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raſchung ſicher ſein!“ Damit nahm er Dupont am Arme und Beide wollten ſich entfernen. Gleichzeitig trat Mr. Desmond, der Aelteſte der drei Amerikaner, auf Kapitän Starkey zu, der ſeine Faſſung wieder gewonnen hatte und mit verſchränkten Armen am Tiſche ſtund, und ſagte zu ihm:»Ich bin in derlei Dingen nicht ganz unerfahren, guter Sir, und wenn ich Ihnen jetzt dienen kann....“
„Ich danke Ihnen, Mr. Desmond, aber ich werde Ihres Freundſchaftsdienſtes nicht bedürfen, erwiderte der engliſche Kapitän.„Sie moͤgen ebenfalls hier bleiben, Lieutenant Arguellas! Ich bin kein Raufbold und werde mich nicht mit Mr. Dupont ſchlagen!“ a
„Was ſagt er?“ rief der Lieutenant und ſah ſich erſtaunt im Kreiſe um,—»er will ſich nicht ſchlagen?-
Ich bemerkte, daß in dieſem Augenblick das angel— ſäͤchſiſche Blut in den Adern der Amerikaner ebenſo heiß aufwallte, wie in den meinigen, als wir Einen unſeres Stammes ſo das Haſenpanier ergreifen ſahen.„Wie? Sie werden ſich nicht ſchlagen, Kapitän Starkey?“ fragte Mr. Desmond mit ſehr bedeutſamem Ernſte nach einer peinlich⸗langen Pauſe.„Das erklären Sie, deſſen Namen in der Liſte der koͤniglich großbritanniſchen Kriegsflotte läuft? Sie müſſen wahrlich ſpaſſen?“ 5
„Ich rede vollkommen im Ernſte— ich bin aus Grundſatz ein Gegner des Zweikampfs!“
„Aus Grundſatz eine Memmel“ rief Mr. Dupont mit giftigem Hohn und drohte dem Engländer mit der ge— ballten Fauſt. a 2
Das verächtliche Schimpfwort machte den Kapitän zuſammenbeben wie ein Schlangenbiß; ein Blitz wilder Leidenſchaft ſchoß aus ſeinen dunkeln Augen und er machte einen Schritt gegen Dupont hin, bemeiſterte ſich aber ge⸗ waltſam und ſagte mit mühſam erzielter Ruhe:„Jenun, ich muß es hinnehmen. Es war Unrecht von mir, Sie thätlich zu kränken, obſchon Ihre Unverſchämtheit eine Rüge verdiente. Allein ich wiederhole es nochmals, ich werde mich nicht mit Ihnen ſchlagen!“
„Sie müſſen aber meinem Freunde Genugthuung geben!“ rief Lieutenant Arguellas, der ebenſo ſehr er⸗ grimmt war wie Dupont;„wo nicht, ſo werde ich Sie nicht nur auf dieſer Inſel, ſondern auch auf Jamaica oͤffentlich für den feigſten Schuft erklaren!“ g
Statt aller Antwort auf dieſe Drohung rührte Ka— pitän Starkey kaltblütig die auf dem Tiſche ſtehende Klingel, und hieß die eintretende Sclavin die Senora Arguellas benachrichtigen, daß er ſich verabſchieden und die Dame vom Hauſe noch einmal ſprechen wolle. 2
„Sieh nur, Alfonſo!“ rief Dupont mit hoͤhniſchem Triumph,„der tapfere Engländer will ſich unter den Schutz der Unterröcke Deiner Tante begeben
„Ich muß zwar bezweifeln, ob Mr. Starkey ein Engländer iſt,“ rief Mr. Desmond, der nicht minder in Harniſch gerathen war, als die beiden Freunde;„allein da meine Eltern wenigſtens unzweifelhaft in der alten Heimath geboren und erzogen worden waren, ſo bitte ich mir aus, daß Sie ſich nicht herausnehmen, meine Lands— leute als Volk....“
Da Senora Arguellas in dieſem Augenblicke zu uns trat, ſo bezwang ſich Mr. Desmond nur mit großer Muͤhe; die Dame ſchien ſehr betroffen über dem ſeltſamen
Ausſehen der Geſellſchaft, die ſie juͤngſt erſt verlaſſen hatte, führte aber den Kapitän auf deſſen Bitte in's Haus, und ließ die ubrigen Gäſte ihres Hauſes wie an— gewurzelt ſtehen.
Zehn Minuten ſpäter erfuhren wir, Starkey habe das Haus verlaſſen, nachdem er der Senora Arguellas noch mit aller Beſtimmmtheit aufgegeben, uns zu melden, daß der„Neptun“ am nächſten Morgen um neun Uhr unfehlbar unter Segel gehen werde. Dieſe Nachricht rief einen neuen Streit und in deſſen Gefolge einen Strom von bittern Worten des Grolls, der Verachtung und des Trotzes unter den Zurückgebliebenen hervor, und einmal ſchien ein Duell zwiſchen Lieutenant Arguellas und Mr. Desmond unvermeidlich, da der letztgenannte Herr große Luſt an den Tag legte, den Einen oder den Andern zur Sühne und Rechtfertigung ſeiner eigenen angelſächſiſchen Abkunft in die Ewigkeit zu ſpediren. Der Zank wurde übrigens beigelegt, und die Geſellſchaft trennte ſich ſehr verſtimmt.
Am nächſten Morgen waren wir Alle zur anbe⸗ raumten Zeit an Bord. Kapitän Starkey empfing uns mit höflicher Gleichgültigkeit, und ich bemerkte, daß der gefliſſentliche verachtliche Hohn, welchen Dupont und der Lieutenant in ihren Geſichtern zur Schau trugen, den Kapitän nicht im Mindeſten unmuthig machten oder über— haupt afficirten. Als aber Dona Antonia mit abge— wandtem Blick und verächtlicher Miene an ihm vorüber— ging, wie ſie mit Senora Arguellas in die Kajüte trat, und im Vorübergehen ihre Mantille feſter anzog, als wollte ſie(denn ſo deutete ich mir, vielleicht mit Unrecht, ihre Bewegung) ſich nicht durch die Berührung mit einem Feigling beſchmutzeu, da ſtieg ihm das Blut in's Geſicht, und ich ſah ihn zuſammenbeben. Allein dieſer Ausdruck von Schmerz war ein ſehr flüchtiger, und nach wenigen Minuten waren des Kapitäns Züge wieder ſo ernſt und kalt wie zuvor. Es zeigte ſich aber bald, daß er der gegen ihn zu Tage gelegten Geringſchätzung eine gewiſſe Grenze gezogen. Dupont trat nämlich auf ihn zu und gab ſeinen Gedanken lauten Ausdruck, indem er, hörbar genug für einige Matroſen der Bemannung, die in der Nähe ſtanden, das Wort„Lache!“ ausſprach und dabei dem Kapitän feſt in's Geſicht ſah. Er wäre an Starken vorübergegangen, allein dieſer hielt ihn wie mit eiſernem Griffe feſt, drehte ihn wieder um und ſagte:„Ecoutez. Monsieur! mir perſönlich iſt es ganz gleichgültig, was Sie von mir denken und ſagen; allein ich bin auf dieſem Schiffe Kapitän und Regierender, und werde Niemanden erlauben, mich vor der Mannſchaft zu höhnen und dadurch meine Autorität über dieſelbe zu verringern. Erdreiſten Sie ſich noch einmal, mir ſo zu begegnen, ſo ſperre ich Sie in einſame Haft, wo nicht gar in Eiſen, bis wir in Jamaica ankommen!“ Damit ſchob er ſeinen ſehr betre— tenen Zuhörer von ſich, und ging nach dem Vordertheile des Schiffs. Die Paſſagiere, Farbige ſowohl als Weiße, waren Alle an Bord; der bereits gelichtete Anker wurde heimgebracht, der Bug des Schiffes drehte ſich langſam, und binnen wenigen Minuten liefen wir vor einem leichten Winde aus und ſegelten der Morant-Spitze zu.
(Fortſetzung folgt.)
Bekanmmachungen von Be⸗ dem Soumiſſionswege vergeben werden. Die . Bedingungen können 3 Tage vorher auf dem Geſchäftszummer des Unterzeichneten eingeſehen Die Soumiſſionen müſſen ſchriftlich, ſowie mit der Aufſchrift e „Brodlieſerung betreffend“ verſehen, langſtens Das Großh. Heſſ. Bergamt Dorbeim bis zu dem oben bemerkten Termine an unter— zeichnete Behoͤrde abgegeben werden, indem
hoͤrden. SNN NMNN NN Bekanntmachung. (10 Freitag den 6. Januar 1854, Vor⸗ mittags 10 Uhr, ſoll der Brodbedarf der Dor— heimer Bergknappſchaft bis Oſtern 1854 auf
werden. verſiegelt und frei,
ſpäter einlaufende nicht berückſichtigt werden. Die Eroffnung derſelben erfolgt in Gegenwart der etwa erſchienenen Soumittenten. Dorbeimer Bergwerk den 28. Dezember 1853.
Jäger, Gr. Bergmeiſter.


