Ausgabe 
1.3.1854
 
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eig,

Intelligenz-Blatt

loch 1

22

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M17.

Mittwoch den 1. März

1854.

Amtlicher Theil.

Das Großherzoglich Heſſiſche 8 1 a N Kreisamt Friedberg an die Gr. Bürgermeiſter, den Polizeicommiſſär zu Wickſtadt und die Gensdarmerie des Kreiſes. Betreffend: Gefundene Effecten in dem Niederweiſeler Wald. Die nachſtehend verzeichneten Effecten wurden am 22. d. M. im Walde auf der ſog. Hochweiſeler Straße gefunden. Da der Eigenthümer derſelben unbekannt iſt, ſo gebe ich Ihnen auf, die zur Erforſchung deſſelben geeignete Schritte zu thun und den etwaigen Erfolg anzuzeigen 1) Vier Paar weiße baumwollene Strümpfe mit S. S. Nro. 12 bezeichnet. 2) Zwei Päckchen weißbaumwollenes Garn. 3) Ein Päckchen blaues und weißes desgleichen. 4) Zwei desgleichen. 5) Ein weißes desgleichen. 6) Ein Strang und Klingel graues Garn. 7) Zwei Stränge braunwollenes desgleichen 8) Ein Strang rothes Sayetgarn. 9) Ein Päckchen blau baumwollenes desgleichen.

10) Ein Päckchen Schnur und Litzkortel. 11) Sechs weiße Halstücher, zwei davon ſind mit S. S.

Nro. 6 gezeichnet. Sieben Paar Handſchuhe verſchiedener Farbe. Zehn Stück Band verſchiedener Farbe. 14) Fünf Stück Porträtrahmen und ein Porträt. Einen Geldbeutel von Perlen und eine Nadelbüchſe, beide leer. Einen Lappen von Wollenmoufſlin. Eine braune hölzerne Gabel und ein desgl. Eßlöffel. Friedberg den 24. Februar 1854. Ne.

Der Kleiderſchrank. Humoreske

(Fortſetzung.)

Damit pflegte dieſer würdige Mann, welcher dieſes tben citirte Sebſtgeſpräch geführt hatte, alle ſeine Reden ju ſchließen, denn Herr Samuel Benſen war nicht zur Trödler und Pfänderleiher, ſondern auch ein erleuch teter Mann Gottes, welcher die Armenbüchſe ſeiner Mucker

brüder fuhrte, Conventikel und Betſtunden hielt, und den Verein für die Miſſion unter den Heiden und Juden pra⸗ ſidirte. Es war heute Sonnabend, wo manchmal noch irgend eine lockere Haut oder eine arme Frau am ſpäten Abend kamen, um eine Uhr oder irgend ein anderes Stück ihrer Habſeligkeiten zu verpfänden, um Geld für den Sonntag zu haben, und darum war der fromme Mann noch in ſeiner Trödelbude zu ſehen.

Das Anſchlagen der Glocke an der äußern Thür des Ladens weckte ihn aus ſeinen erbaulichen Betrachtungen, und ehe er noch von ſeinem hohen Dreibeinſtuhle herunter⸗ gekrochen war, um dem ſpäten Beſucher entgegenzugehen, ſtand der junge Mann in dem Macintoſh-Kragen, welchen wir in jeuem Oberſtübchen der goldenen Taube getroffen haben, ſchon vor ihm.

Guten Abend, mein lieber Freund! womit kann ich Ihnen ſo ſpät noch dienen? hub der Pfänderleiher in ſauftem, ſingendem, gedehntem Tone an.

aIch bin froh, daß Ihr Lädchen noch nicht geſchloſſen iſt; ich möchte ein kleines Geſchäft mit Ihnen abſchließen, verſetzte der junge Mann lebhaft.

Sie wollen vielleicht Ihre Uhr verpfänden? fragte Benſen und nahm ein bedrucktes Blättchen grauen Pa⸗ piers, einen Verſatzſchein, vom Pulte.

Nicht doch, ich kann mir nicht ſchmeicheln, Beſſtzer eines ſolchen Kleinods zu ſein, ſagte der ſpäte Beſucher. Ich mochte Ihnen vielmehr etwas abkaufen. Als ich heute an dem Laden vorüberging, ſah ich hier ein Stück Moͤbel, welches ich gebrauchen könnte, einen ſchmalen niedrigen

Schrank von Eichenholz, wenn ich nicht irre, und mit Schubladen darin, ſehen Sie, jenen dort, am Fuße

der Treppe.

Ein hübſches Kleiderſchränkchen vom ſchoͤnſten Eichen holze! ſagte Benſen freundlich.Ein ganz ſchoͤnes bel! ſolide Arbeit, gutes Schloß, noch ganz wie neu. Ich hatte es oft verkaufen koͤnnen; aber

ſchon es ſoll an Je- mand kommen, der ſich auf dieſe Arbeit verſteht.

Schon das Holz davon iſt ſein ſchönes Stück Geld werth, ohne Schloß und Bänder und abgeſehen von den bequemen Schubladen. Ich habe den Schrank erſt vor zehn Tagen um ſchweres Geld erſteigert aus der Verlaſſenſchaft des Cantor Holzwarth in Giſtenwalde, in deſſen Familie er ſich ſeit undenklichen Zeiten fortgeerbt haben ſoll! Ein Prachtſtück von einem Möbel, und ſpottwohlfeil für 8 ½ Thaler!.

Ich verſtehe mich nicht auf derlei Dinge, ſagte der junge Mann,aber ich habe eine alte Muhme hier in