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8.11.1902 Erstes Blatt
 
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lung ausgefeßt. Konditor August Franz von Wezlar, der wegen Körperverlegung angeklagt ist und in berechtigter Not­wehr gehandelt haben will, wird durch die Beweis aufnahme eines Besseren belehrt. Er erhält 25 Mt. Geldstrafe event. 5 Tage Gefängnis und darf die Kosten tragen. Den Schluß bildeten drei Privatklagen wegen Beleidigung. Die nächste Sigung findet am 14. November 1902 statt.

Aus Hessen und nachbargebieten.

** Unter- Seibertenrod, 8. November. Vollendet ist die vor einigen Monaten begonnene äußere Reſtaurier­ung unserer Kirche. Doch auch das Innere zeigt ein prächtiges Bild. Namentlich ist es die neue Orgel mit ihren vollen ergreifenden Tönen, erbaut von Herrn Bernhard- Gambach.

** Alsfeld, 7. Nov. Am verg. Dienstag hat die Landwirtschaftliche Winterschule mit einer Schülerzahl bon 40 jungen Leuten ihr Wintersemester begonnen. Von den Besuchern stammen 27 aus dem Kreise Alsfeld, 6 aus Lauterbach, 2 aus Schotten, 3 aus Gießen und 2 aus Ziegenhain.

** Elbenrod, 6. Nov. Einen traurigen Abschluß konnte die hiesige Stirchweih nehmen. Im Tanzsaal stürzte plötzlich die große Petroleumlampe von der Decke, im Augenblick eine Feuersäule emporsendend. Trotz einer gerade eingetretenen Tanzpause erhielt ein junger Bursche erhebliche Brandwunden, sodaß ärztliche Hilfe

nötig war.

**

Eifa, 6. Nov. Ein hiesiger Einwohner bemerkte um die Zeit des Kirchweihfestes den Verlust eines Hammels seiner Heerde. Natürlich nur aus wissen schaftlichem Interesse schloß sich der Gendarmerie­Wachtmeister Ebert den Nachforschungen an und richtig

der Hammel war unter die Mörder gefallen. Die Ueberreste der Obduktion fand man vergraben. Die ganze Heerde schrie nach Rache für den Gefallenen. Sie wird ihnen werden: das Fleisch des fetten Hammels soll Verdauungsbeschwerden verursacht haben.

** Büßfeld, 7. November. Heinrich Heß 5. ist zum Bürgermeister der Gemeinde Büßfeld gewählt und be­stätigt worden.

** Eudorf, 7. November. Paul Heinrich Korell wurde als Wiesenvorstandsmitglied für die Gemeinde Eudorf eidlich verpflichtet.

** Von der Lahn. Eine Versammlung des Bundes der Landwirte wird am 16. d. Mts. zu Nassau statt­finden. Es werden Dr. Hahn aus Berlin und Reichs­tagsabgeordneter Luke sprechen.

** Im Wahlkreis Wetzlar- Altenkirchen stellen für die tommende Reichstagswahl die Sozialdemokraten wieder den Genossen August Bebel als Kandidaten auf. § Aus dem Kreise Wetzlar. Unsere Leser vom Lande dürfte es gewiß interessieren, zu erfahren, in welcher Weise der Kreisausschuß aufs neue den Landwirten entgegen­gekommen ist. Bekanntlich hatte die Schülerzahl der land­wirtschaftlichen Winterschule sehr abgenommen, wurde die selbe doch im vorigen Winter nur von 10 Schülern besucht. Es waren diese Besucher seither meistens aus den benach barten Orten von Wezlar. Sie vermochten mit geringen Kosten die Vorteile der Schule genießen, indem sie täglich nach Hause gehen konnten. Um nun auch weniger be­mittelten Landwirten den Besuch der Anstalt möglich zu machen, sollen solche Schüler jetzt einen Buschuß aus Kreismitteln erhalten. Die Wirkung davon war, daß bei der Eröffnung 22 Schüler erschienen waren.

** Frankfurt a. M, 7. November. Gestern Nacht wurde in das Komptoir der Kolonial- Importfirma Baer Goldschmidt, Weiherstr. 1 eingebrochen. 1400 Marf bares Geld wurden aus einer Kassette entwendet.

** Frankfurt und Mainz. Außer der Strecke Hatters heim- Oberlahnstein soll die Eisenbahndirektion Frank­furt a. M. auch noch einen großen Teil der Lahnbahn, nämlich die Strecke Niederlahnstein Limburg an die Direktion Mainz abtreten.

** Hanau, 7. Nov. Die Generalversammlung der Hofbierbrauerei Hanau A.-G., vorm. Gg. Koch beschloß die Verteilung einer Dividende von 4 Proz.( wie im Vorjahr). Der Bierverkauf hat sich um 344 Hektoliter ( i. V. 35310 Hektoliter) gehoben.

Gelder sind von den Verwandten des Angeklagten| die Rechte doch einmal solche Beschlüsse fassen. Sie thue ersetzt worden. damit ein gutes Werk.( Lebhafter Beifall links, Lachen rechts)

** Oberursel, 7. November. Heute Mittag hat sich auf dem Wege von Oberhöchstadt hierher ein junger Mann im Alter von ungefähr 20 Jahren erschossen. Der Selbstmörder gehört dem Anschein nach den bessern Ständen an. Bevor er zur That schritt, hatte er das Hemd ausgezogen und den Rock angezogen.

** Hanau, 6. Novbr. Vor dem Sch wurgericht stand heute der Amtsgerichtssekretär Emil Stud mann von Bergen bei Frankfurt a. M. unter der Anklage, in den Jahren 1901 und 1902 ca. 6000 Mr. amtliche Gelder unterschlagen und die Bücher gefälscht zu haben. Stuckmaun, der verheiratet und Vater dreier Kinder ist, ergriff am 9. Juli 1. Js., als eine Bücher revision vorgenommen werden sollte, die Flucht, und zwar in Begleitung eines Mädchens aus Frankfurt. Seine Verhaftung erfolgte bald danach in München. Der Angeklagte wurde während seiner Untersuchungs­haft auf seinen Geisteszustand untersucht. Zwar hat der Sachverständige keinerlei geistigen Defekt bei St. finden können, da aber während der Verhandlung einige bezügliche Thatsachen festgestellt wurden, die dem Arzte vorher nicht bekannt waren, so beantragte er auf Anregung des Verteidigers Dr. Osius die Ueberweisung des Angeklagten an die Irrenklinik zu Marburg auf sechs Wochen zwecks Beobachtung seines Geisteszustands. Das Gericht beschloß demgemäß. Die unterschlagenen

** Wiesbaden, 7. Nov. In der Gemarkung Au­Philipp Braun von 2 vermummten Wilddieben über­ringen wurde der dortige Feldhüter und Jagdaufseher fallen und mit Schlagringen fürchterlich zugerichtet. Jagdpächter, Bauunternehmer Stamm aus Wiesbaden, Dann nahmen die Wilderer, auf deren Ergreifung der eine Belohnung von 200 Mt. ausgesetzt hat, ihrem im Dunkel der Nacht. Der Ueberfallene liegt schwer Opfer Gewehr und Dienstmüße ab und verschwanden frank darnieder.

der Bauersfrau Böhmer ein Horn in den Leib, daß die ** Aus Franken, 5. Nov. In Reuth stieß eine Kub Frau alsbald starb.

Deutscher Reichstag.

( 211. Sigung vom 7. November 12 Uhr.) Die Beratung des Zolltarifgesetzes wird fortgesetzt bei§ 5, der festsetzt, welche Gegenstände vom Zolle be­freit sind. Es liegen zu den Verschiedenen insgesamt träge, sowie ein Antrag Müller- Meiningen vor. Abg. 14 Nummern des Paragraphen 11 sozialistische An­Stadthagen( Soz.) erinnert einleitend an die in voriger Woche von der Mehrheit dadurch begangene Verfassungswidrigkeit, daß man über die Wangenheim'­schen Anträge, richtiger Amendements, zur Tagesord nung übergegangen sei. Seine Freunde würden sich aber auch durch solche Verfassungswidrigkeiten der Mehrheit nicht abhalten lassen, ihre Schuldigkeit dem Lande gegenüber zu thun und seine sachliche Diskussion zu führen. Redner geht dann auf die einzelnen Nummern des Paragraphen ein. Nummern des Paragraphen ein. Nr. 1 läßt zollfrei, Erzeugnisse des Ackerbaues und der Viehzucht von den­jenigen außerhalb der Zollgrenze gelegenen Grund­stücke, welche von innerhalb der Zollgrenze befindlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden aus bewirtschaftet werden. Das sei ja schon bestehendes Recht, sei aber bish r stets von der Zoll- Verwaltung zu eng ausgelegt worden. In Zukunft sei wohlwollendere Auslegung erforderlich. Eventuell beantrage er eine diesbezügliche Ergänzung der Nr. 1. Bei Nr. 2 müsse die Zollfreiheit für die von deutschen Fischern und Mannschaften deutscher Schiffe gefangenen Fische und andere Seetiere ausgedehnt werden auf den Fang sämtlicher Helgo­länder Einwohner auch insoweit dieselben nicht Berufs­

fischer seien. Er bitte um Annahme des diesbezüglichen Antrages seiner Partei. Nr. 3 läßt gebrauchte Kleid ungsstücke und Wäsche zollfret, sofern sie nicht zum Verkauf eingehen oder zur gewerblichen Verwendung. Diese letzten 4 Worte beantragten seine Freunde zu streichen, weil sie zu deutungsfähig seien. Bei Nr. 4 sollen zwar gebrauchte Gegenstände von Anziehenden zur eigenen Benutzung, gebrauchte Maschinen zur Be­nußung im Gewerbe- und Landwirtschafts- Betriebe zollfrei eingelassen werden, jedoch nur Ausnahmsweise auf besondere Erlaubnis. Weshalb denn nur auf be­sondere Erlaubnis?

Mehrheit des Hauses die Bitte, den gestrigen Be Abg. Brömel( freisinnige Vereinig.) richtet an die schluß rückgängig zu machen, also über die vor­liegenden Anträge vollständig getrennt zu diskutieren. ( Rufe Rechts und im Zentrum: Nein, Nein). Redner weißt dann, unablässig von rechts unterbrochen darauf § 5 gleich lautend über zollfreie Gegenstände handelt, hin, daß 1879 ebenfalls bei§ 4, der mit dem jetzigen ebenfalls die einzelnen Punkte getrennt beraten worden dem gestrigen Beschlusse entgegen, die 14 Punkte ge seien.( Rufe rechts: Sehr richtig.) Redner beantragt, trennt zu beraten.

für unzulässig, welcher Auffassung die Abgeordneten Vizepräsident Büsing bezeichnet diesen Antrag Singer und Barth entschieden widersprechen. Eine fiziere und noch jetzt getrennte Beratung herbeiführen Geschäftsordnung, welche den gestrigen Beschluß recti­wolle, sei in jedem Stadium der Beratungen zulässig.

Jm Abiak 2 Nr. 4 soll auch Heiratsgut nur auf besondere Erlaubnis eingelassen werden. Das sei auch wieder so eine Art Heirats- Beschränkung, die man doch lieber vermeiden möge. Das Haus hat sich während dieser Ausführungen beinahe ganz geleert. Redner ver­breitet sich dann eingehend noch über die übrigen sozia­listischen Abänderungs- Anträge. Bei Nr. 5 sei die be­sondere Erlaubnis für zollfreie Einbringung solcher Ge­brauchssachen, die als Erbschaftsgut eingehen, zu streichen; ferner bei Nr. 7 der Proviant- Bedarf von Schiffsmannschaften in einer nicht blos auf 2 Tage, sondern auf eine Woche berechneten Menge zollfrei zu lassen; weiter bei Nr. 10 auch Nahrungs- und Genuß­mittel' als Muſterproben bis zu 250 Gramm zollfrei eingehen zu lassen u. s. w. Weiterhin bemerkt Redner u. A.: Der Abgeordnete Bachem habe neulich gemeint, wenn die Sozialdemokraten sich entschlössen, den Zoll­tarif anzunehmen, so würde das Centrum vielleicht auch geneigt sein, dem einen oder anderen sozialistischen Antrage zuzustimmen. Doch auf solche unsicheren Handels- Geschäfte ließen sich die Sozialdemokraten aber nicht ein. Nachdem Abgeordneter Stadthagen bereits 3 einhalb Stunden gesprochen, kommt er zu dem letzten 3 einhalb Stunden gesprochen, kommt er zu dem letzten Teil des sozialistischen Antrages: Zoll- Freiheit für Garne zur Herstellung von Fischernetzen. Von einer Notlage der insgesamt fünf deutschen Negfabriken könne feine Rede sein, ebensowenig davon, daß diese Fabriken auswandern müßten, falls der Netzzoll nicht erhöht werde. Während dieser Ausführungen wird von der Rechten wiederholt der Ruf: Schluß! laut. Redner wendet sich dann gegen die Rechte, die immer behaupte, die Interessen des kleinen Mannes zu wahren und dabei wolle sie einem Berufsfischer, der jährlich vielleicht 800 Mt. ver­diene und dessen Handwerks zeug ihm 120 Mt. tofte, dieses Handwertszeug noch vertheuern. Die sozialistischen An­träge seien durchweg zu Gunsten des Mittelstandes. Möge

Ceures Fleisch sparen

Die Abgeord. Müller- Meiningen und Stadthagen vertreten dieselbe Auffassung.

Abg. Bassermann( natl.) stimmt der Ansicht des Präsidenten zu. Die Frage sei prinzipiell wichtig und er beantrage daher, sie an die Geschäf s- Ordnungs­Kommission zu verweisen. Das Haus beschließt nun­Antrag auf Diskussionsschluß eingegangen sei. mehr Verweisung an die Geschäfts- Ordnungs- Kommission. Vizepräsident Büsing teilt hierauf mit, daß ein Schluß 62 Uhr.

Neueste Nachrichten.

Berlin, 7. Nov. Beim Schlesischen Bank- Verein in Breslau ist eine Unterschlagung von 230,000 Mark ent­deckt worden.

Leipzig, 8. Nov. Wie die Leipziger Neuesten Nach­richten aus Berlin melden, erschien gestern Nachmittag Dr. Peters im Reichstage, um den Abgeordneten Bebel persönlich aufzufordern, ihm seinen Gewährs­mann in Sach n des Trucker- Briefes zu nennen, Bebel weigerte sich aber. Er gebe ja zu, daß er dupirt wor den sei, aber er habe sein Wort gegeben, den Namen nicht zu nennen. Im Uebrigen habe ja Peters einen bestimmten Verdacht geäußert und vor Gericht würde er ja unter Eid aussagen müssen. Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen.

Aufgebote.

Am 1. Nov.: Johannes Becker, Straßenwärter

dahier mit Suſanne Teiller hierselbst. Am 3.: Heinrich Menges, Postassistent in Großen- Linden mit Karoline Wilhelmine Luise Wißner dahier. Am 5.: Karl Pfeffer, Kutscher dahier mit Margarethe Karoline Julie Anna Emilie Paul hierselbst. Am 7.: Karl Hugo Thielmann, Tabakspinner dahier mit Katharine Reitz hierselbst. Eheschließungen.

Am 1. Nov. Philipp August Presber, Feldwebel dahier mit Pauline Sudheimer hierſelbſt; Ludwig Weis­brod, Fahrkarten- Ausgeber dahier mit Marie Elisabethe Klös hierselbst; Peter Otto Brühl, Glasermeister dahier mit Emma Margarethe Elise Hitzel hieselbst; Johann Wilhelm Rinn, Schloffer dahier mit Juliane Schmidt hierselbst; Karl List, Megger in Brauerschwend mit Louise Dina Friederike Christine Ninn dahier; Wil­helm Reinhardt, Stationsgehilfe dahier mit Karoline Marie Elisabethe Pfeiffer hierselbst.

Geborene.

Am 26. Oft. Dem Zugführer Johannes Friedrich Preiß eine Tochter. Am 29.: Dem Tapezier Friedrich Zimmermann ein Sohn; dem Kutscher Heinrich Fiedler ein Sohn, Karl; dem Taglöhner Andreas Krug 2. ein Sohn, Karl; dem Meggermeister und Wirt Georg Kraft ein Sohn, Ludwig Gustav Otto. Am 31.: Dem Weiß­binder Wilhelm Horn ein Sohn; dem Lackierer Albert Lehr ein Sohn. Am 1. Nov.: Dem Kaminfegermeister Eduard Rupp ein Sohn, Karl Hugo Ernst; dem Schreiner Heinrich Vetter ein Sohn, Albin Wilhelm; dem Metzger und Viehhändler Ernst Fleck ein Sohn Gestorbene.

Am 3. Nov. Dr. Ferdinand Fuhr, 49 Jahre alt, Professor dahier. Am 6.: Adelheid Rosenbaum, geb. Oppenheimer, 39 Jahre alt, Ehefrau des Kaufmann Samuel Rosenbaum dahier; Elisabethe Sieglinger, 1 Jahr 5 Monate alt, Tochter des Taglöhners Adolf Sieglinger dahier.

Marktbericht.

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Gießen. 8. Nobr. Auf dem heutigen Wochenmarkt lofteten Butter per Bib. 90-1.00 Mr. Hühnereier 1 St. 7-9 Pfg., Enteneier St. -00 Pfg., Käse per St. 5-9 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen ver Liter 20 Pfg., Linsen per Liter 32 Bfg., Tauben per Paar MY. 0.70-0.90, Hühner per Stüd Mt 090-140, Hahnen, ber Stüd Mt. 0,75-1.60, Enten per Stüd 2.20-2.80, Gänse p. Bid. 52-65 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 66-76 Bfg., Rindfleisch per Pfd. 60-64 Pfg. Schweinefleisch per Pfo. 70-80 Big. Schweine­fleisch gefalzen per Bfund 0.84 Bfg., Ralf Helm Per 100 Rile Bfa., Hammelfleisch per Pfd. 50-70 Bfg., Kartoffeln 4.00-5.00 mt., Zwiebeln per St. Mr. 3.00-4.00, Milch per Liter 18 Pfg.

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