Gemahlin des Prinzen Philipp von Sachsen- Koburg und Gotha, die Gräfin Lonyay( ehedem Wittwe des Kronprinzen Rudolf von Defterreich) und die noch unvermählte Prinzeß Klementine.
Die verwittwete Herzogin Friederike von Anhalt- Bernburg ist gestern Vormittag um 11 Uhr in Alexisbad bei Ballenstedt verschieden. Mit der Herzogin, welche am 9. Oktober vorigen Jahres in vollſter Frische des Geistes ihren 90. Geburtstag feiern konnte, ist die Seniorin nicht nur der deutschen, sondern auch aller europäischen regierenden Familien dahin gegangen. Die nunmehr Verstorbene war als Prinzessin von Schleswig- HolsteinSonderburg- Glücksburg am 9. Oktober 1811 zu Schloß Gottorp geboren. Von ihren zahlreichen Geschwistern find noch drei jüngere Brüder am Leben, deren ältester der durch das Londoner Protokoll zum Throne berufene, jezt 84jährige König Christian IX. von Dänemark iſt, während Prinz Julius im 78., Prinz Hans im 77. Lebensjahre steht. Prinzessin Friederike vermählte sich in prangender Jugendschönheit am 30. Oftober 1834 mit dem sechs Jahre älteren Herzog Alexander von AnhaltBernburg, bei dem sich sehr bald dauerndes Siechtum herausstellte. Schließlich ließ es sich nicht mehr umgehen, ihn offiziell für regierungsunfähig zu erklären und so wurde 1855 die Herzogin Regentin. Sie hat das Ländchen dann noch unter der Beratung des ihr stüßend zur Seite stehenden Ministers von Schätzell acht Jahre hindurch verwaltet. Am 19. August 1863 starb ihr kranker Gemahl und, da die Ehe kinderlos geblieben war, fiel, nach der askanischen Erbverbrüderung, Bernburg an die Dessauer Linie, die bereits 16 Jahre früher unter ähnlichen Verhältnissen auch in Köthen succediert hatte.
Herzogin Friederite von Anhalt,
Aus Hessen und Nachbargebieten.
fc. Butzbach, 10. Juli. Der Oberbessische Obstbauverein hält hier vom 19. bis einschl. 22. September im Saale des Hessischen Hofes cine Obstausstellung ab.
* Aus dem Rodgau. Bei allen Anwohnern der Rodgaubahn wird die nachstehende Mitteilung lebhafteste Freude hervorrufen, daß laut Entschießung der Bahnb hörde v m 1. Oftober d. J. ab ein Personenzug von Ober- Ro den 6.16 Uhr vormittags nach Dieburg neu eingelegt wird, der den Reisenden einen besseren Anschluß nach Darmadt und Aschaffenburg ermöglicht und namentlich auch den Schülern der Realschule zu Dieburg zu gute kommt.
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Wöllstein, 9. Juli. Gestern wurde hier die diamantene Hochzeit der Eheleute Johann Wolf und Katharine geb. Stellwagen gefeiert. V. Frankenberg, 10. Juli. Ein 21 jähriger junger Mann J. war beim Baden ganz erhitzt ins Wasser ge= sprungen. Ein plötzlicher Herzschlag war die Folge. Eine Näherin im nahen W. hate die üble Gewohnheit, Nähnadeln zwischen den Zähnen zu halten. Plötzlich verschluckte sie cine, dicse mußte durch einen sehr gefahrbollen operativen Eingriff wieder entfernt werden.
Ems, 8. Juli. Der Heimgang des Königs Alte t von Sachsen ruft eine Emser Erinnerung wieder wach. Als Kön g'n Cirola ihren Gemahl im Jahre 1831( ein zweiter Besuch folgte 1887) nach Ems zur Kar begleitet, zeigte sie ihm im Kurhause die Räume, die sie einst als jugendliche Brinzessin Wasa mit ihren Eltern bewohnt hatte und in denen sie einmal in große Lebensgefahr geraten war. Durch unvorsichtige Handhabung einer Spirituslampe war ein Bimmerbrand entstanden und schon hatten die Kleider der fleinen Prinzessin Feuer gefangen, als ein im Kurhaus angestellter Rüfer herbeistürzte und das Kind aus den Flammen davontrug. Auch nach ihrer Thronbesteigung hat die Lohe Frau ihres Lebensretters nicht vergessen. Als sie später das erstemal mit ihrem Gemahl in Ems weilte, ließ sie den Rüfer tommen, der dem König den ganzen Vorgang ausführlich erzählen mußte. Ein Bild der Königin und ein reiches Geldgeschenk war sein Lohn. Als der Mann alt und erwerbsunfähig wurde, ließ ihm König Albert eine monatliche, mehr als den Lebensunterhalt deckende, Rente auszahlen. Der Küfer ist hoch betagt vor einigen Jahren gestorben.
c. Worms, 10. Juli. In der Lederfabrik zu MariaMünster geriet ein 17jähriger Arbeiter aus Kleinniedesheim mit dem Kopf zwischen einen sog. Ausrecketisch und zwei rotierende eiserne Walzen. Der Schädelknochen wurde zertrümmert. Nach einigen Minuten trat der Tod des jungen Menschen ein.
Bur Eisenbahnfrage für den höheren Vogelsberg( Ein gesandt.) Ueber den Bahnbau in dem höheren Vogelsberg gehen bis jetzt noch die Ansichten auseinander. Während
ein Teil für die kürzere Strecke von Grebenhain über Hartmannshain nach Gedern ist, erheben sich viele Stimmen für die von Grebenhain, Bermuthshain, Voltartshain, Gedern, zumal auf lepterer weniger Steigung zu überwinden ist, dagegen über Hartmannshain 40 Broz. Auf beiden Strecken ist doch wohl der Umstand Bedenken einflößend, daß in manchen, sogar den meisten Wintern der Schnee auf längere Entfernungen mehrere Meter hoch liegt, und das öftere Aufgraben große Kosten verursacht. Ueberdies fragt sich gar mancher: Wie ist bei dem geringen Verkehr, sowie den geringen Frachten nur an eine einigermaßen Rentabilität über solche Bahn zu denken? Die Ausfuhr von Holz würde etwa unsern schönen Oberwald mit seinen meistenteils Buchenbeständen zu sehr decimieren. Es tönn ten nur als Frachtgut von unserem Basaltgebirge, welches nebenbei bemerkt, der größte Basaltstock der Erde ist, Bau- und Pflastersteine ausgeführt werden.
Der Schluß des 31. hessischen Landtages, welcher heute Freitag, 11. Juli, nachmittags 41½ Uhr stattfindet, erfolgt unter folgendem Programm:
Um 4 Uhr versammeln sich im Schloß
die dienstthuenden Kammerherrn und Kammerjunker: in dem Fahnensaal;
um 414 Uhr:
die Mitglieder der Ersten Kammer: in den Assembléezimmern;
die Mitglieder der Zweiten Kammer: in den Russischen Zimmern;
die Mitglieder des Staatsministeriums: in dem Fahnenfaal:
die Hofstaaten und Adjutanten: in dem Rampensaal. Die Zweite Kammer wird durch den als Ceremonienmeister dienstthuenden Kammerherrn Freiherrn v. Bellersheim in den Thronsaal eingeführt.
Nachdem dieselbe ihre Pläße eingenommen hat, erfolgt die Einführung der Ersten Kammer durch den Ober- Ceremonienmeister und hierauf diejenige der Räte der Ministerien durch den als Ceremonienmeister dienstthuenden Kammerherrn Freiheren A. v. Rotsmann.
Die Erste Kammer erhält ihre Bläge zur rechten, die Zweite Kammer zur linken Seite des Thrones, demselben gegenüber, die Räte der Ministerien nehmen die Päße zur linten Seite des Thrones ein, in tem Raume zwischen dem= selben und den Sißen der Abgeordn ten zur Zweiten
Stammer.
Der Großherzog tegi bt sich auf die Meldung des Ober Ceremon e miners, daß die Enfuh ung der Ve samlung stattgefunden habe, in den Throns a'.
Der Zuz gelt in folgender Ordnung:
zne: F. ur ere,
die diens thunden Kammerjurker,
die dienst huenden Komm rhein,
die Cremonienmeister,
der Duceremonienmeister,
Seine Kön glide Hoheit der Großherzog, der Staa emin ster und die Minister der Justiz und der Finanzen,
tie General- und Flügeladjutanten, tie nicht funft onierenden Hofchargen. Bin ritt des Zuges in den Saal erhebt sich die Bersammlung von ihren sißen.
Ter v rantretende Dienst begiebt sich auf die linke Seite des Thrones.
Die Fouriere nehmen zu beiden Seiten am Thronhimmel Stellung.
Der Staatsminister, die Minister der Justiz und der Finanzen stellen sich zur Rechten des Thrones.
Der Großherzog hält von dem Throne eine Anrede an die Stände und verläßt hiernach in Begleitung in der nämlichen Ordnung wie beim Eintreten den Thronsaal.
Der Staatsminister giebt sodann den Landtags- Abschied bekannt und erklärt hiernach auf Befehl des Großherzogs den Landtag für geschlossen.
Alle Anwesenden, welche zum Tragen von Uniform berechtigt sind, mit Ausnahme der Witglieder der 3 veiten Rammer, crshemen in Gala, die O fiz ere mit Dienstzeichen. Aus dem Gerichtssaal.
Schöffengericht.
Gießen, 11. Juli. Versiß. Dr. Gebhardt, Schöffen: Ludwig Schneider von Steinbat, Korrad Schneidmüller aus Leihgestern.
Der Fabrifarbeiter Friß Herber aus GroßenBused at ein Kind über ahn, wobei dieses ein Bein brach. Die Verhandlung wird b hufs weiterer Beweis auf name bis 1. August de. It. ausgesetzt. Der Buchdrucker Heinrich Leier in Magdeburg erhält wegen Bechprellerei 20 Mt. Geldstrafe. Der Maurer Karl Junker von Steinberg erhält wegen Beleidigung und Bedrohung des Der Joh. dortigen Feldschüßen 25 Mark Strafe. Wallon von Allendorf a. Lda. hatte wegen Ruhestörung und groben Unfuges ein Strafbefehl über 7 Tage erhalten. Der Einspruch hatte insofern Erfolg, als er diesmal mit 10 Mark Geldstrafe davonkommt.
Straffammerfihung.
** Gießen, 11. Juli.
Fr. Hoffmann aus Vilbel hat gegen das
Urteil des Vilbeler Schöffengerichts Berufung eingelegt, das gegen ihn wegen unberechtigter Verbreitung sozial demokratischer Schriften auf 6 Mt. Geldstrafe erkannt hatte. Er wird freigesprochen, da sämtliche Paragraphen des Preßgesetzes und des Polizeigesetzes, die das Schöffengericht für verletzt hielt, für nicht verletzt gehalten werden. Der Joh. G. K. Roth aus Nieder- Florstadt war vom Schöffengericht Friedberg wegen Diebstahls zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden. Er legte gegen dieses Urteil Berufung ein, der stattgegeben wird. Der Ziegler Eyring aus Ober- Mockstadt war vom Schöffengericht Nidda wegen Betrugs zu 15 Mt. Geldstrafe verurteilt worden. Er soll die Wittwe Ringshausen um 13 Mt.
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beschwindelt haben. Der Staatsanwalt hat ebenfalls Berufung eingelegt und beantragt 1 Woche Gefängnis. Das Urteil lautet dem Antrag des Staatsanwalts - Der Dienstknecht Georg Köhler aus gemäß. Bernburg ist mehrerer in Alsfeld begangener Diebstähle angeflagt. Er ist nur in einzelnen Fällen geständig. Der Staatsanwalt beantragt im Ganzen 4 Monate und 2 Wochen Gefängnis. Das Urteil lautet diesem Antrage gemäß. Die Kosten des Verfahrens hat der Angeklagte zu tragen.- Hermann Bartel, früher Buffetier in hiesiger Bahnhofsreitauration, ist der wiedernatürlichen Unzucht angeklagt, im Sinne des§ 175. Die Oeffentlichkeit wird ausgeschlossen. Das Urteil lautet in einem Fall auf Freisprechung. wegen des andern bleibt die Untersuchungshaft weiterbestehen.- Es erscheint alsdann die Prostituierte Mader aus Burghausen. Sie bestraft. Sie ist auch diesmal des Diebstahls im ist mehrfach wegen Diebstahls mit Zuchthaus vorRückfall angeklagt. Auch hier wird die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Urteil: 3 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrver lust.- Der Joseph Hermann aus Mährisch- Tribau ist gleichfalls schon vorbestraft. Heute lautet die Anflage auf Verbrechen im Sinne des§ 175. Urteil: 4 Monate Gefängsnis nach dem Antrag des Staatsanwalts und die Kosten.
Not der Landwirtschaft.
Ein Landwirt aus einer benachbarten Provinz schreibt Folgendes:
In letzter Zeit lesen wir täglich von der Not der Landwirtschaft und von der vernichtenden Konkurrenz des fremden Getreides für unsere einheimische Ware. Man glaubt in hohen Eingangszöllen das Universalmittel gefunden zu haben, um der Landwirtschaft aufzuhelfen, und berücksichtigt nicht, daß diese hohen Zölle nur für kurze Zeit der Landwirtschaft scheinbaren Nutzen bringen, während solche die Gewerbetreibenden und Arbeiter ungerechtfertigter Weise belasten würden. Daß der Nutzen der Zölle nur ein scheinbarer sein dürfte, würde sich nach Inkraftreten hoher Zölle sofort zeigen, denn der heute schon zu hohe Grundwert würde sofort im Verhältnis zur Ren'e in ungesunder Weise steigen und dann wäre der Landwirtschaft nicht geholfen, da bei gesteigerten Grundpreisen die Rente davon wieder cine ungenügende sein würde. Warum sucht man seitens der landwirtschaftlichen Vereine und Verbände nicht nach der Ursache, warum unser einheimisches Getreide gegenüber fremden Provenienzen zurücksteht und weniger bewertet wird; es ist doch seitens der Konsumenten fein Luxus, mehr Geld für fremde Ware zu bezahlen und diese weither heranzuziehen, wenn er die gleichen Eigenschaften bei der heimischen Ware finden kann! Hierin liegt die Ursache und dagegen verschließt man seitens unser Landwirte größtenteils die Augen; unsere einheimische Frucht hat die guten Eigenschaften der fremden Provenienzen nicht mehr und kann deswegen nicht mehr am Weltmarkt mit in Konkurrenz treten. Nicht allein, das man in der Aussaat vielfach fündi jt und billige, minderwertige, schlecht gereinigte Sautfrucht verwendet, daß man zu wenig mit der Saatfrucht wechselt und wenn man wechselt, nicht die richtige Auswahl trifft. Schon bei der Düngung werden Fehler gemacht, es wird vielfach zu viel künstlicher Dung und zu wenig natürlicher Dung verwendet. Dann schließ= lich werden noch Hauptfehler bei der Ernte, bei dem Einheimsen und Drusch gemacht! Die Ernte steht be= vor und diese Ausführungen bezwecken, unsere Landwirte auf große Mißstände bei der Ernte aufmerksam zu machen, damit solche vermieden werden!
Der erste Mißstand ist nach dem Schnitt das Lagern auf Haufen, anstatt daß man die Barben stellt, wie es noch in der Wetterau zum Teil üblich ist; wenn schlechtes Wetter während oder nach dem Schnitt eintritt, leidet das Getreide, das in Haufen am Boden lagert, ungemein und fann leicht ganz verderben, während auf Haufen stehende Garben du ch Stroh gestützt werden können und lange Zeit ungünstige Wut rung, ohne Schaden zu leiden, ertragen fönnen; dann lagert man oft aus Playmangel in großen Haufen im Felde und größtenteils immer Gerste, welche gerade in der Qualität am empfindlichsten ist. Rogger, Weizen und Hafer ist herin weniger empfindlich. Es ist also das Hauptgewicht nach dem Schnitt darauf zu legen, in erster Linie die Gerste trecken unter Dach zu schaffen: ein Regen nach dem Schnitt beeinträchtigt beträchtlich! Dann werden beim Drusch durch die Maschinen unverzeihliche Fehler gemacht; es fommt Ware zum Angebot, die fast zwei Drittel durch die Dreschmaschine zerschlagene und beschädigte Körner aufweist! Wenn dies aber bei Roggen und Weizen weniger ins Gewicht fällt, so ist eine derartig beschädigte Gerste für den Brauer und Mälzer ganz unverwendbar. Warum unsere Mälzer und Brauer in lezter Zeit die einheimische Gerste vernachlässigen und lieber fremde Provenienzen zu teuren Preisen kaufen, ist daraus ersichtlich. Also Landwirte, habt Acht beim Schnitt, habt besonders Acht beim Drusch, ehe Ihr Gerste drescht, beseyet zuerst die Maschine, daß dieselbe von anderem Getreide rein ist, sorget, daß durch die Dreschmaschine Eure Gerste nicht zerschlagen und beschädigt wird. Es ist dies nur euer Interesse, Guer Geldbeutel leidet dadurch Not und diese Not habt ihr
dann selbst verschuldet!
Wann finden die nächsten Reichstags= wahlen statt.
Durch einen großen Teil der Presse ist eine Mitteilung gegangen, wonach die Legislaturperiode dieses Reichstages nicht fünf Jahre nach seiner Wahl am 14. Juni 1898, sondern erst fünf Jahre nach seinem Zusammentritt am 5. Dezember 1898 zu Ende geht. Das ist falsch. Die diesmalige zehnte Legislaturperiode des Reichstags läuft am 16. Juni 1903 ab.
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