Ausgabe 
7.1.1854
 
Einzelbild herunterladen

V

5 6.

die eigentliche Seereiſe beinahe für beendigt erklären konnte. Dieß war für die Kajütenpaſſagiere ein großer Troſt, weit großer als die Freude der Landbewohner gewohnlich iſt, wenn ſie dem Einerlei und Langeweile des Aufent- halts an Bord entgehen dürfen. Es mußte ſich nämlich Jeder von den Paſſagieren einem Zwang unterworfen fühlen, der ansnehmend widerwärtig war. Der Kapitän führte bei Tiſche mit froſtiger Höflichkeu den Vorſitz; die Unterhaltung, wenn man das duͤrftige Geſpräch uberhaupt als ſolche bezeichnen konnte, beſchränkte ſich meiſt nur auf einſilbige Fragen und Antworten; und wir waren am Ende Alle recht herzlich froh, daß wir unſer letztes Mit⸗ tagsbrod an Bord desNeptun eingenommen hatten. Als wir die Morant⸗Spitze umſchifften, waren alle Paſſa giere außer mir im Bette, und eine Viertelſtunde ſpäter ging auch Kapitän Starkey hinunter, und beſchaftigte ſich, wie ich hernach erfuhr, in ſeiner Kajüte mit dem Ordnen von Papieren. Ich fur meinen Theil war zu aufgeregt, um zu ſchlafen, und ging noch lange mit Hawkins, dem Oberbootsmann, der eben die Wache hatte, auf dem Ver⸗ deck auf und nieder, und beobachtete aufmerkſam die Lichter an dem mir wohlbekannten Küſtenſtrich, welchen ich vor etwa Jahresfriſt mit ſehr geringer Hoffnung auf ein Wiederſehen verlaſſen hatte. Wie ich ſo landeinwärts ſchaute, ſchoß ein breiter Glaſt wie von rothem Mond⸗ licht über die dunkle See hin, und als ich mich raſch um wandte, ſah ich, daß der Widerſchein von einer hohen Flammenſäule herrührte, welche aus der, durch zwei Ma⸗ troſen aus irgend welchem Grunde theilweiſe geoͤffneten Hauptlucke emporſchoß. In meinem noch immer ſchwachen Zuſtande betäubte mich der Schreck dieſes Anblicks denn die Erinnerung an die vielen äſſer Schießpulver, die wir an Bord hatten, fuhr mir im Nu durch den Kopf einige Augenblicke ſo vollkommen, daß ich ſicher uber Bord geſtürzt wäre, wenn ich mich nicht noch inſtinktmäßig an den Wewelingen gehalten hätte. Ein wilder Schrei Feuer! Feuer! der entſetzlichſte Ruf, den man zur See hören kann mengte ſich in das wirre ſchwindelnde Summen und Ziſchen in meinem Kopfe, und erhohte noch das Schwinden meiner Beſinnung, und ich war kaum noch im Stande, unter dem Hin- und Herrennen und Durcheinanderſchreien der Mannſchaft die ſehnige, athle⸗ tiſche Geſtalt des Kapitäns von der Kajütentreppe auf's Verdeck ſpringen zu ſehen. Durch das Sprachrohr gebot er augenblicklich Stille, dann folgte der Befehl, die Haupt⸗ lucke zu verſchließen, damit das Feuer nicht mehr herauſ ſchlage. Dieß geſchah unverweilt, unter perſönlicher Mit⸗ wirkung des Kapitäns, und dieſer verſchwand nun unter das Vorderdeck. Die zwei oder drei Minuten, die er ausblieb, dünkten uns eine Ewigkeit, und es ſchien ſo all⸗ gemein anerkannt zu werden, daß unſer Schickſal nur von ſeiner Beſonnenheit und Thatkraft abhängig war, daß nicht Ein Wort geſprochen, nicht Ein Finger eher gerührt wurde, als bis er wieder auf dem Verdeck erſchien, bereits geſchwärzt und verbrannt von der Flamme und einen Gegenſtand im Arme ſchleppend, der einer Leiche glich. Er warf ſeine Laſt auf's Verdeck, kam dann raſch auf Hawkins und mich zu, und flüſterte mir leiſe und eilig in's Ohr:Geh' hinunter, Ned, und wecke die Paſſa⸗ giere; und Ihr, Mr. Hawkins, bringt mir meine Piſtolen aus der Kommode der Kajüte mit! Aber hurtig! Leben oder Tod hängt vom Verluſt einer Minute ab!, Dann kehrte er ſich zu den beſtürzten aber aufmerkſamen Ma⸗ troſen und ſagte:Ihr wißt wohl, Mannen, daß ich Euch bei keiner Gelegenheit und aus keinerlei Anlaß täuſchen möchte. Darum hört mich aufmerkſam an! Jenes be ſoffene Vieh dort, der Diener des Lieutenant Arguellas,

hat mit ſeinem Lichte den Branntwein angezündet, den er ſtehlen wollte, und der Raum iſt nun mit einer ſolchen Maſſe Feuer angefüllt, daß es rein vergeblicher Zeitver⸗ luſt wäre, auch nur einen koſtbaren Augenblick an einen Löſchungsverſuch zu verſchwenden!

Die Bemannung ſtieß einen einſtimmigen Schrei des Schreckens und der Wuth aus und Alle ſprangen inſtinkt⸗ maßig nach den Booten, allein die gebietende Stimme des Kapiräns hemmte ſogleich ihren Schritt.Wollt Ihr mich wohl zu Ende hoͤren? rief er.Uebereilung und Beſtürzung wird uns Alle verderben, aber mit Muth und Beharrlichkeit kann noch jedes Menſchenleben an Bord gerettet werden, bevor die Flammen das Pulver erreichen. Darum erinnert Euch! ſetzte er mit erhöhter Stimme hinzu, und ſpannte den Hahn der beiden Piſtolen, die ihm Hawkins eingehändigt hatte,daß ich einem Jeden unter Euch, der meinem Befehl nicht Folge leiſtet, eine Kugel nachſchicke, und Ihr wißt, daß ich ſelten mein Ziel verfehle. Und nun an Eure Arbeit ſtandhaft und be⸗ ſonnen und mit gutem Willen!

Es war merkwürdig, den Einfluß zu beobachten, welchen das kühne, beſonnene, muthige und befehlsge⸗ wohnte Betragen und die Sprache des Kapitäns auf die Mannſchaft ausübte. Der paniſche Schrecken, der ſie an⸗ fangs ergriffen, ſchien einer thatkräftigen Entſchloſſenheit gewichen zu ſein, und in unglaublich kurzer Zeit waren die Boote im Waſſer.Recht ſo, meine wackern Jun⸗ gen! rief Starkey.Ich wiederhol's, wir haben noch Zeit genug. Vier von Euch, und er benannte ſie, bleiben bei mir. Drei Andere ſpringen in jedes der großen Boote, zwei in das kleine, und bringen ſie unter die Landſeite des Schiffes. Ein heftiges Andringen oder unnütze Haſt würde die Boote ſinken machen, und wir werden nun im Stande ſein, wenigſtens Eine Fallreeps⸗ treppe frei zu haben!

(Fortſetzung folgt.)

. Die Steinkohle und das Mikroſkop.

Schon oft hat man die Verſteinerungen die Denk⸗ münzen der Schöpfung genannt. Sie ſind fuͤr den Forſcher der Erdgeſchichte vollkommen Das, was dem For- ſcher der Menſchengeſchichte alte Münzen und Monumente ſind. Beide leſen daraus die Geſchichte vergangener Zeiten; nur reichen die Urkunden der Erdgeſchichte weiter zurück als die der Menſchengeſchichte. Aus vergleichenden Unter ſuchungen über den Abküblungsproceß unſers einſt feuer⸗ fluſſig geweſenen Erdballs wird es glaublich, duß ſeit Bil⸗ dung der Steinkohlenſchichten acht Millionen Jahre verfloſſen ſeien.

So bezeichnet Roßmäßler(Die Verſteinerungen, Leipzig 1853) an ſich treffend die Bedeutung jener merk⸗ würdigen Ueberreſte von Pflanzen und Thieren, die wir in der Erde bisweilen in großer Menge antreffen. Doch wird es dem Naturforſcher dabei oft ergehen wie dem Geſchicht⸗ forſcher, der aus einigen Worten, die er auf einem alten Denkmale findet, oder aus einer Figur, die das Gepräge einer alten Münze bildet, ein ganzes Stuͤck Geſchichte irgend eines längſt untergegangenen Volks herleiten will. Mancher wird doch ungläubig den Kopf ſchütteln ob der kühnen Schlüſſe.

Für den Eingeweihten verſchwinden allerdings zuweilen die Zweifel, die beim erſten Blicke Laien mißtrauiſch machen; dem Naturforſcher dürfte es gewöhnlich leichter gelingen, ſeine Zweifler zu überzeugen, da er ſeine Beweiſe gewoͤhn⸗ lich ſehen laſſen kann. Sind z. B. die Steinkohlenlager wirklich verſunkene Wälder? Daß die Steinkohlen brennen, iſt kein Beweis, denn es gibt mancherlei brennbare Körper. Haben ſie doch mit der Holzkohle kaum etwas Weiteres als

elben 0 Bek alu

öffentlich mei Friedberg

N

Der 8

0 de (9 daa mittags 10 U die zum Nac rath Feriſch nämlich:

Gemat Pag. 262 Nr.