Ausgabe 
6.12.1902 Drittes Blatt
 
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Giessener Cagesnenigkeiten.

Bei der gestrigen Handelskammerwahl wurden fämt. liche seitherigen Mitglieder wiedergewählt. Das R sultat ist folgendes: Kommerzienrat Hechelheim erhielt 119 Stimmen, Kommerzienrat F. C. B. Koch 117, Herr E. Schmall 112, Herr Sch. Schirmer 110, Herr A. Raz 109, Herr C. W. Nomad 107, Herr Wilh. Zurbuch 106, Herr C. Röhr 102 und Herr E. Baiser 100. Von den übrigen Ran­didaten erhielt die meisten Stimmen Herr Banfier Grüne wald( 61 Stimmen). Von den ca. 440 Wahlberechtigt n des Wahlbezirkes Gießen Stadt hatten 159 ihr Wahlrecht ausgeübt. 21 Wahlberechtigte ließen ihr Wahlrecht durch ein n Vertreter ausüben. Unter den Wählern befand sich auch eine Frau. Auch in den Wahlbezirken Lich Hungen, Grünberg und Lauterbach wurden die seitherigen Mitglieder der Kammer wiedergewählt.

** Promenadenmusit 12 Uhr Süd- Anlage. Krönungs­marsch von Meyerbeer. Duverture zur Operette Frau Luna" von Linte. Maritana- Walzer von Dellinger. In­troduktion und Chor aus Lohengrin von Wagner.

** Wie aus dem Inserat in heutiger Nummer unserer Beitung ersichtlich ist, hält morgen, Sonntag den 7. Dez. die allgemeine Sterbefasse in Gießen ihre diesjährige neralversammlung ab. Die Tagesordnung ist sehr wichtig; es soll u. A. das Sterbegeld erhöht werden. Die Mitglieder mögen sich darum recht zahlreich einfinden.

**( Privattelegramm.) Bei der heutigen Biebung der 2. Al. 7. Großherzogl. Hessischen Landes­lotterie wurden nachstehende Haupt- Gewinne gezogen: die Prämie von 50 000 mt. auf Nr 7195 nach Darm­stadt und Zerbst,

5000 Mt. auf Nr. 7981( Trais) und 71 003 ( Weida und München),

3000 Mt. auf Nr. 91 089( Gotha), 2000 Mt. auf Nr 91 100( Dessau), 1000 Mt. auf Nr. 24 899( Weimar), je 400 mt. auf die Nr. 7995, 58 647, 72 610 und 92 114. ( Ohne Gewähr.)

*** Sonderbar! Als gestern Nachmittag Nachbars­leute aus der Wohnung eines alleinstehenden Papierhänd­leute aus der Wohnung eines alleinstehenden Papierhänd­lers in der Weftanlage Rauch emporsteigen sahen, und man die Thüre der Wohnung geöffnet, fand man den alten Mann in den letzten At mzügen quer über seinem Bette liegend, vor. Ein hinzugerufener Arzt fonnte nur noch den Tod in­folge Rauchvergiftung und erhaltener Brandwunden fonsta­tieren. Der Verstorbene hatte das Bimmer voll mit Papier gepfropft. Ueber die Entstehung des Feuers liegen sichere Anhalt punkte nicht vor.

*** Feuer. Von der Lahnstraße wurde gestern Nach­mittag Feuer gemeldet. Der an die Brandstätte beorderte Schuhmann fonstatierte Kellerbrand, welcher durch Stroh entstanden, jedoch weitere Dimensionen nicht angenommen hatte.

** Der Hausschlüssel im Rechtsverkehr. Zu dieser vielumstrittenen Frage macht Rechtsanwalt Dr. Jos f zu Fre burg i. B. in der Deutsch. Juristenztg." einige Bemerkungen, de vielfach interessieren dürften; er schreibt: Nach§ 536 hat der Vermieter die vermietete Sache dem Mieter in einem zu dem vertragsmäßigen Ge­braud geeigneten Zustande zu überlassen; daher hat er ihm at allen verschließbaren Räumen der Mieiswohnung Schlüssel zu übergeben, ebenso aber auch zur Hausthüre, die den Ein­tritt in das Haus von der Straße( oder sonst aus dem Freien) ermöglicht(§ 369 8. 1 St.-G.-B.) und unter allen Umständen des Nachts, oft aber, namentlich in großen Städten. auch des Tage, verschlossen ist. Währen aber die Verpflichtung des Vermieters betreffs der erstgedachten Räume sich durch Lieferung je eines Schlüssels erschöpft. entsteht die Frage, wie viele Schlüssel zur Hausthüre der Vermieter zu liefern verpflichtet ist. Mit der Lieferung nur eines Hausthü schlüssels, der etwa nur dem Mieter persönlich zur Benußung dient, ist nach der Verkehrssitte die Verpflichtung des Vermieters nicht erfüllt; der Vermieter fann nicht verlangen, daß des Mieters Hausgenossen den Versuch machen, durch Ziehen der Hausglocke den Einlaß in das Mietshaus zu erlangen, ein Versuch, der, falls Ne­mand in des Mieters Wohnung einheimisch ist, erfolglos ist. Der Mieter hat also einen Anspruch, daß der Vermieter ihm und seinen Hausger ossen durch Lieferung mehrerer Hausschlüssel den jederzeitigen Eintritt in das Mietsbauz ermögliche. Taraus folgt selbstverständlich nicht die Pfl cht

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des Vermieters, dem Mieter, der vielleicht eine große Anzahl| mehr wie bisher 500 Mart, sondern 200 Mart, erwachsener Hausgenossen hat, eine dieser entsprechende An­zahl von Hausschlüsseln zu liefern; immerhin wird das Verlangen der Lieferung von drei Hausschlüsseln billiger­weise gerechtfertigt sein; es ist hierbei zu berücksichtigen, weije gerechtfertigt sein; es ist hierbei zu berücksichtigen, daß der Dienstbote des Mieters einen besonderen Haus Schlüffel nicht wohl entbehren fann."

Aus Hessen und Nachbargebieten.

*** Lich, 4. Dez. Bei der heute stattgefundenen Han­deletammerwahl wurde Herr Brauereibesiger Ihring jun. gewählt. Man kann das Resultat als ein sehr glückliches

nennen.

E-.C. Ulrichstein, 4. Tez. Wir freuen uns hier, daß Großfelda endlich zur That schreitet und durch Ausarbeitung eines generellen Eisenbahnprojekts Anschluß an Ulrichstein sucht. Wenn man sich aber die vorhandenen Schwierigkeiten sucht. Wenn man sich aber die vorhandenen Schwierigkeiten für gar so gering vorstellt, dürfte man sich dabei einer schweren Selbsttäuschung hingeben, denn in Wahrheit häufen schweren Selbsttäuschung hingeben, denn in Wahrheit häufen sich bei dem gegebenen Terrain Schwierigkeiten an Schwierig feiten. Doch, wie ja f. 8t. die Groß- Pariser ganze deutsche feiten. Doch, wie ja f. 8t. die Groß- Pariser ganze deutsche Armeen verschwinden ließen, so wird es auch hoffentlich den neuen oberhessischen Klein- Parisern eine Leichtigkeit sein, die schwersten technischen Probleme spielend zu lösen!? Wie sie sich freilich mit den Orten Ruppertenrod, Oberohmen, Unter­und Oberseibertenrod, Ulrichstein, Helpershain, Feldtrucken, Rebgeshain, Engelnrod, Eichelhain, Eichenrod, Hörgenau und Hopfmannsfeld auseinandersetzen, die nur einen Anschluß nach Mücke suchen, aber keinen in Ehringshausen, schon aus dem Grunde, um den dorugen Dichter nicht aus seiner idyl­dem Grunde, um den dorugen Dichter nicht aus seiner idyl­lishen Ruhe zu weiteren Wutausbrüchen zu reizen, das dürfte eine weitere Frage sein.

*** Zeilbach, 5. Dez. Gestern Mittag wurde in dem an der Kreisstraße gelegenen Steinbruch von dem Gensdarm Lampe von Ruppertenrod, der weit und breit bekannte Heinrich Becht von Ober- Ohmen, im allgemeinen mit dem Spißnamen, grau Strumpf genannt, ertrunken und einge­froren aufgefunden. Am Dienstag Abend in der Dämme­rung ist er von Zeilbach nach Ober- Ohmen gegangen, und burch die Dunkelheit, sowie schlechtes Wetter, sicherlich von der Straße abgekommen und auf diese Weise seinen Tod gefunden.

Soziales.

2ähriger Wart zeit 300 Mart, nach 3jähriger 400 Mart und erst nach 4jähriger Wartezeit volle 500 Mart gezahlt werden. Aufgenommen werden sowohl kaufmännische wie technische Beamte von Gruben, Hütten und Fabriken jeder Branche. Anmeldungen werden vom hiesigen Zweigvereine, Vorsitzender Herr Karl Ockel, Riegelpfad 40, jederzeit entgegengenommen.

Kleines Feuilleton.

Die Homäopathie verglichen mit Heine's Salamiwurst. Auf der Rückkehr von einer nach Südfrankreich unter nommenen Reise traf Heinrich Heine in Lyon mit einem Freunde, einen deutschen Violinisten zusammen, welcher ihm eine ganz große Lyoner Salamiwurst gab, mit der Bitte, sie einem gemeinsamen Bekannten, einem homöo pathischen Arzt in Paris, zu überbringen. Heine ber­sprach den Auftrag auszuführen und übergab den föst lichen Leckerbissen der besonderen Obhut seiner Frau, welche mit ihm reiste. Aber der Weg war so lang und die Postkutsche fuhr so gemächlich, daß sich allmählich Appetit einstellte und der Poet die Salamiwurst mit sehr prosaischen Augen betrachtete. Sönnten wir nicht ein Stückchen davon kosten?" fragte plöglich die Frau. Kosten wir", antwortete ohne weiteres der Mann. Sie foſteten Beide, und ſo war der erste Schrift zu Die Verbreitu Bernichtung der Salami gethan; und Meile und Meile verringerte sich nun ihre vorher so stattliche Länge.

In Paris angekommen, wagte es Heine nicht, das Ueberbleibsel bon der langen Reise, das allerdings immer noch für ein Frühstück genügte, dem Arzt zu senden und doch wollte er auch den Auftrag des Freundes nicht ganz ignorieren. Was machen? Mit einem Mal fam ihm eine prächtige Idee. Er nahm sein Rasiermesser, schnitt ein ganz feines, ideales, fast unsichtbares Blättchen von der Salami, pacte es in einen Bogen Papier und steckte es in ein Coubert samt folgendem Billet: ,, Lieber Doktor! Aus Ihren wissen­schaftlichen Untersuchungen ist zu ersehen, daß der millionste Teil einer gewissen Substanz die größten Er­folge erzielt. Ich bitte daher um freundliche Aufnahme des hier beigefügten millionsten Teiles einer Lyoner Salamiwurst, welche mir unser Freund Ernst für Sie übergab. Wenn die Homöopathie eine Wahrheit ist, wird dieses Teilchen bei Ihnen denselben Effekt machen, wie die ganze Salamiwurst. Ihr Heinrich Heine."

Aufgebote.

Am 27. Nov. Johann Georg Geier, Schuhmacher in Azbach mit Katharine Philippine Henriette Zech dahier. Am 29.: Konrad Momberger, Sergeant dahier mit Katharine Ottilie Ranft in Beuern. Am 1. Dez.: Ludwig Weinrich, Fuhrmann dahier mit Katharine Bernhardt hierselbst. Am 3.: Friedrich Karl Reiner, Eisendreher dahier mit Katharine Volf in Launsbach. Eheschließungen.

Am 29. Nov.: Wilhelm Mohr, Spengler dahier mit Mathilde Johanna Marie Helene Jessing hierselbst; Heinrich Hansel, Taglöhner dahier mit Karoline Jungt hierselbst; Johannes Becker, Straßenwärter dahier mit Susanne Teiller hierselbst; Heinrich Menges, Post­assistent in Großen- Linden mit Karoline Wilhelmine Luise Wißner dahier.

Der Deutsche Gruben- und Fabrikbeamten- Berband mit dem Size in Bochum i. W. tritt in neuerer Zeit wiederholt in den Vordergrund des Interesses. Der Ver. band, der an allen Hauptp äßen Deutschlands und auch an Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen. Nebenorten durch 250 Zweigvereine mit über 12000 Mit­gliedern vertreten ist, hat äußerst segensreich gewirft. Die Sterbefasse fonnte im Laufe dieses Jahres bereits 52 250 Mt. an Hinterbliebene der Mitglieder bezw. Mitglieder selbst zahlen. An Zuschuß zum Sterbegelde wurde aus der Ver­bandskasse seit Anfang dieses Jahres 7650 Mark, an Unterstützungen für Wittwen und hülfsbedürftige Mitglieder 3816 Marf gezahlt Im Ganzen betrug die gezahlte Summe set Bearündung des Verbandes bis heute an Sterbegeld 339 250 Marf, an Zuschuß zum Sterbegeld 19 475 Mart, an Unterstütz ingsgeldern 22458, Mart. Troß den ver­hältnismäßig geringen Beiträgen von 70 Bfg. zur Verbands fasse und durchschnittlich etwa 1 Mart pro Monat zur Sterbekasse und den verhältnismäßig großen Leistungen( nach einjähriger Wartezeit im Sterbefalle eines Mitgliedes 500 Mart, im Sterbefalle der Frau eines Mitgliedes 250 Mark Sterbegeld, sowie den alljährlich vor Weihnachten an sämt­liche Wittwen und Waisen der verstorbenen Mitglieder ge= zahlten Unterstützungen, die in einzelnen Fällen bereits 90 Mart betrugen, und den Unterstützungen von Fall zu Fall), hat der Verband ein Kapital von rund einer halben Million Mark ansammeln können. Aber nicht allein durch Geldmittel unterstüßt der Verband seine Mitglieder und deren Angehöriger, sondern auch durch eine trefflich einge­richtete und start benußte Stellenvermittelung. Ein eigenes Verbandsorgan verm ttelt den Verkehr zwischen Vorstand und Zweigvereinen. Auf dem leßten Delegirtentage ist be= schlossen worden, daß mit dem 1. Januar 1903 das auf nabmefähige Alter, welches bislang 45 Jahre betrug, auf 40 Jahre heruntergesezt wurde, vom gleichen Zeitpunkte ab wird für die Sterbefasse die Einrichtung getroffen, daß nach einjähriger Wartezeit für neueintretende M talieder nicht

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Am 27. Nov. Dem Kutscher Friedrich Thiele ein Sohn, Friedrich Heinrich; dem Fuhrmann Karl August Wolf ein Sohn, Johann. Am 28.: Dem Kutscher Reinhard Jakob Heil ein Sohn, Ernst; dem Schuh­macher Heinrich Fuchs ein Sohn. Am 30.: Dem Schriftseter Paul Scheibe ein Sohn, Paul Georg Karl Robert. Am 3. Dez.: Dem Drahtflechter Georg Alatyif ein Sohn.

Gestorbene.

Am 28. Nov.: Anna Marie Benner, 3 Jahre alt, Tochter des Hausicrers Friedrich Benner dahier. Am 29. Friedrich Christian Görlach, 65 Jahre alt, Lehrer i. P. dahier. Am 5. Dez.: Johanna Petri, geb. Beck, 41 Jahre alt, Witwe des Versicherungsbeamten Karl Petri dahier.

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Druck und Verlag der Gießener Verlagsbruderei, für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

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