Ausgabe 
3.9.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 204.

Erstes Blatt.

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Mittwoch, den 3. September 1902.

Gießener

11. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3082.

Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckeret, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Die Entwickelung der Be­völkerung des deutschen Reichs.

Von Prof. Dr. M. B- r, Gießen.

I.

( Nachdruck verboten.)

auf Preußen Bayern

Sachsen

341 Millionen

6,2

"

4,2

"

"

1,9

"

Elsaß- Lothrigen 1,7 1,1 Hessen

"

Württemberg 2,2

Baden

Bei der Gründung des Reiches( 1871) betrug die Bevölkerung 41 Millionen; sie hat sich also in dem furzen Zeitraum von 3 Jahrzehnten um mehr als ein Die heutigen wirtschaftlichen Zu Drittel vermehrt.

Unsere amtlichen statistischen Quellenwerke sind nach Umfang und Preisgestaltung bedauerlicher Weise recht wenig geeignet, fich Eingang in das große Pub­lifum zu verschaffen. Man hat diesem Uebelstand dadurch abzuhelfen gesucht, daß man populär gehaltene statistische Taschenbücher, die sich Jedermann anschaffen fann, auf den Büchermarkt brachte. Ein solches Vorstände müssen unter dem Gesichtspunkte der fortgesetzt gehen verdient gewiß unbedingten Beifall, denn die starken Volksvermehrung betrachtet werden, und man Kenntnis der wichtigsten statistischen Daten der Gegen- wird in der Wirtschaftspolitik der Gegenwart die vor­wart gehört heutzutage zum täglichen Rüstzeug jedes ge- aussichtliche Thatsache, daß das deutsche Reich im Jahre bildeten Staatsbürgers. Leider sind aber die meisten 1925 etwa 80 Millionen Einwohner zu ernähren hat, unserer statistischen Taschenkalender recht unvollkommen nicht unberücksichtigt lassen können. ausgefallen und haben deshalb die erwartete Verbreitung nicht gefunden. Das Mißlingen liegt hauptsächlich daran, daß man unterlassen hat, die trockenen und er­müdenden statistischen Daten und Zahlenreihen mit einem furzen orientierten Text zu versehen, das weniger Wichtige sorgfältig von dem Wichtigeren zu scheiden

Ueber die Bevölkerungsbewegung in früheren Jahr­hunderten haben wir nur ganz algemeine und unge­fähre Vorstellungen. Einigermaßen zuverlässige Volks­zählungen sind erst Ende des 18. Jahrhunderts vorge­nommen worden. Sicher ist jedenfalls, daß die Be­Jahrhunderts sich mehr wie verdoppelt hat.

Durchschnittliche jährliche Zunahme.

Jahr Volkszahl

1820 1825 1830 29,5 1835

26,3 Mia.

1,43 Proz.

28,1

1,34

"

"

0,98

"

"

30,9

0,94

"

"

1840 32,8

1,16

"

"

1845

34,4

0,96

"

"

1850

35,4

0,57

"

"

1855

36,1

"

0,40

ff

1860 37,7

0,88

"

"

1865

39,7

0,99

"

"

1870

40,8

"

0,58

"

1875

42,7

0,91

"

"

1880

45,2

1,14

"

"

1885

46,9

"

0,70

"

1890 49,4

1,07

"

1895 52,3

1,12

Н

"

"

1,51

"

0,96 Proz.

1900 56,3 1816-1855 1855-1900 1816-1900

0,99" 0,98"

und gleichzeitig da, wo es interessant erscheint, Ver bölferung im heutigen Reichsgebiete im Laufe des 19. Bevölkerung des deutschen Reichs sich um 7,78 Proz.

gleiche mit ausländischen Kulturstaaten anzustellen.

Die hier zum Abdruck gelangenden statistischen Betrachtungen sollen einen Versuch darstellen, die Haupt­zahlen der deutschen Bevolkerungsstatistit in übersichtlicher Gruppierung und mit furzem fritischen Texte wiederzugeben. Wir beschränken uns für dies­mal auf folgende Kapitel: Volkszahl; prozentuale Zunahme der Bevölkerung; Auswanderung; uneheliche Geburten; totgeborene; Binnenwanderungen; Orts­gebürtigkeit; Verteilung der Geschlechter; Altersver­teilung; Familienſtand; Religion; Berufsstand und Glaubensbekenntnis; Haushaltungen und Wohnhäuser. Wir empfehlen diesen und die folgenden Aufsätze auszuschneiden und aufzubewahren. Durch Aufkleben in ein gewöhnliches Notizbuch kann ohne besondere Umstände ein statistisches Vademekum", das man gelegentlich zu Rate ziehen kann, geschaffen werden.

"

Das deutsche Reich hatte nach der letzten Volks­vom 1. Dezember 1900 561 Millionen Ein­wohner, davon kamen

zählung

In eigener Sache Richter.

Roman von L. Haidheim. ( Nachdruck verboten.)

( Fortsetzung.)

Der Orkan, der noch mit ungeminderter Kraft wütete, hatte die meisten Herren, die heute hier getagt, an der Abreise ver­hindert. Die Mehrzahl fannten beide Damen, oder die eine von ihnen und so fam der größte Teil derselben sie zu begrüßen und Alix von Wazlaw hielt einmal wieder Hof, wie vor einem Jahr beim Begräbnis in Klaino- während die liebenswürdige Frau von Frohberg auch heute wieder bescheiden in den Schatten ihrer stolzen Cousine zurücktrat.

Mit dem Ausgang der Testamentseröffnung zurückzuhalten, erschien allerseits zwecklos- damit war auch ein Gesprächsthema gegeben, das im ganzen das harmloseste erschien.-

Man ignorierte die noch nicht offiziell bekannt gegebene Ver­lobung, aber wenn Frau Alir vorhin überlegte, ob sie nicht besser Witwe blieb, so tam ihr doch jetzt die lockende Aussicht auf den Mitbesitz des Ebernschen Maiorats mehr als ie zum Bewußtsein und zugleich auch die feste Absicht dies Glück nicht allzu teuer zu bezahlen.

Wochen waren vergangen für Burkard Frohberg keine leichten, denn Ernst Nepomuk hielt ihm Wort betreffs des Kampfes bis aufs Messer.

Thatsächlich laut Testament und Gefeßesparagraphen als Erbe und Besizer von Klaino von den Gerichten des Landes und der Ritterschaft anerkannt, hatte Frohberg doch noch keinen Tag als solcher erlebt, der ihm nicht in irgend einer Weise deutliche Zeichen geliefert von der brennenden Thätigkeit seines Gegners. Mit der wühlenden Geschicklichkeit eines Maulwurfs wußte der Afrikaner" sich aus alten verstaubten Archiven und den Repositorien der Gerichtskanzleien, aus tausend Quellen an die niemand dachte, allerlei Material für seine Angriffe zu sammeln, und so geizig er sonst war, er zeigte, daß er gelernt hatte, sein Geld für seine Zwecke zu verausgaben. Und hinter diesen Eifer fegte er zu gleicher Zeit eine jedes 3ögern überwindende Eile. Es erschien beinahe unglaublich, wie er es verstand, den gemüt lichen Schlendrian, der seither hier geherrscht, aufzuheben und alles in Bewegung zu sehen. Burkard hatte in tief melancholischer Stimmung das Schloß wieder in den früheren Stand seßen lassen und wenn hier und da einer seiner Leute, oder sonst iemand es wagte, auf die

Das Wachstum der Bevölkerung in den letzten Dezennien ist ein weit rascheres als um die Mitte dieses Jahrhunderts, überholt aber erst in den letzten paar Jahren das verhältnismäßige Wachstum in der Zeit nach den napoleonischen Kriegen.

insbesondere Frankreichs, verglichen ist diejenige Deutsch­Mit der Voltszunahme der romanischen Völker, lands, wie bei den germanischen Völkern überhaupt, im 19. Jahrhundert eine sehr viel stärkere gewesen. Frank reich hat in den letzten Jahren einen so geringen Be­völkerungszuwachs( 0,09 Proz.) zu verzeichnen, daß man von einem Stillstand sprechen darf. Dagegen wird die deutsche Volkszunahme von der englischen noch etwas übertroffen und von derjenigen der Vereinigten Staaten von Amerika, wo eine durchschnittliche Jahreszunahme von 3 Proz. festgestellt worden ist, bei weitem über­flügelt.

Die prozentuale Bevölkerungszunahme im deutschen Reich geht aus folgender Tabelle hervor:

junge Herrin für das stolze Klaino anzuspielen, so wurde er zornig und hieß sie sich um andere Dinge zu fümmern.

In seinem Innern sah es trostlos aus. Die jubelnde Freude über den reichen Besit war eigentlich nur ein minuten­langes Vergessen seiner Lage gewesen und gleich darauf nur der eine Gedanke an Maria, und die Unmöglichkeit sie sein zu nennen, ihm klar geworden. Sie beherrschte sein Herz vollständig.

Es tamen dann wohl, wie es bei seinem kraftvollen Naturell nicht anders sein konnte, frohere und hoffnungsvolle Stimmungen, aber wie er auch grübelte einen Ausweg sah er nicht, außer, daß Lenette ihn frei gab.

Und die? Sie hätte laut aufgelacht, wenn er ihr mit einer folchen Zumutung gefommen wäre. Sie überschwemmte ihn mit Briefen und Telegrammen;- die letzteren unterzeichnete fie Deine Lenette" und nur das war das Mittel ihn zu einer Antwort zu zwingen.

O, und wie er an Maria dachte in glühender Sehnsucht, an Maria, die troß des mütterlichen Befehls nicht heimkehrte, ia nicht einmal mehr Nachricht von sich gab.-

Durch die Zeitung erfuhr man, daß Graf Ernst Nepomuk von Ebern und Alexandra von Wazlaw, geborene Gräfin Ebern, sich verheiratet hatten. Karten empfing niemand, die Ceremonie der Trauung war so nüchtern und poesielos vollzogen wie nur möglich und was in der Braut Augen noch viel schlimmer er­schien, so prunklos wie eines Besenbinders Hochzeit". Es hatte feine schleppentragende Pagen, feine Ehrenfräulein und fein glänzendes vornehmes Gefolge von Hochzeitsgästen gegeben und wenn sie überhaupt getraut sein und Gräfin Ebern werden wollte, so mußte fie freilich nachgeben. Ernst Nepomuk that es sicher nicht.

O, es war ein Standal! Die ganze Gegend sprach davon, daß sie ihre drei jüngsten Kinder, in himmelblauen Sammet gefleidet, mit zur Kirche hatte nehmen wollen, daß aber der " Afrikaner" diese Idee für Verrücktheit erflärt, die Kinder in Die Schulstube geschickt und noch obendrein höhnisch gelacht hätte über solchen deutschen Unsinn".

" Seine Jungen" hätten auch keine himmelblaue Hosen an und er dachte nicht daran sie mitzunehmen.

Ja, der Klatsch beschäftigte sich lebhaft mit den Zuständen yon Schloß Ebernfeld und den Wunderlichkeiten des Majorats­herrn, der seinen Vater noch weit übertraf.

Ob es Gräfin Alexandra von Ebern zur Genugthuung ge reichte, daß sie iezt eine der vornehmsten Damen des Landes

In den letzten 5 Jahren von 1895-1900 hat die vermehrt. Die entsprechende Zunahme in Preußen be trägt 8,19 Proz., in Bayern 6,13 Proz., in Württemberg 4,07 Proz., in Sachsen 10,88 Proz., in Baden 8,18 Proz. und in Hessen 7,83 Proz. In Preußen haben die geringsten Zunahmeziffern die vorwiegend land. wirtschaftlichen Provinzen Posen, Pommern und West­abnahme( 0,61 Proz) zu verzeichnen. Der Schwerpunkt preußen. Die Provinz Ostpreußen hat zum ersten Male in dem letzten Lustrum eine absolute Bevölkerungs­der Bevölkerungszunahme des preußischen Staates in der fraglichen Periode liegt in Brandenburg( 10 Broz.), Berlin( 12 Proz.) und in den industriellen Bezirken von Rheinland( 123% Proz.) und Westfalen( 18 Proz.)

Bekanntlich wird das Wachstum der Bevölkerung

durch zwei Elemente bestimmt, durch den Ueberschuß der Ersteren bezeichnet man als inneres Wachstum, lettere, Geburten über die Sterbefälle und die Wanderbewegung. sofern der Wanderungsverlust geringer ist als die Zu­wanderung, als äußeres Wachstum.

Die Voltszunahme des deutschen Neiches ist ledig. lich auf inneres Wachstum zurückzuführen, denn die

wur und Herrin eines der schönsten Schlösser, das erfuhr niemand, denn man sah sie nicht.

Ihre Kinder wurden wirklich, die Söhne in eine vornehme Erziehungsanstalt, die Tochter in ein Stloster geschickt und ihr blieben zur Gesellschaft nur diese unerzogenen, aber wenigstens gutmütigen Jungen", ihre Stiefföhne, die der Vater felbft in seiner Weise für das Leben schulte", leider ohne Erfolg, benn sie blieben einfältig und gutmütig, wie ihre Mutter es ge wesen.-

Zu Frau von Frohberg tam die neue Gräfin Gbern nie. mals in dieser Beit und da fie auch nicht schrieb, wußte man nicht, ob Maria heimfehren, oder fernbleiben würde, wenn die " Jungen" nicht geplaudert.

Inzwischen mehrten sich die Verationen des Majorataherrn gegen Burkard und er wehrte sich seiner Haut mit derselben Energie.

Was ihn nach und nach erbitterte war die gemeine Dent art, die sich bei allen diesen Animositäten des Afrifaners" berriet, dieses argwöhnische Drängen auf Rechnungsablage, betreffs des Mandats Burfards und die fich mehr und mehr zuspizende Untersuchung wegen des allerdings rätselhaften Verschwindens jener 16 000 Gulden.

" Ist es nicht, als hielte er mich für den Dieb?" begann Burkard sich zu fragen.

Eine andere Angelegenheit trat aber für den Moment in Burkard hatte den Vordergrund und lenkte ihn davon ab. schon zu des Großvaters Lebzeiten eingesehen, daß der Loden von Klaino sich für eine größere Fabritation von Majoliten eignete; jest war es ſein brennendes Verlangen, diesen Plan zu verwirklichen und eine Reise nach Wien die nächste Folge.

aus

Er depeschierte an Vetter Joseph, der bon Burkard in der großmütigsten Weise, als bei der Erbschaft beteiligt freien Stücken abgefunden worden und der iezt in seinem ge­liebten Wien wahrhaft glückselige Tage mit seinem Einfommen verlebte. Ohne Schulden denn die hatte er damals bezahlt als tapferer Soldat" und Veteran" mit Sympathie be handelt; ohne Sorgen um das tägliche Brot und in bescheidener Weise den großen Herrn spielend, was wollte man mehr?

Er hatte Burkard in diesem Sinne häufig geschrieben und ich in der That dann auch glüdlicher gefühlt, als je in seinem Leben. Aber diese hellen Tage hatten dennoch dunkle Stunden und schlaflose Nächte, die der Leichtsinn wohl hintan hielt, aber niemals ganz verbannen konnte.

( Fortsegung folgt).

zäune tönnten hro wenn Ihr Onkel ausfindig blickte sich uns ob er fürchte, die Seden­Sind Sie vormen, Mensch?" rief mond in entfestem Still, still, um des panelswillen feinen Namen! welche Aussichten sie auf das große Erbe haben würden, für Sie steht viel auf dem Spiele. Ich möchte wissen, Nicht, daß ich wüßte," entgegnete der Andere." uch Daß Met eta Redburn"

Tone

bereitende Leute, die keine Zeit hatten, sich um

wußte

rührung fam mit den Bewohnern der kleinen Häuschen, die das alte Haus genannt wurde, nur sehr wenig in Be­gelegenheiten zu fümmern; von Besuche machen her Hauer nichts, so daß die Herrin der Klause", wie

sich an einander reihten. Fräulein Derment

Tahe

trant werden?

den Sie wieder blieb, als ob er den fieberhaften Druck nicht spure. immer den Arm umklammert haltend, der so regungslos strengen," entgegnete Fräulein Derwent rubig ,,, sonst wer­Bin ich frank gewesen fragte Meta matt, noch Es geht Ihnen jetzt besser, aber

usa

sehr frank.

ant ganzen Leibe; der

Frost

erstarrte

Ortes, an ben wir so gänzlich plantos gerathen waren,

feylich mit der Gluth des Tages, die nur eine leichte traftirte ent­

uns, benn die feuchte Stätte des

erlaubt hatte.

anzulegen

tommen anzeigen würde; ich aber fürchtete, daß dieser nach Kutscherart ten zwar, daß der Stutscher, den wir zur Rückkehr bestellt, unser Nicht­jammervollen Tobes sterben zu müssen, ergriff mich; die Freunde mein­Die fürchterliche Angst, in diesem offenen Grabe eines

ichlafen

ochten