Ausgabe 
25.2.1854
 
Einzelbild herunterladen

arbeitsunfähigen Einwohner der genannten Gemeinden ver⸗ wenden, da für die arbeitsfähigen Armen auf andere Weiſe geſorgt werden wird. 8 ö 0 Dankbar erkennen wir an, was bei dem in 1852 herrſchenden Nothſtande auch für den hieſigen Bezirk ge ſchehen iſt, aber zuverſichtlich hoffen wir, daß die Quelle der Theilnahme und der Bruderliebe, welche damals ſo reichen Segen ſpendete, auch jetzt noch nicht verſiegt ſein, daß ſie vielmehr aufs Neue ſich lebendig und heilbringend erweiſen werde. Die Noth iſt noch weit größer als vor zwei Jahren, aber darum wird, deß ſind wir gewiß, auch die Theilnahme und die thätige Hulfe eine noch kräftigere ſein; denn je größer Noth, je näher Gott. Grünberg den 15. Februar 1854.

Das Hülfscomité für den Kreis Grünberg: v. Zangen, Vorſitzender. Lynker, Rentamtmann, Rechner. G. Stammler, Schäfer I., Becker, Kullmann,

Schriftführer.. Arnold, Gemeindeeinnehmer. Cellarius, Pfarrverweſer.

Dr. Eckſtein. Dr. Glaſer. Eduard Groos, Kaufmann. Haberkorn, Bürgermeiſter. Hoffmann, Oberförſter. G. K. Kreuder, Gemeinderathsmitglied. Korell, Ac⸗ tuar. Limpert, Steuercommiſſär. Moter, Diſtrikts einnehmer. Mittler, Landgerichtsaſſeſſor. Stammler, Rector. Dr. Ortwein, Landgerichtsaſſeſſor. C. L. Semm⸗ ler, Gemeinderathsmitglied. Steinberger, Pfarrer.

Weber, Pfarrvicar. Welcker, Landrichter.

Der Kleiderſchrank.

Humoreske.

Das friedliche Städtchen Altenmünſter ſtand im Be griff ſich zur Ruhe zu begeben. Schon waren mehrere der Oellampen, welche die Straßen erleuchten ſollten, ver loſchen, nachdem ſie ihren Gefährtinnen noch zugeblinzelt, ein Gleiches zu thun. Die Gewölbe in der Hauptſtraße waren längſt geſchloſſen und durch Vorſetzläden verwahrt. Der Regen fiel in Strömen, die Wetterfahnen auf den Giebeln der alten Häuſer drehten ſich kreiſchend nach allen Himmelsrichtungen, als tanzten ſie eine hölliſche Polka mit dem ſtürmiſchen Nachtwinde. Die Straßen waren ode und wie ausgeſtorben, denn es war nahe an neun Uhr. Die drei Polizeidiener waren nach Hauſe gegangen, und die Diebe, wenn es etwa ſolche zu Altenmünſter gab, blieben daheim, aus Furcht, ſich zu erkälten. Der Stadt phyſikus war ſoeben von einem Krankenbeſuche auf dem Lande zurückgekommen, und führte ſelber ſein Pferd in den kleinen Stall hinter dem Hauſe. Nur einige Tabagien waren noch offen und gefüllt mit Stammgäſten, die in aller Minne ihr Pfeifchen rauchten und ein Spielchen Tarok oder Labéte machten, und im erſten Gaſthofe des

Städtchens, in dergoldenen Taube, liefen der Kellner

und das Schenkmädchen geſchäftig hin und her und brachten den paar Fremden, welche dieſen Abend angekommen waren, Coteletten und Kälberbraten und Franzbranntwein und Kartoffelſalat, und den Stammgäſten ihre Stange Bier oder ihr Glas Grog, und ſchürten in den Oefen der Fremdenzimmer die Feuer auf. In einem der Fremden zimmer der goldenen Taube, aber nicht in der Beletage, wo man nur die Commisvayageurs und die Ritterguts beſitzer einlogirte, weil dieſe Ehampagner und Bordeaux⸗ wein tranken, ſondern in einem armſeligen Stübchen im Dachgiebel, ſtand ein hübſcher junger Mann, die Arme über die Bruſt gekreuzt, und blickte gedankenvoll in den Koffer, welchen er ſoeben erſt geöffnet hatte.Ja, das iſtmein Handwerkszeug! ſagte er halblaut vor ſich hin; das iſt mein Betriebskapital, aus welchem ſich doch

62

vielleicht ein ſchoͤner Gewinn ziehen läßt! Ja, aus dieſem kleinen Koffer ſollen dunkle Mächte heraufbeſchworen werden, ſo furchtbar wie die Geiſter in Tauſend und Einer Nacht, um mir Reichthum und Glück zu verſchaffen und zunächſt Rache, das ſüßeſte von allen Erden gütern!

Der junge Mann mußte ein Träumer oder ein Schwärmer ſein, daß er ſolche Erwartungen von dem Inhalte des Koffers hegte, welche dieſer gar nicht zu rechtfertigen ſchien. Dieſer Inhalt erſchien vielmehr von der gewoͤhnlichſten Art: er beſtand aus Kleidern, die weder durch ihre Anzahl noch durch den Werth ihrer Stoffe imponirten. Und ſeltſamer Weiſe waren dabei auch Kleidungsſtücke, die nur dem ſchönen Geſchlechte zu kommen: Shawls und Hauben und Damenhüte, Roben von altem Kattun und eine von ſchwarzem Seidenſtoffe! Der arme Junge! vielleicht wollte er ſie einer alten Muhme zum Geſchenke machen, die weniger auf den Werth der Gabe, als auf die gute Abſicht des Gebers ſah.

f Auf einmal ſchien der junge Mann aus ſeinem Sinnen zu erwachen.Es ſchlägt neun Uhr, ſprach er vor ſich hin;nun muß ich mich ſputen, oder der alte Schuft ſchließt ſeine Bude! damit knöpfte er ſeinen Rock zu, drückte eine kleine Studentenmütze auf ſeine dunklen Locken, ſchlug ein leichtes Mäntelchen um die Schultern und eilte hinunter in die ſtillen dunklen Straßen.»Ich

habe ihn noch heute Nachmittag an der Ecke der Treppe

ſtehen ſehen, fuhr er in ſeinem Selbſtgeſpräche fort; wenn ihn der alte Schuft noch nicht verkauft hat, kann Alles gehen. Die Götter wollen geben, daß ich meine Rolle gut ſpiele und keinen Argwohn errege! f

Damit eilte er die Hauptſtraße hinunter bis zu Kirche, und bog in ein kleines Seitengäßchen; wenige Schritte von deſſen Ende war noch ein kleiner Laden offen, an deſſen einem Fenſter eine trübe Lampe ſich ſchaukelte. Vor demſelben, unter einem vorſpringenden Dächlein, das vom Geſimſe des erſteu Stockwerkes aus ging, ſtand ein Tiſchlein von Fichtenholz mit zwei Stühlen darauf; dieſe letzteren trugen verſchiedene alte Gegenſtände von Blech und Steingut, nebſt einigen ſchlechten kolorirten Bildern unter Glas und Rahmen, auf welchen mit Kreide der Preis angeſchrieben war, und zwiſchen den beiden Stühlen ſtand bei Tage ein Stoß alter Bücher, zu unterſt Arndt's wahres Chriſtenthum in ſolidem Schweinsleder bande, zu oberſtSue's Ewiger Jude in ſehr zerfetzter und zerleſener Broſchüre. In dem kleinen dunklen Laden, der die ganze Vorderſeite des Häuschens einnahm, waren Trödelwaaren aller Art ſo dicht aufgehäuft, daß nur ein enger Gang zu einer inneren Glasthüre führte, hinter welcher in einem armſeligen Hinterſtübchen ein Mann vor einem Pulte ſaß, eine Feder hinter dem Ohre, ein aufge- ſchlagenes Hauptbuch vor ſich. Das duͤnne Dreierlicht lein, welches in einem roſtigen eiſernen Leuchter auf dem Pulte brannte, zeigte nothdürftig das kupfrige Geſicht eines ſtaͤmmigen beleibten Mannes mit einem Doppelkinn, das aus einer ſchmutzigen weißen Halsbinde hervorquoll. Die Züge dieſes Geſichts hatten etwas widerlich Gemeines, das der Ausdruck der ſtechenden grauen Augen, welche unter buſchigen Brauen hervorleuchteten, noch erhöhte, obſchon ſich der Beſitzer dieſer Phyſiognomie alle Mühe zu geben ſchien, ſeinem Antlitze einen Ausdruck möglichſter Sanftmuth und Gelaſſenheit zu geben. Jedermann wäre es unmöglich geweſen, bei dem trüben Schimmer dieſer Dreierkerze zu leſen und zu ſchreiben ohne Luchsaugenz aber der Mann am Pulte dachte auch in dieſem Augen blick nicht an Leſen oder Schreiben, ſondern klopfte mit der Brille auf die Kante des Hauptbuchs und ließ ſeine

Bekannt

0 11. 17 1 Melde (210) Nen mulags um 9 b; Mulbach das den daher in det de (efallge Ga, Ackerland, auf rt Abthelungen oft sodann Donnerſtag d 9 Uhr, wird md ein glichſalls den in der dortigen! fälliges Gut, bet Ackerland, auf we Adtheilungen oft Die Flurſchaß ſind im Btſiße de niſſe und ertbelen werdende Auskun driedderg ar

In Aufn.

Kaufliebhabe z

ler aufragen.

Ockſtadt den Freihertl.

Stro (229) Dorner

gs um Ii uhr