Froßherzogthum Heſſen nach Geſchichte, Das Lan, Bolk⸗ Staat und Oertlichkeit.
Von Dr. Ph. A. F. Walther.
Wir geben aus dieſem intereſſanten Werke) hier noch ehrere Bruchſtücke:
5 Einige beſondere Gebräuche finden in der Wet⸗ terau an Pfingſten ſtatt. In der Nähe von einigen Höfen verſammeln ſich junge Burſche mit ihren Pferden auf der Weide und jagen dann nach dem Hofe. Wer zuerſt an⸗ kommt, ruft aus vollem Halſe:„Pfingſtrecht heraus!“ Und dann erhält er ſein Trinkgeld, das auch ſchwerlich zu etwas anderem als zum Vertrinken benutzt wird.— An andern Orten müſſen ſich die Burſche und Mädchen des Morgens wohl eilen und ja nicht verſchlafen. Wer am erſten Pfingſttag zuletzt an den Brunnen kommt, der iſt der Pfingſtlümmel, wer zuletzt ſein Vieh zur Heerde treibt, iſt auch der Pfingſtluͤmmel und wer mit den Pfer⸗ den zuletzt auf der Weide erſcheint, iſt ebenfalls der Pfingſtlümmel ꝛc.— In alten Zeiten fanden ſich manche ſonderbare Hochzeitsgebräuche, die durch mehrere Verord— nungen abgeſchafft werden mußten, ſich aber zum Theil noch, wiewohl unter anderen Formen, erhalten haben. An manchen Orten wird das zu Stande gebrachte Ver— löbniß von den Kameraden des Bräutigams durch Raſſeln mit Gießkannen, Knallen mit Peitſchen, Werfen mit Töpfen ꝛc. angekündigt. Auch gibt der Bräutigam ſeiner Braut ein Stuͤck Geld auf die Treue. An manchen Orten wird die Braut ſogar zuweilen noch verkauft, wie z. B. in Rodheim v. d. H., wo ſich die alten Gebräuche wie die alten Mauern am längſten erhalten haben. Nach dem Verkaufe wird, namentlich in Rodheim, die Braut gerupft, d. h. es wird ihr der ſ. g. chapeau(ein Diadem von Flitter) vom Haupte geriſſen und ihr die Haube ge— waltſam aufgeſetzt. Auch werden häufig noch die Braut— leute unter Muſik in die Kirche geleitet.— In Ober— rosbach wird der Braut bei dem Gange in die Kirche von jeder ihrer Freundinnen ein Band an den Arm ge— heftet. Ebendaſelbſt bringen, wenn unverheirathete Per— ſonen namentlich Kinder beerdigt werden, Bekannte und Verwandte Blumenſträuße von gemachten Blumen und erhalten dagegen einen dreieckigen kleinen Kuchen.
Der Vogelsberger iſt ein ſtarker Schlag Leute; er beſitzt einen muthigen Sinn, eine große Biederkeit, Ehr— lichkeit und Dienſtfertigkeit und weiß noch nicht ſo viel von verdorbenen Sitten und Gewohnheiten; dagegen iſt auch die Geiſteskultur noch nicht ſo groß, wie bei den Bewohnern der niederen Gegenden, der Bergſtraße, der Gegenden der Rheinebene und namentlich in Rheinheſſen. Im Einzelnen zeigen ſich bei den Bewohnern des Vogels— berges in Sitten und Gebräuchen große Verſchiedenheiten. Der Vogelsberg in ſeiner Geſammtheit hat keine allgemeine Nationaltracht, keine allge— meine Nationalſitten und Gebräuche. Jedes Gebirgsthal, oft wieder nur ein Cyklus näher zuſammen— liegender Orte in demſelben, oft ſelbſt einzelne Oerter haben ihre beſonderen Eigenthümlichkeiten. Das Ohmthal, das Schwalmthal, das Niddathal, das Riedeſel'ſche Gebiet, das Thal der Schlitz ꝛc., alle liefern ihre beſonderen Bil— der in Bezug auf Sitten und Gebräuche. Für die ſüd— weſtliche Abdachung des Vogelsberges zunächſt gilt, aber auch hier nur mit localen Abänderungen und Verſchieden— heiten, das Folgende, wenn ſich auch wohl eins und das andere in anderen Theilen finden mag. Der dortige Vo— gelsberger iſt durch die Natur ſeiner Gegend auf Wieſen—
*) Vorräthig in C. Bindernagel's Buchhandlung in Friedberg.
—
cultur und Viehzucht hingewieſen. Er iſt von Jugend auf Hirte; die Hut iſt Einzelhut. Im Sommer erblickt man darum auf den Triften und grünen Matten an den Wald⸗ ränden das Vieh truppweiſe in einzelnen Gruppen, jede einzelne Gruppe von ihren eigenen Hirten gehütet, meiſt Knaben und Mädchen. Die Einförmigkeit jenes Lebens wird nur durch die Vieh- und Krämermärkte unterbrochen, die dort mit dem großen Markte zu Gedern im Februar beginnen und mit dem ſog. kalten Markte in Ortenberg ſchließen. Der Hauptmarkt eines Ortes gilt zugleich als Kirchweihe, die als beſonderes Feſt dieſer Theil des Vo— gelsbergs nicht kennt. Auf dieſem Markte erfreut ſich die Jugend des Tanzvergnügens, das ſie ſonſt nie zu genießen bekommt. Von Schotten abwärts beginnen wieder die Kirchweihen.— Während der Sommer des Vogelsbergers Feld⸗ und Weidleben iſt, iſt der Winter Stuben- und Hausleben. Im Winter beſchäftigt ſich der Vogelsberger, alt und jung, Mann und Frau, Burſchen und Mädchen mit dem Spinnen der ſog. Urſchwingen oder Ahnenſchwin— gen, von denen das Packtuch gemacht wird, oder auch be— ſonders in der neueren Zeit mit Holzarbeiten der verſchie⸗ denſten Art. Das geſellige Zuſammenſein findet Abends in den Spinnſtuben ſtatt; da wird geſungen, geſcherzt, geplaudert und Mährchen aufgebunden, und der Schalk, dem das letztere recht gelingt, bildet ſich viel auf ſein Ta⸗ lent ein. Das Zuſammengehen in den Häuſern, das Be— ſuchen wird als„Spielengehen“ bezeichnet. Derjenige, welcher Hausbeſuche macht, heißt„Spielengänger“, im Volksmund„Spillegünger“.— Die Lebensweiſe iſt ſehr einfach. Selbſt der Wohlhabende genießt in den höheren Orten in der Regel kein Rindfleiſch. Milch und Eier müſſen die Fleiſchnahrung erſetzen. Der wohlhabende Bauer iſt ſehr zufrieden, wenn er am Sonntage zu Sauer— kraut und Kartoffelbrei, etwa auch zu Sauerkraut allein, ein Stück Speck oder Dörrfleiſch genießen kann. Geräu— cherte Wurſt, Dörrfleiſch und der Speck des Schlacht— ſchweins bilden vorzugsweiſe die Fleiſchnahrung der Wohl— habenden. Butter als Nahrung zu Brod kommt nur in beſonderen Zeiten vor, etwa bei Arbeiten im Walde, in den Holzmachereien, bei anſtrengender Arbeit, wie zur Zeit des Mähens in der Heu- und Grummeterndte. Denn der Ertrag der Butter bildet den Haupterlös, um die kleineren Ausgaben für die Wochenhaushaltungen zu beſtreiten, ſo— wie die ſogenannten Monatgelder dazu dienen, die Steuern zu entrichten. Die Butterausfuhr iſt ſehr bedeutend.— Bei beſonderen Veranlaſſungen im Leben, namentlich bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, hat ſich noch man— ches Eigenthümliche erhalten.— Einen und denſelben eigen— thümlichen Dialekt hat der ganze Vogelsberg nicht; der ſüͤdliche Theil nähert ſich dem Wetterauer, der nördliche und nordöſtliche dem Buchoniſchen, der z. B. das e wie ein breites à mit weit geöffnetem Munde, das au wie ou ꝛc. ausſpricht. Eigentlich oberheſſiſcher Dialect iſt der der Gegend über die Ohm hin nach und bei Alsfeld. Jen— ſeits des Vogelsbergs treten die Mundarten in und um Schlitz, in und um Lauterbach eigenthümlich auf, zeigen ſich den thüringiſchen verwandt und ſind in den Vokalen mitunter alterthümlich mit altoberdeutſchem Gepräge. Aber auch dieſe unterſcheiden ſich wieder weſentlich; denn der lauterbachiſche Dialekt hat überaus gedehnten Ton, der ſchlitziſche iſt kürzer uud rauher.— An eigenthümlichen Trachten iſt der Vogelsberg ebenfalls noch ziemlich reich. Reicher freilich noch als der eigentliche Vogelsberg ſind die an denſelben nördlich angrenzenden Gegenden, die 0 mehr eigentlich zum Vogelsberg gerechnet werden önnen.
(Fortſetzung folgt.)
a8 Grof 1 Land,
Noch Sitte findet
Die 5 Menſchen, gen auf da ihnen die ve Das Vaterle gen Bewohr günstigen M kenburger de nennen, als Dorfer und keinen ſonde im Ganzen nirgends all durch zahlre auch hier u. die ſonſt ve ein Zeichen die Wände d Gockel zeuge wickeltem Ki moſaikaͤhnlich ausgepflaſten Burger ſind Tanne unte Das Tem mehr gutmi Verbrechen vor dem G volk herrſch ner von 8 Pfarrorte zahl ziehen. beſonders los auf f
müſſen die
ele arbeit bei Biedenke igen ſich U Huf Weib gehend emſi


