betr.( vom Abgeordneten Köhler- Langsdorf als Antrag überreicht).
Die 127. Sigung der Zweiten Kammer der Stände wird am Donnerstag, 10., vormittags 10 Uhr mit folgender Tagesordnung abgehalten.
1. Abstimmung über: 1) Antrag des Abg. Ohl, den Ausbau der Realschule zu Groß- Umstadt zu einer Ober- Realschule betreffend. 2) Vorstellung des Stadtvorstandes zu Groß- Umstadt, Umwandlung der Realschule daselbst in eine Oberrealschule betr. Berichterstatter Abg. Köhler- Langsdorf.)
II. Beratung über: 1) Vorstellung des Stadtvor standes von Butzbach, den Ausbau der Real schule daselbst zu einer Oberrealschule betreffend. ( Berichterstatter Abg. Brauer.) 2) Rückäußerungen Erster Kammer.
fc. Vom Odenwald, 8. Juli. Im Odenwald wird der diesjährige Ausfall an Heidelbeeren auf mindestens 200 000 Mt. veranschlagt. Hauptsächlich leiden darunter die ärmeren Volksklassen.
Weinheim, 7. Juli. Ein bedauerlicher Unglücksfall traf gestern eine hier gastierende Schauspielertruppe. Am Schluß der Nachmittagsvorstellung produzierte sich der Führer im Seillauf und stürzte beim Rücklauf fopfüber zur Erde, daß er bewußtlos, mit schweren Verlegungen ins Spital überführt werden muße. Trotz des Unglückes gab die Familie abends wieder Vorstellung der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe.
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Pfeddersheim, 6. Juli. 7000 Mäuse wurden am Donnerstag hier abgeliefert, Stück für Stück für einen Pfennig. Es giebt heuer sehr viele. Hamster findet man nur wenig.
fc. Worms, 8. Jult. Im Rhein in der Nähe der Dampfziegelei ertranfen gestern beim Baden 2 Tün chergesellen, Peter Best aus Mettenheim und Alois Hotter aus Oberschneidheim in Württemberg. Bierstein, 8. Juli. Hier wurde am Sonntag einer Biegeunerbande ein vierjähriger Knabe abgenommen, der seinen Eltern in Hannover geraubt worden sein soll. Die Eltern hatten eine Belohnung von 600 Mt. für die Wiederbringung ihres Sohnes ausgesetzt. Die Bande wurde in polizeilichen Gewahrsam genommen. Die Fürstin von Bierstein nahm den gänzlich verwahrloften Knaben zu sich in's Schloß.
Bingen, 7. Juli. Hofmarschall v Seckendorf hat die Burg Rheinstein für den Prinzen Heinrich von Preußen, dem sie von dem verstorbenen Prinzen Georg testamentarisch vermacht worden ist, übernommen. Prinz Heinrich wird in Bukunft zeitweise seinen Aufenhalt auf der Burg nehmen.
Bingerbrüd. 7. Juli. Am Samstag wurde zwischen hier und Trechtlingshausen die Leiche eines gutgekleideten und, wie es schien, den besseren Ständen angehörigen älteren Mannes geländet. Die Leiche soll diejenige eines Baseler Banfier& sein, welcher 25,000 Mt. in barem Gelde und Wertpapieren bei sich gehabt haben soll.
Vermischtes.
* ,, Fräulein Droschkenkutscher" ist die neueste Errungenschaft des Landes, das Anspruch darauf macht, die fortgeschrittenste Gesetzgebung zu befizen und überhaupt in jeder Hinsicht am gründlichsten mit allen alten
Vorurteilen gebrochen zu haben. In der neuſeeländischen Stadt Nelson kann sich Jeder das Vergnügen leisten, in einer von zarten Händen gelenften Droschke zu fahren, und es scheint dort nur noch eine Frage der Zeit zu sein, daß auch Pferdebahnen und Omnibusse von dem Ewig- Weiblichen erobert werden. Vor einiger Zeit kaufte sich eine Dame in der erwähnten Stadt eine Droschke und trat frischen Mutes mit ihren männlichen Kollegen in Konkurrenz, die nicht sehr erbaut davon zu sein schienen und sie sofort denuncirten, weil sie versäumt hatte, sich eine Licenz zur Ausübung dieses Berufes zu verschaffen. Diesem lebel wurde aber bald abgeholfen, und Fräulein Droschkenkutscher ist jetzt in jeder Beziehung mit ihren Konkurrenten gleich berechtigt, die nun weiter nichts thun können, als zusehen und ihrem Aerger in nicht allzu lauten guten Wünschen Luft machen. Es ist aber wenigstens zu hoffen, daß die Damen von Neu- Seeland, wenn sie einst auch den hohen Kutscherbock auf dem Omnibus erklimmen, nicht zur besonderen Belustigung der Fahr gäste Pfeife rauchen, wie das teilweise in England üblich ist.
* 50 Stunden Pianoforte! Den bisher höchsten Record im Clavierspiel hat ein Scheusal Namens Bancia, Maestro zu Venedig, geschlagen. Dieser Abschaum der Menschheit hatte die Stirn und die Hände", 50 Stunden hinter einander und ohne Pause Clavier zu spielen! Während dieses Actes der Niedertracht trank er, laut B. T.", nur etwas Marsala und eine Tasse Bouillon. Nachher schrieb er noch sein eigenes Siegesbulletin nieder und begab sich nicht etwa zu Bett, sondern- in die Clavierstunde.- Der Maestro selbst dürfte nicht erst verrückt geworden sein, wohl aber seine Zuhörer und die Jury.
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Militär und Kunst. Ein Brief, der auf die Engagementspraxis des Hoftheaters in Wiesbaden ein sonder bares Licht wirft, wird jezt bekannt. Danach list in Wiesbaden dem Opernsoufleur Louis Josef Feigel, nachdem er 6 Jahre seinen Dienst versehen, auf Schluß der Saison gekündigt worden mit der merkwürdigen Begründung, daß die Intendantur verpflichtet sei, nur deutsche Reichsangehörige, und zwar Militäranwärter, anzustellen( er ist Desterreicher), und dann hätte man herausge= funden, daß er nicht genügend musikalisch gebildet sei. Üm dieses zu entdecken, hätten die Herren also sechs Jahre gebraucht. Wenn sich Das wirklich so verhält, wie Herr Feigel schreibt, dann dürften sich an die Verpflichtung der Intendantur, nur deutsche Reichsangehörige und zwar Militäranwärter" anzustellen, noch mancherlei Erörterungen knüpfen. Daß die Dienstzeit im deutschen Heere eine besondere Qualification für die Thätigkeit an der Bühne bedeutet, wird den meisten Deutschen, auch wenn sie noch so patriotisch veranlagt sind, eine Ueberraschung sein. Feigel fügt übrigens hinzu, daß er hauptsächlich entlassen worden sei, um den Pensionsfonds zu entlasten, in zwei Jahren wäre er pensionsberechtigt geworden.
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Der Kerl lebtia n'och, diese Notiz betr. das amerikanische Duell in Heidelberg ist unbegründet
* Der Prozeß gegen die Leipziger Bant währt nun schon 18 Tage und immer noch ist man bei der Beugenvernehmung. Der ehemalige Direktor Exner kommt dabei sehr schlecht weg.
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R. Reichenbach i. Voigtl., 6. Juli. Zwei Gesund. beterinnen", ortsfremde, gutgekleidete Frauenspersonen, betraten an einem der letzten Abende in Friesen eine Wohnung, in welcher die Hausfrau frank darniederlag, und begannen mit der Vorführung allerlei religiöser Handlungen nnd phantastischer, abergläubischer Ceremonien, welche die Krante in äußerste Erregung brachten. Sie entfernten sich erst, als ihnen nachdrücklich bedeutet wurde, daß man ihrer Hilfe nicht bedürfe. Tags darauf las man im Reichenb." Tagebl." folgendes Inserat:" Die zwei dreisten Gesundbeterinnen, welche in meiner Wohnung ihren Hofus- Pokus aufführten und bei zweimaliger Namensforderung denselben verweigerten fordere ich hierdurch auf, ihr Schwindelmanöver ja nicht wieder zu ristiren, da ich mit ihnen sofort einen Rohrstockwalzer beginnen werde." Folgt Unterschrift.
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Itna, 5. Juli.( Zweifacher Mörder.) Der Raubmörder Schlosser Behnert aus Magdeburg, dem Frau Trödler Harz vorgestern hier zum Opfer fiel, ist gestern Abend in Gotha verhaftet worden. Er hat bereits gestanden, außer der Frau Harz hier auch am 9. Dezember v. J. in Leipzig die Trödlerin Lorry ermordet und beraubt zu haben.
Darmstädter Schloßfreiheitslotterie.
Im Verhältnis zur Größe des Spielfapitals bietet, wie schon mehrseitig dargethan und festgestellt worden ist, feine andere Gelegenheitslotterie auch nur annähernd ähnliche Gewinnaussichten. Die Loose bekommt man das Zehntel zu 3 Mt., das Fünftel zu 6 Mt., das Halbe zu 15 Mt., das Ganze zu 30 Mt.
Ein Kaufmann- Ehrendoktor einer Universität. Die philosophische Fakultät der Universität zu Breslau hat den Kaufmann Max Wiskott, einen Desterreicher, wegen seiner wissenschaftlichen Arbeiten über die Kreuzungsformen der Schmetterlinge zu ihrem Ehrendoktor ernannt. Vae Doktordiplom ist Herrn Wiskott vor einigen Tagen durch den Dekan der philosophischen Fakultät, Professor Dr. Wolf, überreicht worden.
* Wahlhumor. Im Inseratenteil eires Blattes in Bayreuth wurde für den Wahltag( 3. Juli) folgendes " Menu" vorgeschlagen:
Hugel- Suppe mit Paprifa, Hammelrücken mit Feustel kartoffelsalat, Karthäuserklößchen mit Hagen buttensauce,
Günther Staffee mit Butterbemmchen. Hugel( Soz.), Feustel( Bauernbund), Hagen( nat.- lib., Vorstand der Kreisackerbauschule) und Günther( Freis., aus Sachsen) waren die vier Reichstagskandidaten. Das" Menu" trägt also allen Parteien gebührend Rechnung.
* De stillir tes Wasser. Apotheker( zum neuen Lehrling):.... Und das ist aqua destillata. Das geben wir den Patienten in ganz verzweifelten Fällen?- wir nämlich ein Recept absolut nicht lesen können!"
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* Ein menschenfreundliches Inserat enthält die Zeitung für den Oderbruch; es lautet: Unlieb vers spätet! Jener Herr, der mir am vergangenen Freitag eine Anzahl gefüllter Butten entwendete, wird darauf aufmerksam gemacht, daß dieses Mixtum compositum nicht Fleischertract, sondern Fliegenleim ift. Nach erfolgtem Genuß empfiehlt sich gelöschter Kalt, um Complicationen vorzubeugen. Gustav Saffe."
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