2 E
etzte war meine Wenigkeit, damals noch ein ſehr junger Mensch und kaum erſt von einem heftigen Krankheitsan⸗ fall geneſen, welcher ein Jahr zuvor mich zu einer Ueber⸗ ſiedelung von Jamaica nach dem Klima von Cuba ge⸗ nöthigt hatte, welches milder und gleichmäßiger iſt, obwohl die beiden Inſeln nur etwa funf Grade von einander ent⸗ fernt ſind. Ich gehörte ebenfalls zu Kapitän Starkey's Paſſagieren, und ſo auch Senor Arguellas, der einige Geſchaͤfte in Kingſton abzumachen hatte. Der Letztere reiſte im Geleite ſeiner Gattin Senora Arguellas, ſeiner Tochter Antonia, des jungen Lieutenants und des Senor Dupont. Der„Neptun“ hatte eine reiche Ladung von verſchiedenen engliſchen Waaren, Kattunen, Eiſen- und Stahlwaaren u. ſ. w. nach Cuba gebracht, und kehrte nun nur etwa mit halber Ladung an Waaren zurück. Unter dieſen befanden ſich und gehörten den amerikaniſchen Kaufleuten, eine Anzahl Fäßchen mit Schießpulver, wel⸗ ches die Eigenthümer in Cuba nicht hatten verkaufen können, und für das ſie nun in Jamaica eher einen be⸗ friedigenden Markt zu finden hofften. Da Kapitän Star⸗ key's Fahrzeug trefflichen Kajütenraum bot und das wun— derſchöne Wetter eine ebenſo angenehme als kurze Fahrt verſprach— der Wind hatte nach Nordweſten umge— ſchlagen und ſchien ſich eine Zeitlang auf dieſem Striche halten zu wollen,— ſo waren wir Alle, wie ich ſchon erwähnt, in ausnehmend heiterer Stimmung, und plau— derten über die beabſichtigte Fahrt, über cubaniſche, ame— rikaniſche und europäiſche Politik, ſtritten uns über den vergleichsweiſen Vorzug der franzöſiſchen und ſpaniſchen Weine, der Havana- und Alabama-Cigarren und Aehn⸗ liches, mit unbeſchreiblicher Lebhaftigkeit und Luſtigkeit.
Ueberdieß war der Abend koͤſtlich klar und prachtvoll. Der Abendwind war am Lande gerade nur ſtark genug, die reiche und duftende Vegetation der ſich vor uns aus— dehnenden herrlichen Thäler in Bewegung zu ſetzen, ſachte die wein⸗erhitzten Geſichter der Geſellſchaft mit den Wohl— gerüchen zu fächeln, womit die Atmoſphäre geſchwängert war, und die Waſſer der krümmungsreichen Flüßchen und Bäche zu kräuſeln, welche die Inſel nach allen Richtungen hin durchſchneiden und bewäſſern, und auf deren Wellen nun in magiſchem Glanze die Spiegelbilder jener Myria— den prächtig⸗leuchtender Sterne zitterten, welche eine helle Nacht an Cuba's Himmel zieren. Beinahe alle Gäſte hatten ziemlich viel Wein getrunken, ja beinahe zu viel; allein die Unterhaltung, welche in franzöſiſcher Sprache geführt wurde, die beinahe alle Anweſenden ziemlich fertig ſprachen, entweihte die ſtille Glorie dieſer Nacht nicht eher, als bis uns Senora Arguellas mit ihrer Tochter ſchon eine Zeitlang verlaſſen hatte. Ich hätte ſchon früher melden ſollen, daß der Hausherr durch Geſchäfte in der Stadt zurückgehalten worden war, welche er vor ſeiner Abreiſe nach Jamaica nothwendig noch hatte ordnen müſſen. — Der Abſchied, welchen die Damen von unſerm Kapitän genommen, mochte die erſte Anregung zu der Scene ge— geben haben, welche ſpäter erfolgte. Senora Arguellas batte nämlich, als ſie ſich zum Weggehen anſchickte, zu Kapitän Starkey geſagt:„Verlaſſen Sie gefälligſt unſer Haus nicht, bevor ich Sie noch einmal geſprochen. Wenn Sie einen Augenblick frei haben, ſo belieben Sie nur die Tiſchglocke zu rühren, und eine Dienerin wird mir's dann melden. Ich wünſchte ſehr, wegen der Kajüten-Einrich— tungen noch Einiges mit Ihnen zu beſprechen!“— Ka⸗ pitän Starkey verbeugte ſich gehorſam; Antonia lächelte ihm ſo freundlich zu, wie ich es bisher noch niemals an ihr bemerkt zu haben wähnte, und die beiden Damen ver⸗ ließen die Verandah.
Ich erinnere mich nicht mehr genau, wie es kam
oder was zuerſt darauf fuͤhrte, allein wir Alle bemerkten
binnen Kurzem, daß die Unterhaltung einen ſehr wider⸗ wärtigen Ton angeſchlagen und eine unbehagliche Wen⸗ dung genommen hatte. Mir war, als habe etwa Senor Dupont ſich einigermaßen gekränkt gefühlt von dem allzu— freundlichen Ausdruck in Antonia's Zügen, als ſie ſich von Starkey verabſchiedete; wenigſtens möchte ich mich über⸗ reden, daß alle nachherigen Widerwärtigkeiten offenbar aus dieſer Urſache entſprangen. Der Kommandant des „Neptun, hatte ſich nämlich bereit erklärt, mehrere Fa— milien freier Neger nach Jamaica hinüber zu nehmen, wo die Dienſte der Männer, die für ſehr geſchickte Arbeiter auf Zuckerrohr-Pflanzungen galten, zu weit höherem Lohn verdingt worden waren, als ſie auf Cuba hätten bekom— men koͤnnen, wo dieſe Arbeiten meiſt von Sclaven beſorgt werden. Die amerikaniſchen Herren hatten ſich ſchon zu— vor mißbilligend über dieſe Anordnung ausgeſprochen, und wurden nun in der That faſt allzu freigebig mit Stiche— leien und Spottreden auf Kapitän Starkey's Neger⸗ Grundſätze, wie ſie ſcherzweiſe die ſehr gemäßigte Vin— diction der Rechte und Anſprüche der farbigen Menſchheit als der von Brüdern nach Leib und Seele gegenüber von der weißen Bevölkerung nannten. Dieß würde aber meiner Anſicht nach vielleicht unbemerkt vorübergegangen ſein, hätte nicht der Kapitän unglücklicherweiſe und ſehr zur Unzeit erwähnt, daß er früher als Seekadett(midship- man) an Bord des engliſchen Kreuzergeſchwaders zur Unterdrückung des Sclavenhandels gedient habe. Dieß fachte bei Senor Dupont den unter der Aſche glimmenden Unmuth zur hellen Flamme an, und ich entnahm aus ſeinen halblauten Verwünſchungen, daß er durch die pflicht— treuen Dienſte dieſes Geſchwaders auch ſchon materielle Verluſte erlitten habe. Ein Sturm zorniger Worte brach aus und leidenſchaftliche Reden des Unmuths flogen hin und her, denn die Motive der Engländer, dem Sclaven— handel zu ſteuern, wurden von der einen Seite mit ebenſo viel verächtlicher Bitterkeit heruntergeſetzt, als auf der andern Seite warm und mit Hartnäckigkeit vertheidigt. Endlich— ich darf es zur Steuer der Wahrheit nicht unerwähnt laſſen, daß Beide allzuſehr von Wein und Leidenſchaft aufgeregt waren, um noch recht zu wiſſen, was ſie ſagten oder thaten,— ließ ſich Dupont beigehen, der Königin von England ein ehrenrühriges Beiwort zu geben, worauf ihm augenblicklich Kapitän Starkey ein Weinglas ſammt Inhalt in's Geſicht warf. Im Nu waren alle Anweſenden aufgeſprungen, und durch dieſen verhäng— nißvollen Ausgang des Wortwechſels ſo ziemlich oder ganz nüchtern geworden.
Kapitän Starkey ſchien ſich zuerſt zu faſſen; ſein zorniges weingeröthetes Geſicht war augenblicklich ganz blaß geworden, und er ſtammelte:„Ich bitte Sie um Verzeihung, Monſieur Dupont. Es war Unrecht, ſehr Unrecht von mir, Ihnen ſo zu begegnen, obwohl meine Handlungsweiſe in Ihrer Aeußerung einige Entſchuldigung finden wird!“
„Verzeihung? Mille tonnerres!“ rief Dupont, der in einer Ekſtaſe von Wuth herumſprang und ſich mit dem Taſchentuch das Geſicht abwiſchte.—„Ja, eine Kugel vor die Stirn ſoll Ihnen Verzeihung geben,— ſonſt Nichts!“
In der That erſchien nach den damaligen Begriffen von Ehre, wie ſie unter der gebildeten Welt von Cuba im Schwange gingen, zur Beilegung des Sreites keine andere Alternative möglich als ein Duell. Lieutenant Arguellas eilte alsbald in's Haus und kehrte ſogleich wie— der mit einem Piſtolenkäſtchen unter dem Arme zurück. „Laſſen Sie uns ſogleich in jenes Wäldchen gehen!“ ſagte er leiſe und drängend;„dort werden wir vor jeder Ueber—
mit giftige ballten Fa Das zuſamment Leidenſchaf einen Scht waltſam u ich muß ei thätlich zu Ruge verk werde mit „Si geben!“ grimmt w nicht nur
pitän St Klingel, Arguellas die Dame
„Si Triumph, Schutz der
„Ich Ergländer Hamiſch da neine Hein 9 mir uus, leute dg
Da trat, ſo


