürfniffen

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abzugeben.

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