Ausgabe 
7.7.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 154.

Zweites Blatt.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mr. 1.50.

Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Montag, den 7. Juli 1902.

Gießener

11. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießenwie ganz Oberbeffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Pf. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.,

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. aid msdsiz ni du 89

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

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( Gießener Zeitung)

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für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Aus Hessen und nachbargebieten.

Aus Oberhessen, 4. Juli. Für Heidelbeeren wurden gestern zwölf Pfennig pro Pfund von den Händlern gezahlt; ein Preis, wie er lange nicht erreicht wurde. Die Ernte ist nicht so bedeutend wie in den Vor­jahren

i. Bad Nauheim, 5. Juli. Vom Sanitätsamt des 18. Armeecorps in Frankfurt a. M. ist der Bürger­meisterei hierselbst angezeigt worden, daß die Einricht­ung eines besonderen Militärfurhauses in Bad Nau­heim wünschenswert sei, weil die Zahl der Militärkur­gäste von Jahr zu Jahr zunehme, im Jahre 1894 14 und im Jahre 1901 93 betragen habe. Der hiesige Gemeinderat wird sich am 7. Juli mit dieser Sache, welche für die Stadt und das Bad von einer großen Bedeutung ist, beschäftigen.

mitunter. Er ist 28 Jahre alt und schreibt die be­wundernswerte Widerstandskraft seines Körpers seiner naturgemäßen Lebensweise zu, die er in einer fleisch losen und auch in Gemüsen beschränkten Diät, sowie in einer vernünftigen Leibeszucht übt, in einer täglichen, zur Gewohnheit gewordenen Gymnastik, die alle Organe des Körpers bewegt.

Diez,( Lahn). Der Kaiser genehmigte die Er­richtung eines Kaiser Friedrich- und Kriegerdenkmals dahter, dessen Einweihung Anfang September statt­finden soll.

Demission des Prof. Dr. Better in Bern.

tragen möchten. Die englischen Industriellen werden es erklärlicherweise besonders schmerzlich empfinden, in ihrer eigenen Kolonie von den Deutschen geschlagen worden zu sein. Das eröffnet aber den Deutschen günstige Aussichten für den Wettbewerb erst recht in nichtenglischen Ländern.

Vermischtes.

Cassel, 4. Juli. Der 62jährige Bauer Buhl im Dorfe Hohenrot hat seine 66jährige Ehefrau in einem Anfall von Geistesstörung mit einem Beil erschlagen.

*

In Halle a. d. S. stürzte sich, wie ein Telegramm von dort meldet, der an Typhus schwer erkrankte knechts, aus dem Fenster herab und erlitt einen Schädel­sozialistische Redakteur Swienti, ein Schwiegersohn Lieb­bruch, der seinen Tod zur Folge hatte.

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Das 14. Deutsche Bundesschießen findet 11jährige Schulmädchen Ella Fritsche aus Lichtenstein zum bestimmt vom 5.- 12. Juli 1903 in Hannover statt. * Zwickau. Einem Sittlichkeitsverbrechen ist das Opfer gefallen. Das Mädchen wurde von einem Unbe­fannten in ein Gebüsch geschleppt und vergewaltigt. Der Verdacht richtet sich jezt gegen einen Bergarbeiter.

Der derzeitige Rektor der Berner Hochschule, Prof. Nürnberg gehaltenen Rede nun auch von seinen akademischen Dr. Vetter, ist in dem Streit um die Auslegung seiner in akademischenbruch, Man hatte gegen ihn Frankfurt. Nach einer Verfügung des Justizministers Kollegen in Stich gelassen worden. eine Art Disziplinarverfahren eingeleitet, dessen Ausgang vom 1. Juli d. J. fönnen im Geltungsbereich der Ver­ordnung über die Ortsgerichte in den Oberlands ge- Professor Dr. Vetter als Abgesandter der deutschen schweize ift, wie gemeldet, eine Demission. In seiner Rede hatte richten Frankfurt und Kassel vom 20. Dez. 1899 im Falle des§ 2249 des Bürgerlichen Gesetzbuchs Noth- rischen Universitäten ungefähr folgendes ausgeführt: Er testamente außer vor den Gemeindevorstehern auch vor tomme aus einem deutschen Land mit allerdings sehr weit­gehenden Reservatrechten. Die Deutschen in der Schweiz hthaus. errichtet werden. Inbetreff der Gebühren und der Auslagen vollſter Weise bewußt. Der deutsche Schweizer vergeſſe es den Ortsgerichtsvorsteheru, die nicht Gemeindevorsteher sind, seien sich der Zugehörigkeit zur großen deutschen Nation in " gelten für die Ortsgerichtsvorsteher die gleichen Bestimmungen wohl bisweilen, daß seine Vergangenheit dieselbe sei wie die wie für die Gemeindevorsteher. des Deutschen Reiches, aber geistig sei er deutsch und werde es auch bleiben. Diese Zugehörigkeit bei dem Feste be­sonders zu betonen, deshalb sei er hier erschienen. Und des halb sei er hier erschienen. Und deshalb rufe er: Heil Nürnberg, Lu alte Stadt der Reichskleinodien und jeßt wieder die Stätte des schönsten Reichskleinods! Heil Ger­manisches Museum, welches immer wachsen und gedeihen möge!

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Offenbach, 5. Juli. In der photochemischen Fabrik von Dr. G. Krebs wurde heute Vormittag gegen 11 Uhr durch eine Explosion eine Holzbaracke zerstört und ein darin beschäftigter 22jähriger Arbeiter getödtet.

Darmstadt, 5. Juli. Prinzessin Elisabeth von Heffen ist heute bei ihrer Mutter, der geschiedenen Großherzogin Viftoria Melitta in Langenschwalbach zum Besuch eingetroffen.

Darmstadt. Die Prüfung für Hochbauaufseher, Damm- Meister und Kreisstraßenmeister im Spätjahr 1902 findet nicht statt.

Lohr a. M., 4. Juli. In der Nähe von Bischbrunn, wurde in der vergangenen Nacht ein schweres Ver­brechen verübt. Drei Handwerksburschen kampierten die Nacht im Freien. Während der eine schlief, fielen die beiden andern über diesen her, brachten ihm 20 Messerstiche bei. nahmen ihm die Baarschaft von 16 Mr. ab, warfen den tötlich Verletzten in ein Kornfeld und machten sich auf und davon. Die Thäter sind ent­tommen. Der Schwerverletzte, Tapezierer Megler aus Speyer wurde ins Spital gebracht.

s Aus Rheinhessen, 2. Juli, Fast die ganze Provinz Rheinhessen ist gegenwärtig von einer fürchter­lichen Mäuseplage heimgesucht. Die Landwirte stehen dieser Plage vollständig ratlos gegenüber. In vielen Gemeinden ist jetzt schon ein Drittel der Haferernte vernichtet.

Mainz, 4. Juli. Zur Mainzer Regatta am 20. Juli haben 21 Vereine mit 63 Booten gemeldet, die stärkste Beteiligung die je für Mainz da war. Gemeldet haben unter anderem: Frankfurt a. M.( Germania, Ruder­verein und Ruderklub), Offenbach, Oberrad, sämtliche Rudervereine Mannheims, Ludwigshafen, Speyer, Weglar, Hamburg.

Gonsenheim bei Mainz. Der hiesige Gemeinderat hat sich ganz entschieden geweigert, Bestimmungen über den Verkauf von leicht tuberkulösem Fleisch( sog. Freibantfleisch) zu erlassen. In einer Resolution an das Kreisamt heißt es, daß es unmoralisch sei, das Fleisch, welches die Wohlhabenden für ekelhaft und gesundheitsschädlich bezeichnen, für billigeren Preis den Armen zu verkaufen. Bravo.

* Worms, 4. Juni. Da sich bei Gelegenheit des legten Feuers in der Dampfziegelei von Kärcher und Weiler gezeigt hat, wie unhaltbar die hiesigen 3u­stände im Feuerlöschwesen für unsere Stadt von 40000 Einwohnern sind, so wird jezt von vielen Seiten ganz energisch die Gründung einer Berufsfeuerwehr angeregt.

r. Worms, 4 Juli. Der Verein für Gesund heitspflege hatte für gestern Abend seine Mitglieder einberufen um Herrn Karl Mann, den Sieger im Wett­marsch Dresden- Berlin, zu begrüßen und reden zu hören. Herr Mann legte an Pfingsten dieses Jahres den 202 Kilometer langen Weg von Dresden nach Berlin in 26 Stunden 58 Min. zu Fuß zurück, ohne Schlafpause, von Radfahrern begleitet. Von 32 Teil­nehmern an diesem Wettmarsch trug er den Preis da­bon. Das Wetter war schlecht, es regnete und Hagelte

Wegen dieser Betonung der geistigen Bu ſammengehörigkeit der deutschen Schweizer mit der deutschen Nation hat sich ein Entrüstungssturm gegen den Gelehrten erhoben, der ihn jetzt zur Einstellung seiner Unterrichtsthätig genötigt hat.

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Prof. Dr. Ferdinand Vetter, Bern Vertreter der Schweiz bei der Jubiläumsfeier des Germanischen Museums in Nürnberg.

Ein Erfolg der deutschen Industrie. englischen Industrie ist gelegentlich des Wettbewerbs Die Konkurrenzfähigkeit der deutschen mit der um die Lieferung von Lokomotiven für die Ostindische Eisenbahngesellschaft flar zu Tage getreten. Der Staatssekretär für Indien, Lord Hamilton, mußte auf eine Anfrage im Unterhause mitteilen, daß die betreffende Eisenbahngesellschaft die deutsche Offerte der englischen vorzog, weil deutscherseits ein um mehr als 25 p3t. billigeres An­gebot bei wesentlich fürzerer Lieferungsfrist firiert war. Die erforderlichen 32 Lokomotiven seien darauf end­giltig bei der deutschen Firma- A. Borsig, Berlin A. Borsig, Berlin -in Auftrag gegeben worden. Ueberraschend schnell hat sich also der Wunsch erfüllt, den unlängst, bei der Feier der Fertigstellung der 5000. Borsig'schen Loko­motive, der frühere preußische frühere preußische Eisenbahnminister v. Thielen äußerte: Daß die Erzeugnisse dieser Firma den Ruhm der deutschen Arbeit in ferne Länder

* Zittau, 3. Juli Der Gemeindevorsteher des be­deutenden Industrieortes Großschönau, May Weichelt, ist

nach Unterschlagung von 60 000 Mart Gemeindegelder gestern geflüchtet. Er wurde indeß bereits in Breslau ver­haftet. Weichelt spielte überall den großen Mann.

Koburg, 4. Juni.( Der Nat einer Karten­legerin.) Unter dem Verdachte des Giftmordversuches dem Städtchen Neustadt in das Gerichtsgefängnis zu wurde die Ehefrau des Bossierers Franz Geuther aus Koburg eingeliefert. Sie hatte sich, da ihre dreijährige The keine glückliche war, bei einer Kartenlegerin Rat geholt und diese hatte als das beste Mittel empfohlen, den Ehemann durch Gift aus dem Wege zu räumen. Die Kartenlegerin schickte eine giftige Substanz an Frau Geuther; durch Zufall kam jedoch die Sendung einer Namensschwester in Folge einer Adressenverwechslung in die Hände, wodurch das Verbrechen aufgedeckt wurde. Frau Geuther hat bereits ein Geständnis abgelegt, auch ist die Anstifterin verhaftet.

,, Alt- Heidelberg", Du feines! Anläßlich der 150. Aufführung von Alt- Heidelberg", die dieser Tage im Berliner Theater stattfand, hat Frizz Brentano das folgende launige Festlied( von Paul Lindau zu fingen) verfaßt:

Alt- Heidelberg", Du feines,

Du Stüd an Zugkraft reich, An Wirksamkeit fam feines

In der Saison Dir gleich. d

Stück glänzender Rapporte

Und der Kassierer Lust,

Hat man an jedem Orte

Zu schäzen Dich gewußt.

Ob Hof, ob Stadttheater, Ob Schmiere noch so klein, Dich preist der Bühnenvater, Alt- Heidelberg", allein.

Auch mir wurd'st Du so teuer, Wie eine reiche Braut, Gottlob, daß auf den Meyer­Foerster ich fest vertraut. Heidi, nun fann ohn' Sorgen Ich wandern in die Welt Was fümmert mich das Morgen, Ist doch mein Haus bestellt.

Wenn bang' die Andern fragen: Was wird im neuen Jahr? Set ich Dich ohne Zagen Wieder auf's Repertoir.

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* Barmen, 3. Juli. In dem Stadtteil Barmen- Ritters­hausen explodierte heute Vormittag ein Theerkessel. Bersonen wurden getötet, zwei schwer verlegt.

Drei

* Marienbad, 3. Juli. Heute früh brannte das Rudolfsheim nieder. Zwei Personen tamen in den Flammen Ein junges Mädchen sprang aus dem zweiten Stod werk herab und wurde lebensgefährlich verlegt.

um.

Appenrode. Der 21jähr. Sohn des Schneider meisters Gerlach stach sich mit einer Nähnadel ins Zahn­fleisch, um sich etwas Erleichterung von seinem Zahn­weh zu verschaffen. Nach einer Stunde zeigte sich eine