Ausgabe 
3.12.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 282.

Zweites Blatt.

en Breuz in Giovanement preis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg.,

pflege und Unterfti im Felde).

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ätigkeit des Zweigvereins

Anträge von Seitenb Vereinsmitglieder.

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Schmidt.

ins Haus gebracht 60 Pfg., burch die Poft bezogen viertel­jährlich Mr. 1.50.

Gratisbeilagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglich) Oberheffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Mittwoch, den 3. Dezember 1902.

Gießener

11. Jahrgang.

Infectionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Bfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. Fernsprechanschluk Nr. 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und solche der Großh. Provinzialdirektion von Oberhessen

weg 18. Schatzgräber am Meeresgrund.

Modeware

geldenke

- Ein Wunder moderner Technik.

( Nachdruck verboten.) Wunderbare Aussichten in die Zukunft eröffnet uns eine Erfindung, die man seit Jahrhunderten angestrebt hat, und die jetzt, wo man sie schon nicht mehr erhofft hat, Wahrheit werden soll. Wie Kapitän Nemo, der Held bess bekannten Verneschen phantastischen Romans ,, 20 000 Meilen unterm Meer", wird man die Tiefen des Mee­res durchspähen und die Fluten nach allen Richtungen Wollwa durchqueren können. Die Schäße, die das raubgierige -feine Geschenkat Meer verschlungen, werden vor unseren Augen offen lie­gen, und das Wasser wird seine Beute wiedergeben müssen, die es seit Jahrtausenden verborgen hält.

renfoden.

rencravatten, Kry 8. Unterzenge ve huzem ein Unterseeboot zur Wiedererlangung unter­Der italienische Ingenieur Guiseppe Pino hat vor gegangener Schiffe und Ladungen erfunden, das in seimer Art ganz einzig ist und den Wünschen langer Zeiten gerecht zu werden scheint. Der junge Er­finder hat am Golf von Genua in Gegenwart der Be­hörden erfolgreiche Versuche gemacht, bei denen es ihm gelang, bis zu einer Tiefe vor 90 Metern hinunter­

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fel von 40 Bia- teigen und in weniger als zehn Minuten ein in den Schnür- u. Schat und gebohrtes Schiff an die Oberfläche zu bringen. Taucher können höchstens in einer Tiefe von 30 Metern usleitende. arbeiten, wegen des starken Wasserdruckes, der bei 40 che Gummisch etern 4 Kilogramm pro Quadratzentimeter beträgt. rühmten Trivino aber kann in seinem Boote dem stärksten Wasser­Ciefel. bruce Widerstand leisten und in jeder beliebigen Tiefe arbeiten. Das eiförmige Boot ist ganz aus Stahl ge= bant. Um arbeiten zu können, hat Pino einen mecha­nischen Arm erfunden, der, ganz wie ein Menschenarm, 15 Neuenbär iede Bewegung ausführen kann. Das Boot ist schon in einer Tiefe of 150 Metern erprobt worden. Der Er­finider ist mindestens 140 Mal hinabgestiegen und hat bei 130 Metern arbeiten können. Zwei Personen fön­nem in dem Boote zwölf Stunden hintereinander ar­

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eiderschränke, Berbeiten: en, Bettstellen, k

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Von dem Schiffe aus kann man durch besonders Das Boot steigt mit einer Schnelligkeit von 3.50 Metern in der Sekunde herunter und herauf. Man kann es bei jeder beliebigen Tiefe sofort stehen bleiben lassen. Auf dem Meeresgrunde fährt es mittels eines wunder­

fonstruierte Scheiben die Gegenstände ganz genau sehen.

er, Möbelfabriken berwerts, das von einer elektriſchen Schraube Bewegung gesetzt wird, wie ein Wagen umher. Die Leute, die sich im Boote befinden, bleiben mittels des ss- Felda. öbelwerden schnellstens an Telephons in ununterbrochener Verbindung mit der Großer heller hen, wie bedeute kann aus dieser Beschreibung leicht er­mit oder ohne Wohnung der unterseeischen Arbeit löst.

verkehrsreicher Lage per i später zu vermieten.

Pinos Erfindung ist, die das Problem

Pino hat aber noch einen anderen wunderbaren Mäh. Neuſ warat erfunden, den er Hydroskop" nennt: mit Hilfe Daselbst find zwei, dieses Apparates fann man an der Oberfläche des Meeres Ladenschränke mit genau die Gegenstände sehen, die sich in irgend einer und Schiebtbüren u ber Tiefe befinden, sie photographieren und sie dann ohne 3-4- Zimmerwol große Ausgaben und mit der größten Leichtigkeit wieder­III Stod, fofort zu verm langen. Ein Versuch dieser Art wurde vor kurzem im Näb. Marburger Mittelmeere gemacht. Die Resultate sind fast unglaub­Pleine Familienwoh ich. Ein Wasser- Volumen von 15 000 kubikmetern über

fort zu vermieten.

iner Meeresgrundfläche von 1500 Metern Umfang wurde

Näb. Tiefenwed glänzend beleuchtet, daß man alle Gegenstände im Oreusplay 6 11 Std Basser und auf dem Meeresgrunde genau sehen konnte. 3- Zimmerwohna dabei war der Apparat sehr klein und einfach, während Rüche per fof. eb. später die Instrumente, die zu industriellen Zwecken konstruiert Näh. Südanlage 10 b ber den dürften, viel stärker und größer und dabei nicht eräumige Manfarden sehr viel kostspieliger sein werden.

zu vermieten.

Der Wert seiner Erfindungen für Kunst, Wissenschaft

Näb. Südanlage Nr. und Leben läßt sich gar nicht abschäzen. Man muß sich

chöne Wohnung,

bor Augen halten, welche unermeßlichen Schäße und

nebft Küche, fofortkunstwerke das gierige Meer im Laufe der Zeiten an Näh. Wallthorstraße sich gerissen hat, daß ganze Erdteile mit ihren Kulturen 2 feine möbl. 3 Intergegangen sind. Jeden Monat scheitern durchschnitt­Emil Bender, Neuf bier eröffnet die Erfindung ganz neue Bahnen. In der

zu vermieten.

Kirchenplas

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lich 180 Schiffe, deren Bergung zumeist unmöglich war.

zten Versammlung der Schiffsbautechnischen Gesell­shaft war von der Möglichkeit der Hebung des unter­die Rede, und dem Kaiser wurde ein interessanter Ver­jch vorgeführt. Wie ungemein würde dieser Plan durch

und Zubehör er gegangenen deutschen Kriegsschiffes ,, Großer Kurfürst"

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Jahren gchables Erfindung erleichtert! Durch sie wird es uns meinem Hause Aftermoglich, selbst Schäße aus dem Altertum wieder zu Equilaterat Doriaco hegt neuerdings die Absicht, den Meeresgrund

fofort oder fpäter zu

Ummer auch eine

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Schlachtf Rindfleis

Sage zu bringen. Der als Mäcen bekannte Fürst von

in der Nähe der Insel Delos nach altgriechischen Kunst­werffen abschürfen zu lassen. Wenn er sich Pinos Er­findrung dienstbar macht, so wird seinem genialen Blan ider Erfolg nicht mangeln.

Daß die Erfindung in der Schiffsbautechnik eine Mevcolution bedeutet, steht außer Frage. Die Kabellegung wird ebenso leicht sein, wie das Durchschneiden der Ka­

Heute und ein Kriegszeiten. Unterseeboote und Torpedoboote

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dürfte Pinos Hydroskop ganz unnötig machen, denn der Kommandeur eines Kriegsschiffes wird sie genau sehen und, bevor sie Schaden angerichtet haben, in den Grund bohren können. Auch die Handelsmarine wird aus die­ser Erfindung großen Nußen ziehen können, denn der Kapitän eines Schiffes wird nicht nur den Meeresgrund, sondern sogar den Kiel seines eigenen Schiffes sehen fönnen. Er wird daher klippen und Sandbänke ver­meiden und etwaige Schäden am Schiffe sofort finden und ausbessern können. Für die Taucher und die Fi­scher wird der Apparat natürlich gleichfalls von großer Bedeutung werden; die Zahl der Fische in den unteren Meerestiefen ist so groß, daß sie dem Ingenieur Pino, als er in seinem Boote unten war, fast den Ausblick raubten. Was soll man noch von den unermeßlichen Schäßen sagen, die im Meere begraben sind? Von den Korallenbänken, den Schwammfeldern, den Perlmuscheln u. s. w.? Die Zoologie und die Botanik werden durch die Erfindung mit viel geringerer Mühe größeren Auf­schluß erhalten, als durch die kostspieligen Plankton­fischereien, die das Interesse der gesamten gebildeten Welt erregten. Man kann sich kaum eine wunderbarere Erfindung denken. Wie ein Traum klingt's, und doch ist es Wahrheit!

In Nacht und Eis, Leiden eines prinzlichen Nordpolfahrers.

( Nachdruck verboten.)

Das mit großer Spannung erwartete Buch des Her­zogs der Abruzzen, des Vetters des Königs von Ita lien, über seine Nordpolreise auf der Stella Polare" ist bei Ulrich Hoepli in Mailand erschienen, und die ita­lienischen Blätter bringen lange Auszüge aus dem Werke. Interessant ist die Schilderung, die der Herzog von dem Lagerleben während der langen Polarfahrt entwirft.

Am 8. September 1899 hatte sich das Schiff in der Teplitz- Bai, wegen des starken Druckes der Eisschollen, mit Wasser gefüllt und mußte verlassen werden; man schlug an der Küste ein Lager auf. In diesem Lager, unter dem unaufhörlich niederrieselnden Schnee, in der tiefen, entweder vom Monde erleuchteten oder vom Nord­licht schwach erhellten Nacht brachten die kühnen Nord­polfahrer den langen Winter hin. Das Lager bestand aus zwei Zelten. In einem wohnten auf der einen Seite der Herzog, die Offiziere Cagni und Querini und der Arzt Cavalli, auf der anderen Seite die norwegischen Offiziere. Das andere Zelt war für die Mannschaft ein­gerichtet worden. Die Zeiteinteilung war ganz so wie an Bord des Schiffes; man führte ein geregeltes Leben wie in einer Pension. Um 7 Uhr erhob man sich vom Lager; um 8 Uhr erstes Frühstück, von 9 bis 12 Arbeits­zeit; um 12 Mittagessen; dann wieder Arbeit bis 5; um 6,30 Uhr Abendbrot; um 10 Uhr ins Bett. ,, Während die Stunden des Tages," schreibt der Herzog ,,, mit ihren verschiedenen Beschäftigungen schnell genug vergingen, war der Abend lang. Nach einigen Monaten waren die Gesprächsstoffe erschöpft, und um nicht immer dasselbe zu wiederholen, sprach man wenig."

Am 15. Oftober sah man zum letzten Male die Sonne untergehen; am 20. November war von Licht keine Spur mehr vorhanden und man bemerkte keinen Unterschied zwischen Mittag und Mitternacht. Die Polarnacht hatte begonnen; und während draußen in großen Flocken der Schnee fiel und der Schneesturm wütete, arbeitete man in den Zelten eifrig, um für die Fortseßung der Nord­polfahrt im Frühling, bei Wiederkehr des Lichtes, alles Erforderliche fertig zu machen; und wenn das Wetter es erlaubte, arbeitete man auf dem Schnee und auf dem Eise an der Ausbildung der Hunde".

Während einer dieser ,, Unterrichtsstunden" ereignete sich der Unglücksfall, der den Herzog zwang, die Leitung der Expedition seinem Begleiter Cagni zu überlassen. In seinem Berichte über die Gesundheitsverhältnisse während der Ueberwinterung erzählt der Arzt Cavalli, daß der Herzog, leicht gekleider und die Hände mit dünnen Handschuhen bedeckt, das Lager verlassen hatte, um eine Stifahrt zu unternehmen. Unterwegs traf er seine Gefährten, welche die Hunde unterrichteten, und schloß sich ihnen an. Durch die guten Eisverhältnisse verlockt, entfernte man sich weiter als sonst vom La­ger. Nach einer halbstündigen Schlittenfahrt sahen sich der Herzog und seine Begleiter plößlich von einer dich­ten Schneewolfe eingehüllt, die, wenn das überhaupt mög­lich war, die Luft noch mehr verdunkelte; sie entschlossen sich zur Rückkehr, indem sie darauf bauten, daß die Hunde den Weg zum Lager finden würden; aber der Schnee hatte die Schlittenspuren bedeckt; die Hunde liefen mit rajender Schnelligkeit, da sie sich auf dem Rücken einer offenbar schräg abfallenden Eisscholle befanden. Auf dem ersten Schlitten standen der Herzog, Cagni und der Führer Betigar, die plöglich den Schlitten halten ließen und uk weitergingen; sie hatten aber faum zwanzig Me­

ter zurückgelegt, als sie merkten, daß das Eis zu einem Abgrund führte. Sie drehten sich um und wollten die Gefährten warnen; aber es war umsonst; die Hunde liefen im Galopp auf das Licht zu, das Betigar in der Hand trug, und zwei Schlitten mit den vorgespann­ten Hunden stürzten von einer Höhe von mehr als 7 Meterи in die Tiefe und rissen den Herzog und Cagni mit sich. Die Gefährten brachten ihnen zwar sofort Hilfe; aber sie mußten noch drei Stunden, in Finsternis und Sturmesbrausen, kämpfen, che sie das Lager er­reichten.

Cagni hatte einen Handschuh verloren, und der Zeige­finger seiner rechten Hand war erfroren; der Herzog, dessen linker Handschuh geplaßt war, kam in noch schlim­merem Zustande im Lager an: je zwei Glieder des Mittel­fingers und des Ringfingers seiner linken Hand waren erfroren. Die beiden Finger, von einem aschfarbenen Weiß, waren hart wie Stein, man tat alles mögliche, um sie zu retten; aber nach zwanzig Tagen mußte Dr. Cavalli zur Amputation schreiten. Der Mittelfinger verlor zwei Drittel des letzten Gliedes und der Ringfinger ein Drittel. Cagni's Verleẞtung war weniger schwer; er fam mit dem Verluste des Nagels und der Fingerhaut davon. Von der Kälte, welche die Nordpolfahrer auszuhalten hatten, kann man sich kaum einen Begriff machen; wer das Zelt verließ, hatte bald eine Eismaške vor den Augen; einem Manne waren eines Tages die Augen völlig zugefroren, so daß man ihn wie einen Blinden ins Zelt führen mußte, wo er am warmen Ofen die Sehkraft wieder­erlangte. Die Hand, die ohne Schuß Metallsachen be­rührte, empfand einen Schmerz wie bei einer Brand­wunde, und ein weißlicher Streifen zeigte die Stelle an, die mit dem Metall in Berührung gekommen war.

Wahrlich, zu bewundern sind die Männer, die im Dienste der Wissenschaft immer wieder furchtlos ihr Leben ein­seßen, um den Wall von Eis und Schrecken, hinter dem sich das Geheimnis des Nordpots so hartnäckig birgt, dock endlich siegreich zu überwinden.

Nab und fern.

:| Das beschlagnahmte Kriegsschiff. Aus Genua wird gemeldet, daß dort ein türkisches Kriegsschiff, die ,, Massudije" von der Firma Ansaldo gepfändet worden ist. Statt des Halbmondes weht von seinem Heck die italienische Trifolore. Der Sultan hatte die 1885 erbaute ,, Massudije" nach der Ansaldoschen Werft in Sampier­darena bei Genua gesandt, damit sie ein modernes Gewand erhalte. Das hat sie schon seit fast einem Jahre nach allen Regeln moderner Technik bekommen, dagegen die Firma Ansaldo kein Geld. Im Gegenteil mußte sie in letzter Zeit noch den die Arbeit übernehmenden türkischen Offizieren ihren Sold auszahlen. Jezt wurde ihr aber die Sache zu bunt und sie ließ durch den Gerichtsvollzieher die Massudije" solange als gute Prise erklären, bis die Türkei die rückständigen Raten zahlt. In Kiel wurde übrigens vor gar nicht langer Zeit auch einmal ein tür­fisches Kriegsschiff wegen Proviantschulden mit Beschlag belegt.

Eine Brandkatastropch wird aus Montreal in Kanada gemeldet. In Rat Portaga am Woodssee wütet eine furchtbare Feuersbrunst, der bereits Lagerbestände von 25 Millionen Kubikfuß Bauholz, eine Schiffswerft, sechs Dampfer, zwei Segelschiffe, elf Wohnhäuser sowie mehrere Lagergebäude zum Opfer fielen. Frauen und Kinder ziehen sort, um sich in Sicherheit zu bringen, während die Männer den noch unversehrten Teil der Stadt zu retten suchen.

) Eine furchtbare Aetherexplosion, durch die eine große Anzahl Personen teils getötet, teils schwer verwundet wurden, fand in dem russischen Orte Troßno im Gouver nement Pstow statt. Dort huldigen fast alle Bewohner, Männer, Frauen und sogar Minderjährige, dem Aether­genuß. Der Aether wird, mit Wasser verdünnt, mit Spiritus vermischt oder auch in unvermischter Gestalt, teils als Rausch, teils als Arzneimittel getrunken. Der Kampf der Behörden gegen dieses Laster ist zu keinem positiven Resultate geführt, im Gegenteil, es wird mit jedem Jahre allgemeiner und verbreiteter, und es ist beinahe selbstverständlich, daß bei Hochzeiten und ähn­lichen Festlichkeiten die Gäste mit Aether bewirtet werden. Der Aether wird von den Bauern teils aus Pstow, teils aus Petersburg, Riga oder Reval eimerweise bezogen und in großen Quantitäten in den Bauernhäusern aufbe­wahrt. Dieses führte zu der erwähnten erschütternden Katastrophe. Ein Bauer in Troßno feierte die Hochzeit jeines Sohnes. Er hatte zu diesem Tage zwei Eimer Mether tommen lassen. Als das Bauernhaus bis auf den legten Plaz gefüllt war, begann er den Aether in Flaschen zu gießen. Plötzlich erfolgte eine heftige Explosion, und es wurden sechs Kinder getötet; ein Erwachsener wurde lebensgefährlich und vierzehn andere wurden mehr oder minder schwer verlegt.