Ausgabe 
15.2.1854
 
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Lieber Vater! denke lieber an die wunderbare Weiſe, auf welche Du gerettet worden biſt!

Und üͤberdem, ſetzte Jacques hinzu,hatteſt Du gar keinen Aulaß zur Rache, Vater! Herr Ponceau, der mich an Kindesſtadt angenommen, ließ weit und breit nach Dir fragen, um Dir ein anderes Schiff anzuvertrauen, denn er ſah ein, daß er Dich ungerecht und in einem Augenblicke blinden Zornes entlaſſen. Dieß zu ſühnen und um Dir zu beweiſen, wie leid das ihm thue, übertrug er mir den Befehl über die Jeune Sophie, ſobald ich das Alter und die noͤthigen Kenntniſſe erlangt hatte, welche ein ſolches Vertrauen rechtfertigten!

Was geſchehen iſt, iſt geſchehen! rief der alte Sandeau.Ich bin nun ein Strandräuber. Ich habe zefrevelt und bin herb dafür geſtraft worden. Jacques, zimm Deine Schweſter Madeleine mit Dir; ich ſehe wohl, ſaß dieſes Leben nicht für ſie paßt. Was mich anlangt, ſo bleibe ich hier und will, wenn ich wieder geneſe, hier m Dorfe Krämer werden!....

Nicht doch, Vater! Du mußſt mit uns kommen! erwiderte Jacques;Du und Madeleine und ich werden doch wohl noch irgendwo ein ſtilles Plätzchen finden, wo Niemand unſere Vergangenheit kennt und wo wir ſelber uns bemühen wollen, ſie zu vergeſſen. Ich habe mir ſchon genug verdient, um unſer Auskommen zu ſichern.

Und Ihre Frau, Jacques? fragte die junge Dame, die ſeither noch nicht geſprochen hatte.

Sie koͤnnen mir nun nicht mehr ihre Hand reichen, zeonie, Sie ſind zu gut, zu edel für den Sohn eines Strandräubers!

Höre, Jacques! hub nun der Schiffsarzt an, weder Du noch Madeleine habt irgend ein Recht oder eine Pflicht, für die Vergehen Eures Vaters zu büßen. Ich habe die Bekanntſchaft Deiner Schweſter in der Pen on meiner Tante zu St. Omer gemacht, ich verliebte nich in ſie, gewann ihre Gegenliebe, und erhielt, ehe ich neine erſte Seereiſe antrat, das Geſtändniß derſelben und den Verlobungsring, und nun iſt die Zeit da, wo ich meine Rechte auf ſie geltend mache!

Was ſagſt Du dazu, Madeleine? fragte Jacques ernſt.

Ich kann niemals einen Maunn heirathen, den ich allzuſehr liebe, als daß ich es über mich gewinnen könnte, Schande auf ſeinen Namen zu häufen!

Abſcheulichkeit und Verworfenheit ein; aber ich kann we nigſtens einen Theil des geſchehenen Unrechts wieder gut machen. Höret mich an. Entweder zeiget mir, daß Ihr dem Zuge Eurer Herzen folget, und ſeid glücklich; dann gehe ich mit Euch, wohin Ihr wellt, denn Ihr habt dann Eurem Vater vergeben! Oder aber, Ihr weigert Euch deſſen, und dann bleibe ich hier und was ich war ein- für allemal ein Strandräuber! Nun wählet ſelbſt!

Madeleine erfaßte die Hand des jungen Arztes, die er ihr dargeboten hatte, und Leonie Eduard's Schweſter, welche dieſer aus den Kolonieen zurückgeholt, wo ihre Eltern geſtorben waren, fiel dem wackern jungen Ka⸗ pitän um den Hals und ſchwur mit der Leidenſchaftlichkeit der Creolinnen, ſie laſſe nicht mehr von ihm. Der alte Mann ſchloß die Augen und ſprach die ganze Nacht kein Wort mehr.

Am folgenden Tage wurden Fuhrwerke aus einer benachbarten Stadt herbeigeſchafft, und die Mannſchaft der Jeune Sophie und die Paſſagiere reiſten ab. Das Wrack des Schiffes lag noch auf der Klippe, und der größte Theil der Ladung ward geborgen. Die wiederver einigten Freunde und Verwandten blieben in Montreaux, um Pierre Sandeau's Geneſung abzuwarten, außer Jacques, welchen ſeine Pflicht nach Havre gerufen hatte, um den Schiffseigenthümern die nöthige Meldung zu machen und Schritte zur Bergung der Ladung und des Wracks einzuleiten. In zehn Tagen kehrte er zurück, und nun war der alte Sandeau ſo weit geneſen, daß man ihn fortſchaffen konnte. Jetzt verließ die ganze Familie Montreaux, deſſen Bewohner ſich ſeit jener Sturmnacht nicht wieder eingefunden, ſondern vermuthlich aus Furcht vor Strafe zerſtreut hatten.

Die Familie überſiedelte nach Havre, wo der alte Sandeau noch eine runde Summe Geld als Erſparniſſe aus ſeiner früheren Laufbahn als Kapitän bei einem Bankier ſtehen hatte. Dieſe im Verein mit den Erſpar niſſen von Jacques reichten hin, um ein beſcheidenes Haus zu kaufen und einzurichten und beiden jungen Paaren ein Heimweſen zu liefern. Eduard ließ ſich als Wundarzt in Havre nieder, und ſein Schwager Jacques trat als jün gerer Theilhaber in das achtbare Handlungshaus Ponceau, deſſen Schiffe er bisher zur großen Zufriedenheit ſeiner Prinzipale geführt hatte, und Allen erging es von nun an ganz gut. Der alte überlebte ſeine Wunden

Sandeau

Du haſt Recht, Madeleine! Du biſt ein edles nicht lange! Gewiſſensbiſſe und Lebensüberdruß unter Weſen! verſetzte der Kapitan. gruben ſeine, von den erhaltenen Wunden ſchon ſehr ge

Meine Kinder! rief der Alte mit einem tiefen ſchwächte Geſundheit ſo ſehr, daß er ſeinen geiſtigen Leiden Seufzer.Ich ſehe mein Verbrechen nun in all ſeiner bald erlag. 5

von* C2 1 n 1 1 * laß den ſich aumeld

ſenten ausge

Bekammmachungen

hoͤrden.

5 Legitimation zu begrunden, als

intwortet werden wird.

Januar 1854

Iriedberg den 28

Nach⸗ Main⸗Weſer⸗Eiſenbahn.

Erömteref

uſt der bekannten

N NN Edictalla dung. 4169) Die Erben des Anton Kitz II. zu Nie- derrosbach, baben den Nachlaß unter der Rechts- nvohlthat des Inventars angetreten. Anſprüche jeder Art an denſelben find deßbalb im Termin Dienſtag den 28. Februar d. J., Morgens 10 Ubr, dahier anzuzeigen, gegenfalls ſie bei Regulirung

des Nachlaſſes nicht beachtet werden.

Friedberg den 28. Januar 1854. Großberzogl. Landgericht Dr. Irle.

Edictalla dung. 6170) Erb- oder ſonſtige Anſprüche an den geiſteskrank im Hoſpital Hofheim verſtorbenen Philipp Conrad Joſt von hier ſind ſogewiß bis

Mittwoch den 8. März d. J. hier geltend zu machen und unter gehoͤriger

Gr. Heſſ. Landgericht Hofmann. Immobiliar-Verſteigerung. (130 Freitag den 17. März l. J., Morgens um 11 Ubr, werden nachſtehende Immobilien des bieſigen Bürgers und Schneidermeiſters Martin Schnaid in hieſigem Rathhauſe meiſt

bietend verſteigert, als:

Pag. 34 Nr. 204 Hofraithe, beſtebend in einem balben Wobhnhauſe und ei⸗ nem halben Stall,

124 11 39,3 Klafter- 20 Ruthen

Garten in der 3. Zins der Stadtkirche 3 kr. Heller. Friedberg den 28. Januar 1854. g In Auftrag Gr. Heſſ. Landgerichts: r Vorſteher des Großh. Bender.

Gewann.

d

Ortsgerichts

Die Bekanntmachung der dingungen er⸗ ſolgt i ine, man bemerkt jedoch, daß dem Ueber der Backſteinlieferung das zur Fabri⸗ cation erforderliche Gelände zunächſt der Bahn

überwieſen werden kann. Gießen am 8. Februar 1854 Der Großb. Sektions-Ingenieur Eickemeper.

Acker verpachtung. (2040 Die Abtheilung des fiscaliſchen GrundſtücksAcker im Leimenkautenfeld an der Taubenrainsbobl in Ockſtadter ſebr nabe der Friedberger Gemarkung zwiſchen der Ockſtadter Hohl und der nach Oberrosbach ziehenden Pro⸗