Ausgabe 
9.8.1902 Erstes Blatt
 
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des Mißlingens die einzelnen Aktionäre mit ihren Vermögen herangezogen werden dürften. Eine War nung ist also sehr von nöten.

Altona, 8. Aug. Die Lage beim Streit der Arbeiter der Stahlwerke wird immer gespannter. Der Streik erhält einen sozialistischen Anstrich. Der Bürgermeister empfing eine Deputation der Streikenden und versprach bei der Ge­sellschaft zu intervenieren.

Frankfurt a. M., 9. August. Der frühere Buren­fämpfer Oberst Schiel ist gestern Abend hier einge­troffen und hat im Frankfuter Hof" Wohnung ge­

nommen.

Mainz, 8. Aug. Die Ankunft des Kaisers in Mainz wird am 15. August Abends erfolgen. Am 16. findet eine Truppenschau auf dem großen Sande statt.

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8ur Kongregationsbewegung in Frankreich. In Paris haben die Sozialisten für morgen Sonntag eine große antiflerikale Versammlung nach dem Konkordienplag einberufen.

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| rascher zur Ausführung gelangen, als gegenwärtig nur zuverläßige Arbeitskräfte, Deutsche und Italiener dabei beschäftigt werden. Die in einem hiesigen Blatte vorgestern gebrachte Nachricht, es sei auf Herrn Rosen­thal von einem Italiener ein Schuß abgefeuert worden, entbehrt jeder Begründung.

- Die Bekämpfung der Schwindsucht er= probt der franz. Arzt Dr. Gernault 3. 3t. an seinem eigenen Körper. Zum zweiten Male hat er sich mit Tuberkel- Bazillen infiziert. Dr. Gernault hat jetzt einem Mitarbeiter des Figaro" gegenüber geäußert, Angesichts seiner fräftigen Konstitution werde er einer Erkrankung lange Widerstand leisten können. Das Zerstörungswerk habe übrigeus schon bei ihm begonnen und Professor Koch werde bald sehen, ob er es mit einem Charlatan zu thun habe.

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Präsident Loubet wurde am Donnerstag in Rambouillet von Combes über die zunächst notwendig er­scheinenden Maßnahmen unterrichtet. In cinzelnen Dörfern des Departements Finistere wurden vor den Klosterthüren Barrikaden errichtet. Die Gendarmerie wird im Bedarfsfalle von aus Brest abkommandirten Abteilungen des 2. Inf. Regiments unterstützt werden. Libre Parole erwartet blutige Straßenszenen. Für morgen, als dem Jahrestage der Ver­haftung Deroulede's, planen die Nationalisten ein Riesenfest.

Die Zerwürfnisse Frankreichs mit Siam nehmen crnftere Formen an. Zwar wird die Meldung dementiert, daß der französische Geschäftsträger um seine Ab­berufung nachgesucht habe, man scheint aber in leitenden Kreisen mit einer militärischen Intervention zum Herbst zu

rechnen.

i. Die beiden Italiener, die den Gastwirt Friedrich Speyer in Klein- Linden, wie sie selbst aussagen, um seinen Kasseninhalt erleichtert haben, sind heute morgen durch einen hiesigen Gendarmen in einem den Herren Birkenstock und Schneider gehörigen Neu­bau verhaftet. Sie leugnen die That an sich nicht, be­streiten jedoch, mehr als 5,20 Mt. entwendet zu haben. Ste machten zuerst mit diesem Kapital eine Tour in die Nähe Frankfurts, um dort Beschäftigung zu suchen. Das gelang ihnen aber nicht und so famen sie zurück. Der Gendarm erkannte sie im Vorbeigehn sofort und nahm sie mit auf die Wache.

Petersburg, 8. August. Der nach Twer verbannte Bischof von Wilna, Zwierowiercz wurde begnadigt und zum Bischof von Sandomir ernannt.

Giessener Cagesneuigkeiten.

** Ordensverleihung. Der Kaiser hat dem Zahlmeister a. D. Wrede zu Gießen, bisher beim Thüringischen Ulanen- Regiment Nr. 6, den Königlichen Kronen- Orden 4. Klasse verliehen.

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Zu dem heute abend in Steins Garten zum Besten der bei der Primuskatastrophe geretteten Waisen und Witwen veranstalteten Wohlthätigkeitskonzert unserer e sangvereine sendet uns ein Leser folgendes Gedicht mit der Bitte um Aufnahme:

Ruhe, traute Sangesbrüder Ward Euch in den fühlen Wellen. Allzufrüh seid Ihr dahingeschieden. Eure Schreckensrufe gellen

Weit vom Meer ins Land hernieder.

Hier rust mit dem Tode ringend

Einer der Geliebten Namen.

Hönisch lacht die Welle: Sie hat Frieden.

Gurgelnd hört man dort ein Amen:

Ach! der Tod ist allbezwingend.

Frauen jammern um den Gatten

Und das Kind ward schnell zur Waise.

Wer wird Brod und Obdach ihnen geben, Das der Vater gern im Schweiße Sonst verdient hat ohn' Ermatten?

Darum öffnet Ihr die Hände,

Die Ihr noch im Glücke lebet! Achtet unsre Sänger hohes Streben,

Gebet gerne, wenn Ihr gebet. Denn wie nah ist Euch das Ende?

g.

Aus Hessen und Nachbargebieten.

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z. Krofdorf, 9. August. Nur noch wenige Tage liegt die Wählerliste für die auf Donnerstag den 21. August angesezte Ergänzungswahl zum Gewerbe­gericht offen. Der Anmeldung, die mündlich oder schriftlich auf dem hiesigen Bürgermeisteramt zu erfolgen hat, ist eine Bescheinigung über Stimmberechtigung bei zufügen. Es scheiden mit diesem Jahre aus dem Kreise der Arbeitgeber Herr Maurermeister Drescher von Krofdorf und aus dem Kreise der Arbeitnehmer Herr Karl Leib II. zu Gleiberg aus. An deren Stelle sind zwei andere Beisiger zu wählen.

b. Dutenhofen( Kr. Wetzlar), 9. August. Der Kriegerverein feiert am 24. und 25. August sein 25jähriges Jubiläum berbunden mit der Weihe der vom Kaiser Wilhelm verliehenen Fahnenschleife. Lettere wurde dem Verein bei Gelegenheit des Kreis­Kriegerappells am 6. Juli zu Aßlar durch Herrn Land­cat Dr. Satorius überreicht zu dieser bevorstehenden Festlichkeit, mit welcher die diesjährige Kirmeß ver­bunden werden soll, sind Einladungen an die benach­barten Kriegervereine ergangen.

schmalem Gesicht bezeichnet und ist entkommen. Es wird um Beobachtung und event. Festnahme ersucht. Darmstadt. Der Bostrat Kroll wurde zum Mitglied der Disziplinarkammer in Frankfurt a. M. ernannt.

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** Biblis, 8. August. Heute Vormittag wurde bei dem Ausfahren eines Personenzuges aus der Station der Heizer Bonader, welcher sich von der Maschine zu weit hinausbeugte, um nach dem Zuge zu sehen, gegen einen Signalmast geschleudert, so daß er ohn­mächtig von der Maschine stürzte. Er wurde bewußtios nach dem Krankenhaus in Darmstadt befördert und hat anscheinend eine starke Hirnerschütterung davongetragen. Sein Zustand soll nicht unbedenklich sein.

a. Wetzlar, 9. August. Für die Schüler des hier­selbst neu begründeten Lehrerseminars sind in diesen Tagen die ersten Ferien gegeben worden. Seminaristen und Präparanden, etwa 100 an der Zahl, haben ihr Reisebündlein geschnürt und find vergnügt nach ihrer Heimat abgereist. Aber aus den Eltern sämtlicher Schüler ist eine erfreuliche Mitteilung ge­worden, in dem ihnen mitgeteilt wurde, mit welchem Staatszuschuß ihr Schüler bedacht worden ist. Die Stipendien werden zweimal im Jahre an sämtliche 3öglinge verteilt und belaufen sich durchweg auf 30 bis 50 Mark.

** Gernsheim, 7. August. Der jugendliche Schlosser Georg Grüll, der in der chemischen Fabrik thätig ist, hatte eine Leitung, welche oberhalb eines Stessels sich befand, auszubessern. Im Nu brach der durch die Säure zerfressene Deckel ein und G. fam mit beiden Füßen in die kochende Säure. Schnell gefaßt, fonnte der Bedauernswerte sich noch mit beiden Händen halten, sonst hätte er in dem mit 10 000 Liter Säure gefüllten Kessel einen schrecklichen Tod erleiden müssen. Hülfe war rasch zur Stelle und so konnte noch recht­zeitig der brave Arbeiter mit total verbrannten Füßen aus seiner traurigen Lage befreit werden.

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** Worms. Der in einem hiesigen Zeitungsverlage be­schäftigte Maschinenmeister Hartmann aus Schwäbisch- Gemünd hat sich heute Mittag gegen 12 Uhr auf dem rechten Rhein­user erschossen. Als Motiv wird Verfolgungswahn ange= geben. Der Unglückliche war zuta 25 Jahre alt. ** Kirchheimbolanden, 8. Aug. Im benachbarten Orte Haide sind heute 7 Häuser und 2 Scheunen abgebrannt. 7 Familien sind obdachlos.

* Das Unwetter, das in der Nacht auf Freitag ausbrach, hat großen Schaden angerichtet. Von Düssel= dorf bis Mainz sind die Spuren zu verfolgen; vom Niederrhein über den Hunsrück sind die schwersten Schäden erfolgt, namentlich auf dem vorderen Hunsrück hat der Hagel die Felder verwüstet; Blißschläge zerstörten Häuser­und Verkehrseinrichtungen. Im Kreise Wetzlar hat das Wetter ebenfalls sehr großen Schaden angerichtet. Büdingen, 8. August. Die verwittwete Fürstin Hedwig zu Stolberg- Roßla( geb. 1863), älteste Tochter des Fürsten Bruno zu senburg- Birstein, hat sich mit dem jüngsten Bruder ihres verstorbenen Gemahls, dem Grafen Kuno zu Stolberg- Roßla( geb. 1862) verlobt. Graf Kuno verwaltet das Stammğut für den minder­jährigen Fürsten.

s. Hausverkauf. Das dem Bankier Grüne wald gehörige Haus, Ecke der Schillerstraße und der Nordanlage ist, wie wir hören, für 28000 Mt. in die Hände des Mezgers Ruthardt hier übergegangen. s. Die Westendhalle wird gutem Vernehmen nach morgen geschlossen werden. Der jetzige Wirt in dem bekannten Lokal hatte seither nur provisorische Er­laubnis zum Zapfen. Allein, da er jetzt die gesetzlich festgelegten 400 Mt. zur Konzession beibringen soll, er­flärt er, daß es sich in dieser Wirtschaft nicht rentiere, eine so hohe Summe aufzuwenden. Eigentlich, nach den bekannten früheren Vorgängen, kein Wunder! ** Das nächste mittelrheinische Kreis­turnfest findet 1904 in Koblenz statt. Im nächsten Jahre fällt das Kreisturnfest aus, weil in diesem Jahre das deutsche Turnfest( Nürnberg) stattfindet.

** Von 16.- 19. August findet in Mannheim der Verbandstag süddeutscher Schuhmacher statt.

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** Buzbach, 8. August. Mit dem Bau der Bahn Buzbach- Vich soll in einigen Wochen begonnen werden.

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** Aus Nassau, 8. August. Das Gewitter in der gestrigen Nacht hat großen Schaden angerichtet. Viele Bäume wurden entwurzelt und eine Masse Vögel von Hagelförnern erschlagen.

* Koblenz, 6. Aug. Zur Fleisch verteuerungs­frage gibt der Voranschlag über die Einnahmen und Aus­gaben der Residenzstadt Koblenz für 1902 eine Aufklärung. An Einnahmen sind darin vorgesehen: Schlachtsteuer- Anteil 192,000 f., tarifmäßige Gebühren des Schlachthauses 102,043 t., Fleischschaugebühren 11,940 Mt., das macht zusammen 305,983 wt. bei einer Bevölkerungsziffer von noch nicht 50,000 Einwohnern.

Frankfurt a. M., 8. August. Von London aus bietet eine Continental Publisching Company" An­sichtskarten von den Krönungsfeierlichkeiten gegen vor­herige Einsendung von 3-10 Mk. in deutschen Brief­Auf seine Erfundigung in London erfährt ein hessisches Blatt, daß es sich um einen ganz gewöhn­lichen Schwindel handelt. Es ist der Londoner Schwefelbande nur darum zu thun, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der Check, der den Zeitungen für die Aufnahme der Inserate zugeht, ist ein wertloses Stück Papier.

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** Eisenbahndammregulierungen. Nach­dem durch die mehrere Wochen hindurch anhaltende Trockenheit eine nicht geringe Härte in den Erdschichten entstanden ist, mußten stärfere Sprengarbeiten vorge= nommen werden. Infolgedessen schreiten die Arbeiten an dem westlichen Damme des Einschnitts zwischen hier und Großen- Linden rustig vor, so daß in etwa 8 Wochen diese Arbeit zu Ende geführt sein wird. Die Die Königl. Eisenbahndirektion zu Frankfurt a. M. hat nun dieser Tage angeordnet, daß auch die östliche Seite dieses Einschnitts reguliert werden soll, und diese Ar­beit ebenfalls dem bisherigen Bauunternehmer, Herrn Rosenthal, übertragen. Diese neue Arbeit wird um so

** Frankfurt a. M., 8. August. Das gestern in dem G.undstück Bergerstraße 312 ausgebrochene Groß feuer hat einen Gesammtschaden von ca. 60000 Mf. verursacht. Die Mitbewohner, deren Möbel bei dem Brande zu Grunde gingen, sind meist nicht versichert.

** Kassel, 8. August. Wegen Nahrungssorgen er­schoß sich hier ein Privatlehrer.

Frankfurt a. M. Der Ingenieur und Bauunternehmer Baurat Philipp Holzmann erhielt den föniglichen Kronen­orden 3. Klasse.

Aus dem Gerichtssaal.

Schöffengericht.

Wetzlar, 7. Aug. Dem Aroener Peter K. von hier wird vorgeworfen, am 17. Juli d. I. seine Wutter ourch mehrere Schläge mit einem Brette der Thürfüllung förperlich mißhandelt zu haben. Er enthält wegen Weißhandlung und Sachbeschädigung eine Gesamtstrafe von 4 Monaten Gefängnis.

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Der 48 Jahre alte Tagelögner Heinrich I. von Gießen, schon mehrmals vorbestraft, ist beschuldigt, die Bahn von Gießen nach W. Blar ohne Billet benutzt zu haben. Er gab an, er sei Viehtransport- Begleiter, welches sich als eine unwahrheit herausstellte. Die Sache tann nicht vor dem Schöff ngericht verhandelt werden uno tommt demnächst vor die Straftaminer. Ter Marie D. aus Gleiberg wird zur Last gelegt, den Ortsdiener daselbst durch Schimps­worte beleidigt zu haben. Sie sou auch Hausfriedensbruch begangen haben, doch kann ihr dies nicht nachgewiesen werden. Dagegen erhält sie wegen Beleidigung 1 Woche Gefängnis. Dem Landwirt Heinrich M. von Wiẞinar wird zur Last gelegt, eine ihm gehörige Kuh dermaßen mißhandelt zu haben, daß das Tier am andern Worgen verendet im Stalle aufgefunden wurde. Der Tierquäter, welchem bereits 6 Wit. Geldstrafe auferlegt wurden, erhielt eine Gefängnisstrafe von 1 Woche.

** Frantfurt a. M., 8. August. Ein hartes Urteil fällte die Straffammer heute gegen die 34jährige, bis­her unbescholtene Wittwe Emilie Schneider, jetzt wohnhaft in Braunschweig. Sie war vor 3 Jahren Haushälterin beim Pfarrer von Oberstetten, Kreis Homburg. Nach ihrer Entlassung aus dieser Stelle hat sie von dem Pfarrer Geld herauszupressen versucht, unter der Behauptung, er habe mit ihr in un­erlaubten Beziehungen gestanden. Die Straf­kammer verurteilte die Frau zu 2 Jahren Gefängniß wegen versuchter Erpressung. Wegen der Höhe der Strafe wurde die Angeklagte sofort in Haft ge=

Klein Steinheim, 8. August. Der Gastwirt Gustav Brückner von hier, welcher sich an einem 17jährigen Mädchen aus Vilbel vergangen haben soll, wurde wegen Notzucht in Untersuchungshaft abgeführt.

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Darmstadt, 8. Aug. Auf dem Wege von Pfung­stadt nach Seeheim wurde am 26. Juli eine Händlerin aus Pfungstadt von einem Unbekannten angepackt und ihr das Bortemonnaie mit Mt. 10 Inhalt mit Gewalt entrissen. Der Thäter wird als großer, fräftig gebauter Mann mit

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Zum Kapitel des Groben Unfugs". Der Redatteur Thielhorn vom hannoverischen sozial­demokratischen Volkswille" hatte sich heute vor dem Schöffengericht wegen" groben Unfugs" zu verant­worten, welchen die Staatsanwaltschaft darin erblickte, daß Thielborn vor einigen Wochen eine kurze Notiz ohne jede Bemerkung veröffentlichte, wonach über den Bau eines Maurermeisters die Sperre verhängt sei. Der Amtsanwalt erblickte darin eine Störung der öffent­lichen Ordnung(!) und beantragte eine Geldstrafe von 30 Mart, während die Verteidigung unter Hinweis auf die neueste Entscheidung des Reichsgerichts, welches seine eigene frühere Auffassung berichtigt, Freisprechung be­antragte.

Ironisch aber logisch ganz richtig, bemerkte der Angeklagte, wenn jede event. Beuncuhigung" irgend einer Person oder eines Interessententreises grober Unfug" sei, so sei auch die Erhebung der An­flage wegen einer derartigen Lappalie" grober Unfug", denn dadurch würden offenbar zahlreiche Redakteure " beunruhigt und belästigt". Das Gericht kam denn auch zu einer Freisprechung mit der Begründung, daß durch eine solche Zeitungsnotiz, die ohne jeden Zusatz eine Thatsache konstatiere, die offentliche Ordnung nicht gestört werde; und was die Beunruhigung und Be­lästigung" anbelange, so faue nur die Beunruhigung und Belästigung der Allgemeinheit, nicht aber die einer einer einzelnen Person oder eines bestimmten Kreises in vorliegender Form unter den Begriff des groben Unfugs", Und dazu ein solcher Apparat.

Vermischtes.

Hildesheim, 8. August. Heute Morgen wurden aus der Innerste zwei Leichen gezogen, die später als die eines Schuhmachers und eines Tischlers von hier festgestellt wurden. Nähere Einzelheiten fehlen noch. * Kiel, 7. August. Der 18. deutsche landwirt= schaftliche Genossenschaftstag wurde heute früh in der Aula der Marineakademie durch den Vor­ſizenden Geheimrat Haas Darmstadt eröffnet, als Vertreter des preußischen Ministeriums für Landwirt­

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