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zmidt.
Intelligenz-Vlatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,
den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
M16.
Sonnabend den 258. Februar
1854.
Amtlicher Theil.
Das Großherzoglich Heſſiſche 2 e 1 2
Kreisamt Friedberg
an ſämmtliche Großh. Bürgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Die Muſterung für 1854.
Sie haben alsbald in Ihren Gemeinden zu veroöffent— lichen, daß vom 26. Februar bis zum 12. März d. J. die Hauptbezirksliſte auf dem Bureau des Kreisamts zu Jeder— manns Einſicht offen liegt.
Friedberg den 22. Februar 1854.
eienr.
Die nachſtehend abgedruckte„Bitte an Menſchen⸗ freunde“ iſt mir zur Berückſichtigung freundſchaftlich mit— getheilt worden, und ich ſtehe nicht an, dieſelbe, wie hiermit geſchieht, zur Kenntniß der Bewohner des Kreiſes, insbe— ſondere jener, die noch einen Nothpfennig für Arme übrig haben, zu bringen, weil ich überzeugt bin, daß ſie dieſem Hülferuf ihr Ohr nicht verſchließen werden. Sie haben bisher bei jeder Gelegenheit dieſer Art ein reges Mitgefühl für fremde Leiden in ſolchem Maße zu erkennen gegeben, daß es gewiß nur einer Anregung bedarf, um das Ver— trauen zu rechtfertigen, das die in dieſer„Bitte“ genann— ten unglücklich Darbenden mit mir in das Wohlthätigkeits— Gefühl der Kreisbewohner ſetzen, und gewiß ſind es Die— jenigen, die ſich vorzugsweiſe beeifern werden, zur Linderung der geſchilderten Noth, von dem Segen, den ihnen Gottes Weisheit in der reichlichen Verwerthung ihres Ueberfluſſes, zu Theil werden ließ, in dankbarer Anerkennung dieſer göttlichen Weisheit, das Pfund der Liebe ihren leidenden Mitbrüdern abzuſtatten.
Die Großh. Bürgermeiſter ſind eingeladen, die ge— ſpendet werdenden Gaben in Empfang zu nehmen und an das Hülfscomité für den Kreis Grünberg abzuliefern und über den Erfolg, nach Ablauf von vier Wochen, berichtliche Vorlage zu machen.
An die Herrn Geiſtlichen richte ich das Erſuchen, ihrer Seits das Moͤglichſte zur Forderung des Zwecks beitragen zu wollen.
Friedberg den 22. Februar 1854.
Gr. Kreisamt Friedberg. Müller, Regierungsrath.
Bitte an Menſchenfreunde!
In Folge der anhaltenden Theuerung aller Lebens— bedürfniſſe iſt der Nothſtand bei den ärmeren Bewohnern des Kreiſes Grünberg, einem ohnedies nicht beſonders wohl— habenden Bezirke, zu einer außerordentlichen Höhe geſtiegen. Was die Verwaltungsbehörde und die Ortsvorſtände thun konnen, um die einzelnen Hülfsbedürftigen zu unterſtützen, geſchieht nach beſtem Können und Vermögen, namentlich wird mit aller Strenge der Grundſatz durchgeführt, daß keine Bettelei geduldet werden könne und daß eine jede Gemeinde ihre eignen Armen verſorgen müſſe. Indeſſen hat eine genauere Prüfung der Verhältniſſe ergeben, daß nicht wenige Gemeinden des hieſigen Kreiſes nicht im Stande ſind, ohne außerordentliche Hülfe ihren Armen das zu leiſten, was die Noth gebieteriſch fordert. Es ſind dies die Orte Allertshauſen, Beltershain, Flenſungen, Großen— eichen, Großlumda, Merlau, Niederohmen, Ruͤddingshauſen, Saaſen, Stangenrod, Weickartshain, Wettſaaſen. Die ge— nannten Ortſchaften beſitzen entweder gar kein gemeinheit— liches Vermögen oder ſie ſind mit ſo bedeutenden Schulden belaſtet, daß die Ertrage des Gemeindeeigenthums kaum hinreichen, um die Zinſen für die aufgenommenen Kapitalien zu decken. Den einzelnen, nicht zu der ganz armen Klaſſe gehörenden Bewohnern dieſer Orte ſtehen keine beſonders ergiebigen Erwerbsquellen zu Gebote, ſie ſind faſt lediglich auf den Ackerbau, den Taglohn oder die Weberei ange— wieſen und konnen ſich nur bei dem größten Fleiße und der ſtrengſten Sparſamkeit mühſam durchſchlagen, ſo daß ſie fuͤr ihre ü'rmeren Mitbürger nur wenig zu thun ver⸗ mogen. ganz vermoͤgensloſen, dabei arbeits unfähigen Perſonen aber iſt ungewöhnlich groß und ſo konnen die Gemeinden allein nicht einmal die nö— thigſten Unterſtützungen leiſten.
In Erwägung dieſer hoͤchſt traurigen Zuſtände ſind auf eine Einladung des Gr. Kreisamts dahier die Unter— zeichneten heute zu einem Hülfscomité zuſammengetreten. Wir ſind bereit, für die Nothleidenden des Kreiſes zu thun, was in unſern Kräften ſteht. Dabei bedürfen wir aber der warmen Theilnahme und der thätigen Mitwirkung edler Menſchenfreunde in der Nähe und der Ferne. Wir richten darum an Alle, deren Verhältniſſe ihnen geſtatten, für die darbenden Bruder ein Scherflein zu reichen, die herzliche und dringende Bitte, der Huͤlfsbedürftigen unſerer Gegend zu gedenken und uns Gaben der Liebe und der Barmher— zigkeit anzuvertrauen. Wir werden dieſe Gaben mit ſtrengſter Gewiſſenshaftigkeit nur für die wahrhaft Bedürftigen, dabei
Die 2* Die Zahl der


