Ausgabe 
17.5.1854
 
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Intelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M. 38.

Marguerite Devereur. Erzählung. (Fortſetzung.)

Mit banger Ahnung hatte Denis dieſer Zuſammen kunft entgegen geſehen; er hatte Schlimmes befürchtet: ein Gelübde, ein dem Vater gegebenes Verſprechen, ein langes Hinausſchieben ihrer Verheirathung dergleichen hatte er ſich vorgeſtellt und darauf war er gefaßt; aber Marguerite die verlobte Braut eines Andern alle ſeine herrlichen Träume zu Nichts geworden dieſe glücklichen, mit einander verlebten Stunden jetzt nur bittere Erinne rungen das war zu viel! Er weinte wie ein Kind. O, mit welcher Wärme ſtellte er ihr vor, bat er ſie, doch nicht aus irrigem Pflichtgefühl den ſchönſten Regungen des Herzens zu ſpotten, nicht Den, der ſie liebe, nicht ihr eigenes Glück zu opfern. Das einfache Mädchen hörte unter Thränen, aber mit Standhaftigkeit die glühenden Worte an; ſie hatte vernommen, daß ein Verſprechen ge halten werden müſſe, wenn auch das Herz daruber breche umſonſt wendete der Liebende alle ſeine Beredtſamkeit an.

O Denis, ſagte ſie,Sie können mich nicht mehr lieben, als ich Sie liebe; ich ſoll einem Andern gegeben werden, aber mein Herz wird ſtets Ihnen gehören. Ich habe den Rath der heiligen Kirche geſucht, und ich wage nicht, ihr ungehorſam zu ſein. Laſſen Sie mich dem Wil len des Himmels gehorchen. Gott ſchütze Sie, und die heilige Jungfrau wache über Sie für immer! O, ver laſſen Sie mich jetzt. l

Noch eine leidenſchaftliche Umarmung, eine Bitte unter Seufzern ausgeſprochen, die ſein Herz zu zerreißen ſchienen, und Denis eilte von ihr weg wie ein Wahnſin niger. Er ging in ſein Schlafzimmer, ohne ſeinen Vater dieſen Abend zu ſehen. In Nachdenken und Gebet brachte er einige Stunden hin; dann that er in leiſem Geflüſter dem Himmel ein Gelübde; hierauf ſetzte er ſich nieder und ſchrieb: e

Mein geliebter Vater, o tadeln Sie mich nicht uͤber

das, was ich thue! Es iſt der Ruf des Himmels, wir müſſen ihm gehorchen. Ich hatte gehofft, Ihnen Ihr Alter durch meinen Beiſtand und meine Geſellſchaft zu erleichtern, aber es iſt mir nicht vergönnt. Ich fliehe, um alle weltlichen Sorgen und Gedanken in den hei ligen Uebungen und der Strenge eines Kloſters zu be graben, und mein Leben Gott zu widmen. Ich kann die Urſache dieſes ſchnellen Entſchluſſes nie angeben. Wir wollen uns vor dem Willen des Himmels beugen

Mittwoch den 17. Mai

1851.

und Einer für den Andern beten. Mögen wir uns in einer beſſeren Welt wiederfinden! Ihr unglücklicher Sohn Denis Leverney.

Denis packte einige Sachen zuſammen, verſah ſich

mit hinlänglichem Gelde fur ſeine Reiſe und floh vor Ta gesanbruch aus dem Schloſſe. Noch einen traurigen Blick ſandte er nach Devereux' friedlichem Hauſe, das von dem Morgennebel umgeben dalag und um welches die Vögel fröhlich ſangen. Aber in dieſem Hauſe lag, nach einer langen, unter Thränen durchwachten Nacht, die unglückliche Marguerite; der Sturm in ihrer Bruſt hatte ſich noch nicht gelegt. Und ihr troſtloſer Geliebter floh in das Dun kel eines Kloſters, um durch ein ascetiſches Leben das An denken an ſeine Liebe und jede Leidenſchaft niederzukämpfen.

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Das Weitere dieſer Geſchichte iſt ſo traurig, daß es nicht kurz und einfach genug erzählt werden kann. Wir haben die Bruchſtücke eines Tagebuchs, das Denis nach ſeiner Ankunft in Rom hielt, vor uns; aber es wäre fre velhafte Indiskretion, die Leiden dieſes blutenden Herzens der Welt darzulegen. Die ſtrengſte ascetiſche Lebensweiſe, Beten und Faſten, die ſtärkſten geiſtigen Anſtrengungen konnten die Erinnerung an ſie die Theure, Heißgeliebte nicht bannen.

Der alte Leverney, gebeugt durch Alter und Kummer über den Sohn, der für ihn verloren war, lebte nur noch kurze Zeit. Margueritens bleiche, hohle Wange zeugte nur zu deutlich von dem heimlichen Kummer, der an ihrem Herzen nagte. Geſchwätzige Zungen trieben auch wieder

ihr Werk: die Spaziergaͤnge am Fluſſe Denis' plötzliche Abreiſe die niedergeſchlagenen Augen des einſt

ſo frohen Mädchens was mochte das Alles bedeuten! Doch die Zeit beſchwichtigte ihren Verdacht; noch vor Ablauf eines Jahres kam Guillaume Beranger zurück, und Marguerite, die den Kampf in ihrem Innern verbarg, ward zum Altar geführt und vermählt. Sie bewegte ſich in dem Kreiſe ihrer Pflichten mit angenommener Heiter keit, aber mit einer Art mechaniſchen Gehorſams, der dem flüchtigen Beobachter vielleicht entging. Sie hatte ein Kind, ein kleines Mädchen, das ſie auf's Zärtlichſie liebte; aber jeden Abend ſah man ſie längs dem Ufer des Fluſſes wandeln, wo ſie Den gerettet hatte, der beſtimmt war, zu gleich ihr Opfer und der Zerſtörer ihres Glückes zu werden.

Ihr Mann hatte ſich nach einiger Zeit wieder zum Heere begeben, um den neuen Feldzug mitzumachen, und hatte ſeine Frau und ſeine kleine Tochter in Richard's