Ausgabe 
7.7.1902 Zweites Blatt
 
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bedeutende Anschwellung des Kiefers, und nach Verlauf von 48 Stunden starb der Jüngling.

* Prenzlau. Nach Unterschlagung von Kirchengeldern ist der 44 Jahre alte Pfarrer Theodor Ziemer aus dem Dorfe Wollin flüchtig geworden.

Abendfrieden.

Es senkt der Abend sich hernieder Auf Wald und Wiesen, Hain und Flur, Verstummt sind uns'rer Sänger Lieder, Es ruht in Frieden die Natur.

Das Mondlicht strahlt in gold'ner Helle Weit durch den unermess'nen Raum, Des Wethers spiegelflare Welle Süßt plätschernd nur des Ufers Saum.

Das schwanke Schilf, wie flüsterts leise Bom linden Hauch des West's bewegt, Indessen es im weiten Streise

Stets spielend Well' auf Welle schlägt.

Stein lauter Ton ist rings zu hören, Kein Horcher und kein Bauscher wacht, Am Abhang rauschen nur die Föhren In Flüstertönen, leis und sacht.

Du hörst vom Feld der Wachteln Locken, Das dann verhallend zu Dir dringt, Indeß vom Thurm der Schall der Glocken Sich weithin in die Ferne schwingt.

Ein Frieden hält das All umwunden,

Wie Du zuvor ihn nie gekannt, Und in den stillen Weihestunden Erhebst Du betend Deine Hand.

Geliebtes Anna!

wie Leutnant. Willst geliebte Anna mir schicken das Geld bald. Ich habe noch zu schreiben doch muß Ich Holz hacken für Frau vom Feldwebel. Der Teufel mag haffen das Holz. Ich auch schon ganz gut hab gelernt Deutsch bei das Militär. Nun lebst Du wohl und giebst du Kuß. Dein geliebtes August.

-

Amen. Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen.

Aufgebote.

Am 27. Juni: Friedrich Thiele, Kutscher dahier mit Kunigunde Gronau in Röddenau. Am 30.: Adolph Eckeberg, Zeitungs- Expedient in Bremen mit Anna Decker dahier; Heinrich Wolf, Postbote dahier mit Katharine Mahr in Schotten. Am 1. Juli: Arthur Paul Gräfe, Kunstschlossermeister mit Louise Auguste Karoline Wigandt; Carl Louis Esche, Commis dahier mit Klara Hedwig Fritsche in Leipzig.

Geborene.

In der Mitte der Neustadt, gegenüber dem Gail'schen Hause befinden sich zwei Hofraiten, deren jede einen fleinen Hund als Wächter hat. Diese beiden köter bellen, wenn sie nicht grade fressen, den lieben langen Tag. Und als ob sie damit nicht genug hätten, so be­ginnen sie ihr berbenmarterndes Gekläff schon früh Morgens um 4 Uhr wieder. Man sollte eigentlich meinen, die Besizer der Hunde müßten soviel Einsehen haben, daß sie die Bestien wenigstens bis 7 Uhr einge­sperrt halten, umsomehr, als sie selber ja schon in aller Frühe aufstehen. Hoffentlich nimmt der Unfug bald ein Ende.

Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstraße Nr. 2( Bürgermeisterei­

gebäude) Zimmer Nr. 14.

Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern( Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten und Lehr­lingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln.

An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 geöffnet.

Angebot der Arbeitnehmer:

1 Bäckergeselle 2 Spengler, 1 Schlosser, 1 Haus­diener oder Bureaudiener, 1 Kassenbote oder Bureau­Dienstmädchen, diener, 1 Kinderfrau,

Am 23. Juni: Dem Hilfsbremser Georg Christ eine Tochter. Am 27.: Dem Bahnarbeiter Heinrich Reiz ein Sohn, Wilhelm Heinrich August; dem Lokomotiv­führer Friedrich Thielmann eine Tochter, Hilda Frieda Martha. Am 28.: Dem Schneider Heinrich Ludwig Steinberger eine Tochter, Elly Elise Marie. Am 29.: Dem Schlosser Heinrich Schmitt eine Tochter; Dem Schlosser Ludwig Größer ein Sohn; dem Fuhrmann August Stehl ein Sohn, Hans Eduard. Am 1. Juli: 1 Dem Schneider Johannes Kern eine Tochter, Elly Elise Marie. Dem Dachdecker Johann Jakob Pfeiff ein Sohn, Hans.

Gestorbene.

Am 27. Juni: Marie Brückmann, geb. Stohr, 53 * Einen niedlichen Soldatenbrief aus der Garnison Jahre alt, Ehefrau des Maschinisten Johannes Brück­Potsdam. Er lautet wörtlich: mann. Am 28.: Elise Fischer, geb. Werner, 73 Jahre alt, Rentnerin. Am 30.: Katharine Elisabethe Weber, 1 Monat alt, Tochter des Bierbrauers Heinrich Weber. Am 1. Juli: Christian Werner, 69 Jahre alt, Schreiner­meister. Am 3.: Wilhelm Stroh, 20 Jahre alt, Tapezier. Sämtlich dahier.

Du bist gewiß gewundert, daß Ich so lange nicht geschrieben bin. Hab' sich bekommen einen Brief von zu Haus. Hat sich geschrieben Vater hat frankes Bauch, weil sich zuviel hat gesauft von das Butter­milch. Kann nicht verdienen und mir nicht schicken. Bin darum in größtes Verlegenheit geraten, weil mir hat gestohlen die Hose ein Kamis ein Dieb. Da nun gesagt Feldwebel Du bezahlen das Hose sonst holt dich der Loch und kriegs das Teufel.

Was soll machen verfluchtes Bucht. Willst schicken mir 8 Mart ist alles gut. Wenn dann fommen auf Urlaub, gehen auf das Tanz. Schickſt Du mir nich's schieß Ich mir ganz tot. Vor lautes Kram mein Herzen und Liebe das mir verstohlen das Hose der Kamis. Hab mich gekauft Hose die Extra passen sich

Bekanntmachung.

Bur diesjährigen Ausführung der Ebel- Stiftung wer­deg u. A. erforderlich und sollen auf dem Submissionswege bezogen werden:

ca. 25 fertige Anzüge für Knaben( Joppe und Beinkleid ohne Wefte),

ca. 50 Meter Stoff zu Winterkleidern für Mädchen, ca. 80 Meter Baumwollflanell bezw. Halbleinen zu Hemden. Ferner soll die Anfertigung von ca. 20 Mädchenkleidern und von ca. 45 Knaben- und Mädchenhemden vergeben

werden.

Angebote auf Lieferung der Anzüge und Stoffe, sowie Anfertigung der Mädchenkleider und Hemden sind bis spätestens Montag, den 14. Juli 1902 bei dem Armenamte ein­zureichen.

Für die Knabenanzüge sind Muster in Loden und Lör: racher Tuch vorzulegen.

Gießen, 3. Juli 1902.

Die Armen- Deputation. Mecum.

betr.: Die Ausführung der Verordnung betr. das Gewerbe der Gesindevermieter und Stellenvermittler vom 5. Februar 1901.

Bekanntmachung.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die von den hiesigen Vermietfrauen beanspruchte Gebühr beträgt. für Vermittelung eines Dienstboten an in Gießen

1.

2.

eine Herrschaft

mt. 5.­Herrschaft Mr. 7.­

für Vermittelung eines Dienstboten an eine nach auswärts ( Frau Hekler Mt. 5.-)

wovon der Dienstbote jeweils M. 2. zu entrichten hat. Gießen, 2. Juli 1902.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler.

Die nachstehende Bekanntmachung des Großh. Feldbereinigungs Kommissärs zu Friedberg bringen wir hiermit zur Kenntnis der betr Grundbesizer.

Gießen, 30 Juni 1902.

Großb. Bürgermeisterei Gießen. Mecum.

Bekanntmachung.

Betr. Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen, rechts der Lahn; hier: die Buziehung eines Teils der Gemarkung Heuchelheim. Nachdem vom Gemeinderat und von einer Anzahl beteiligter Grundeigentümer der Antrag auf Einleitung des Verfahrens der Feldbereinigung für die Fluren XVI bis XXI der Gemarkung Heuchel­heim und die Zuziehung dieser Flächen zu der Feldbereinigung Gießen, rechts der Lahn, gestellt worden ist, und nachdem dieser Antrag von Gr. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe auf Grund des Art. 2, 5 und 6 des Feldbereinigungs­gesezes für zulässig erachtet und der Unterzeichnete zum Kommissär zur Leitung der Abstimmung ernannt worden ist, so wird hiermit Tagfahrt zur Abstimmung der beteiligten Grundeigentümer über den erwähnten Antrag auf:

Samstag, 12. Juli 1. J., vormittags von 11 bis 12 Uhr, in das Rathaus zu Heuchelheim bestimmt.

Diejenigen beteiligten Grundbesizer, welche in der anberaumten Abstimmungsfahrt weder persönlich noch durch gehörig Bevollmächtigte abftimmen, werden als für das Verfahren stimmend angesehen.

Gleichzeitig fordere ich hiermit die außerhalb des Bereinigungs­bezirks wohnenden Ausmärker auf, zur Wahrung ihrer Interessen einen im Bereinigungsbezirk wohnenden Bevollmächtigten zu bestellen, ba eine weitere besondere Buschrift im Laufe des Verfahrens an sie nicht mehr erfolgt.

Friedberg, den 20. Juni 1902.

Der Großh. Feldbereinigungskommiffär: Spamer, Kreisamtmann.

Oeffentlicher Sprechsaal.

* An der Kreisstraße nächst dem Exerzierplaz liegen jetzt schon seit ca. dreiviertel Jahr die Auspuh­reiser und abgebrochenen Bäume umher. Nicht allein, daß dies für Passanten und Spaziergänger fein schöner augenerfreuender Anblick ist, es hätte auch bei recht­zeitigem Verkauf des Holzes der betr. Verwaltung eine kleine Einnahme erbringen können.

*

*

Für Magenleidende.

Ci vis.

Allen denen, die sich durch Erklältung oder Ueberladung des Magens, durch Genuß mangelhafter, schwer verdaulicher, zu heißer oder zu falter Speisen oder durch unregelmäßige Lebensweise ein Magenleiden, mie:

Magentatarrh, Magenkrampf, Magen­schmerzen, schwere Verdauung oder Ver­schleimung

zugezogen haben, sei hiermit ein gutes Hausmittel empfohlen, bessen vorzügliche Heilsame Wirkungen schon seit vielen Jahren erprobt sind. Es ist dies das bekannte

Verdauungs- und Blutreinigungsmittel, der Hubert Ullrich'sche Kräuter- Wein.

Dieser Kräuter- Wein ist aus vorzüglichen, heilkräftig befundenen Kräutern mit gutem Weine bereitet und stärkt und belebt den ganzen Verdauungsorganismus des Menschen ohne ein Abführmittel zu sein. Kräuter­wein beseitigt alle Störungen in den Blutgefässen, reinigt das Blut von allen verdorbenen krankmachen­den Stoffen und wirkt fördernd auf eine Neubildung gesunden Blutes.

Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter- Weins werden Magenübel meist schon im Reime erstickt. Man sollte also nicht säumen, seine Anwendung allen anderen scharfen, äzen­den, Gesundheit zerstörenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome wie Kopfschmerzen, Bufstoßen, Sodbrennen, Blähungen, Uebelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen( veralteten) Magen. leiden um so heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt.

Stuhlverstopfung und deren unangenehme Folgen,

wie Beklemmung, Kolikschmerzen, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstauungen in Leber, Milz und Pfortadersystem( Hämorrhoidalleiden) werden durch Kräuter- Wein rasch und gelind beseitigt Kräuter- Wein belebt jedwede Unverdaulichkeit, verleiht dem Verdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untauglichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen.

Hageres, bleiches Aussehen, Blutmangel, Entkräftigung sind meist die Folae schlechter Ber­

dauung, mangelhafter Blutbildung und eines frankhaften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit, unter nervöser Abspannung und Gemütsver­fiimmung, sowie häufigen Bopfschmerzen, schlaflosen Nächten, Kräuter- Wein fiechen oft solche Kranke langsam dahin. giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. Kräuter- Wein steiger: den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blutbildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Bräfte und neues Leben. Zahlreiche Anerkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Bräuter. Wein ist zu haben in Flaschen à Mt. 1.25 und Mr. 1.75 in Ober- Ingelheim, Gau- Algesheim, Oestrich, Eltville, Büdesheim, Bingen, Nieder- Olm, Münster a. Stein, Sprendlingen, Mainz, Taffel, Biebrich, Wiesbaden u. s. w. in den Apothefen.

Auch versendet die Firma ,, Hubert Ullrich, Leipzig, West­strasse 82", 3 und mehr Flaschen Kräuterwein zu[ Original: preisen nach allen Orten Deutschlands porto- und Kistefrei. Vor Nachahmung wird gewarnt. Hubert Ullrich, schen Man verlange ausdrücklich

Kräuterwein.

Mein Kräuterwein ist kein Geheimmittel; seine Bestand. teile sind: Malagawein 450,0, Weinsprit 100,0, Glycerin 100,0, Rotwein 240,0, Ebereschensaft 150,0 Kirschsaft 320,0, Fenchel, Anis, Helenenwurzel, amerit. Kraftwurzel, Enzian­wurzel, Kalmuswurzel aa 10,0.

1376

Nachfrane der Arbeitgeber:

1 Bäckergeselle, 1 Müllerbursche, 1 Schlosser, Schreiner, 5 Dienstmädchen, 1 Lauffrau.

Lehrlinge: 2 Bäcker, 1 Friseur, 1 Schlosser,

1 Schuhmacher.

Ebensowohl unter denjenigeu, die nicht sparen, weil sie damit zu wenig zu erreichen meinen, als unter denjenigen, die reichlich zu leben haben, ist der Wunsch vorhanden, durch Glück die Lebenslage zu verbessern. Dieser Wunsch und für die wirklich Wohlhabenden der eigenartige Reiz des Spiels ist die Veranlassung zum Sauf von Lotterieloosen, Eine Lotterie, die sich nicht zu lange hinauszieht und wirklich gute Gewinnaussichten bietet, findet immer ihre Liebhaber, dies beweist der sich schnell dem Ausverkauf nähernde Absatz der Lose der Darmstädter Schloßfreiheitslotterie.

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