Ausgabe 
5.7.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 153.

Zweites Blatt.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mr. 1 50.

Gratisbellagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Samstag, den 5. Juli 1902.

Gießener

11. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie: ganz Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pf., sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Aus Hessen und nachbargebieten.

m. Laasphe, 4. Juli. Vom Unglüd verfolgt wird die Familie Wacker aus dem nahen Habicke. Vor einigen Tagen stürzte ein Sind den hohen Damm des Hüttengrabens herunter und kam unten todt an; ein zweites Kind der Familie erlitt den Tod durch Ver­brennen. Jetzt ist gestern die Familie wiederum in tiefe Trauer versetzt. Das 10 jährige Mädchen, welches von der Mutter ausgeschickt war, kam nicht wieder zurück und es wurden Leute ausgeschickt, um das Kind zu suchen. Der unglücklichen Mutter wurde das Kind, welches eine Böschung hinabgestürzt war, als Leiche ins Haus gebracht. M. Altenkirchen, 4. Juli. Ein recht bedauerlicher Vorfall ereignete sich in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch im Hause des Maler und Anstreichermeisters Spiegel. Der Anstreichergehilfe Hermann Grashof, wurde von dem erst einen Tag bei S. in Arbeit stehenden Anstreichergehülfe Frizz aus Hadamar infolge eines plöglich gegen Mitternacht bekommenen Tobsuchts­anfall durch einen Messerstich an die linke Brustseite ermordet. Der Mörder flüchtete auf das Dach, nur mit dem Hemde bekleidet und stürzte von dort herunter. Als Seine dabei erlittenen Verlegungen sind schwer. er sich wieder erhob, wollte er von der schrecklichen That, die er verübt hatte, nichts wissen. F. wurde gefeffelt ins Amtsgerichtsgefängnis transportiert und in ärztliche Behandlung genommen.

8wei spielenden Nachbarskindern in Treisbach fiel gestern ein geladener Revolver in die Hände. Einem 9 jährigen Jungen, der sich daran zu schaffen machte ging die Waffe plößlich los und das Geschoß drang seinem Spielgefährten, einem 6 jährigen Knaben in die rechte Brustseite, was seinen Tod zur Folge hatte.

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Vermischtes.

* Frankfurt. Die Festhalle für den Sängerwettstreit auf dem Platz der früheren Rosenausstellung errichtet werden, der dem Eisenbahnfisfus gehört und gegen­wärtig von der Firma Straßheim gepachtet ist. Der Fistus überläßt ihn fostenlos. Im Erdgeschoß der Halle sollen etwa 4700 Personen Siggelegenheit finden, auf der Gallerie finden 3350 Personen Unterkunft. Die Galleriepläge sollen die besten, d. h. auch die teuersten werden. Die Halle er­hält eine Länge von 65 und eine Breite von 30 Meter.

Auf dem Podium fönnen 1600 Sänger und 120 Musiker Plaz finden. Dem Podium gegenüber befindet sich die Raiserloge, nebenan Pläge für die Preisrichter. Die Ge­samtkosten sind auf Mt. 160 000 veranschlagt.

Gedenke, daß Du ein Deutscher bist! Rüttle Dich! recke Dich, schwäbischer Bauer, Wurde bis heute das Leben Dir sauer. ' s kommt immer ärger!' s kommt immer besser! Sie nur, es steigen die bösen Gewässer, Wenn Du nicht schüßest Dein Dorf und Dein Haus, Strömt bald herein das wilde Gebraus.

u. s. w.

Wegen Veröffentlichung dieses Gedichtes, das auch wir lezzthin brachten, schreibt die Rh. Westf. 3tg.", das der Redakteur Arthur Korn verfaßt hat, wurde er am 17. Juni, wie wir schon gemeldet haben, in Szegedin wegen Verbrechens der Aufreizung gegen die magyarische Nation zu sechs Monaten schweren Kerkers verurteilt. Der magyarische" Staatsanwalt, der diesen Justiz­mord mit den unerhörtesten sophistischen Verdrehungen zu Stande gebracht hat, hört auf den urdeutschen Namen Winkler". Dieses Urteil ist charakteristisch für die Anschauungen der Magyaren und giebt ein treffendes Bild von den dortigen Verhältnissen. Wenn man an die Worte des Großen Kurfürsten denkt, Gedenke, daß Du ein Deutscher bist", und sie im Auslande den Deutschen ins Gedächtnis zurückruft, wird man zum Verbrecher gestempelt.

Wie das Urteil enstanden ist, entnehmen wir den Zeitungsberichten. In der unwürdigsten Weise wurden die Geschworenen beeinflußt und Politik in den Schwur­gerichtssaal getragen. So schrieb am Tage vor der Verhandlung das magyarische Szeg. Tagbl." in einem offenbar von dem sauberen Staatsanwalt Winkler in­spirirten Artikel:

,, Morgen wird Arthur Korn, der Groß- Kikindaer pangermanische Agitator, vor dem Szegediner Ge­schworenengerichte stehen, um für seine Aufreizungen gegen die magyarische Nation die gebührende Strafe zu erhalten. Wir glauben, daß kein Szegediner sich mehr finden wird, der dem Reiche zum Schimpfe und zur Schande Szegedins nochmals für Arthur Korns Freispruch( ein solcher war thatsächlich in einem früheren Strafprozeß erfolgt) stimmen wird. Genug an dem einen Fleck, an dem schmachvollen Urteil von letthin. Die Herren Geschworenen, welche dort draußen im Palaste am Morsplaze über Arthur Korn urteilen werden, sollen wohl verstehen, daß sie nicht blos eine

strafrichterliche Funktion erfüllen, fondern auf Augen­blicke berufen sind, selbstbewußte magyarische National­politik zu machen."

-

Die Geschworenen handelten danach, wie das Urteil zeigt. *( Der Kerl lebt ja uoch!"...) Aus Heidel­berg wird der Frtf. 8tg." über einen höchst merkwürdigen Vorfall berichtet: Ein Vorgang, der sich am 1. Juli hier abgespielt hat, dringt jetzt trotz aller Versuche, ihn zu ver­tuschen, in folgender Form ins Bublifum: Nachmittags ver­sammelten sich sechs Studenten in der Wohnung eines vou ihnen, eines jungen Mediziners, und beschlossen, einer ge­wissen Weibergeschichte durch ein amerikanisches Duell einen würdigen Abschluß zu geben. Nachdem zwei von ihnen ausgelooft waren, loosten diese beiden unter sich, und die scharze Kugel traf den jungen Mediziner, den Besitzer des Zimmer. Dieses neunzehnjährige Bürschchen- es soll der Sohn eines höheren Beamten in Karlsruhe sein wurde von den übrigen bedeutet, seinem Leben zwischen 6 und 8 Uhr ein Ende zu machen; er durfte zwischen brei ihm vorgelegten" Todesarten wählen und entschied sich für das Deffnen der Pulsadern. Nachdem einer der jungen Leute die fünftige Todtenmaske" des Berurteilten, sowie die des Studenten, der vorher mitkonkurrirt, gezeichnet und diese Kunstwerke zu beiden Seiten eines Schädels auf dem Tische untergebracht hatte, entfernten sich die Fünf. Gegen acht Uhr verlangte der Hausherr, der vielleicht Un­gewöhnliches bemerkt hatte, Einlaß in das verschlossene Zimmer des Studenten. Der junge Mann antwortete, er fühle sich zu schwach, die Thür zu öffnen; doch gelang es ihm endlich aufzuschließen. Zu seinem Entsezen fand der Hausherr das Zimmer über und über mit Blut besudelt; der junge Mann hatte eine Anzahl tiefer Schnittwunden im Arm und eine am Halse, die sich der Unglückliche mit einem Instrument aus seinem medizinischen Bested beige­bracht hatte. Sofort wurden zwei Professoren der Medizin herbeigerufen. Während der Hausherr, die Herren er­wartend, bei dem Schwerverwundeten Wache hielt, erschien einer der fünf Studenten, um zu erfahren, ob das Urteil" vollstreckt sei. Da er noch Leben in dem Verurteilten" fah, stieß er in mit dem Fuße ans Bein und sagte verächt­lich: Pfui, der Kerl lebt ja noch, der hat sich ja nur geftupft! nur geftupft!- eine Scene für die Rubrik" Gemüts­menschen" des Simplicissimus. Der junge Mediziner wurde in die Klinik verbracht und befindet sich heute außer Lebens­gefahr. Es heißt, daß die Staatsanwaltschaft bereits Renntnis von dem Vorfall habe, der für die Lebensauf­fassung gewisser studentischer Kreise so charakteristisch ist.

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Nr. 151.

Oberhessische Familienzeitung.

Dinge auf Sbrer Station infolge der Dürre, der Hochilut,

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zwischentreten erstochen worden sein.

Seite 2.

Sie sehen aber, was ihn

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Doch das ist seine

Nr. 151

Kleines Feuilleton.

Oberhessische Familienzeitung.

Seite 3.

bum meim Batter, un Sie sollte des do etnride.

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Herr Expediter

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Ja' schteht awer nod Biewele? froogt'n d'r